New Yorker Televisionen

Oscars

23:51

Statt eines Nachworts:

Zehn Minuten hat die Show länger gedauert als vorgesehen. Es hat sich sehr viel länger angefühlt. Vielleicht, weil das junge Glamourmoderatorenpaar so blass blieb. Vielleicht auch, weil es so gar keine Überraschung gab, weder bei den Preisen noch bei den Reden. Dabei war Hollywood doch einst bekannt für: suspense.

Guten morgen und gute Nacht.

 

 

23:33

Steven Spielberg ist ausersehen, den letzten Oscar zu vergeben. An „The King’s Speech“, den besten Film des Jahres, wie die Academy meint. Zumindest haben damit ihre sechstausend Mitglieder alle Annahmen bestätigt, die sich auf ihre Vorlieben richteten. Ja, sie hat einen würdigen Preisträger gefunden. Ich überlege mir noch, warum  die Wahl sonst höchst begrüßenswert war.

 

23:28

Nicht Annette Bening, sondern Natalie Portman wird als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Die Academy zieht eben zuverlässig das Drama (oder den dramatisch zugespitzten Psychothriller) der Komödie vor. Natalie Portman, chic und schwanger, hätte nicht souveräner unter äußerst bekömmlichen Tränenflor danken können. So ungefähr jeder und jedem.

Und:

Nicht Jesse Eisenberg, sondern Colin Firth darf sich fortan als besten Hauptdarsteller der Saison fühlen. Wie prophezeit. Erwartungsgemäß auch poliert Firth seine Dankesrede perfekt auf. Alles tadellos. Somit ist die Spannung, wie der Film des Jahres wohl heißen möge, durchaus zu ertragen.

 

 

23:10

Schon wieder ein Kostümwechsel für Anne Hathaway. Dabei geht’s jetzt richtig los. Aufwachen! Hier wird er nun gekrönt, der beste Regisseur: Tom Hooper für „The King’s Speech“, für den Film des Jahres, kein Zweifel jetzt mehr. Hooper, kaum bekannt in Hollywood, hat David Fincher, Regisseur von „The Social Network“, ausgestochen. Nett, dass Hooper der Mutter dankt, die einst in einem Schauspiel namens „The King’s Speech“ auftrat.

Szenenwechsel: Über die Verleihung der Ehrenoscars an Jean-Luc Godard und Francis Ford Coppola wird im Vorübergehen berichtet. Coppola ist immerhin leibhaftig zu besichtigen. Standing ovation, klar.

22:58

Es sei festgehalten: Der beste Filmsong heißt „We Belong Together“ und Randy Newman hat ihn für „Toy Story 3″ geschrieben. Jetzt bleiben nur noch die vier großen Preise. Aber zuvor wird’s noch mal feierlich. Für die Nachrufe in bewegten Bildern zu getragener Musik in der Interpretation von Céline Dion. Sentimental? Und wie, aber was wären die Oscars ohne eine gehörige Prise Sentiment? Halle Berry würdigt Lena Horne. „Stormy Weather“ von der Großleinwand. Immer noch unvergleichlich.

 

22:37

Ach!? So schlimm war es auch wieder nicht, dass der Altmeister Billy Crystal herbeieilen musste, um Leben in die Bude zu bringen. Das hochmögende Publikum dankt es ihm allerdings mit einer Ovation, jawohl, im Stehen. Als wollten sie dem Nachwuchs bedeuten: So wird’s gemacht. Zu allem Überfluss kroch dann auch noch Bob Hope aus der Filmmottenkiste. Im übrigen: Beste visuelle Effekte hatte „Inception“, den besten Schnitt  The Social Network“.

 

22:26

Bester Dokumentar-Kurzfilm: „Strangers No More“.  Bester Kurzfilm : „God of Love“.  Bester Dokumentarfilm: „Inside Job“ von Charles Ferguson, der um Entschuldigung dafür bittet,  dass er etwas Kritisches anzumerken hat: Kein einziger Finanzmann sei in den drei Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise hinter Gittern gelandet. Eine kleiner Misston! Klein, aber doch willkommen. Denn die Sehnsucht nach einer großen Rede, einem lustigem Zwischenfall, einem irgendwie belebenden Augenblick war durchaus gewachsen. Dass Luke Matheny vergessen haben will, zum Frisör zu gehen, reichte nicht. Und auch Oprah, sehr füllig, übrigens, weckte niemanden auf. Ferguson hat es wenigstens versucht.  

 

 

22:09
Die jungen Moderatoren stellen sich, alles in allem, als ziemlich unauffällig heraus. Nett, sympathisch, charmant, ja schon, aber eben unauffällig. Und, ach ja, doch, es muss gesagt werden, ein ganz klein wenig langweilig. Die musikalischen Beigaben bringen es fertig, ähnlich einschläfernd zu sein. Aber das muss ja nicht völlig falsch sein.

 

 

22:01

Noch ein bisschen Buchhaltung zu später Stunde: Kate Blanchard, sehr bleich geschminkt, überreicht den Oscar für bestes Make-up an Rick Baker und Dave Elsey für „Wolfman“. Die besten Kostüme hat Colleen Atwood für „Alice im Wunderland“ entworfen. Dabei hat sie schon etliche Oscars zu Hause. Muss aber immer noch ihre lange Dankesrede vom Zettel ablesen. Wer das nur alles geschrieben hat?

 

 

21: 51

Es wird Zeit zum Oscar-Schläfchen zwischendurch. Auch wenn Nicole Kidman und Hugh Jackman aufgeboten werden, um uns mit der besten Filmmusik bekanntzumachen:  Trent Reznor und Atticus Ross haben sie für „The Social Network“ zusammengestellt. (Hans Zimmer geht leer aus, und da auch „Der Grüffelo“ nicht zum Zuge kam, bleibt Deutschland dieses Jahr ohne Oscar.) Der Vollständigkeit halber noch: „Inception“ hat den besten Ton und auch den besten Tonschnitt. Immerhin, der teure Film bekommt ein paar kleinen Preise.  

 

 

21: 36

Anne Hathaway im Smoking mit einer komischen, gesungenen Einlage. Worauf James Franco sich en travesti präsentiert. Warum? Keine Ahnung. Auch nicht, warum Helen Mirren sich einen französischen Akzent zulegt, um den besten fremdsprachigen Film anzukündigen: „In einer besseren Welt“. Dänisch wäre der passende Akzent gewesen. Dann aber darf wieder eine korrekte Vorhersage abgehakt werden: Christian Bale wird als bester Nebendarsteller in „The Fighter“ ausgerufen. Ein paar Reihen erheben sich sozusagen spontan. Such an honor, versichert Bale.

 

 

21: 20

Na also: Das beste adaptierte Drehbuch stammt von Aaron Sorkin für „The SocialNetwork“. Zumindest einen Oscar gibt es also für den lange als Favoriten gehandelten Film. Sorkin dankt ernst und historisch gewichtig, vielleicht zu ernst, um nicht von der anschwellenden Musik von der Bühne gescheucht zu werden. Das beste Originaldrehbuch hat David Seidler für „The Kings’s Speech“ geschrieben, den anderen, den jetzigen haushohen Favoriten. Sehr apart. An den englischen Akzent der Dankesreden müssen sich die Amerikaner von jetzt an wohl gewöhnen.

 

 

21:08

Sensation! Justin Timberlake ist Banksy. Hat er selbst gesagt.  Nicht weiter drüber nachdenken. Zur Abwechslung keine Sensation: „The Lost Thing“ ist der beste animierte Kurzfilm, „Toy Story 3″ der beste Animationsfilm.

 

 

20: 59

Damit ich’s nicht vergesse: You’re Invited“ heißt das Motto des Abends. Es hätte schlimmer werden können. Schwamm drüber: Kirk Douglas bekommt die erste Ovation im Stehen. Über den Auftritt des gebrechlichen Altstars wird es einige Debatten geben. Aber er scheint ihn zu genießen, und er nimmt sich Zeit. Danach ist immerhin das vielleicht größte Rätsel des Abends gelöst: Wer bekommt den Oscar als beste Nebendarstellerin? Melissa Leo für „The Fighter“. Wir wissen vom roten Teppich: Sie hat hart daran gearbeitet. Sie will sprachlos sein, aber dann muss ein four letter word gebleept werden. Trotzdem dankt sie sehr ausführlich.    

 

 

20:47

Das Moderatorenpaar versucht sich als Komikerpaar. Ihre Mutter und seine Großmutter geben Ratschläge aus dem Publikum. Na, ja. Lustig ist schwer.  Aber da naht auch schon Tom Hanks um die ersten beiden Gewinner bekanntzugeben: „Alice im Wunderland“ soll das beste Szenenbild haben, „Inception“ die beste Kameraführung.

 

 

20:37 Lustig beginnt’s. Anne Hathaway und James Franco suchen nach Tipps fürs Moderieren und machen dabei Anleihen bei den nominierten Filmen. Und ihr Vorgänger Alec Baldwin taucht auch noch auf. Clever, der Vorspann. Wenn die Show genauso kurzweilig wird…   

 

 

20:27

Gleich geht’s los, der rote Teppich leert sich…

 

 

20:22

Who are you wearing? Unverwüstlich, die hollywoodianische Gretchenfrage. Erstaunlich: Calvin Klein wird viel getragen. Auch von Gwyneth Paltrow. Sie schimmert zwischen Gold und Silber. Oscar hat sie ja schon.

 

 

20: 11

James Franco, der nicht nur für den Schauspielerpreis nominiert ist, sondern die Schau gleich moderieren wird, hat Zeit, auch noch ein Interview zu geben. Hat er die letzten Wochen viel schuften müssen? Der Alleskönner lacht wie gewohnt, also unwiderstehlich, und sagt, er habe sowieso nur Zeit am Wochenende zum Proben gehabt. Die Woche über muss er halt studieren. Er hat nämlich vor, seine Doktorarbeit selbst zu schreiben.

 

20: 02

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass es absolut notwendig ist, die Verleihung und das ganze Drumherum sowohl am Fernseher als auch am Computer zu verfolgen? Auf Amerikanisch heißt das: two-screen behavior. A must, heutzutage. Sogar ABC, die übertragende Fernsehgesellschaft, fährt zweigleisig. Im Fernsehen schaut die Kamera auf die Bühne, im Computer dahinter.

 

19:51

Donald Trump schlendert aufs Kodak Theater zu. Donald Trump? Egal, warum nicht. Er wird gefragt, ob ihm der Glitzerbau gehört. The Donald blickt finster in die Kamera und knurrt: Ein paar von denen hier. Gute Gegend.

 

19:43

Javier Bardem bestätigt, dass nicht er, sondern Gattin Penelope Cruz ihr Kleid selbst und persönlich ausgesucht hat. Da fällt uns ein Stein vom Herzen.

 

 

19:32

Das Ehepaar Benning-Beatty bahnt sich den Weg durch den Kamerawald. Wir dürfen nur von weitem zugucken. Die Sängerin Céline Dion hat dagegen keine Angst vorm Mikrofon. Sie wird später auch singen. Derweil stürzt vor Halle Berry jemand auf den Boden, um ihre Falten (Kleiderfalten!) korrekt zu drapieren. Dahinter gleich Nicole Kidman. Die Moderatorin im existentiellen Zweispalt: Ich weiß nicht, seufzt sie, ich bin mir nicht sicher, was ich dazu sagen soll. Meine Meinung: Schon in Ordnung, Nicole.

 

19:21

Aaron Sorkin, der Drehbuchschreiber, redet wie ein Buch. Bis ihm Justin Timberlake in die Quere kommt und erklärt, was dessen Drehbücher ausmacht: Sie seien verwirrend und enthielten viele Wörter. Dann umarmen die beiden sich heftig. Auch wenn ihre Smokings darunter leiden.  

 

19:14

Jesse Eisenberg gibt Mark Zuckerberg, sogar auf dem roten Teppich. Vor allem will er nachher die Hände seiner Starkollegen schütteln. Die Interviewerin trägt ihm auf, einen Gruß an die Mutter auszurichten. Den Oscar gewinnt so und so Colin Firth, sage ich schon mal überhaupt nicht vorlaut voraus.

 

19:03

Es soll ja Leute geben, die behaupten, das Red-Carpet-Vorspiel sei das eigentliche Großereignis. Hoffentlich brauche ich ihnen in drei, vier Stunden nicht zuzustimmen.

 

 

18: 57

Da kommen Melissa Leo und Hailee Steinfeld, beide nominiert als beste Nebendarstellerinnen. Es ist die Kategorie, in der praktisch alle fünf Schauspielerinnen gewinnen könnten. Keine Favoriten. Sonst scheinen ja alle Preise schon verteilt zu sein. Melissa Leo, in einen Spitzentraum gehüllt, betont, dass sie viel für die Rolle gearbeitet hat. Wirklich? Hailee Steinfeld sagt, es sei eine unglaubliche Ehre, nominiert zu sein. Sie darf das sagen. Sie ist gerade mal vierzehn.

 

 

18: 49

Gorgeous!!! Dieses Jahr Schlüsselwort auf dem roten Teppich. Alle sind und alles ist gorgeous! Sogar das Wetter! Geht’s noch etwas altmodischer? Sagt eigentlich noch irgendwer sonst gorgeous? Awesome ist doch viel aktueller. Und dabei soll die Oscar-Fete diesmal besonders jung und with it sein.

 

 

18:41

Ich glaube, Joan Rivers, die Komikerinnenlegende, muss dieses Jahr wieder auf dem Red Carpet fehlen. War immer sehr bös als Modepolizistin. Viel zu bös, offensichtlich. Ihre Nachfolger sind dagegen alle so furchtbar nett. Und sehen nur die tollsten, sagenhaftesten Roben. Boring…

 

 

18:33

Auf welchen roten Teppich soll ich mich denn begeben? Drei Fernsehkanäle stehen zur Auswahl: ABC, PIX und E! Also? Alle drei, muss sein, hin und her und durcheinander.

 

 

Oscars

Über die Verleihung in Los Angeles wird an dieser Stelle live gebloggt

Ab 1 Uhr, Montag morgen

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