Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Der Pausenterror der Klima-Akteure

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[UPDATE v. 16.01.2013: Aktuelle Informationen inklusive Illustration zur Erwärmungs-Abkühlungsdebatte am Ende dieses Textes] Mir brummt mal wieder der...

[UPDATE v. 16.01.2013: Aktuelle Informationen inklusive Illustration zur Erwärmungs-Abkühlungsdebatte am Ende dieses Textes]

Mir brummt mal wieder der Schädel. Ein furchtbares, ganz charakteristisches, oft sehr plötzlich auftretendes Brummen im Vorderhirn. Es macht sich immer dann bemerkbar, wenn in dem speziellen Hirnareal, das ich dort für diese Zwecke eingerichtet habe, die axonale Hornhaut durchbrochen und, eingeleitet durch fortgesetzte  Depolarisationen zahlreicher Nervenzellmembranen, eine fatale Folge von Aktionspotentialen generiert wird. Das kommt gottseidank selten vor. Denn der Auslöser für diese verhängnisvolle Hirnaktivität sind Meinungsäußerungen von Zeitgenossen, die in dem wissenschaftlich weitgehend abgeschotteten Biotop der Klimawandelskeptiker, -leugner und -relativierer zu finden sind. Wer schon einmal den Versuch unternommen hat, sich mit seinem Klarnamen in die mutmaßlich ebenfalls sehr speziellen Hirnwindungen dieser basal wissenschaftsinteressierten Spezies vorzutasten, oder sich den Protagonisten sogar mit Mailadresse auszuliefern, versteht sofort, was gemeint ist.  Kurz gesagt: Sensorischer Durchzug wäre die Ideallösung.

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Die ist so leider nicht immer zu realisieren als Wissenschaftsjournalist, der sich  mit geophysikalischen und klimatologischen Arbeiten beschäftigt. Deshalb kommt es wie zwischen den Jahren oder nun, bedauerlicherweise kurz hintereinander, vor, dass das Vorderhin bis zum Platzen wie beschrieben malträtiert wird. Gegenmaßnahmen sind geboten.  Leider verlaufen Selbsttherapieversuche, auch wenn sie einen seriösen Anstaz bieten, nicht immer glücklich. Wie in einem Fall, als ein Weltverschwörungstheoretiker mit akademischem Titel kürzlich den Weltklimarat im Namen „einer der renommiertesten Journalisten Kanadas (mit dem zugegeben herzerfrischenden Namen Donna Lafroimboise) argumentativ zur Strecke zu bringen versuchte. Und das noch in der sicheren Erwartung, dass man den Jeanne-d’Arc-würdigen Aufschrei der kanadischen Eisfee („Löst das IPCC auf!“) auch fern der Polarfront ernst- oder gar übernehmen möge. Der Preis, der für tolerantes Kummunikationsverhalten in diesen Kreisen zu entrichten ist, macht allerdings jeden Therapieerfolg zunichte. Denn jede halbwegs inhaltlichargumentative Regung wird natürlich in den besagten Kreisen per Emailvertreiler herumgereicht und es stellt sich dieses ungute Gefühl des intellektuellen Missbrauchs ein.

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Von wegen Abkühlung: Australiens Wetterdienst hat seiner Prognose jetzt eine neue Farben verpassen müssen, weil in Landesteilen deutlich über 50 Grad vorhergesagt wurden.

Immer gut also, man hat Unterstützung. Wie nach der zweiten klimaepileptischen Attacke im präfronateln Kortex, die diesmal allerdings in Großbritannien quasi ferngezündet wurde. Der „Telegraph“  (link) meldete Stillstand für den Klimawandel. Das hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Eine, die nicht etwa gegen den Telegraph gerichtet war, der – sagen wir es freundlich – interpretationslustig – über eine neue Modellrechnung des britischen Wetterdienstes berichtet e und die falschen Schlüsse zog, sondern gegen den Wetterdienst und die Klimaforschung im Allgemeinen. Mein Lieblingskurzkommentar aus dieser Reihe der Klimawandel-das-wars-Mitteilungen geht so (hier der Originaltweet): „The ipcc is more certain of anthropogenic warming than scientists are certain that mobile phones won’t give you cancer“. Übersetzt: Der IPCC ist sich zumindest sicherer, was den anthropogenen Klimawandel angeht, als die Wissenschaften, dass Handys Krebs auslösen können. Immerhin nicht falsch.

Das britische Science Media Centre mit seinem starken personellen Backup an Experten hat die Dinge inhaltlich schnell zurecht zu rücken versucht. Kommentare von Richard Allen, Myles Allen, Brian Hioskins und Chris Rapley haben mit der gebotenen Distanz deutlich gemacht, dass, wie der Oxforder Myles Allen schreibt, „es dumm wäre, die neuen Modellergebnisse so zu interpretieren, dass das was seit dem Jahr 2000 passiert ist,  ein Beweis für den Stillstand des Klimawandels wäre“.

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Was also war geschehen? Das BBC hat es in gewohnt schneller und Leseanreiz liefernder Weise („Klimamodell-Vorhersage revidiert“) zusammengefasst, was der britische Wetterdienst herausgebracht und wie es im Wetterdienst heisst, „aus Gründen der Transparenz“ – doch ohne mediale Verstärkerabsichten – an Heiligabend des Vorjahres auf seine Webseite gestellt hatte (was die bloggenden Verschwörungstheoretiker zusätzlich animierte). Es geht um die Ergebnisse des HadGEM3-Modells (hier das Update dazu vom Met Office), einem jener seit Jahrzehnten entwickelten mittelfristigen Vorhersagemodelle, mit denen aber weder die Klimaforscher noch die Meteorologen so recht warm werden wollen. Der Grund: Die mittelfristige – dekadische –  Vorhersage, hier insbesondere die Prognose von jahreszeitlichen Wetterentwicklungen über mehrere Jahre, die gegebenenfalls sehr servicenah in der Landwirtschaftsberatung etwa in Extremwetter gefährdeten Regionen nützlich wäre, hat sich als nicht ausreichend reproduzierbar erwiesen. Deshalb wird auch betont, dass es sich bei dem revidierten Modell  des Hadley-Centres HadGEM3 um ein „experimentelles Prognosemodell“ handele. Fakt ist: Das neuer Modell hat in Versuchen die jüngste Klimaentwickjlung zuverlässiger reproduziert als das Vorgängermodell. Und deshalb glaubt man ihm, bei allen grundsätzlichen Einschränkungen, auf Seiten des Met Office mehr als dem alten Modell.

Nach der jüngsten Rechnung kommt nun heraus:  Zwischen den Jahren 2012 und 2017 dürfte die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur im Vergleich zur Basis zwischen 1971 und 2000 bei +0,43 Grade liegen; nimmt man die Unsicherheiten dazu, liegt die wahrschieinliche Erwärmung im Bereich zwischen +0,28 bis +0,59 Grad. Das alte Modell war zu einer Erhöhung um +0,36 bis  +0,72 Grad, also  im Mittel um +0,54 Grad gekommen. Der neue Wert liegt insgesamt nur knapp über der Temperaturanomalie von 1998, als ein gewaltiger El Nino den Globus vom tropischen Pazifik aus ungewöhnlich stark aufgeheizt hatte. Sieht man sich die Temperaturkurve nun unkritisch unter Einschluss der neuen – experimentellen –  Prognosedaten an, kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass von einer beschleunigten Erwärmung, wie sie die ungebrochen wachsenden Kohlendioxidemssionen nahe legen, kaum eine Rede sein kann.

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Kurvenreich: Das Ergebnis der HadGEM3-Studie Quelle Met Office

Die Hoffnung besteht, dass nun an der Stelle der gesunde wissenschaftliche Sachverstand nicht aussetzt oder gar vorsätzlich lahmgelegt wird, wie das bei dem Thema gelegentlich impfkampagnenhaft der Fall ist. Und tatsächlich ist genau dies geschehen. Statt also erst einmal darauf zu hören, wie die neuen Daten zustande kommen und wie die Aussagekraft des Experiments geophysikalisch einzuordnen sein könnte, werden die Unheilsglocken der Kassandra geläutet und die Kapitulation der Klimakatastrophenforschung gefordert. Solchen Auswüchsen  ist auch ein weitgehend schon refraktäres Klimaskespsiskontrollzentrum in meinem Frontalhirn ziemlich machtlos ausgeliefert.

Dabei gab es relativ schnell nach dem Bekanntwerden der Kurve schon brauchbare Erklärungsansätze (und sie kursieren schon länger auch in Skeptikerkreisen, weil eine Abschwächung der Erwärmung aufgrund natürlicher Klimaschwankungen länger schon diskutiert wird). Der Ozeanograph Richard Allen aus Reading zum Beispiel legt seine jüngste Studie vor,  in der er zeigt, dass ein Großteil der in der treibhausgasgeschwängerten Atmosphäre gespeicherten Energie quasi unter der Meeresoberfläche zwischengelagert wird. Chris Rapley vom University College, der sich „fast verzweifelt“ angesichts der Fehlinterpretationen durch Blogger gibt, beziffert die Wärmeaufnahmekapazität der Ozeane auf neunzig Prozent. Die Botschaft ist klar: Die Schieflage des Energiehaushaltes und insbesondere die  treibhausbedingte Erwärmung sind nicht eins zu eins am Hausthermometer abzulesen. Für die „Pause“ im Globaltemperaturanstieg ebenso wie für Modellschwankungen halten die Met-Office-Forscher, obwohl sie noch nichts Genaueres sagen können, die langjährigen natürlichen Klimaschwankungenals für die wahrscheinlichste von vielen möglichen Ursachen.

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Von wegen Abkühlung II: Die Vereinigten Staaten hatten 2012 einen neuen Hitzerekord zu verzeichnen. Quelle NOAA

Wie dem auch sei, von einem „Stillstand des Klimawandels“ wie das in Windeseile kolportiert wurde, kann jedenfalls nicht  die Rede sein. Das hat das Met Office inzwischen in seinem Update auf der Homepage auch deutlich gemacht. Wer sich die experimentellen Daten mit gesundem Menschenverstand ansieht, wird zudem viele Hinweise finden, die gegen allzu willfährige Skeptikerassoziationen sprechen. Zum Beispiel wird in der Prognose auch mitgeteilt, dass mindestens zwei von fünf Jahren in der Zeit bis 2017 neue globale Rekorde liefern sollen, was die Jahresduchschnitstemperatur betrifft. Von einer Abkühlung kann jedenfalls keine Rede sein.

Trotzdem findet man die gegenteilige Behauptung, nämlich die einer vermeintlichen Abkühlung oder Klimawandel-Pause, immer wieder. Fast reflexartig erscheint sie nach solchen zwar kritikwürdigen, weil immer noch spekulativen (aber doch nicht weltbewegenden) Studienergebnissen. Und sie findet dann auch schnell und reichlich Verbreitung. Das kann nicht an der Seriösität solcher Behauptungen per se liegen, sondern vielmehr daran, dass nach dem dumpfen Glockengeläut der Pseudoskeptiker massenhaft Blogs geschrieben werden. Blogs auch wie diesen hier, die sich ähnlich verallgemeinernd und meinungslastig einen Standpunkt zu eigen machen. Nachdem allerdings die differenzierende, vorsichtige Variante der Selbsttherapie in der Vergangenheit bereits mehrfach gescheitert war, probieren wir es halt mal so. Einen Versuch ist es wert.

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UPDATE v. 16.01.2013: Die Originalveröffentlichung der Nasa mit Video ist hier zu finden: https://www.nasa.gov/topics/earth/features/2012-temps.html

„Langzeittrend zur globalen Erwärmung hält auch 2012 an“

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Die Farben auf der Weltkarte  zeigen zeigen absoluten Temperaturen, sondern Abweichungen im Vergleich zum Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Das Jahr 2012 war isngesamt das neun wärmste seit 1880.  Die Kurven darunter geben die Temperaturabweichungen von vier verschiedenen Klimazentren weltweit wider.Quelle Nasa

 


77 Lesermeinungen

  1. @diocles
    "..Bessere Beispiele...

    @diocles
    „..Bessere Beispiele sind in der Tat die apokalyptischen Voraussagen des Club of Rome..“
    Kein Gutes Beispiel.
    Die damaligen Prognosen gingen u. A. von einer exponentiellen Steigerung des Verbrauchs von Rohstoffen aus – weitgehend ohne Recycling. Hier konnten Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage greifen. Knappe Rohstoffe werden teuer, sie werden ersetzt oder recycelt.
    Bei der Freisetzung klimawirksamer Stoffen in die Atmosphäre ist eher das Gegenteil der Fall. Eine Vermeidung verteuert das Produkte gegenüber der Konkurrenz bring aber dem Einzelnen keinen Vorteil.
    Die Wirkung zeigt sich erst nach Jahrzehnten. Da der globale Eintrag der klimawirksamen Stoffe etwas grösser ist, als deren natürlichen Abbau bzw. Einlagerung, reichert sich die Athmosphäre damit fortlaufend an.
    Die Hoffnung, die Menschheit werde sich dann schon anpassen ist eine Art russisches Roulette. Es kann Kippeffekte geben, wie die Freisetzung grosser Methanmengen aus Permafrostböden. Das lässt sich dann nicht mehr kontrollieren.
    Zu Ihren Zweifeln an der Klimawirksamkeit von CO2 in der Athmosphäre kann man allgemein sagen, dass auch ein (in unseren mensclichen zeitlichen Masstäben) minimaler aber permanenter Effekt einen großen Einfluss auf herrschende Gleichgewichtszustände haben kann. Von geologischen Zeiträumen brauchen wir gar nicht erst zu reden.

  2. @friedrich_leipzig
    Im...

    @friedrich_leipzig
    Im Internet findet man alles, auch diese Arbeiten. Ich empfehle auch die einschlägigen Seiten und Klassiker der Atmosphärenchemie und -physik. angefangen von Elisabeth Crawford: Arrhenius. From Ionic Theory to the Greenhouse Effect. Science History Publications, Canton MA 1996, ISBN 0-88135-166-0 (Uppsala Studies in History of Science 23). Wertvoll und verständlich auch die Seite der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, dort ist auch weitergehende Wissenschaftsliteratur zu finden. (www.weltderphysik.de/gebiet/planeten/unsortiert/atmosphaere/klimaforschung/treibhauseffekt/).
    Ich bin sicher, Sie bekommen auch noch Tipps der anderen Diskussionsteilnehmer in diesem Forum.

  3. <p>@friedrich_leipzig: besten...
    @friedrich_leipzig: besten Dank für die Gedächtnisstütze. Übrigens wollte ich nicht die neue Eiszeit, die in den 70ern durch die Gazetten geisterte, mit der Theorie von der Erderwärmung heute gleichsetzen, die Analysentechnik hat seit damals doch gewaltige Fortschritte gemacht, so dass wir heute sicher über besseres Datenmaterial verfügen. Dennoch sind Zweifel an dieser Theorie sicherlich erlaubt und sollten nicht so inquisitorisch abgebügelt werden wie es leider gemeinhin geschieht.
    In diesem Zusammenhang eine Frage an Herrn Müller-Jung: der Mechanismus, in den das CO2 involviert ist, besteht ja wohl darin, dass das CO2 einen bestimmten IR-Anteil des Sonnenlichts absorbiert und in Wärme umwandelt. Der entsprechende IR-Anteil liegt im Wellenlängenbereich von 2200-2400nm mit zwei kleinen Nebenmaxima bei 3500-3800nm. Tailing oder ausgeprägte Schultern sind nicht zu sehen. Da die Peaks so gut definiert sind, haben wir in diesen Bereichen über die enorme Schichtdicke in der Atmosphäre sicher Totalabsorption schon bei 200ppm. Warum spielt es da eine Rolle, ob jetzt noch mehr CO2 in der Atmosphäre herumschwirrt? Ich bin mir sicher, dass es dazu Berechnungen und ggf. auch Messungen gibt (der Umstand ist sicher auch anderen aufgefallen) und wäre für eine einschlägige Information oder Quelle dankbar.

  4. Wenn der menschengemachte...
    Wenn der menschengemachte Klimawandel eine wissenschaftliche Hypothese wäre, dann müßte sie prinzipiell widerlegbar sein.
    Unter welchen Umständen würde die Klima-„Wissenschaft“ diese Hypothese als widerlegt ansehen? Also wie müßte das Klima sich dafür entwickeln? Dazu gibt es nirgendwo Angaben.
    Dafür hat das IPCC das offizielle Ziel, die menschengemachte Klima-Erwärmung und ihre Folgen zu erforschen. Das angeblich „wissenschaftliche“ Ergebnis steht also von vorneherein fest; es gehört zu den Statuten. Das ist Politik, aber gewiß keine Wissenschaft.
    Der Beweis, daß es ein Idealklima gäbe, das es zu konservieren gelte, fehlt sowieso. Den ewigen Wandel des Klimas aufhalten zu wollen, hat etwas groteskes, wie wenn Loriot einen Sketch über Machbarkeitswahn geschrieben hätte.

  5. >> Joachim Müller-Jung: Ich...
    >> Joachim Müller-Jung: Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, daß Parncutt nicht versehentlich übersehen, sondern gezielt ignoriert wurde. Falsch ist aber erstens, daß die Affaire ein reines Boulevardthema sei, nur weil möglicherweise auch der Boulevard sie aufgegriffen hat. Und zweitens kann man nun wirklich nicht sagen, daß die F.A.Z. Boulevardthemen miede. Sie hat inzwischen eigene Rubriken dafür (wie übrigens auch von einer Zeitung mit Bild auf Seite eins nicht anders zu erwarten ist).
    Parncutt ist jedenfalls nicht irrelevant, schon weil er kein Einzeltäter ist. Linkola will Klimaskeptiker im Gulag umerziehen, Cousteau wollte täglich 350.000 Menschen umbringen, um den Planeten zu retten, Dr. Pianka 90 % der Bevölkerung ausrotten, am liebsten durch Ebola, Prinz Philip gern als tödlicher Virus reincarniert werden, um die (behauptete) Überbevölkerung in den Griff zu bekommen, und auch die Bundesregierung verkauft uns »Bevölkerungspolitik« (vulgo: weltweit freien Zugang zu Abtreibungen) als Klimaschutzmaßnahme.

  6. <p>Herr Müller-Jung, die...
    Herr Müller-Jung, die Hypothesenbündel von der CO2-Erderwärmung sind doch noch nicht einmal physikalisch eindeutig formuliert, es gibt vielmehr nach Aussage von Gerlich und Tscheuschner „Dutzende“ und nach einer anderen (von mir noch nicht überprüften) Quelle angeblich sogar 63 verschiedene Beschreibungen, wie der angebliche Treibhauseffekt physikalisch überhaupt funktionieren soll. Also tun Sie doch hier nicht so, als ob die Kritiker dieses Dogmas alle Idioten wären, oder als ob man Leute, die auf der Basis nicht gesicherter Physik Weissagung zukünftiger Weltzustände „errechnen“, „Wissenschaftler“ nennen könnte! Es wäre Aufgabe von Qualitätszeitungen (wie der FAZ, wie ich sie vor langen Jahren einmal abonniert hatte) gewesen, diese Hintergründe aufzurollen. In dieser Rolle haben Sie versagt.
    Den Propaganda-Aufwand, der allein in Deutschland pro Jahr auf Kosten des Steuerzahlers für die Verbreitung grüner Ideologie aufgewandt wird, schätzen wir übrigens inzwischen grob auf über 3 Mrd. Euro. Wir werden das später noch genauer beziffern und dann darüber schreiben.

  7. @friedrich_leipzig
    Weshalb...

    @friedrich_leipzig
    Weshalb man in der FAZ gelegentlich google- und boulevardträchtige Themen nicht findet, liegt nicht daran, dass wir wie sie wie im Fall des Musikwissenschaftlers Parncutt übersehen, sondern dass wir sie gezielt ignorieren. Und zwar ganz einfach, weil sie sie die Ansprüche von Ernsthaftigkeit, Seriosität, Kompetenz, Triftigkeit und Gewichtigkeit nicht erfüllen, die wir nun mal an Äußerungen wie diese stellen. Absurdität erfüllt nicht immer (genau genommen: immer seltener, je mehr im Netz geplärrt wird) die Kriterien von Kreativität, die wir schätzen.
    Was allerdings in Kommentarspalten nicht in der gleichen Weise gelten muss. Die Meinungsfreiheit des Einzelnen hat hier berechtigterweise Vorrang, im Zweifel auch vor wissenschaftlicher Sachkenntnis.

  8. Als jemand, der im...
    Als jemand, der im Themenbereich Ökonometrie promovierte, bin ich immer wieder verwundert, wie selbstverständlich „Klimaforscher“ (ich schreibe den Berufsstand in Anführungszeichen, weil ich nicht weiß, wie man sich ausbildungsmäßig als solcher qualifiziert) mit multivariaten Kausalmodellen hantieren, als seien es Bauklötzchen. In der empirischen Wirtschaftsforschung tun wir uns mit dem Verständnis und der Modellierung von Interaktionen ökonomischer Variablen außerordentlich schwer. Ich verweise auf die doch recht ungenauen Prognosen zukünftiger Wirtschaftsverläufe auch durch ökonometrisch geschulte Wissenschaftler, speziell des Statistischen Bundesamtes.
    Dabei haben wir Ökonomen es doch noch gut, was die Verfügbarkeit von Daten, die Linearität der Modelle und die Stabilität der Parameter betrifft. Für die Kausalmodelle von „Klimaforschern“ ist das ja alles nicht selbstverständlich gegeben, was ja die Erstellung von Prognosen eher noch schwieriger macht.
    Und dann die „Hypothesentests“ der „Klimaforscher“: danach spräche es für die Richtigkeit einer Hypothese, wenn „immer mehr Wissenschaftler“ ihr zustimmten. Ich habe in den Jahrzehnten meiner Lehrtätigkeit noch nie von einem solchen Hypothesen-Test-Verfahren in der Ökonomie gehört. Da kann man sich ja gleich auf ein Plazet des Vatikans berufen! Zum Vatikan passt eigentlich auch die Verteufelung der Andersgläubigen durch die „Klimaforscher“.
    Solange die Aussagen der „Klimaforscher“ sich nicht anders begründen lassen, dürfte es auf Dauer keine wirkliche öffentliche Akzeptanz dafür geben.

  9. >> diocles: Es war der...
    >> diocles: Es war der Professor für »Systematische Musikologie« Parncutt* von der Karl-Franzens-Universität Graz, der die Todesstrafe für sog. Klimaleugner gefordert hat, nicht ohne zuvor darauf hinzuweisen, daß die Todesstrafe für Massenmörder wie Breivik zu hart wäre, für Klimaskeptiker aber durchaus angemessen — und das nicht als Privatmann, sondern über den Hochschulserver.
    Über die Sache mit der »Neuen Eiszeit« lohnt es sich, etwas weiter nachzudenken. Es sind nämlich exakt dieselben anthropogenen Emissionen, die in den Siebzigern lt. wissenschaftlichem Mainstream für die kommende Abkühlung verantwortlich sein sollten, die jetzt auf einmal eine Erwärmung bewirken sollen. Und auch die Auswirkungen von Abkühlung und Erwärmung sind jeweils dieselben: Zunahme von Unwettern, Ausweitung der Wüsten, Hungersnöte und so weiter. Tatsächlich gibt es Zeitungsartikel aus den Siebzigern, die sich mit Ursachen und Folgen der drohenden Eiszeit befassen, in denen man nur »Abkühlung« durch »Erwärmung« ersetzen müßte, und man könnte sie heute wieder vollinhaltlich in die Zeitung setzen, ohne daß das jemandem weiter auffallen würde. Auch damals wurde also schon kräftig geschellnhubert, nur eben unter umgekehrtem Vorzeichen.
    *Übrigens: Die Suche nach Parncutt auf faz.net erbringt exakt null Treffer. Die Affaire scheint FAZ-Leser nichts anzugehen.

  10. Das Waldsterben ist kein...
    Das Waldsterben ist kein besonders gutes Beispiel für eine falsche Prognose, weil die Massnahmen, die als Folge dieser Diskussion eingeleitet wurden, tatsächlich gegriffen haben. Schaut man sich die Schwefelkonzentrationen in Waldböden an, so stellt man fest, dass diese seit den 80er Jahren dramatisch zurückgegangen sind, etwa um einen Faktor 5-10, vor allem dank verbesserter Rauchgasreinigung in den Kraftwerken. Das kann das prognostizierte Waldsterben durchaus gestoppt haben. Bessere Beispiele sind in der Tat die apokalyptischen Voraussagen des Club of Rome oder auch die neue Eiszeit, die noch vor 30 Jahren an die Wand gemalt wurde.
    Die ganze Klimadiskussion bekommt aber in der Tat einen mehr und mehr unwissenschaftlichen Beigeschmack. Das kann man aber nicht allein den Skeptikern anlasten, auch die Klimapäpste haben ihren Teil dazu beigetragen. Die öffentlichen Auftritte und Stellungnahmen des Herrn Rahmstorf z.B. erinnern mich eher an Torquemada als an einen seriösen Wissenschaftler. Der Gipfel war der durchaus ernstgemeinte Vorschlag eines Journalisten oder Klimawissenschaftlers (habe ich vergessen), die Leugnung des Klimawandels mit der Todesstrafe zu ahnden. Derartig blindwütiger Fanatismus führt natürlich dazu, dass die Reaktion entsprechend ausfällt. Erinnert ein bisschen an die Fanatisierung der evangelikalen Bewegung nach der Gegenreformation, und in tatsächlich trägt die ganze Debatte mittlerweile fast schon religiöse Züge, und zwar auf beiden Seiten.

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