Netzwirtschaft

Instagram: Näher an Snapchat und doch auf Distanz

Der zu Facebook gehörende Fotodienst Instagram wird privater, aber nicht vergänglicher – und grenzt sich damit deutlich vom zunehmend populären Wettbewerber Snapchat ab. Mitgründer Kevin Systrom stellte am Donnerstag in New York die neue Funktion „Instagram Direct“ vor, die es erlaubt, Fotos und Videos nur mit einem ausgewählten Kreis von Nutzern auszutauschen. Erwartungen, dass Instagram auch auf den Snapchat-Zug aufspringen und einen integrierten Selbstzerstörungsmechanismus anbieten würde, der ausgetauschte Fotos und Videos nach einigen Sekunden verschwinden lässt, erfüllten sich dagegen nicht. Im Gegenteil, Systrom ging klar auf Distanz zum Snapchat-Konzept der Kurzlebigkeit von Inhalten. So etwas möge zwar grundsätzlich einen Platz in der Welt haben, aber Instagram sei nun einmal am besten darin, Momente zu „archivieren“.

Diese Abgrenzung ist umso bemerkenswerter, weil Instagrams Muttergesellschaft Facebook offenbar großes Interesse an dem Ansatz von Snapchat hat. Erst vor wenigen Wochen berichteten amerikanische Medien, dass Facebook Snapchat für 3 Milliarden Dollar kaufen wollte, aber mit seinem Angebot abgeblitzt ist. Facebook hat außerdem schon vor einem Jahr eine Konkurrenzanwendung für Snapchat mit dem Namen „Poke“ herausgebracht, die aber auf enttäuschende Resonanz stieß. Snapchat wäre nicht zuletzt deshalb attraktiv gewesen, weil die Anwendung besonders bei Jugendlichen beliebt ist. Und Facebook hat bei der Vorlage seiner jüngsten Quartalszahlen zugegeben, dass jüngere Teenager das soziale Netzwerk nicht mehr so oft nutzen.

In anderer Hinsicht bewegt sich Instagram aber schon näher an Snapchat, denn nun ist auch das nicht-öffentliche Teilen von Fotos und Videos möglich. Das macht Instagram außerdem verstärkt zu einer Konkurrenz für die erfolgreiche Nachrichten-Applikation Whatsapp. Instagram-Nutzer können nun Fotos oder Videos entweder wie gewohnt für die Öffentlichkeit sichtbar machen oder über die neue „Direct“-Funktion nur an einen Kreis von bis zu 15 Personen schicken. Anders als etwa bei Whatsapp können die Nutzer nicht einfach nur eine Textnachricht versenden, sondern es muss immer ein Foto oder Video dabei sein. Die direkten Nachrichten bringen Instagram auch auf Kollisionskurs mit Twitter. Der Kurznachrichtendienst erlaubt ebenfalls das private Versenden von Nachrichten, seit dieser Woche können dabei auch Fotos verschickt werden.

Instagram wurde 2010 gegründet und im vergangenen Jahr für mehr als 700 Millionen Dollar an Facebook verkauft. Dass Instagram zu Facebook gehört, konnte man bei der Veranstaltung in New York fast vergessen, denn der Mutterkonzern spielte keine größere Rolle und wurde auch von Systrom kaum erwähnt.

Wie Systrom sagte, hat Instagram die Zahl seiner Nutzer seit Jahresanfang von 80 Millionen auf 150 Millionen gesteigert, und mehr als die Hälfte der Mitglieder nutze die Anwendung jeden Tag. Facebook hat knapp 1,2 Milliarden Nutzer. Erst kürzlich hat Instagram angefangen, Werbung zu zeigen und damit für Facebook Umsätze zu erzielen. Bislang hält sich die Zahl der Anzeigen aber noch in Grenzen. Systrom sagte, Instagram gehe absichtlich sehr behutsam vor und lege Wert darauf, dass die Anzeigen sich gut in das Umfeld auf Instagram einfügen. Er nannte die bisherigen Ergebnisse „ermutigend“ und sagte, Instagram wolle in naher Zukunft mehr Details zur Entwicklung des Werbegeschäfts nennen. Was die neue Funktion „Instagram Direct“ betrifft, sei es noch „viel zu früh“, um über Anzeigen nachzudenken.

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