Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Die drahtlose Energieübertragung mal wieder

Seit einigen Tagen geistert wieder das Thema "drahtlose Energieübertragung" durch die deutschen Medien. Es wäre ja auch zu schön: nachlässig im Zimmer das...

Seit einigen Tagen geistert wieder das Thema „drahtlose Energieübertragung“ durch die deutschen Medien. Es wäre ja auch zu schön: nachlässig im Zimmer das Notebook ablegen, es lädt sich automatisch, drahtlos, denn ähnlich wie beim WLAN steht irgendwo in der Wohnung ein „Sender“, der die gesamte Wohnung mit Energie versorgt. Drahtlos. Das funktioniert ja schließlich auch beim Induktionsherd oder beim Lade-Pöppel der elektrischen Zahnbürste. Auch der klassische elektrische Transformator überträgt die Energie zwischen den einzelnen Wicklungen letztlich drahtlos.

Doch so einfach ist es eben nicht – denn mit steigender Distanz muss die eingesetzte Energie exponenziell vervielfacht werden, so groß sind die Streuverluste. Je höher die Energie, desto höher aber auch die zusätzlich entstehende sinnlos verpuffende Abwärme.

Ein Team des MIT um den bekannten Physiker Marin Soljacic will nun einen einfachen Weg gefunden haben, diese bisher unüberbrückbaren Probleme zu lösen. Sende- und Empfängerspule sollen auf eine bestimmte Frequenz, eine Resonanzfrequenz abgestimmt werden. Soljacic experimentierte mit einer Frequenz von 10 MHz und konnte damit immerhin Energie im zweistelligen Wattbereich über mehrere Meter übertragen, was für Akku-Ladegeräte beispielsweise genügt.

Die Euphorie ist groß, doch leider ist die Sache so einfach nicht. Wer derartige Leistungen mit 10 MHz durch die Gegend ballert, betreibt im Grunde einen Kurzwellensender. Man muss also zunächst mal auf Frequenzen außerhalb des Radiobandes ausweichen. Weiterhin kommt man mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz in herbe Konflikte, dessen Ersteller schon bei einer vorherrschenden magnetischen Feldstärke von 0,073 A/m unruhig werden. Entweder man optimiert den Versuchsaufbau massivst, oder man muss sich bei der Energieübertragung auf Leistungen beschränken, die mit Mühe eine Glühlampe zum Leuchten bringen.  

Von den zu erwartenden Einwürfen der Anti-Elektrosmog-Bürgerfraktion mal ganz zu schweigen. Bis man also wirklich Notebooks und nicht nur Zahnbürsten drahtlos mit Energie beschicken kann, dürfte noch die eine oder andere Grundsatzdiskussion anfallen. Und Tesla rotiert derweil im Grabe.