Planckton

Planckton

Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Schätzings Schatz: Was ist Helium-3 ?

Am heutigen Donnerstag ist Frank Schätzings auf der Buchmesse (um 13:00 am F.A.Z. Stand übrigens). Soweit sich bisher absehen läßt, weisen...

Am heutigen Donnerstag ist Frank Schätzings auf der Buchmesse (um 13:00 am F.A.Z. Stand übrigens). Soweit sich bisher absehen läßt, weisen die 1328 Seiten seines neuen Schmökers „Limit“ den Kölner einmal mehr als einen naturwissenschaftlich überdurchschnittlich gut informierten Thriller-Autor aus, wobei Schätzing natürlich auch noch andere Quellen nutzt (Stichwort „räkelnder Latinaköper“). Eine Frage allerdings hätte der Leser doch am Romananfang bereits gerne geklärt gewußt: Was, bitteschön, ist Helium-3? Und warum soll uns ausgerechnet diese Substanz uns einmal aus dem fosslilen Zeitalter samt seiner gegewärtigen Hauptgeisseln, dem Klimawandel und dem petrodollarfinanzierten Islamismus befreien? Ist das am Ende doch alles bloß Science-Fiction?

    Das Edelgasisotop Helium-3 ist in der Erdkruste seltener als Iridium, das seltenste nichtradioaktive Metall. Dennoch fasziniert es seit etwa 1986 die Energievisionäre und die Medien. Damals wies Gerald Kulcinski von der University of Wisconsin darauf hin, dass im Staub auf der Mondoberfläche erhebliche Mengen des Edelgases lagern müssten. Denn häufiger als auf der Erde findet sich Helium-3 im Sonnenwind, dessen Partikelstrom der Mond mangels eines Magnetfeldes ungeschützt ausgesetzt ist. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2007 könnten auf dem Erdtrabanten über zwei Millionen Tonnen Helium-3 schlummern.

    Käme man da heran, wäre es theoretisch tatsächlich möglich, daraus Energie zu gewinnen: durch Kernfusion. Die Sache hat nun ein paar Haken. Einmal existiert diese Technologie noch nicht – auch wenn seit über 50 Jahren mit großem Aufwand daran geforscht wird und seither (langsam und daher weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit) auch ein paar schöne Forschritte erzielt wurden. Bei diesen Versuchen geht es aber um die Verschmelzung von Wasserstoff, genauer: des schweren Isotops Deuterium mit dem noch schwereren, radioaktiven Tritium. Das ist schwierig genug. Denn erstens bedarf es dazu Temperaturen von mehreren hundert Millionen Grad, zweitens wird die Energie in Form von Neutronen frei. Diese sind elektrisch neutral und müssen in Materie eingefangen werden, um dort ihre Bewegungsenergie in nutzbare Wärme zu verwandeln. Das verteuertert einen Fusionsreaktor, dessen Wände die Neutronen zudem noch korrodieren und radioaktiv werden lassen.

    Ließe man Deuterium aber anstatt mit Tritium mit Helium-3 verschmelzen, trügen nicht mehr Neutronen, sondern Protonen das Gros der freiwerdenden Energie davon, welche dann aufgrund der elektrischen Ladung der Protonen direkt verfügbar wäre. Leider reagiert Helium-3 mit Deuterium erst bei zehnmal höheren Temperaturen als Tritium; in solcher Hitze kommt es zu Nebenreaktionen, bei denen dann doch Neutronen entstehen. Das mindert die Attraktivität von Helium-3 als Fusionsbrennstoff erheblich – es sein denn, es gelänge, Reaktoren zu bauen, in denen sich reines Helium-3 verschmelzen ließe. Doch solche Reaktionen erfordern Temperaturen, die alles heute technisch Machbare übersteigen.

    Insofern ist das Ganze bis auf weiteres doch Science-Fiction und probater Stoff für Romane wie „Limit“, zu dem sich übrigens problemlos eines Fortsetzung schreiben ließe: Denn würde man den gegenwärtigen globalen Energiebedarf von etwa 16 Terawatt allein aus der Verschmelzung von Helium-3 decken, dann wären die Vorräte auf dem Mond in etwa tausend Jahren aufgebraucht (die Daten, aus denen man sich das ausrechnen kann, finden sich hier). Aber keine Bange. Menschheit: Noch viel mehr Helium-3 als auf dem Mond gibt es auf dem Jupiter.