Netzwirtschaft

Google & Twitter, Microsoft & Facebook: die Allianzen der Datensammler

Die Suchmaschinen werden sozial. Google und Microsofts Suchmaschine Bing wetteifern darum, ihre Suchergebnisse mit Informationen aus sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co zu verbessern. Ihre These: Inhalte, die Freunde auf Facebook schon gut fanden oder Follower auf Twitter verbreitet haben, sollen die Suchresultate relevanter für den einzelnen Nutzer machen. Noch streiten die Fachleute, ob die Suchergebnisse tatsächlich besser werden. Absehbar ist aber jetzt schon: Diese Allianz der größten Datensammler im Web wird noch mehr Daten über die Nutzer anhäufen und in ihrer Kombination noch bessere Profile ergeben. Das hilft, die Werbung besser auf die Interessen zuzuschneiden, kann das Unbehagen der Datenschutzkritiker aber auch weiter erhöhen.

Vor allem Microsoft wittert seine Chance, dem großen Rivalen Google endlich ein Stück Marktanteil abringen zu können. Der Grund liegt in einer eigentlich winzigen Beteiligung von 1,6 Prozent an Facebook, für die Microsoft damals 240 Millionen Dollar gezahlt hat. Angesichts der vielen Hundert Millionen Dollar Verlust, die Microsoft in jedem Quartal im Internet anhäuft, könnte die damalige Investition heute Gold wert sein. Denn sie verschafft Microsoft den Zugang zu Facebook, der Google verwehrt ist.

Microsofts Suchmaschine Bing zeigt in der amerikanischen Variante an, welche Facebook-Freunde bei einem gezeigten Inhalt bereits auf den „Like”-Button geklickt haben. Was die Freunde gut fanden, könnte auch für den Suchenden passend sein. Die Kombination Bing/Facebook soll zudem den elektronischen Handel ankurbeln. „80 Prozent der Menschen, die ein Produkt im Netz anschauen, kaufen es nicht, bevor sie sich nicht den Rat anderer Menschen dazu geholt haben. Mit einem Klick können nun Produkte bei Facebook eingestellt werden, um die Freunde dort um Rat zu fragen”, sagt Bing-Direktor Stefan Weitz. Damit bekommt Facebook zusätzliche Informationen über die Suchgewohnheiten seiner Nutzer und spielt dem sozialen Netzwerk damit weitere Daten über seine 600 Millionen Nutzer in die Hände. Die Informationen werden zwar nicht dauerhaft gespeichert, vervollständigen aber das beinahe schon perfekte Bild, das Facebook über seine Nutzer hat. Haupteinsatzfeld wird Werbung sein.

Die Integration geht noch weiter: Bing hat einen „universellen Like-Button” entwickelt, der in der Bing-Leiste im Browser erscheint. Der Nutzer kann also auch Internetseiten „liken”, die gar keinen Like-Button integriert haben. Und das vielleicht aus gutem Grund, denn über den Like-Button kann Facebook mitlesen, welche Internetseiten seine Nutzer besuchen. Wer in seinem Browser die Facebook-Seite geöffnet hat und in einem anderen Browser-Fenster andere Internetseiten besucht, die den Like-Button integriert haben, sendet die Information über den Besuch automatisch an Facebook – egal, ob der Button angeklickt wird.

Auch Google bemüht sich nach Kräften, seine Suche um soziale Komponenten aufzubessern. Das Unternehmen hat schon 2009 die „personalisierte Suche” für alle Nutzer eingeschaltet. Klickt ein Nutzer besonders häufig auf eine Seite, wird diese Quelle bei künftigen Suchen prominenter gezeigt. Ein Google-Konto ist dafür nicht notwendig; Google spielt dem Nutzer einfach ein Cookie auf die Festplatte, das ihn bei seinem nächsten Besuch der Suchmaschine wiedererkennt. Jeder Nutzer, dessen Browser die kleinen Datenpakete nicht abweist, bekommt also schon seit zwei Jahren individuelle Suchergebnisse. Nun geht Google einen Schritt weiter: „Social Search” zeigt bald auch in Deutschland die Präferenzen der Freunde oder Follower in den sozialen Netzwerken an. Eine Suche nach einem Ausflugsziel könnte künftig neben allgemeinen Informationen auch die Bilderstrecke in dem Fotodienst Flickr anzeigen, die ein Freund im vergangenen Jahr nach diesem Ausflug hochgeladen hat. „Eine Online-Rezension eines Films kann nützlich sein; eine Rezension vom besten Freund aber noch viel nützlicher”, sieht Google als Vorteil seines „Social Circle”, den der Konkurrent Facebook jüngst mit einer verdeckten PR-Kampagne anprangern wollte.

Die Suchmaschine geht dabei aber weit über die Vorlieben des Freundes hinaus, den Google im internen Adressbuch des Nutzers findet. Zum Beispiel werden relevante Beiträge der Menschen aufgezeigt, denen ein Nutzer auf Twitter folgt – was Tausende sein können. Und Google nutzt sogenannte sekundäre Verbindungen, also Inhalte von Freunden der Freunde, soweit deren Informationen öffentlich im Internet stehen. Auch der neu entwickelte Bewertungsdienst „+1″, mit dem Nutzer Suchergebnisse als gut klassifizieren können, fließt in den Suchalgorithmus ein.

Google zeigt jedem Nutzer in seinem Profil genau an, welche direkten und indirekten Verbindungen zu anderen Menschen erfasst werden. Die „Likes” der Facebook-Nutzer werden dort nicht aufgeführt – was an der herzlichen Feindschaft der beiden Unternehmen liegt. In der Suche sind nur die öffentlich zugänglichen Facebook-Seiten integriert.

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