Netzwirtschaft

Deutsche sehen “Big Data” zunehmend kritisch

Schlechte Nachrichten für Befürworter der unter dem Slogan “Big Data” zusammengefassten massenhaften Datensammlung und -auswertung: Seitdem Anfang Juni die Enthüllungen über Ausspähaktionen amerikanischer und britischer Geheimdienste  begonnen haben, sind die Deutschen der Datenanalyse gegenüber skeptischer geworden. Das geht aus dem “Sicherheitsreport 2013” hervor, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der T-Systems erhoben hat, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom.

Interessant sind dabei die Zeitpunkte der beiden Befragungswellen, bei der ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren Stellung nehmen konnte. Im Juni erhob das Institut für Demoskopie die ersten Umfragedaten, die zweite Welle der Befragung erfolgte im August, also mehr als zwei Monate nach Beginn der Enthüllungen durch Edward Snowden, den ehemaligen Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes National Security Agency.

Der Umfrage zufolge hat sich in dieser Zeit unter anderem  die Einstellung dazu verändert, dass Unternehmen Daten aus Internetforen massenhaft auswerten. Hielten es im Juni beispielsweise noch 57 Prozent der Deutschen für hilfreich, dass Pharmaunternehmen Beiträge in Diskussionsforen nutzen, um bislang unbekannte Nebenwirkungen von Medikamenten zu erkennen, waren es im August nur noch 50 Prozent. 49 Prozent lehnen es inzwischen ab.

Stärker besorgt die Befragten inzwischen, dass Unternehmen Beiträge in Internetforen nutzen, um die eigenen Produkte zu verbessern. Während im Juni eine knappe Minderheit von 49 Prozent diese Möglichkeit für schlecht befand, lehnen sie inzwischen 57 Prozent rundheraus ab.

Ebenfalls gestiegen ist die Ablehnungsquote für das Argument, dass es den Einkaufsprozess vereinfacht, wenn Unternehmen Kundendaten automatisch speichern. Im Juni lehnten 72 Prozent der Befragten diese These ab, im August waren es 78 Prozent. Unter den Mitgliedern sozialer Netzwerke sprachen sich 58 Prozent dagegen aus.

Gesunken ist dagegen der Vorteil, den die Befragten daraus ziehen, dass Unternehmen ihnen auf Grundlage von analysierten Kundendaten individuelle Empfehlungen machen können. Im Juni sahen 47 Prozent der Befragten darin einen Vorteil, im August nurmehr 39 Prozent.

In anderen Fragen zum Themenkomplex “Big Data” ist die Zustimmung dagegen relativ stabil geblieben. So sprachen sich im August 75 Prozent der Befragten dafür aus, dass staatliche Stellen Telefon- und Internetdaten auswerten, um Straftaten aufzuklären. Im Juni lag die Zustimmung bei 78 Prozent. Dass der Staat Daten analysiert, um beispielsweise den Bedarf an Kindergartenplätzen besser planen zu können, bewerteten im August 64 Prozent als positiv; im Juni waren es 74 Prozent.

Während Sorgen rund um die massenhafte Datenanalyse steigen, verzeichnen auch die deutschen Anbieter von E-Mail-Diensten nach eigenen Angaben einen verstärkten Zulauf seit Beginn des NSA-Skandals. Demnach hat der Anbieter Freenet 80 Prozent mehr Neuanmeldungen verzeichnet, beim Internetkonzern 1&1 und seinen Marken Web.de und GMX stieg die Nutzerstahl um einen sechstelligen Betrag, wie das Magazin “Spiegel” berichtete. Ob amerikanische Anbieter dagegen einen Rückgang der Nutzung verzeichnen, ist unklar.

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