Netzwirtschaft

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Die Digitalisierung erfasst immer mehr Lebensbereiche. Wie sie sich auf Menschen und Märkte auswirkt, beleuchtet das Netzwirtschaft-Blog auf FAZ.NET.

Aus dem Netz auf die Ohren: Immer mehr Menschen hören online Radio oder Musik

| 2 Lesermeinungen

60 Prozent der deutschen Internetnutzer hören online Radio und 49 Prozent nutzen Musikstreamingdienste. Damit liegt Deutschland unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union.

Die Auswahl ist schier unüberschaubar: 7860 Sender verzeichnet die Internetplattform radio.de, über die Nutzer Radioprogramme „streamen”, also in Echtzeit anhören können. Die Sender sitzen in Städten auf der ganzen Welt, vom dänischen Aalborg bis zum niederländischen Zutphen. Aber auch Live-Streams aus Madagaskar, Simbabwe, Neukaledonien und der Vatikanstadt finden sich über radio.de.

Dem riesigen Angebot steht nun offensichtlich auch in Deutschland eine wachsende Nachfrage gegenüber. So hat sich die Zahl der Online-Radiohörer in den vergangenen zwei Jahren mit einem Wachstum von 117 Prozent hierzulande mehr als verdoppelt. Allein in diesem Jahr lag der Zuwachs bei 60 Prozent. Das geht aus der repräsentativen Studie „Mediascope Europe” des Interactive Advertising Bureau hervor, deren Erhebung der Onlinevermarkterkreis des Bundesverband der Digitalen Wirtschaft veröffentlicht hat. Insgesamt nutzen demnach 32,46 Millionen Bundesbürger digitale Radioangebote, was einem Anteil von 60 Prozent unter den deutschen Internetnutzern entspricht. Damit liegt Deutschland leicht unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union, wo 67 Prozent der Internetnutzer auf Radioangebote im Netz zurückgreifen.

Der Umfrage zufolge sind Internetradioangebote unter Männern beliebter als unter Frauen. 66 Prozent der männlichen Internenutzer greifen darauf zu, während es bei den weiblichen 55 Prozent sind. Wenig überraschend hängt die Nutzungsintensität vom Alter ab: In der Gruppe der 16 bis 24 Jahre alten Internetnutzer liegt die Nutzungshäufigkeit noch bei 83 Prozent und sinkt dann mit steigendem Alter. Doch selbst unter Internetnutzern, die älter als 65 Jahre sind hören immerhin noch 42 Prozent online Radio. Ein ähnliches Muster ist auch bei den in Deutschland noch relativ neuen Musikstreamingdiensten zu erkennen – allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Der Untersuchung zufolge verwenden 49 Prozent der deutschen Internetnutzer Streaming-Dienste wie Spotify, Simfy oder Deezer. Das entspricht etwa 26,5 Millionen deutschen Nutzern.

In Europa beläuft sich der Anteil dagegen auf 66 Prozent, was unter anderem daran liegt, dass zum Beispiel ein Unternehmen wie die Simfy AG erst vor gut zwei Jahren in Deutschland startete. Auch der Wettbewerb durch internationale Anbieter hat erst in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen. So kam das französische Unternehmen Deezer im vergangenen Dezember auf den deutschen Markt. Und das Pendant Spotify Ltd. war zwar schon 2008 in Schweden gestartet und dann relativ schnell in andere Länder der Europäischen Union expandiert. Doch der Markteintritt hierzulande erfolgte erst im März dieses Jahres.


2 Lesermeinungen

  1. actinovator sagt:

    Zahlen Daten Fakten - was aber...
    Zahlen Daten Fakten – was aber sagen sie uns?
    Hier meine Thesen:
    1. Das Radio lebt!
    2. Internet und Radio ergänzen sich
    3. Global unterwegs lokal Radiohören oder lokal verwurzelt global Radiohören
    Meine Sender strahlen ihre Sendungen weltweit aus
    4. Mediengesetze an Staatsgrenzen gebunden sind etwas von gestern
    5. Umweltfreundlichkeit – Fehlanzeige, viele riesige Server liefern die Datenpakete
    6. Prima neue Kunden,
    im Internet kennt man den Hörer und kann ihm direkte Werbebotschaften senden
    7. …
    Nun ja was ist zu tun:
    – die Gefahr der Parallelgesellschaft verhindern,
    – Werbung ohne Gebietskontrolle verbieten,
    – die Inhalte der Sender nach Verfassungskonformität genehmigen
    und
    – GEMA Gebühren pauschal für alle und jeden Künstler einsammeln
    – Hörer arabischer, iranischer usw. Sender überwachen
    STOPP-Schilder aufstellen!?
    Das möchten sicher manche, aber es wird anders kommen, jeder wird zum Radiomoderator, jeder der es will.
    So wie wir heute Bloggen und kleine Journalisten und Meinungs- (oder Stimmungs-) macher geworden sind, bietet Technik und das Internet eine weitere Facette der Kommunikation mit Selbstdarstellungszügen.
    Wohlan wer hier sucht, der findet.

  2. Steffen sagt:

    Es ist doch so. Internetradio...
    Es ist doch so. Internetradio ist einfach praktisch. Eine Soundkarte hat quasi jeder Computer, ein paar kleine Lautsprecher kosten nicht die Welt und die Auswahl an Sendern ist im Internet einfach am größten. Allerdings muss man hier wohl noch zwischen echten Internetradio und Streamingdiensten wie Spotify unterscheiden. Letztere erscheinen mir bei der stationären Nutzung nicht ganz so interessant. Anders sieht es da evtl. bei der mobilen Nutzung aus. Interessant wird unter anderem sein, ob die Telekom mit ihrem neuen Tarif Special Complete Mobil Music (Kooperation mit Spotify) Erfolg haben wird. Potenzial hat der Ansatz sicher. Schließlich will man ja auch unterwegs Musik hören und der für das Streaming entstehende Traffic wird hier nicht vom im Tarif enthaltenen Datenvolumen abgezogen. Einzig der Preis erscheint mir einfach zu hoch.

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