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Krisenangst und Munterkeit – Ein Kulturvergleich

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Kleines Signal: Die englischsprachige Staatszeitung „China Daily“ veröffentlicht eine Karikatur, auf der sich ein von Krisenängsten geschüttelter westlicher Wintermantelträger von einem munteren chinesischen Pandabär, der die Chancen der Lage im Rücken weiß, mit Schneebällen bewerfen lassen muß.

Im Leitartikel unter dem Bild gibt Gao Zhikai, der Direktor des Chinesischen Verbands für internationale Studien, eine aktuelle Deutung des Umstands, daß der Begriff „crisis“ im Englischen einfach nur „Krise“ meint, während „weiji“ auf Chinesisch sowohl „Krise“ als auch „Chance“ bedeutet. Was aus diesem Unterschied kulturell und geopolitisch folgen mag, bleibt im Raum stehen. Gao, dem es offenbar vor allem um die Abwehr protektionistischer Tendenzen im Westen geht, hält letztere Haltung jedenfalls nicht nur philosophisch der ersten überlegen, sondern auch ökonomisch: „Wenn wir das Banner des Freihandels hochhalten, wird es ein besseres Morgen geben, gleich, wie hart und bitter das Heute ist.“

Update: Ein Leser weist darauf hin, daß „weiji“ bloß „Krise“ heißt, daß nur die Zusammensetzung des zweiten Zeichens dieses Worts mit dem Zeichen „hui“, also „jihui“, Chance bedeutet und daß man die einzelnen Zeichen im heutigen Chinesisch nicht ohne weiteres als Bedeutungsträger voneinander isolieren darf. Manche Chinesen scheinen allerdings die im Westen beliebte Deutung, wohl wegen ihrer langen Geschichte, als – nicht unwillkommene – Bewußtseinstatsache der Ausländer zu akzeptieren. Nur so ist es zu erklären, daß der chinesische Autor des oben zitierten Artikels für westliche Leser auf ihr seine ganze Argumentation aufbaut.  

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