Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Schwarze Minilöcher am Cern? – Lasst Euch nicht irremachen!

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Bei Bild.de ist es schon zu lesen: „Es ist das gefährlichste Experiment der Menschheit". In einigen Stunden wird man wahrscheinlich ähnliches auf vielen...

Bei Bild.de ist es schon zu lesen: „Es ist das gefährlichste Experiment der Menschheit“. In einigen Stunden wird man wahrscheinlich ähnliches auf vielen Nachrichtenkanälen hören und gleichzeitig vernehmen, dass bei diesem besagten Experiment möglicherweise Schwarze Löcher erzeugt werden, die die ganze Erde verschlingen können. Gemeint ist der neue Teilchenbeschleuniger des europäischen Forschungszentrums, in dem an diesem Dienstagmorgen erstmals Wasserstoffkernen mit bislang unerreichter Energie kollidieren sollen.

Es ist tatsächlich ein waghalsiges Unternehmen, die Protonenstrahlen in dem 27 Kilometer langen „Large Hadron Collider“ (LHC) exakt aufeinander zu lenken. Allerdings eher beschleunigertechnisch. Der Chef der Beschleunigergruppe des Cern, Steve Myers, hat das Vorhaben in der vergangenen Woche mit zwei Stecknadeln verglichen, die sich auf dem Weg durch den Atlantik, exakt an einem Punkt treffen sollen. Denn die Protonenstrahlen, die mit einer  Energie  von 3500 Gigaelektronenvolt gegensinnig  (zum Vergleich: die herkömmliche Elektroneröhre schaffte 20 keV) umlaufen werden, sind recht steif, und deshalb entsprechend schwer an einer Stelle im Beschleuniger zusammenzuführen, damit sie miteinander kollidieren.

Dass dabei Schwarze Minilöcher entstehen, die – sie wären allenfalls so groß wie ein Proton – ist eher unwahrscheinlich. Dass diese Objekte, die Materie in ihrer Umgebung anziehen, absorbieren und dadurch zu wachsen beginnen, ist jedoch gänzlich unwahrscheinlich. Kritiker werden das Gegenteil behaupten.

Ja, es gibt theoretische Modelle, die es für möglich halten, dass solche Schwarzen Minilöcher entstehen können, wenn zwei extrem energiereiche Teilchen exakt frontal miteinander kollidieren.
Doch diese setzen voraus, dass das Universum mehr als drei Raumdimensionen hat, möglicherweise insgesamt elf oder zwölf! Zudem müssen die kollidierenden Teilchen schon extrem hohe Energien haben und die werden am Dienstag im LHC beileibe nicht erzeugt. Und wenn die Schwarzen Minilöcher tatsächlich entstünden, dann würden sie in nullkommanix wieder zerstrahlen, noch ehe sie überhaupt Materie aufsaugen könnten.
Das bestätigen bislang alle seriösen Berechnungen, die von Seiten des Cern, aber vor allem von unabhängigen Theoretikern gemacht wurden. Hier ist eine nützlicher Link:
https://www.einstein-online.info/de/vertiefung/Beschleuniger_SL/index.html

Die Verfechter der Schwarzen-Löcher-Gefahr führen natürlich eigenen Experten an. Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied. Am Cern nimmt man die Ängste der Kritiker durchaus ernst und hat mehrmals dasGespräch gesucht.  Die Kritiker beharren unbeirrbar auf ihre Rechnungen und mutmaßen sogar eine Art Verschwörung hinter den Experimenten am Cern. Auch auf der Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Bonn, wo sich vor zwei Wochen viele Teilchenphysiker getroffen haben, waren offenkundig keine Gegner der Cern-Experimente anzutreffen. Dort hätten sie interessierte Gesprächspartner finden können.

Die Energie die bei den Teilchenkollisionen entstehen, wird dreieinhalb mal so hoch sein, wie beim Tevatron-Beschleuniger am Fermilab in Chicago. Und dort kollidieren Protonen und Antiprotonen routinemäßig schon seit Jahren, ohne dass in der zwei Kilometer langen Anlage sich eine Spur eines Schwarzes Loch gezeigt hätte. Schade eigentlich, denn das wäre eine wahre Sensation. Aber keine Sorge, die Gebilde würden sich nur in dem charakteristischen Zerfallsverhalten zeigen. Die entstehenden Sekundärteilchen würden gleichmäßig in alle Richtung emittiert, wie Simulationen zeigen.

Dieser Dienstag wird so ähnlich verlaufen wie der 10.September 2008, als man erstmals Protonen im „Large Hadron Collider“ zirkulieren ließ. „Es ist kein Schwarzes Loch am Cern entstanden“, war Abends in den Nachrichten zu hören.

 

 


1 Lesermeinung

  1. Mir fällt zu der...
    Mir fällt zu der Berichterstattung der Bild nur „Hic sunt leones.“ ein. ;)

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