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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Evolution in Rom (I)

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Noch ein Event zur Charles Darwins 200. Geburtstag? Ja, noch einer: heute beginnt eine Konferenz ansehnlichen Ausmaßes über fünf Tage und einem Themenspektum...

Noch ein Event zur Charles Darwins 200. Geburtstag? Ja, noch einer: heute beginnt eine Konferenz ansehnlichen Ausmaßes über fünf Tage und einem Themenspektum von Paläontologie bis Theologie. Theologie? Klar Theologie, man tagt schließlich an der päpstlichen Universität Gregoriana zu Rom und unter der Schirmherrschaft des päpstlichen Kulturrates. Das dürfte also keine Geburtstagsfeier im Sinne jener werden, die neuerdings Darwins naturwissenschaftlicher Entdeckung einen gesetzlichen Feiertag angedeihen lassen wollen  (der Autor dieser Zeilen findet übrigens, daß, wenn es für eine naturwissenschaftliche Einsicht je einen Feiertag geben soll, es nur Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie sein kann, die ihn bekommt – am besten wäre da der 1.Mai umzuwidmen, das ist der Feiertag, bei dem nun wirklich niemand mehr versteht, was da eigentlich gefeiert wird).

Also keine Party. Tatsächlich ist schon der Titel dazu geeignet, gläubige Evolutionisten in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen: „Biological Evolution – Facts and Theories“. Allerdings, auch Zeitgenossen, denen Darwins Werk keineswegs die Antwort auf letzten Fragen verheißt, sondern für die sie „nur“ eine großartige naturwissenschaftliche Forschungsleistung ist, auch die dürfte hier die Gegenüberstellung von „Fakt“ und „Theorie“ irritieren. Das ist wissenschaftstheoretisch nicht ganz ohne (um es kurz zu sagen: es gibt in der Naturwissenschaft keine Fakten ohne Theorie, es sei denn man hängt positivistischen Ideen von vor 80 Jahren an. Umgekehrt gibt es naturwissenschaftliche Theorien ohne Fakten, die sind oft auch sehr anregend und unterhaltsam, aber im Allgemeinen ist es für eine Theorien immer besser, wenn es Fakten dazu gibt).  

Das andere, was an dem Paar „Facts & Theories“ bedenklich stimmt, ist die zumindest klangliche Nähe zu dem Mantra der Kreationisten und Vertreter von Intelligent-Design (ID aka God-of-the-Gaps, Lückenbüßergott), das da lautet: Darwins Evolutionstheorie? Das ist doch b l o ß eine Theorie (eben kein Fakt, wissenschaftstheoretische Feinheiten (siehe oben) darf man diesen Leuten nicht zumuten). Aber keine Bange. Der Vatikan hat ID-Leute nicht nur nicht eingeladen, sondern im Vorfeld sogar recht rüde ausgeladen: indem man erklärte, man wolle ID schon diskutieren – als gesellschaftliches Phänomen, dessen Ursache es ausfindigzumachen gilt.

Dennoch tauchen im Konferenzprogramm weitere Reizworte für Evolutionisten auf, Teleologie ist das eine, den Name Teilhard de Chardin ein anderes. Dabei sei erwähnt, daß unter den 36 Referenten der Tagung lange nicht alle Jesuiten und andere kluge Herren in Tippex-Krägen sind, sind sondern  auch in nichtkirchlichen Kreisen ziemlich prominente Forscher und Forscherinnen aus Europa und Nordamerika. Mal sehen was sie sich an diesem Ort zu sagen haben. (Fortsetzung folgt)


1 Lesermeinung

  1. Ich plädiere für die...
    Ich plädiere für die Quantentheorie als Feiertag!
    „… aber im Allgemeinen ist es für eine Theorien immer besser, wenn es Fakten dazu gibt)“
    Ach was! Das erinnert mich etwas an Inspektor Clouseau: Fakten, Fakten, Fakten…
    Die waren bei dem auch eher hinderlich ;-).

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