#Nilsläuft

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Rollentrainer leicht gemacht

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Rollentrainer fürs Rennrad sind eine tolle Alternative, um bei schlechtem Wetter drinnen zu trainieren. Aber wie fühlt es sich an, auf der Rolle?

Nils auf dem Rollentrainer
Ironman im Wohnzimmer: Nils fährt auf einem Rollentrainer

Seit einiger Zeit nutze ich einen Rollentrainer, um mich auf dem Rennrad fit zu halten und für den Frankfurter Ironman zu trainieren. Ich gebe es zu: Ich bin gerne draußen, aber ich habe mehr als einmal gefroren, wenn ich im Winter ausgefahren bin. Also kaufte ich einen gebrauchten Rollentrainer. So ein Modell, in das man das Hinterrad einspannt und gegen den Widerstand eines Schwungrades fährt. Mittlerweile gibt es smarte Rollentrainer, mit denen du virtuell gegen andere fahren kannst. Möglich macht es das Internet, Bluetooth und diverse Apps. Das genaue Gegenteil sind Rollentrainer mit freien Rollen, auf denen das Rad einfach aufliegt. Später mehr zu den Unterschieden.

Die Fragen aller Fragen

Bin ich ein Rollentrainer-Typ? Nun, die Antwort ist ja, wenn du Frostbeule im Winter davon träumst, mit deinem Rennrad zu fahren, aber aufgrund der Witterung zu Hause bleibst. Und nein, wenn du dir nicht vorstellen kannst, stundenlang auf der Stelle zu treten, obwohl du laut Tacho 40 Kilometer pro Stunde fährst. Okay, ganz so einfach ist es nicht, beschreibt aber die Argumente schon ganz gut. Rollentrainer ermöglichen uns, nämlich unabhängig von Temperatur und Wetter zu trainieren. Das bedeutet: weniger Erkältungen und kalte Füße. Glaubt mir, ich weiß, wovon ich schreibe. Ich habe viel ausprobiert und hab trotzdem gefroren. Spart euch die Thermoklamotten und beheizbaren Socken.

Ein weiterer Vorteil: Drinnen regnet es nicht, es gibt keine rutschigen Straßen und keine Autofahrer, die einem im herbstlichen Halbdunkel übersehen. Durch das Sparen der Widrigkeiten können wir natürlich auch länger konzentriert fahren. Wer also einen Trainingsplan verfolgt oder in Bewegung bleiben möchte, baut einfach auf und fährt los. Außerdem benutzt man das eigene Fahrrad inklusive Sattel, Sitzhöhe und Einstellungen.

Achja: Eine Toilette ist gleich in der Nähe und wenn die Verpflegung ausgeht, reicht ein Schritt in die Küche. Ist doch wunderbar, oder?

Nachteile?

Ja, die gibt es schon. Man ist eben doch nicht draußen. Kein Fahrtwind, keine Landschaft und die Bewegung ist irgendwie statisch. Wer dann zwei, drei Stunden auf dem Rollentrainer sitzt, spürt die Eintönigkeit des Gerätesports. So lange muss es aber auch nicht sein. Es kommt ja nicht auf die Länge an, sondern auf die Qualität des Trainings. Mehr ist eben nicht immer besser. Aber eigentlich war es das schon. Und wenn man den Einsatz nicht ganz so dogmatisch sieht, ist ein Rollentrainer eine gute Alternative. Und sobald es draußen besser wird, kommt er wieder in den Schrank.

Die Unterschiede

Freie Rollentrainer sind einfach in der Handhabung, aber schwer zu fahren. Man braucht schon etwas Erfahrung und Geschick, um nicht unfreiwillig abzusteigen, denn das Rennrad wird nicht in den Trainer gespannt, sondern die Reifen liegen auf Rollen auf. Es kippelt wie in echt. Das trainiert die Koordination gleich mit. Es heißt also Balance halten und konzentriert bleiben. Dafür fühlen sich Wiegetritt und Sprints realistisch an. Vielleicht wird diese Art auch von den meisten Profis bevorzugt. Mittlerweile gibt es sie auch mit Wattmessung, Bluetooth und ANT+, also Verbindungsmöglichkeiten mit Apps und Internet. Es dürfte aber schwer sein, mit freien Rollentrainer an virtuellen Rennen teilzunehmen. Die freie Rolle ist nichts für Kopfausschalter.

Freie Rolle von Elite (Foto Elite)

Die feste Rolle hingegen schon. Das Hinterrad wird in den stabil stehenden Trainer gespannt. Dazu muss die Achse gewechselt werden und meistens noch ein anderer Reifen drauf wegen des Abriebs. Mach dir keine Sorgen, du kannst nicht umkippen. Auch bei Sprints steht er stabil. Das ist auch gleichzeitig ein Nachteil, denn die Seitenkräfte werden auf den Rahmen übertragen, der ja fest eingespannt ist. Viele Hersteller raten deswegen von dieser Art Rollentrainer ab, weil der Rahmen brechen könnte. Allerdings ist mir noch kein Fall bekannt, bei dem es tatsächlich passiert ist. Jedenfalls finde ich diese Art vorteilhaft, verzichte aber tatsächlich auf energiereiche Sprints im stehen.

Bei festen Rollen kann ich mich ganz auf die Trainingseinheit konzentrieren und auch mal Musik hören. Das mache ich sonst nicht, aber bei langen Fahrten ist es doch eine schöne Sache. Wer noch mehr möchte kann mit einem Smarttrainer virtuell auf die Piste gehen. Im Gegensatz zu den analogen Rollentrainern werden dabei Streckeninfos direkt an die elektronische Bremse geleitet, weswegen sich ein Anstieg auf dem Bildschirm auch in den Beinen anfühlt wie einer. Dann locken die schönsten Strecken der Welt. Aber das kostet auch etwas. Zwift, ein bekannter Anbieter, nimmt 15 Euro monatlich inklusiver aller Routen und Trainingspläne. Und die Trainer selbst sind auch nicht billig. Wer es nicht so smart benötigt, ist schon ab 200 Euro dabei.

Alles Smart

Ich selbst habe mir einen „unsmarten“ für 100 Euro gebraucht gekauft und ein Sensorset (40 Euro) montiert. Damit kann ich die Daten anzapfen die Trittfrequenz, Wattleistung und Geschwindigkeit bestimmen. Den Härtegrad stelle ich über eine analoge Bremse ein, die über einen Bowdenzug läuft, was angesichts modernster Technik antiquiert erscheint. Aber für meine Zwecke reicht es, ist der Trainer doch nur Ergänzung zum Naturfahren, bei gutem Wetter.

Wer es smarter mag, kann diverse Modelle kaufen je nach Budget. In die teureren Geräte wird nicht mehr das Hinterrad eingespannt, sondern der Rahmen aufgesetzt und die Kette mit einer extra Kassette verbunden. Das verringert die Schwingungen auf den Rahmen und die automatische Bremse greift besser. Der Vorteil aller dieser Rollentrainer liegt in der Bequemlichkeit der elektrischen Bremse und den aufbereiteten Daten. Die werden einem über ein Tablet oder Smartphone angezeigt und ausgewertet. Dazu werden die Werte der virtuellen Strecken auf das Fahrverhalten abgestimmt. So ist es möglich, in virtuellen Welten zu fahren und sich mit anderen „Spielern“ zu messen. Wer es mag, findet hier eine eigene wetterunabhängige Welt, die direkt in der heimischen Wohnung steht.

Tacx Flux Smarttrainer (Foto Tacx)

Zu guter Letzt

Was Früher ein Ergometer war, erlebt wohl gerade eine Renaissance. Jedenfalls habe ich in einem noblen Geschäft in Hamburg eine Maschine gesehen, die nicht mehr als „Heimtrainer“ durchgeht. Stromlinienförmiges Design (für eine Standrad?) und neueste Technik machen diesen Feuerstuhl zum persönlichen Trainer. Mal sehen, wie das weiter geht. Ich bin gespannt, daher aber bin ich erstmal weiter halbanalog unterwegs. Denn für mich ist der Rollentrainer ja eine Ergänzung und kein Ersatz für die Fahrt an der frischen Luft.

Falls Du Fragen hast melde dich gern über das Kontaktformular oder bei @nils_laeuft auf Instagram.


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