Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Pro und Contra Denk-Pillen

Das Thema Doping ist nun in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie Richard Friebe morgen im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen...

Das Thema Doping ist nun in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie Richard Friebe morgen im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreibt, geht es dabei aber nicht um Nandrolon für Bauarbeiter-Muskeln. Die Diskussion dreht sich vielmehr um Medikamente, welche die geistige Performance verbessern – eine Art Epo für Ausdauerleistungen in der dünnen Höhenluft von Chefetagen und Hochschulen.

Friebe weist nun auf etwas hin, was dabei gerne vergessen wird: bisher gibt es kaum echte wissenschaftliche Nachweise dafür, dass die Medikamente, die sich viele schon jetzt in der Hoffnung, sie könnten Konzentration, Erinnerungsvermögen und geistige Ausdauer verbessern, wirklich diese Wirkung haben. Allesamt sind eigentlich zur Behandlung psychischer oder neurologischer Erkrankungen entwickelt worden, und wurden an Gesunden bisher kaum getestet.

Das Wissenschaftler-Magazin „Nature“ veröffentlichte diese Woche eine Art Manifest. These: Die Neuro-Drogen sind bereits da, und neue werden kommen, man kann es nicht verhindern, also muss sich die Gesellschaft Gedanken machen, wie sie in Zukunft damit umgehen will. Bei dem Thema, sagt Philip Campbell, Chefredakteur von „Nature“ und Mitautor dieses „Call for Action“, sei die „gesellschaftliche Realität der wissenschaftliche Erkenntnis weit voraus“. Die Wissenschaft müsse also dringend aufholen.

Es ist ein ganzer Stapel von Fragen, vor denen Wissenschaftler, Ethiker, Gesetzgeber, Lehrer, Ärzte und andere stehen. Um nur ein paar zu nennen: Sind die Substanzen, die auf dem Markt sind oder noch kommen, sicher? Wirken sie überhaupt? Was sind die Chancen und Risiken? Verschafft sich die- oder derjenige, der oder die sie einnimmt, einen unfairen Vorteil – auch angesichts der Tatsache, dass Nachhilfe, Privatschulen, Eliteunis etc. ja auch gesellschaftlich akzeptiert sind, obgleich sie denen, die sie sich leisten können, unbestritten Vorteile bringen? Sollte, im Sinne von Chancengleichheit, in Zukunft jeder billigen Zugang zu solchen Medikamenten bekommen? Entsteht, wenn andere Personen  solche Medikamente nehmen oder ihren Kindern geben, ein gesellschaftlicher Druck, auch „mitzumachen“, auch, wenn man es eigentlich nicht will? Wie kann man die Öffentlichkeit über das Thema am besten informieren und aufklären? Ist damit zu rechnen, dass sich in einer solchen schönen neuen Neuro-Welt das Bild und Selbstverständnis des Menschen grundlegend verändert, und welche Konsequenzen hätte das?

Es ist eine Diskussion, die in der gesamten Gesellschaft geführt werden muss. Würden Sie zu Pillen greifen, um Ihr Denkvermögen  zu steigern – und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?