Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Nur so weiter

 Das ist mal eine frohe Botschaft: Mehr als die Hälfte aller heute in den Industriestaaten geborenen Kinder kann damit rechnen, hundert Jahre alt zu...

 Das ist mal eine frohe Botschaft: Mehr als die Hälfte aller heute in den Industriestaaten geborenen Kinder kann damit rechnen, hundert Jahre alt zu werden. Behaupten jedenfalls dänische und deutsche Demographen in der aktuellen Ausgabe von Lancet. Wie sind die Forscher darauf gekommen? Ganz einfach: Sie haben ein Lineal an die Grafik gelegt, die die Entwicklung der Lebenserwartung seit 1850 zeigt. Damals lag sie bei knapp 45 Jahren, heute beträgt sie knapp 80. Und wenn das so weitergeht, ganz klar, werden alle immer älter.

Ähnlich hat ja auch schon der Vater der Bevölkerungswissenschaft, Johann Peter Süßmilch, argumentiert. Weil die Zahl der Geburten im Königreich Preußen stets höher liege als die Zahl der Sterbefälle, schrieb der Theologe 1741, und weil das anderswo auch nicht anders sei, werde die Zahl der Menschen mählich steigen und steigen, ganz im Sinne der göttlichen Vorsehung.

Nun lehrt allerdings die Biologie, dass jedes biologische Wachstum auch ein natürliches Ende hat. Entscheidend für die Größe der Weltbevölkerung ist die Tragekapazität der Erde; maßgebliche Ursache für den Anstieg der Lebenserwartung war die gesunkene Säuglingssterblichkeit. Weiter sinken kann sie hierzulande praktisch nicht mehr. Der Trend des 20. Jahrhunderts ließe sich linear nur fortschreiben, wenn es gelänge, die beiden größten Killer, also Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu besiegen. Und Seuchen wie Grippe oder Aids noch dazu.

Die Wissenschaft arbeitet dran. Mehr lässt sich heute nicht sagen.