Netzwirtschaft

Wettrüsten der Wohnungsvermittler – "Am Geld wird es nicht scheitern"

Nach dem Gutscheinportal Groupon gibt es jetzt die nächste heiße Nummer im Internet: private Wohnungsvermittlung. Das Original heißt Airbnb und kommt aus San Francisco. Dort können Menschen Ferienwohnungen oder auch ihre privaten Wohnungen für ein paar Tage oder Wochen vermieten und dabei hoffen, andere interessante Menschen kennenzulernen. „1,9 Millionen Wohnungen haben wir bereits vermittelt”, sagte der Mitgründer Nathan Blecharczyk (Foto) der FAZ.

Airbnb ist schon drei Jahre alt, aber erst 2010 ist das Geschäft auf Touren gekommen. „Wir haben unseren Umsatz im vergangenen Jahr um 800 Prozent erhöht. In diesem Jahr legen wir Monat für Monat um 40 Prozent zu”, sagte Blecharczyk. In 148 Ländern sei das Unternehmen inzwischen präsent. Aber erst in diesem Jahr haben die deutschen Gründer gemerkt, dass sich das Modell zu kopieren lohnt. Stephan Uhrenbacher versucht es nun mit dem Unternehmen 9flats und die Samwer-Brüder haben Wimdu an den Start gebracht.

Alle drei Unternehmen sind gerade mit vielen Millionen Dollar und Euro Kapital ausgestattet worden und drücken vor allem in Europa aufs Tempo. „Europa ist ein Riesenmarkt, da hier sehr viel gereist wird”, sagt Christian Leybold (Foto) vom Risikokapitalgeber BV Capital, der in 9flats investiert hat. Auch Airbnb hat angesichts der neuen Konkurrenten das Tempo in Europa erhöht und soeben ein Büro in Hamburg eröffnet. „Wir planen mit zunächst 30 Mitarbeitern in Deutschland. Aber meistens erfüllen wir unsere Pläne schneller als gedacht”, sagte Blecharczyk.

Der Wettbewerb zwischen den drei Unternehmen wird inzwischen mit harten Bandagen geführt. In einer E-Mail an die Community-Mitglieder warnte Airbnb jüngst vor den „Attacken der Klone” und warf den Samwer-Brüdern Betrug vor, weil sie ihren Mitgliedern vorgegaukelt haben sollen, im Auftrag von Airbnb zu arbeiten, in Wahrheit aber nur abwerben wollten.

Das Kalkül der Klone ist meist die Hoffnung, vom Marktführer aufgekauft zu werden. Davor stehen aber erst einmal Investitionen. Leybold hat zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Redpoint gerade in 9flats investiert. „Wir sind bereit, noch mehr Geld zu investieren. Am Geld wird es nicht scheitern”, sagt Leybold, denn gerade haben die Samwers verlautet, gemeinsam mit Kinnevik 90 Millionen Dollar in Wimdu zu stecken. Allerdings sind sowohl die Samwers als auch Kinnevik Altinvestoren und in einer Mitteilung spricht Kinnevik auch nur von 25 Millionen Euro Investitionsvolumen.

Im Wettstreit der drei Anbieter gehören Übernahmen zum Geschäft. Aber ob Airbnb einen der beiden Europäer übernimmt oder die Europäer sich zusammentun, ist noch nicht absehbar. „Im Moment tut sich nichts, aber in einigen Monaten kann die Situation ganz anders aussehen”, sagt Leybold. Denkbar ist auch eine Übernahme von außen. Seine Sorge liegt eher in einer Überhitzung des jungen Marktes, wenn die Unternehmen zu heftig um die „Hosts” buhlen, die ihre Wohnungen zu Verfügung stellen. „Wenn der Markt zu aggressiv angegangen wird, kann man das Modell auch verbrennen”, warnt Leybold. 

Fotos: Airbnb, Holger Schmidt

_______________________________________________________________________________

                 

Die mobile Version verlassen