Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Copernicium und Cassiopeium

Nach Nicolaus Copernicus soll es also heißen, das Element 112. Das verkündete heute eine Pressemitteilung der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in...

Nach Nicolaus Copernicus soll es also heißen, das Element 112. Das verkündete heute eine Pressemitteilung der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt, wo das künstliche Element 1996 zuerst erzeugt wurde. Warum es so lange namenlos, oder nur mit dem provisorischen Namen Ununbium versehen bleib, davon war an dieser Stelle kürzlich bereits die Rede. Gefällt uns der Name? Nun, er klingt besser als einige, die zuvor für neue Elemente ausgesucht worden waren. Aber irgendwie erinnerte die Wahl dann doch an die Nobelpreis-Ehrung eines steinalten Wissenschaftlers, von welchem großen Teilen der wissenschaftlichen Öffentlichkeit gar nicht bekannt war, daß er überhaupt noch am Leben ist. Man ist etwas enttäuscht und vermutet, das Komitee habe sich wohl heftig gestritten und am Ende keinem der wirklich heißen Kandidaten erkoren, sondern einen, gegen den schon aus Denkmalschutzgründen wirklich niemand etwas haben kann.

Allerdings könnte es mit dem  Copernicium noch ein Problem geben. Zwar haben die Entdecker am GSI das Recht einen Namen vorzuschlagen. Doch die Taufe kann nur der Rat der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) spenden, und das wird sie frühestens in sechs Monaten tun, wenn der Vorschlag geprüft ist. Und geprüft wird, ob der vorgeschlagene Name den Empfehlungen der IUPAC für die Benennung von Elementen entspricht, in denen es ausdrücklich heißt: „To avoid confusion in the literature, when a name has been in unofficial use for a particular element, but a different name is ultimately chosen for that element, then the first name cannot be transferred for use for another element“. Zu deutsch: Ein Name, der schon einmal inoffiziell benutzt und dann verworfen wurde, ist für alle Zeiten verbrannt.  

Nun ist „Copernicium“ nie für ein Element in Gebrauch gewesen – wohl aber das von den GSI-Forschern ebenfalls vorgeschlagene Kürzel „Cp“. Bis 1949 war es im deutschen Sprachraum als Symbol für ein anderes Element in Gebrauch, das 1907 gleichzeitig von einem österreichischem und einem französischen Chemiker entdeckt worden war und dann 44 Jahre lang zwei Namen trug: in Frankreich, Rußland und der englischsprachigen Welt Lutetium (abgekürzt Lu), in Deutschland und Österreich Cassiopeium – kurz Cp. Diese Situation war sicher auch Folge des damaligen Erbfeindschafts-Gefasels und die schlussendliche Niederlage des Cassiopeiums hat nicht nur mit der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg sondern durchaus auch etwas mit dem von den Nazis eifrig beförderten Niedergang Deutschlands als Supermacht der Wissenschaft zu tun. Nun darf man gespannt sein, wie die IUPAC mit einem abermaligen „Cp“ aus Deutschland umgeht. Sie könnten auf dem Symbol „Cn“ bestehen (Co ist schon vergeben). Vielleicht kehrt sie das Problem aber auch stillschweigend unter den Teppich, was dann die endgültige damnatio memoriae des Cassiopeiums bedeuten würde – und wer weiß: vielleicht war das ja auch ein heimliches Motiv für diese Namenswahl.