Netzwirtschaft

Google+ ist erst der Anfang

Google+ wird der erste große Erfolg des neuen Google-Vorstandschefs Larry Page. 20 Millionen Nutzer – davon rund 700 000 in Deutschland – hat das neue Google-Netzwerk in nur wenigen Wochen gewonnen und ist damit weit schneller populär geworden als Facebook oder Twitter. „Eric Schmidt hat Google+ gestartet, aber erst Larry Page hat dem Projekt wirklich Priorität gegeben”, schob Vic Gundotra, als Vizepräsident für das Thema „Social” zuständig, die Lorbeeren dafür brav seinem neuen Chef zu. (Siehe Video)

Mehr als ein Jahr hat Google an dem Projekt gearbeitet und vor allem zwei Dinge richtig gut gemacht: erstens die kinderleichte Einteilung der Freunde, Bekannten oder Geschäftspartner in „Circles”, die Nutzern eine einfache Kontrolle erlaubt, dass nur die Freunde die Urlaubsbilder sehen und der Chef eben nicht. Der zweite Vorteil besteht in der komfortablen Möglichkeit zur Videotelefonie mit einem oder gleich mehreren Kontakten, was Google „Hangout” nennt. „Hangouts gehören zu den populärsten Funktionen”, sagte Google-Manager Bradley Horowitz. Insgesamt sei Google hocherfreut über die Wiederkehrquote der Nutzer, was aber auch an der bislang sehr technik-affinen Nutzerschaft liegen kann, die umgehend Abgesänge auf Facebook, Twitter, Linkedin und Xing angestimmt hat. Noch zeigen die Proportionen ein anderes Ergebnis: Facebook hat 90-mal mehr Verkehr auf seiner Seite und Twitter 23-mal mehr.


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Dennoch: Google hat den sozialen Netzwerken den Fehdehandschuh hingeworfen und spielt nun seinen größten Vorteil aus: eine vielfach größere Zahl an Software-Ingenieuren an Bord zu haben, die nach dem erfolgreichen Einstieg in den Markt das Innovationstempo hochhalten werden. „Wir haben viele neue Funktionen in der Pipeline”, sagte Horowitz. Dazu gehören auch die Geschäftsprofile, die Google bisher gelöscht hat und sich damit den ersten ernsthaften Ärger der Nutzer eingehandelt hat.

Keine Aussagen hat Google bisher zum Geschäftsmodell gemacht. Noch ist Google+ werbefrei, doch im Hintergrund wird das Unternehmen fleißig Daten sammeln, welche Menschen miteinander in Kontakt stehen und für welche Themen sie sich interessieren. Diese „Signale” aus dem sozialen Internet haben Google bisher gefehlt, um die Werbung noch besser an den persönlichen Interessen auszurichten. „Man bekommt ein Appartement im Google+ Land. Der Preis dafür: der richtige Name, E-Mails und eine Liste der Freunde in Kategorien”, sagt Mick Jones, der Vorstandschef des gerade von Facebook überrollten Netzwerks Myspace. Bisher hat Google schon analysiert, nach welchen Begriffen die Nutzer hinter den Bildschirmen suchen, was in ihren E-Mails steht und wo sie sich mit ihrem Android-Handy aufhalten, sofern die Ortungsfunktion eingeschaltet ist.

Künftig weiß Google den richtigen Namen der Nutzer, kennt ihre Freunde, welche Inhalte sie im Netz verbreiten und die Art der Kommentare. Diese Informationen hat bisher weitgehend Facebook gesammelt und für sein eigenes Werbesystem verwendet, was Google mächtig geärgert hat. Google+ liefert die perfekte Ergänzung der Datenbanken, um das Werbesystem für die Suchmaschine, die grafische Werbung und die Anzeigen auf den Android-Handys zu verbessern. „Die zeigen Werbung nur, wenn sie relevant ist”, sagte Gundotra. Was für die Nutzer relevant ist, weiß Google nun noch ein Stückchen besser.

Kaum ist Google+ gestartet, peilt Page offenbar schon das nächste große Projekt an: Spiele. Auf Facebook haben Spiele wie Farmville oder Cityville in kürzester Zeit bis zu 100 Millionen Menschen begeistert und ihrem Entwickler Zynga eine Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar zum Börsengang eingebracht. Das Geschäft will Google nicht an sich vorbeiziehen lassen. Nach Branchengerüchten will das Unternehmen schon bald Spiele in Google+ integrieren.

Um die Spieleentwickler anzulocken, könnte Google einen kleineren Anteil an den Einnahmen der Entwickler für sich reklamieren und damit sowohl Facebook als auch Apple die guten Entwickler streitig machen. Nach einem Bericht des Technik-Blogs „AllThingsD” könnte Google die Spiele in seinen eigenen Rechenzentren speichern und damit die Spielqualität wegen der geringen Ladezeiten erhöhen. Dass Google großes Interesse am Spielemarkt hat, ist nicht mehr zu leugnen. Auf der Liste der Unternehmen, die an Zynga beteiligt sind, steht ein Namen ganz oben: Google.

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