Pekinger Bekanntmachungen

Das war der Westen

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So sah der Westen aus, als sich China vor dreißig Jahren öffnete. Die Zeitschrift „Zhongguo Xinwen Zhoukan“ (China Newsweek, ohne Verbindung zu dem amerikanischen Magazin) bringt in der heute erschienenen Ausgabe ein Foto von 1978, als Pierre Cardin mit chinesischen Arbeiterinnen zusammentraf. Im aktuell gemachten Interview, das neben dem Bild steht, sagt der Modeunternehmer dazu: „Sie guckten mich so neugierig an, als wäre ich ein Außerirdischer. Ich empfand Mitgefühl und Respekt. Sie hatten es nicht leicht. Sie hatten das ganze Leben für einen bestimmten Traum gekämpft. Ich dachte, man sollte sie erkennen lassen, daß das nicht das wahre Paradies ist.“ Dieses Bemühen scheint zum Zeitpunkt der Aufnahme schon Frucht getragen zu haben. „Es war mir nicht bewußt“, sagt Cardin, „daß ich ein Vertreter westlicher Werte war. Aber ich hoffte, ich könnte den Leuten klarmachen, was der Kapitalismus in Wirklichkeit ist.“ In einem Kommentar schreibt das Magazin, Pierre Cardin habe „einen unauslöschlichen Eindruck im kollektiven Gedächtnis der Chinesen hinterlassen“.

Das Titelthema der Ausgabe im Rahmen der staatlich anberaumten Jubiläumsfeierlichkeiten heißt: „Seit dreißig Jahren Präsenz des Westens“. Die abstrakte Formulierung und die nostalgischen Fotos im Heft deuten auf den Historisierungsgrad hin, den die erste Begegnung mit der fremden Welt im chinesischen Bewußtsein erreicht hat. Die Routinen der Gegenwart bildet der heutige Aufmacher der außenpolitisch orientierten Parteizeitung „Global Times“ ab, in dem es unter der Dachzeile „Menschenrechte werden wieder zu Waffen“ um die jüngsten Konflikte mit der Europäischen Union geht.

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