Netzwirtschaft

Napster-Gründer Fanning und Parker: Wiedervereinigung mit Tücken

Shawn Fanning und Sean Parker haben zusammen die Welt verändert. Im Jahr 1999 gründeten sie die Online-Tauschbörse Napster und schreckten damit die Musikindustrie auf. Napster erlaubte seinen Nutzern das gegenseitige Austauschen von Musikdateien – und wurde damit zur ersten großen Plattform, auf der für Medienhalte nichts mehr bezahlt werden musste. Napster wurde 2001 auf Betreiben der Musikindustrie geschlossen, seither sind aber immer neue Nachahmer aufgetaucht, und Online-Piraterie bleibt für die Unterhaltungsbranche bis heute ein Problem.

Die Gründer sind danach nicht in der Versenkung verschwunden. Besonders umtriebig war Sean Parker, der beim 2004 gegründeten sozialen Netzwerk Facebook in der Anfangszeit eine bedeutende Rolle spielte. Parker half Facebook-Mitgründer Mark Zuckerberg bei der Suche nach Investoren, fungierte bis 2005 als Präsident und hat noch immer Anteile am Unternehmen. Parker kam auch im Film „The Social Network” über die Gründungszeit von Facebook vor, er wurde von Justin Timberlake gespielt. In den vergangenen Jahren engagierte sich Parker unter anderem als Investor beim Musik-Abonnementdienst Spotify, wo er auch im Verwaltungsrat sitzt. Nebenbei ist er für opulente Parties bekannt, die oft Stoff für die Klatschspalten von Zeitungen liefern. Shawn Fanning war nach seiner Napster-Zeit Mitgründer mehrerer Unternehmen, darunter das zwei Jahre alte soziale Netzwerk Path.

In diesem Jahr haben sich Fanning und Parker, heute 31 und 32 Jahre alt, für ein neues Projekt zusammengetan. Sie riefen Airtime ins Leben, einen Online-Dienst für Video-Chats, der mit Facebook verknüpft ist. Zum Start der Seite im Juni ließen sie ihre Kontakte ins Showgeschäft spielen und rekrutierten Prominente wie den Schauspieler Jim Carrey und Rapper Snoop Dogg für eine Veranstaltung in New York. Airtime konnte auch bekannte Wagniskapitalgesellschaften und den Schauspieler Ashton Kutcher als Geldgeber gewinnen und bekam von ihnen mehr als 33 Millionen Dollar; eine üppige Finanzierung für ein Start-Up-Unternehmen.

Von anderen Videodiensten wie Skype oder Facetime von Apple will sich Airtime dadurch abheben, dass ein Schwerpunkt auf der Kommunikation mit Fremden liegt. Es geht darum, per Videochat neue Kontakte außerhalb des sozialen Umfelds zu finden, zum Beispiel auf Basis gemeinsamer Interessen. Sean Parker sagte der „New York Times” zum Start im Juni, er wolle Überraschungsmomente und Zufallsbekanntschaften ins Internet zurückbringen. Die derzeitige Art der Kommunikation in sozialen Netzwerken beschränke sich zu sehr auf schon vorhandene Kontakte. Airtime greift die Idee des Online-Dienstes Chatroulette auf, der vor zwei Jahren zwischenzeitlich populär war und ebenfalls auf Videochats mit Unbekannten setzte.

Rund vier Monate nach dem Start lässt der Durchbruch von Airtime aber auf sich warten. Nach Angaben des Branchendienstes „Appdata” hatte Airtime zuletzt rund 700 Nutzer am Tag und 10000 im Monat. In dieser Woche berichteten amerikanische Medien, dass Shawn Fanning sich schon wieder aus dem Management des Unternehmens zurückzieht und lediglich einen Sitz im Verwaltungsrat behält.

Sean Parker gibt noch nicht auf und versucht, die Anlaufschwierigkeiten kleinzureden. In einem Interview mit dem Technologieblog „All Things D” sagte er, die „größeren Ideen”  von Airtime würden erst noch kommen. Das Unternehmen werde Kommunikation „transformieren.”

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