Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Eine ganze Industrie findet keine Antwort auf Apple

| 20 Lesermeinungen

Der Niedergang von Nokia hat sich im zweiten Quartal spürbar beschleunigt, und der Blackberry-Hersteller RIM findet keinen Halt. Auch die meisten Computerhersteller leiden. Der Grund hat in allen Fällen nur einen Namen: Apple.

Die Welt der Computer ist in Bewegung wie lange nicht. Ob es sich um moderne Smartphones, Tabletcomputer oder die klassischen Rechner unter den Schreibtischen handelt – selten zuvor haben sich Gewichte und Marktanteile so schnell verschoben, sind aus Gewinnern quasi über Nacht Verlierer geworden. Selten zuvor hat es aber ein Unternehmen wie Apple gegeben, das für eine solche tektonische Plattenverschiebung in gleich mehreren Hardware-Märkten allein verantwortlich war. Gemessen am Anteil an den verkauften Geräten liegt der Apfel-Konzern jetzt auf Platz 1 in der Smartphone-Welt, auf Rang 2 in der Computer-Welt und belegt Rang 4 in der Handy-Welt. Noch demütigender für die Konkurrenz: Apple hat im zweiten Quartal zwar nur 5,6 Prozent aller Handys verkauft, aber damit 66 Prozent der Gewinne aller Handyproduzenten erzielt.

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Das Unternehmen von Steve Jobs hat maßgeblichen Anteil daran, dass im finnischen Espoo ein wahrscheinlich ratloser Nokia-Chef Stephen Elop sitzt, der den jähen Niedergang des einst unangefochtenen Marktführers bisher nicht stoppen konnte. Im Gegenteil: Der Absturz hat sich im zweiten Quartal spürbar beschleunigt, denn der Marktanteil der Finnen in der lukrativen Smartphone-Sparte ist um 9 Prozentpunkte gegenüber dem 1. Quartal auf nur noch 15 Prozent gesunken, hat das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics gemessen. In den Quartalen zuvor hatte das Unternehmen, das diese internetfähigen Handys einst erfunden und vor vier Jahren noch zwei Drittel des Marktes beherrschte, jeweils „nur“ 5 Prozentpunkte verloren. „Die große Geschichte ist, dass es einen klaren, nichtsaisonalen Rückgang in der Performance von Nokia und RIM gab“, sagt Horace Dediu vom Marktforschungsunternehmen Asymco. Nokias Niedergang habe sich derart beschleunigt, dass Apple und Samsung an den Finnen vorbeigezogen seien. HTC werde im kommenden Quartal wahrscheinlich RIM überholen und vielleicht sogar auch gleich Nokia. „Es ist sehr klar, dass das Blackberry-Betriebssystem und die Nokia-Plattform Symbian zu einer Last geworden sind“, sagt Dediu. Sein Fazit: Die Zeit der Vielfalt auf dem Smartphone-Markt ist vorbei. Künftig teilen sich Apple und die Android-Fraktion, zu der Samsung und HTC gehören, den Markt auf.

Bleibt Nokias Fallgeschwindigkeit so hoch, wird das Unternehmen zum Jahresende auf dem Smartphone-Markt faktisch keine Rolle mehr spielen. Dann könnten die neuen Geräte mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 7 fast schon zu spät kommen, zumal Microsoft mit seinem Betriebssystem auch im zweiten Quartal keine nennenswerten Marktanteile gewonnen hat. Für beide Konzerne schwindet die Hoffnung, mit den beiden tonangebenden Unternehmen Apple und Google (als Produzent des marktführenden Betriebssystem Android) mithalten zu können. Doch es ist nicht nur Apple allein, das Nokia in den Abgrund zieht. Auch Samsung oder HTC, die primär auf das Google-Betriebssystem Android setzen, haben ihre Anteile in den vergangenen zwölf Monaten kräftig ausgebaut.

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Für Nokia kann es nur ein schwacher Trost sein, dass Apple auch im Computergeschäft den Markt von hinten aufrollt. Innerhalb eines Jahres hat das Unternehmen die Konkurrenten Dell und Lenovo überholt und weist jetzt den zweitgrößten Marktanteil auf. Der Erfolg ist vorwiegend dem iPad zu verdanken, mit dem Apple rund drei Viertel des schnell wachsenden Tabletmarktes beherrscht. Der Anteil der Tabletcomputer am gesamten Computermarkt ist in den vergangenen zwölf Monaten von 4 auf 14 Prozent gestiegen – und das Potential scheint noch lange nicht ausgeschöpft zu sein. Wurden im vergangenen Jahr knapp 18 Millionen Tabletcomputer verkauft, könnten es nach Schätzung von Maynard UM von der Schweizer Bank UBS in diesem Jahr schon 60 Millionen und im kommenden Jahr sogar 90 Millionen sein. Davon sollen 53 Millionen auf Apple entfallen, während der zweitgrößte Anbieter Samsung nur 7 Millionen Geräte absetzen kann. „Alle Android-Tablets von Herstellern wie Samsung, Acer, Asus, Motorola oder andere haben im zweiten Quartal zwar einen Marktanteil von 30 Prozent erreicht. Aber keiner dieser Hersteller hat bisher ein Blockbuster-Gerät auf den Markt gebracht, das mit dem iPad mithalten kann“, sagt Neil Mawston von Strategy Analytics. Andere Betriebssysteme, zum Beispiel von Research in Motion (RIM) oder das WebOS von Hewlett-Packard, scheinen auch im Tabletmarkt gegen Apple und Android keinen Stich zu bekommen – zumal sich die App-Entwickler auf Apple und Android konzentrieren und damit die Attraktivität dieser Systeme stetig steigern. Nach Schätzungen von UBS-Analyst Um wird Apple auch im kommenden Jahr den Tabletmarkt mit mehr als 50 Prozent Marktanteil beherrschen. Mit Spannung wird erwartet, ob der Online-Händler Amazon seinen angekündigten Tabletcomputer zu einem echten iPad-Rivalen ausbauen kann. Die Messlatte liegt aber hoch, denn schon im Herbst könnte Apple das iPad 3 auf den Markt bringen, das wohl mit dem vom iPhone 4 bekannten Retina-Display bestückt sein wird. Für den Herbst wird auch schon das iPhone 5 erwartet, das im Smartphone-Markt einen neuen Standard setzen könnte.

Treiber der Änderungen ist die Verlagerung der Computerleistung von stationären auf mobile Geräte. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Accenture surfen inzwischen 28 Prozent der Deutschen mobil im Internet – gegenüber dem vergangenen Jahr ein Anstieg um 11 Prozentpunkte, was sieben Millionen Menschen entspricht, die relativ gleichmäßig verteilt in allen Altersgruppen zu finden sind. Auch die Intensität der Nutzung ist in den vergangenen zwölf Monaten kräftig gestiegen: 58 Prozent der mobilen Surfer sind täglich im Netz unterwegs, hat Accenture mit einer Befragung von mehr als 4000 Verbrauchern im deutschsprachigen Raum herausgefunden.

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Die häufigsten Anwendungen sind E-Mails, Wetterinformationen, Wegbeschreibungen, Nachrichten und die Suche nach Reiseverbindungen. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Während bei den jungen Menschen zwischen 14 und 19 Jahren die sozialen Netzwerke am häufigsten mobil genutzt werden, dominiert bei den Älteren die E-Mail. Diese Nutzer setzen auch viel häufiger Nachrichten-Apps ein als die Jungen. Der Schwerpunkt des App-Einsatzes liegt auf privaten Feldern. Geschäftsanwendungen werden dagegen kaum genutzt, haben die Accenture-Marktforscher erfahren. Ähnlich ist die Aufteilung bei den Tabletcomputern, die ebenfalls vorwiegend für private Zwecke eingesetzt werden.

Das mobile Internet schafft neue Möglichkeiten für die Werbung, die den aktuellen Aufenthaltsort berücksichtigt. Allerdings lehnt die Mehrheit der Nutzer Werbung auf ihrem Smartphone strikt ab. Sonderangebote von Geschäften oder Restaurants in der Nähe finden allerdings eine deutlich größere Akzeptanz. Viele Start-ups entwickeln gerade Geschäftsmodelle, um mit mobilen Anwendungen mehr Kunden zum stationären Handel zu lotsen. „Wir sind Freunde des Handels“, sagt Georg von Waldenfels, dessen Unternehmen Loxideals Gutscheine für Lebensmittel und Drogerieprodukte digitalisiert.

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20 Lesermeinungen

  1. <p>Microsoft und Konsorten...
    Microsoft und Konsorten haben schon noch Chancen. Die Smartphones sind so leistungsfähig geworden, daß sie den Notebook ersetzen könnten, auch am Arbeitsplatz. Dazu brauchen sie entsprechende Dockingmöglichkeiten, und vor allem ein passendes System, das das normale Windows ersetzt. Android ist es bisher eher nicht und müßte sich noch erheblich entwickeln. Ein freier Konkurrent oder eben Windows Mobile hätten bessere Möglichkeiten.
    Das geschlossene Apple-System kommt außerhalb des Lifestyle-Segments kaum in Frage.

  2. @Anton & Björn:
    Immer schön...

    @Anton & Björn:
    Immer schön das eigene Android-Phone verteidigen – nicht war ?
    (Nein ich habe kein Apple iPhone)

  3. Was der Artikelschreiber...
    Was der Artikelschreiber übersieht: Samsung ist stärker gewachsen und hat wohl in Summe von Handys und Smartphones den höheren Marktanteil. Wenn man weiterhin sieht, wie Android von Erfolg zu Erfolg eilt, ist die Frage doch: Was kann Apple entgegensetzen? Zum Billigheimer werden sie nicht verkommen wollen, obwohl das iPad2 schon fast massentauglich bepreist ist und deswegen eine Hürde für den Wettbewerb darstellt.
    Es ist m. E. nur eine Frage der Zeit, dass Unternehmen iOS nicht mehr unterstützen oder mit einem Aufpreis versehen, weil sie der Preispolitik von Apple nicht folgen wollen und hinreichend Potenzial bei den Androidnutzern sehen.

  4. <p>Das Nokia so rasant...
    Das Nokia so rasant Marktanteile verliert hat einen ganz einfachen Grund: Der neue CEO erklärt öffentlich Symbian für tot, obwohl noch alle „Nokia Neuheiten 2011“ mit Symbian laufen und Win7 Geräte erst in 2012 lieferbar sind.
    So was ist Dummheit ersten Grades – da kauft natürlich niemand mehr ein „totes Pferd“. Der Schritt zu Win7 ist vielleicht richtig, aber die hätten erst dann rumposaunen dürfen, wenn die Win7 Geräte fertig entwickelt und lieferbar sind – dann wäre der Marktanteilsverlust erheblich geringer ausgefallen.
    Man muß sich wundern dass die Aktionäre sich sowas gefallen lassen. Den Marktanteil zurück zu erobern wird sehr, sehr schwer sein für Nokia, wenn es überhaupt jemals gelingt…

  5. <p>@Herbert der vergleich mit...
    @Herbert der vergleich mit autoherstellern so oft und gern er gezogen wird ist im computermarkt äußerst trügerisch. könnten sie es sich irgendwie leisten würden sicher mindestens 2/3 der autokunden zu einem premiumprodukt greifen. das ist aber für die meisten absolut unerschwinglich. der preiunterschied zwischen einem apple produkt und seiner konkurrenz ist aber für die meisten die es wirklich wollen durchaus zu stemmen. auch sind viele android-geräte besonders bei den tabletts teurer als apple. ich prognostiziere eher ein weiteres wachstum von apple weil die meisten erstkäufer von androidgeräten mit diesen nicht wirklich glücklich wurden.
    es wird dringend zeit das apple ernsthafte konkurrenz bekommt.

  6. <p>@Marius</p>
    <p>Nein, nicht...

    @Marius
    Nein, nicht das eigene Androidphone verteidigen sondern über das Eiphone fluchen. Aber bald steige ich auf Android um und lasse mich von Apple nicht mehr gängeln!

  7. Im Grunde ist es ja so dass...
    Im Grunde ist es ja so dass momentan auf jedem Gerät irgendwie ein Android draufgebügelt wird. Damit erreicht man natürlich eine großen Marktanteil. Dass diese Ganze Geschichte dann aber den Markt fragmentiert ist scheinbar HTC & Co. egal.
    Apple ist hier ganz klar der Innovator und gibt den Ton an.

  8. <p>Sehr interessante...
    Sehr interessante Statistiken wurden hier gut kommentiert. Ich selbst möchte mein iPhone und iPad nicht mehr missen. Zu meinem alten, aber praktisch unkaputtbaren Nokia 3510 ist kein Vergleich mehr möglich. Gerade unterwegs gibt es wohl nichts Vergleichbares. Ich gehöre damit zur Smartphonefraktion.
    Doch in meinem Bekanntenkreis gibt es nach wie vor zahlreiche Menschen, die kein Smartphone wollen, weil sie die Funktionen einfach nicht nutzen. Sie nutzen beispielsweise auch ein iPhone 4 nur, um zu telefonieren. Auf dem Bau, wo doch mal etwas kaputtgehen kann, wird sich wohl auch kein teures Smartphone, sondern das günstigste Modell von Nokia findenlassen.
    Genau für diesen Markt wird Nokia, genau wie Sony Ericson wohl noch eine Weile gut sorgen können. Bedienung, Funktion und auch Aussehen dieser Geräte sind zwar nicht mehr state of the art, aber zumindest sind diese Geräte an jeder Ecke billig zu haben und dazu sehr robust gebaut.

  9. <p>Nokia hat einfach nicht das...
    Nokia hat einfach nicht das große Kundeninteresse an Smartphones erkannt, was Apple einen enormen Vorteil gebracht hat. Ich denke jedoch, dass Nokia noch die besten Chancen hat, den Marktanteil zu erhöhen, da man bereits heute erkennen kann, dass Hersteller wie HTC oder Motorola, Sony Ericsson etc. auch sehr gute Smartphones bauen können und somit Apple das iPhone-Monopol in Zukunft wohl nicht mehr wird halten können.

  10. Apple ist eine Mr....
    Apple ist eine Mr. Zerbrechlich Company. Wenn jeder Greti und Pleti mit einem Apple durch die Gegend ziehen werden die Fans wechseln. Apple verliert auf dem Weg zum Massenhersteller irgendwann seine Originalität. Bang Olufsen oder Porsche als Massenhersteller? Undenkbar, wo bleibt dann da die Dekadenz! Die Wettbewerber werden aufholen und Apple geht früher oder auch später wieder in die Nische der Fans zurück.

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