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Die Spaziergänger-Seuche II: Drastische Maßnahmen nach sechs Todesfällen

Das Q-Fieber, eine von Schafen und Ziegen auf den Menschen übertragbare Erkrankung, breitet sich in den Niederlanden noch schneller als in Deutschland aus....

Das Q-Fieber, eine von Schafen und Ziegen auf den Menschen übertragbare Erkrankung, breitet sich in den Niederlanden noch schneller als in Deutschland aus. Mehr als 2300 Erkrankungsfälle bei Menschen wurden 2009 im Nachbarland registriert – 2007 hatten sich nur 170 und 2008 immerhin schon 900 Menschen angesteckt. Nachdem nun sechs Patienten an der bakteriellen Erkrankung gestorben sind, haben die niederländischen Behörden entschieden, in besonders betroffenen Regionen mehr als 50.000 Ziegen zu töten. Tragende und männliche Tiere sollen eingeschläfert werden, weil das Bakterium Coxiella burnetii, das Q-Fieber auslöst, bei der Geburt massiv ausgestoßen wird, aber auch über Sperma übertragen werden kann. „Ein großes Drama“, urteilt die niederländische Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg über die Keulungen, die vor allem in der südlich gelegenen Provinz Noord-Brabant stattfinden. Die Tötungen wurden nur während der Weihnachtstage kurz unterbrochen.

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Ziegenfarm in den Niederlanden

Wie in diesem Blog schon vor sechs Wochen berichtet, stecken sich mittlerweile nicht mehr nur Landwirte, Tierärzte oder Schlachthofpersonal an – früher einmal die Risikogruppen schlechthin für die Erkrankung, die einem grippalen Infekt ähnelt, aber auch einen fatalen Verlauf nehmen kann. In jüngster Zeit infizieren sich immer häufiger auch Spaziergänger, die Schafweiden passieren, und Anwohner in Gebieten, in denen viele Schafe und Ziegen gehalten werden. Der Erreger kann – an Staubpartikel gebunden – Entfernungen von mehreren hundert Metern überwinden; Menschen infizieren sich dann durch die Atemluft. Die Erkrankung kann akut mit Grippesymptomen verlaufen, einen chronischen Verlauf nehmen oder auch zu Herzmuskel- und Leberentzündungen oder Meningoenzephalitiden führen. Die in den Niederlanden gestorbenen Q-Fieber-Patienten hatten an verschiedenen Grunderkrankungen gelitten.

Übersichtskarte der Q-Fieber-Fälle in den Niederlanden bis Mitte 2009:

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Für den sprunghaften Anstieg der Erkrankungsfälle beim Menschen haben die Niederländer noch keine Ursache gefunden. Allerdings könnte die steigende Nachfrage nach Ziegenkäse mitverantwortlich sein: Aus diesem Grund gibt es immer mehr Großbestände. Außerdem mutmaßen Seuchenexperten, dass wärmere Sommer eine größere Staubentwicklung nach sich ziehen, wodurch der Erreger weiträumiger verteilt wird. Im neuen Jahr gilt in den Niederlanden nun eine Impfpflicht gegen Q-Fieber für alle Schafe und Ziegen.

In Deutschland ist der Impfstoff bislang nicht zugelassen. Aber auch hier überraschten unlängst gestiegene Infektionszahlen beim Menschen. Das Robert-Koch-Institut hat mittlerweile Informationen zum Thema zusammengestellt. Angesichts der drastischen Maßnahmen im Nachbarland betont das Friedrich-Loeffler-Institut als Referenzstelle für Tierseuchen allerdings in einer Stellungnahme, die Fallzahlen in deutschen Tierbeständen seien nicht ungewöhnlich hoch.

Die Situation in Deutschland könnte sich allerdings schnell ändern: Das niederländische Institut für Öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM: Übersichtsseite über Q-Fieber hier) hat jetzt eine Karte veröffentlicht, auf der die Infektionsherde verzeichnet sind. Mehrere der für eine Ausbreitung der Seuche kritischen Fünf-Kilometer-Zonen um die betroffenen Betriebe reichen bis nach Deutschland.

Ein Info-Portal des Niederländischen Landwirtschaftsministeriums zu Q-Fieber findet sich hier.