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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"

| 16 Lesermeinungen

Dieser Text läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, er hat eindeutige Adressaten -  die Mächtigsten der Mächtigen -  und er endet mit einem...

Dieser Text läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, er hat eindeutige Adressaten –  die Mächtigsten der Mächtigen –  und er endet mit einem ganz fetten Ausrufezeichen! Und wären wir alle nicht schon längst an die Lektüre höchst alarmistischer Klimamanifeste gewöhnt, könnten wir sicher sein, dass morgen der zweite Teil des Weltuntergangs in den größten Lettern angekündigt würde. Zum Beispiel mit: Die Weltmeere kippen um! Oder: Poseidons Reich vor dem Untergang!

Was ist passiert?

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"

 Knapp drei Monate nach einem großen Meereskunde-Symposium, das in Monaco stattgefunden und die Versauerung der Meere durch den Kohlendioxid-Eintrag zum Thema hatte, werden die Ergebnisse als „Monaco-Deklaration” mit PR-Unterstützung des Fürsten von Monaco, Prinz Albert II., unters Volk gebracht. Vor allem aber soll der Text ein weltumspannendes politisches Beben erzeugen. Die mehr als 155 Unterzeichner aus 26 Nationen sind  nämlich davon überzeugt, wie man hier und in diversen anderen englischsprachigen Pressemitteilungen der beteilgten Organisationen (darunter Unseco , das Internationale Biosphären-Geosphären-Programm und die amerikanische National Science Foundation) nachlesen kann, dass die Versauerung der Meere „mittlerweile ebenso gefährlich ist wie die Klimaerwärmung”. Weiter im Originalton der Mitteilung: „Steigt der Säuregrad weiter, droht das weltweite Zusammenbrechen ganzer Ökosysteme. Fischerei und Tourismus wären bedroht, Küstenschutz durch Korallenriffe wäre nicht mehr gegeben, mögliche biologische Rohstoffe für Medizin und Ernährung könnten verloren gehen.” 

 

Das ist schon starker Tobak, den hier die Kieler Forscher um Ulf Riebesell vom IFM-Geomar stellvertretend für ihre Wissenschaftsgemeinde zur Meeresrettung aufbieten. Doch immerhin gibt es auch ein paar Fakten: Seit Beginn der Industriealisierung sei der Säuregrad (pH-Wert) des Oberflächenwassers um ein Drittel gestiegen, sagen die Kieler Meeresbiologen. Er habe Werte erreicht, wie sie sie zuletzt vor mehreren Millionen Jahren erreicht wurden. Und wenn es mit der beschleunigten Versauerung so weiter gehe, wird in der Deklaration ein Säuregrad prognostiziert, könne Ende des Jahrhunderts ein Niveau erreicht werden, das dreimal so hoch liegt wie der vorindustrielle Wert. Schon viel früher, nämlich in vierzig Jahren, könne ein Kohlendioxidkonzentraion in der Luft – rund 560 ppm – und erreicht werden, bei der sich schon ein Drittel der Korallenskelette buchstäblich aufgelöst hätten. In Polnähe würden die Schalen der Kalkbildner  schon bei 450 ppm chemisch angegriffen werden.   Das alles muß sicher zu denken geben!

 

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"   Quelle: NOAA

 

Hier übrigens Versuchsergebnisse mit Kalkalgen in Kieler Labors:

Bild zu: Kollabieren die Meere? Die „Monaco-Deklaration"  

Zwei Rasterelektronenmikroskop-Aufnahmen der Kalkalge Calcidiscus leptoporus. Gezeigt sind jeweils sechs Zellen, die im Labor unter verschiedenen CO2-Bedingungen gehalten wurden. Die linke Aufnahme zeigt die Kalkalge unter CO2-Bedingungen, wie sie heute im Ozean vorherrschen. Die rechte Aufnahme zeigt die Kalkalge unter den CO2-Bedingungen, wie sie bei unverminderten CO2-Emissionen für das Jahr 2100 erwartet werden. Kalkalgen Calcidiscus leptoporus leben als Einzeller. Die Experimente und Aufnahmen wurden am IFM-GEOMAR gemacht. Quelle: IFM-GEOMAR

 

Sicher, das sind sicher artifizielle Bedingungen, die da in Versauerungsexperimenten  erzeugt wurden. Und  was häufig noch fehlt bei diesen Versuchen, ist die am besten mehrfache, glasklare Bestätigung durch andere Gruppen. Aber zur Entspannung laden die Ergebnisse sicher nicht ein.

Die Unterzeichner der Monaco-Deklaration jedenfalls scheinen das Vierteljahr seit Ende des Symposiums für intensive PR-Übungen genutzt zu haben. Sie gehen die Politik frontal an: „CO2-Ausstoß reduzieren – Jetzt!” Keine Zeit also mehr zu verlieren. Das ist plakativ und unterscheidet sich nicht fundamental von den Forderungen der Klimapolitik, die bis zur COP15-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende des Jahres sicher noch öfter zu hören sein werden. Aber sie kommt in dieser Unumstößlichkeit diesmal halt  von einer anderen Seite.

Und das ist der politischen Wahrnehmung des Klimaschutzes in diesen krisengeschüttelten Zeiten sicher nicht abträglich. 

  

 


16 Lesermeinungen

  1. @ErnstJoergS
    Ich gebe Ihnen...

    @ErnstJoergS
    Ich gebe Ihnen vollkommen recht das bei der Kalzit-Kompensationstiefe (CCD) die Kohlensäure eine entscheidende Rolle spielt. Umso saurer die Ozeane, umso höher steigt die Kompensationstiefe. Sprich umso früher löst sich in der Tiefe Kalk auf. Das war aber nicht Ihr Statement. Sie sagten zur Bildung von Calcit ist Kohlensäure notwendig. Das stimmt so definitiv nicht. Über 50% der weltweiten Kalkproduktion wird durch Kalkalgen (Coccolithophoriden) und Foraminiferen biogen gebildet. Dies geschieht in den oberen maximal 200m.
    Zu der 2. Frage: Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Masse der verwesenden Organismen einen kleineren Einfluss gegenüber der Änderung der Zusammensetzung der Luft im Bereich von 0,0001 Volumenanteilen hat?
    Ja sie haben das vollkommen richtig verstanden.
    Von den abgestorbenen Organismen erreichen maximal 1% den Meeresgrund. 99% bleiben in dem ewigen Stoffkreislauf hängen. Das bedeutet sie werden entweder gefressen oder bakteriell abgebaut und letztlich wieder zu CO2 zersetzt. Dieses wird wieder von der Photosynthese genutzt um organische Materie zu produzieren. Ein ewiger Kreislauf.
    Jetzt werden sie sicherlich sagen. Photosynthese? Die findet doch nur in den obersten Metern statt und der Ozean ist im Durchschnitt 6000m tief. Stimmt, aber der Großteil wird in den obersten 500m remineralisiert und durch Up-welling-Events (Stürme, Ströhmungen etc.) kommt das (meist im Winter) wieder hoch und gibt den Algen die Grundlage für ihre Frühjahrsblüten. Dieses Gleichgewicht hat sich über die letzten vielen 100 Millionen Jahren eingestellt.

  2. ErnstJoergS sagt:

    @MarineBiologist
    Bei der CCD...

    @MarineBiologist
    Bei der CCD spielt die Kohlensäure eine entscheidende Rolle.
    Meine Frage noch einmal:
    Habe ich Sie richtig verstanden, dass die Masse der verwesenden Organismen einen kleineren Einfluss gegenüber der Änderung der Zusammensetzung der Luft im Bereich von 0,0001 Volumenanteilen hat?

  3. @ErnstJoergS
    Bei der...

    @ErnstJoergS
    Bei der Kalkproduktion (Sei es nun Ihr erwähntes Calcit oder auch Aragonit) und Ablagerung handelt es sich in erster Linie um biologische und physikalische Prozesse. Die Geologie spielt hierbei noch keine Rolle. Da ich über dieses Thema Promoviere würde ich mich aber sehr für meine Fehler interessieren, damit ich sie korrigieren kann. Wenn sie diese bitte aufführen könnten, wäre ich Ihnen sehr verbunden

  4. ErnstJoergS sagt:

    @MarineBiologist
    Mit der...

    @MarineBiologist
    Mit der Geologie der Kalkablagerungen scheinen Sie nicht vertraut zu sein.

  5. @ ErnstJoergS
    Da lief ein...

    @ ErnstJoergS
    Da lief ein kleines bisschen was durcheinander. Für die Bildung von Kalk ist Kohlensäure nicht erforderlich, ganz im Gegenteil: Säuren senken den CaCO3-Sättigungskoeffizient. Soll heißen: Wird es zu sauer, löst sich Kalk chemisch auf. Aber ich kann mir denken was sie meinten und das wird sehr schwer zu erklären. Wenn sich CO2 im Wasser löst, entseht ein Gleichgewicht zwischen CO2 und Kohlensäure. Letzter dissoziert allerdings sofort zu Bicarbonat und Karbonat. Sie meinten sicherlich mehr Kohlensäure = mehr Karbonat und damit Kalk- (Calciumkarbonat) bildung. Leider funktioniert das Gleichgewicht nicht ganz so. Hier erstmal nur soviel: je basischer desto höher die Karbonatkonzentration. Die Ozeanversauerung führt also dazu, dass weniger Kabonat-ionen zur Verfügung stehen.
    Aber Sie haben vollkommen Recht: der Remineralisierungsprozess abgestorbenen organischen Materials setzt ebenfalls CO2 frei und würde somit auch zu einer Versauerung führen. Allerdings stellt sich hier ein Gleichgewicht zwischen Photosynthese (CO2-Zährung) und Atmung (CO2-Produktion) ein. Dafür ist das Sytem ausgelegt und gepuffert. Unser CO2 kommt noch zusätzlich oben drauf und führt damit zu der eigentlichen Versauerung.
    Somit langer Rede kurzer Sinn: Ja, sie haben mich richtig verstanden
    @Mo1234: danke, dass sie langsam den “wahren Kern” erkennen, dennoch würde mich interessieren wie Sie auf das “absolut mangelhaft” kommen. Ich kann keine Fehler erkennen. Wenn Sie etwas nicht verstehen, kann ich es allerdings gerne erläutern

  6. Mo1234 sagt:

    Danke für den Kommentar....
    Danke für den Kommentar. Obwohl der Artikel anscheinend einen wahren Kern hat, ändert sich nichts daran, dass der Artikel absolut Mangelhaft ist.

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