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Whoop – Pulsmessung rund um die Uhr

| 2 Lesermeinungen

Whoop verspricht mittels Pulsmessung deine Fitness zu steigern. Was es tatsächlich kann, zeigt dieser Test.

Was kann Whoop?

  • Es zeichnet deine Herzfrequenz mit einem Sensor auf, dessen Akku lange hält.
  • Die App stellt Daten dar zu deiner Regeneration, der Tagesbelastung, und deinem Schlaf, die aus deinem Puls berechnet werden.
  • Es fasst diese Daten wöchentlich bzw. monatlich zusammen und verknüpft diese mit Informationen zu deinen Gewohnheiten.

Was Whoop nicht kann

  • Genau messen
  • Daten interpretieren und nützliche Tipps geben
  • Unseren Körper detailliert

Whoop? Was ist das? Das ist die gute Frage, denn das System ist hierzulande recht unbekannt. Nun, Whoop besteht aus einem Sensor zur optischen Pulsmessung, den man am Handgelenk trägt und einer App, die die Darstellung der Daten übernimmt. Diese App ist das Herzstück des Systems. Dabei erfasst der Sensor (rund um die Uhr) unsere Herzfrequenz, die per Bluetooth an die App übertragen wird. So weit, so gut.

Herzstück der Pulsmessung

Whoop Herzfrequenzsensor
Whoop Herzfrequenzsensor

Zur Hauptsache des Systems. Die App ist ein Daten-Monitor und stellt drei Begriffe dar: Belastung (Strain), Erholung (Recovery) und Schlaf (Sleep). Diese Werte leiten sich aus den Pulsmessungen des Sensors ab. Grob gesagt, können wir daraus ablesen:

  • Welches Leistungspotenzial wir am Anfang des Tages hatten (denn dieser Wert wird nur einmal interpretiert),
  • welche Leistung wir schon abgerufen haben (sportliche sowie Alltagsleistungen, wie Spazieren, Einkaufe, etc. inklusive)
  • und dem, was wir an Schlaf benötigen, um morgen wieder regeneriert zu sein.

Die Daten werden nah einer ersten Kalibrierung bereitgestellt. Des Weiteren erhebt es Daten, die sich auf den Puls zurückführen lassen (Schlafzeiten) oder direkt abgefragt werden (Verhaltensfragen). Hier müssen wir ergänzende Informationen eingeben (mehr dazu unten im Journal). Dazu kommen noch Geodaten, falls der Standort während einer Aktivität geteilt wird.

Diese Daten werden ausgewertet und auf verschiedene Weise dargeboten. Dabei ist die Nutzerführung sehr gut und die Übersichtlichkeit wunderbar. Hier hat Whoop sicherlich einiges an Arbeit hineingesteckt. Zur Datenqualität kommen wir jetzt.

Wie funktioniert Whoop?

So ein Gerät trägt natürlich nicht direkt zur Fitness bei. Denn Sport treiben müssen wir schon selbst. Das soll hier nicht vergessen werden, denn die Werbung suggeriert oft etwas anderes. Auch die reine Darstellung der Daten hilft uns zunächst nichts, ohne die richtige Deutung. Und hier hat Whoop meiner Meinung nach eine Schwäche, genau wie viele andere Sportapps auch. Was bedeuten eigentlich die Daten und welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Das sagen uns viele Apps nicht. Im schlimmsten Fall ziehen wir sogar falsche Schlüsse.

Hauptbildschirm
Schlafdaten in der Übersicht

Regeneration vs. Tagesbelastung

Aber schauen wir erstmal was Whoop kann. Whoop visualisiert Daten und stellt sie in einen rudimentären Zusammenhang. Dabei werden morgens, nach der ersten Messung (wichtig für die Herzfrequenzvariabilität) auch die gerade entstandenen Schlafdaten herangezogen, um die Regeneration zu berechnen. Dieser Prozent-Wert (auf dem Bild 60 %, gelb) bleibt unverändert bis zum nächsten Tag.

Die App stellt die Tagesbelastung (Strain, blau) gegenüber und wir können sehen, ob wir noch aktiver sein könnten, um ein ausgeglichenes Tagesziel zu erreichen. Die Belastung wird im Tagesverlauf errechnet und angepasst. Welche Art von Aktivität wir dabei ausführen ist laut Whoop unerheblich, was zählt, ist die Belastung in den Herzfrequenzzonen.

Fitness-Gewinn?

Überschreiten wir das Limit der optimalen Belastung ändert sich der Status auf “Overreaching” (in diesem Zusammenhang: überschritten). Das soll zu verbesserter Fitness führen, sagt die App. Aber wie oft und in welchem Umfang soll ich überreizen? Wie sehr wir überreizen und mit welchem Trainingseffekt, wird hier nicht deutlich. Und was bedeutet Fitness eigentlich überhaupt? Da die App keinerlei Trainingsempfehlung gibt, tappen wir Nutzer hier etwas im Dunkeln. Wer spezifisch für eine Sportart trainiert, findet in anderen Wearables und Apps sicherlich andere Informationen.

Schlafanalyse

Noch kurz etwas zur Schlafanalyse, die ich sehr interessant finde, auch wenn ich die Genauigkeit mit keinem Schlaflabor zu vergleichen sein dürfte. Ja, ich kann morgens natürlich fühlen, wie ich geschlafen habe, aber eine Grafik führt es einprägsamer vor Augen. Zumal Whoop die Dauer, Schlafphasen, die Störungen und die Effizienz anzeigt. Das ist ja ganz gut, aber auch hier lautet die Frage: Was bringen uns die Daten?

Sie bieten einen Anhaltspunkt, an welcher Stelle wir unseren Schlaf verbessern könnten. Kann ich beispielsweise die Störungen (Disturbances) minimieren? Whoop bietet dazu einen Blog an, auf dem man zusätzliches Wissen abrufen kann. Hier ein kleiner Tipp: Hände unter der Bettecke behalten. Denn, der Sensor leuchtet hell und grün. Klar, das ist ja auch ein optischer Sensor. Aber das macht er auch nachts und wenn das Handgelenk in der Nähe des Kopfes liegt, strahlt es in die Augen. Da ist man schnell wach und hat schwups gleich eine weitere Störung auf dem Konto.

Auch beim Thema Genauigkeit müssen wir nachhelfen, was aber problemlos funktioniert. Manchmal registriert Whoop nämlich das wir schlafen, obwohl wir nur ruhig liegen, beispielsweise auf dem Sofa. Die sogenannten Aktivitäten lassen sich aber einfach verändern.

Wöchentliche und monatliche Auswertung

Wöchentliche und monatliche Statistiken werden von Whoop ebenfalls angezeigt. Die sind sehr interessant, weil sie einerseits veranschaulichen, was in der Woche oder im Monat los war. Und andererseits Entwicklungen zeigen können, falls wir von uns aus etwas verändern. Wie wirkt sich beispielsweise wenig Schlaf auf die Leistung aus und was passiert, wenn ich mehr schlafe? Langfristige Trends lassen sich hier gut erkennen. Zugegeben kann man sich vieles schon selbst denken, deswegen hat Whoop noch eine Befragung integriert, um Verknüpfungen zwischen Gewohnheiten uns Messwerten zu finden. Das Journal.

Whoop fragt täglich Informationen ab, die in einem sogenannten Journal beantwortet werden. Das sind Fragen nach dem Befinden oder Essgewohnheiten. Hast Du kurz vor dem Zubettgehen noch etwas gegessen? Hast Du genug getrunken oder Covid-19-Symptome? Die Fragen kann man optional beantworten oder ausblenden, falls sie einem zu persönlich sind oder nicht zutreffen. Es wäre toll, wenn am Ende des Monats (nur dann gibt es eine detaillierte Auswertung) eine glaubwürdige Auswertung stünde. Aber auch hier sollte man kritisch sein. Ich hatte beispielsweise nach dem ersten Monat eine um 5 % verbesserte Regeneration, wenn ich Alkohol getrunken habe. Toll! Also ran an die Gläser? Mit Nichten. Ich habe einfach auch länger geschlafen, wenn ich etwas getrunken habe. Es waren nämlich Wochenende.

Fazit

Die Grundlage für die Werte in Whoop liefert der optische Sensor. Er übernimmt die Pulsmessung, dabei misst er: Herzfrequenzvariabilität, Ruhepuls und den aktuellen Herzschlag. Optische Messungen sind dabei ungenauer als ein EKG (Elektrokardiogramm) oder ein Brustgurtsensor, den viele von uns bereits kennen. Das liegt an verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise Arm-Behaarung oder Hautbeschaffenheit. Im Vergleich mit anderen optischen Sensoren, die ich mitlaufen lassen habe, ergaben sich ganz unterschiedliche Werte im aktuellen Puls. Das soll nicht heißen, dass Whoop der ungenaueste ist, nur dass diese Technologie nicht präzise ist.

Falls Du Fragen hast zum Gerät oder zu anderen Themen, melde Dich gern.


2 Lesermeinungen

  1. moto8 sagt:

    Warum neue Hardware kaufen?
    Wenn ich – wie viele – die Apple Watch rund um die Uhr trage (laut diversen Tests ziemlich präzise Messungen) kann ich auf Drittapps, z.B. Athlytic, zurückgreifen, die auch diese Daten in mind. der gleichen Qualität liefern.

Kommentare sind deaktiviert.