Netzwirtschaft

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Golden Globes und Woody Allen: Amazon goes Hollywood

Für Jeff Bezos war es ein perfekter Abend: Nicht nur tummelte sich der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers am Sonntag bei der Verleihung der „Golden Globes“ inmitten von Hollywood-Superstars wie George Clooney und Meryl Streep. Bezos gehörte auch zu den großen Gewinnern. Die auf Amazons Online-Videodienst ausgestrahlte Serie „Transparent“ über einen transsexuellen Familienvater holte sich sensationell den Preis für die beste Fernsehkomödie des Jahres. Damit schlug Amazon den sonst regelmäßig mit Auszeichnungen überhäuften Bezahlsender HBO und seine Serien „Girls“ und „Silicon Valley“. Vielleicht noch bemerkenswerter: Auch die Online-Videothek Netflix, die wie Amazon den traditionellen Fernsehsendern das Leben schwer machen will, hatte mit ihrer Serie „Orange is the new black“ gegenüber „Transparent“ das Nachsehen. Dabei galt bislang in der Branche Netflix als heißester Kandidat unter den aufstrebenden Online-Diensten, einmal einen Preis für die beste Fernsehshow zu gewinnen. „Transparent“-Produzentin Jill Soloway erwähnte Bezos in ihrer Dankesrede, als sie sich den „Golden Globe“ abholte. Und Hauptdarsteller Jeffrey Tambor, der ebenfalls einen Preis gewann, nannte Amazon „meinen neuen besten Freund“. Für Amazon war der Abend wie ein Ritterschlag. Auf einmal ist das Unternehmen mit seiner Online-Plattform „Prime Instant Video“ eine Hollywood-Größe und wird in der Unterhaltungsindustrie ernst genommen.

Jetzt legt Amazon mit einem weiteren Coup nach: Das Unternehmen kündigte an, den Starregisseur Woody Allen für eine neue Fernsehserie rekrutiert zu haben. Amazon hat eine ganze Staffel von jeweils halbstündigen Shows bestellt, für die Allen das Drehbuch schreiben und Regie führen soll. Es ist die erste Fernsehserie für den 79 Jahre alten Allen, der vor allem als Regisseur von Kinofilmen wie „Der Stadtneurotiker“ oder „Midnight in Paris“ bekannt ist. Die Show soll im kommenden Jahr auf „Prime Instant Video“ in Amerika, Deutschland und Großbritannien zu sehen sein.

Der Doppelschlag von Amazon mit den „Golden Globes“ und dem Woody-Allen-Projekt unterstreicht, wie rasant sich die Fernsehlandschaft verändert. Neben den traditionellen Fernsehkanälen etablieren sich sogenannte Streaming-Dienste wie von Netflix oder Amazon, deren Kunden die Inhalte über das Internet abspielen, ob auf Fernsehern, Computern oder Smartphones. Diese Dienste bieten ihren Nutzern jederzeit und ohne das von Fernsehsendern gewohnte starre Programmkorsett Zugriff auf ihre Serien und Filme. Und sie haben zunehmend Ambitionen, eigene und exklusive Inhalte anzubieten, so wie Netflix es mit „House of Cards“ oder „Orange is the new black“ tut, oder eben Amazon mit „Transparent“. Die Shows muten wie traditionelle Fernsehserien an und werden bei Preisverleihungen auch so kategorisiert, sind aber teilweise nur online zu sehen.

Amazon verfolgt mit seinem Unterhaltungsangebot ein sehr eigenwilliges Geschäftsmodell. Der Videodienst wird mit dem Versandangebot „Prime“ verknüpft. Gegen eine jährliche Gebühr von 49 Euro (99 Dollar in Amerika) bekommen Prime-Kunden zum einen schnellen und kostenfreien Versand und zum anderen Zugang zur Film- und Fernsehbibliothek. Prime-Abonnenten sind für Amazon besonders wertvoll, denn sie geben im Schnitt mehr Geld auf der Seite aus als andere Kunden. Hinter den selbst produzierten Shows steckt das Kalkül, mehr Prime-Mitglieder zu gewinnen und somit diese bestellfreudige Klientel zu vergrößern. Die eigenen Fernsehshows sollen also dem gesamten Geschäft von Amazon zugute kommen.

Der Online-Händler hat seine Filmsparte Amazon Studios im Jahr 2010 ins Leben gerufen. Traditionell hat Amazon die Auswahl seiner Serien den Kunden überlassen. Einzelne Pilotfolgen wurden online gestellt, und Amazon entschied auf Basis der Reaktionen von Zuschauern, aus welchen Stoffen eine ganze Serie gemacht wird. Mit dem Woody-Allen-Projekt weicht Amazon zum ersten Mal von dieser Strategie ab und bestellt eine ganze Serie ohne Mitsprache seiner Kunden. Amazon lässt sich seine Shows mittlerweile viel Geld kosten. Im vergangenen Jahr sagte das Unternehmen, in einem einzigen Quartal 100 Millionen Dollar für eigene Inhalte ausgeben zu wollen. Amazon ist allgemein dafür bekannt, in der Hoffnung auf künftiges Wachstum viel Geld zu investieren und dafür auch Verluste in Kauf zu nehmen.

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