Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Der LHC läuft wieder!

| 10 Lesermeinungen

Am europäischen Zentrum für Elementarteilchenforschung Cern bei Genf ist die Freude groß. Seit Freitagabend 22:00 Uhr kreisen wieder Wasserstoffkerne im...

Am europäischen Zentrum für Elementarteilchenforschung Cern bei Genf ist die Freude groß. Seit Freitagabend 22:00 Uhr kreisen wieder Wasserstoffkerne im Large Hadron Collider (LHC), dem weltweit leitungsfähigsten Teilchenbeschleuniger und Speicherring. „Es großartig, wieder einen Teilchenstrahl im LHC umlaufen zu sehen“, sagte Rolf-Dieter Heuer, der Generaldirektor des Cern, sichtlich erleichtert, auch wenn er einräumen musste, dass noch ein großes Stück Arbeit zu bewältigen ist, bevor erstmals physikalische Experimente durchgeführt werden können.

Am 10. September des vergangenen Jahres hatte man erstmals versucht, den 27 Kilometer langen Speicherring in Betrieb zu nehmen, Protonen einzuspeisen und umlaufen zu lassen. Zunächst mit Erfolg. Doch neun Tage später, als man das Magnetfeld der supraleitenden Magnete, die die Teilchenstrahlen auf Kurs halten, langsam hochfahren wollte, war es zu einem Kurzschluss gekommen, in dessen Folge einige der mehr als tausend Magnete beschädigt wurden. Länger als ein Jahr hat es gedauert, die beschädigten Magnete auszutauschen, alle supraleitenden Kontakte zwischen den Magneten zu testen und das Sicherheitssystem des LHC zu verbessern. Ganz zu schweigen vom zeitaufwändigen Erwärmen und Abkühlen der Anlage von Raumtemperatur auf ihre Betriebstemperatur von minus 271 Grad. Rund 30 Millionen Euro haben die Reparaturarbeiten am LHC gekostet, dessen Baukosten sich auf etwa drei Milliarden Euro belaufen. Der LHC ist das teuerste Projekt der Teilchenphysik, von dem sich die etwa 6000 am LHC tätigen Forscher aus aller Welt, neuen Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und den Vorgängen erhoffen, die sich während der ersten Milliardstel Sekunde nach dem Urknall abgespielt haben.

Die Protonen waren am Freitagabend zunächst noch mit einer recht moderaten Energie und in einer Richtung zirkuliert – mit 450 Gigaelektronenvolt (Milliarden Elektronenvolt), statt der maximal möglichen 7000 Gigaelektronenvolt. Man will nun recht schnell dazu übergehen, zwei Protonenstrahlen, die gegensinnig in dem Beschleunigerring umlaufen, zur Kollision zu bringen. Das soll bereits in einer Woche erfolgen.Verläuft alles nach Plan, wird die Energie der jeweils zirkulierenden Teilchenstrahlen schrittweise auf 3500 GeV erhöht. Bei der Kollision von zwei Protonenstrahlen wird dann eine Energie von 7000 GeV freigesetzt. Das, so hoffen die Betreiber des LHC, wird im Januar kommenden Jahres sein. Einen genauen Terminplan hat der Cern nicht genannt, da wegen der Komplexität des Beschleunigers man durchaus mit Verzögerungen rechnen muss.

Anders als im vergangenen Jahr ist der Starttermin des LHC kurzfristig bekannt gegeben worden. Auch hat man dieses Mal keine Medienvertreter zur Inbetriebnahme eingeladen. Erst wenn erstmals energiereiche Protonen kollidieren, darf die Presse den Experimenten beiwohnen. Offenkundig möchte man sicher sein, dass alle Systeme stabil laufen. Manfred Lindinger


10 Lesermeinungen

  1. @eduardheindl: Ich glaube es...
    @eduardheindl: Ich glaube es handelt sich ganz allgemein um das Symbolbild für den Wissenschaftsblog namens „Planckton“, ist also nicht speziell für diesen Artikel gedacht.

  2. Sehr merkwürdiges Symbolbild...
    Sehr merkwürdiges Symbolbild zum Artikel. Da wird ein Stück DNA aus dem Zellkern dargestellt, der Zellkern hat aber überhaupt nichts mit dem Atomkern und dieser sehr wenig mit dem LHC Experiment zu tun.

  3. @spokelig
    Sie rieten mir, mich...

    @spokelig
    Sie rieten mir, mich etwas intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Dazu möchte ich folgendes sagen. Ich befasse mich seit über einem Jahr intensiv mit der Materie und habe inzwischen mehrere 100 Seiten Fachaufsätze von CERN Physikern hinter mir. Das Resümee ist eindeutig. Die physikalischen Hinweise deuten darauf hin, dass eine Zerstörung der Erde recht unwahrscheinlich ist, auszuschließen ist es aber natürlich nicht. In diesem Falle halte ich es daher für angebracht, Respekt und Vorsicht walten zu lassen und eine unabhängig organisierte Sicherheitsstudie in Auftrag zu geben. Ich weiß nicht, ob ich Sie davon überzeugen kann (vermutlich nicht), aber vielleicht gibt es ja noch Leser, deren Meinung nicht feststeht.
    Ich habe mehrere Vorträge zu dem Thema gehalten, ganz einfach um die persönliche Meinung möglichst vieler Menschen zu erfahren. Einen Kommentar eines Physikers, der am CERN promoviert hat, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Zitat: „Du hast im Prinzip recht mit Deinen Behauptungen, jedoch mache ich mir nicht wirklich Sorgen um Schwarze Löcher, da wir die Physik Schwarzer Löcher schon recht gut verstehen. Wenn überhaupt, so würde ich mir über das Entstehen stabiler Strangelets Sorgen machen, da wir hierüber fast garnichts wissen. Prinzipiell teile ich deine Forderung nach einem unabhängigen Kontrollgremium, da zwangsläufig eine Befangenheit der CERN Physiker vorliegt.“Zitatende. Ich hatte auch mal einen der führenden CERN-Physiker nach einem seiner Vorträge zu dem Thema „Sicherheit“ befragt. Seine Antwort…Zitat: Natürlich ist die Hawking-Strahlung nur eine Theorie und auch über die Wachstumsgeschwindigkeit gibt es nur Theorien. Wir glauben zwar, dass sie stimmen, wissen es aber natürlich nicht. Wir würden auch niemals so ein Experiment verantworten, wenn die Hawkingstrahlung der einzige Beweis wäre. Aber die Existenz langlebiger Neutronensterne trotz des Bombardements mit kosmischer Höhenstrahlug beweist, dass das Risiko „Null“ ist. „Zitatende.
    Wem dieser Beweis genug ist, der möge sich zurücklehnen. Ich denke die Geschichte zeigt uns jedoch, dass allzu optimistische Vorhersagen der Fachwelt sich schon mehr als einmal als falsch herausgestellt haben. Es gilt alles zu tun, um einen Fehler auszuschließen. Wer sich näher informieren möchte. Unter https://www.concerned-international.com/ läßt sich die kürzlich eingereichte UN-Beschwerde herunterladen. Hier sind die physikalischen Hintergründe deutlich von CERN-unabhängigen Fachleuten erörtert.

  4. @egon: Das klingt nach...
    @egon: Das klingt nach Bild-Zeitung :)
    @Fassbender19: Es gibt wirklich nichts auf der Welt wo die Gefahrlosigkeit bewiesen wurde. Fällt dir etwas ein? Autofahren vielleicht? Kernkraftwerke? Solarium? Mikrowellen? Fussball spielen? Den Fuß vor die Tür setzen? Sich auf einen Stuhl setzen? Es gibt so viele Leute die sich beim umkippen mit einem Stuhl das Genick gebrochen haben! Forschung kann man nicht aufhalten und man sollte es auch nicht versuchen. CERN und ITER sind meiner Meinung nach die wichtigsten Projekte in Sachen Forschung. Ich stehe zu 100% dahinter und das ist eine der wenigen Sachen die ich wirklich weiss :)
    @alle-die-sich-gerne-über-Forschungsausgaben-aufregen: Googlet doch mal nach ITER :)

  5. Viel gefährlicher als die...
    Viel gefährlicher als die meisten Experimente ist doch die allgemeine Verdummung der Menschheit!

  6. Viel Geld für ein...
    Viel Geld für ein Hirngespinst verpulvern. Die haben doch einen (Ur)Knall!

  7. @Fassbender19:
    Nein, nüchtern...

    @Fassbender19:
    Nein, nüchtern betrachtet ist das kein Skandal, sondern ein Garnix. Der eigentliche Skandal – und das ist leider immer wieder zu beobachten – ist, daß völlig aus der Luft gegriffenenen Behauptungen in der Öffentlichkeit sehr viel mehr Raum eingeräumt wird als der Vernunft.
    Warum sollten die Wissenschaftler auf jede vage apokalyptische Phantasie eingehen, die keinerlei Grundlagen in den Fakten haben? Und trotzdem – sie haben es getan, mit einer unglaublichen Geduld und Ruhe. Leider scheint so etwas nicht attraktiv genug für die große Presse, da ist die Morgen-geht-die-Welt-unter-Schlagzeile doch interessanter.
    Es ist das alte Problem, daß langweilige Fakten in der Öffentlichkeit keine Chance gegen spannende Lügen und Behauptungen haben. Davon sind alle Wissenschaften betroffen, Physik und Biologie trifft es derzeit wohl am meisten.
    Ihr Satz über die Neutronensterne und Höhenstrahlung zeigt leider, daß Sie sich auch mit dem Thema noch etwas näher befassen sollten. Die Erde wird nicht untergehen, nur weil ein paar Leute das aus dem blauen Dunst heraus behaupten. Die (unsinnige) Diskussion wurde geführt, sie wird geführt, und die Argumente sind überall nachzulesen.
    Und es wäre schön, wenn der Bedarf an Weltuntergangsnachrichten eines Tages gesättigt wäre. Dann könnte man sich den Tatsachen widmen, statt unsinnige Gefechte gegen Hirngespinster zu führen…

  8. Das entscheidende Experiment...
    Das entscheidende Experiment wird dann am 20. Dezember 2012 stattfinden. Uuups…
    Nein im Ernst: Ich wünsche den LHC-Forschern gutes Gelingen.

  9. Der LHC läuft wieder - Die...
    Der LHC läuft wieder – Die Gefahrlosigkeit ist noch immer nicht bewiesen!
    …Aber das scheint niemanden zu stören. Die Diskussion um Schwarze Löcher ist offenbar out. Dabei wäre es die Aufgabe der Medien, eine Diskussion in der Gesellschaft zu fördern, wer eigentlich bestimmen darf, wie weit die Wissenschaft gehen darf und welche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden sollten, wenn die Erde auf dem Spiel steht. Auch wenn das Risiko gering erscheinen mag, wie groß es wirklich ist, weiß niemand. Immerhin ist der einzig anerkannte „Beweis“ für die Gefahrlosigkeit der Experimente die Existenz langlebiger Neutronensterne trotz des Bombardements mit kosmischer Höhenstrahlung. In der breiten Bevölkerung ist das aber noch immer nicht angekommen. Der Bedarf an Weltuntergangsnachrichten ist offenbar gesättigt. Es ist nicht nur schade, dass die Medien Ihrer Pflicht nach Aufklärung nicht nachkommen. Es ist nüchtern betrachtet ein Skandal. Aber wen stört’s?

  10. CERN:
    Er lag so fern, der Kern...

    CERN:
    Er lag so fern, der Kern vom CERN.
    Ein Proton hätt‘ er sicher gern.
    Jetzt ist das Proton wieder da,
    der Kern vom CERN uns allen nah.
    Nur tief, ganz unten im Versteck,
    da sind glatt 30 Mille weg.

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