Planckton

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Die Wissenschaft ist ein ernstes Geschäft, aber gehört ihr deshalb das letzte Wort?

Wie vermehrt man Intelligenz?

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Wie viel Dummheit verträgt ein Volk? Bestsellerautoren wie Sarrazin wagen sich immer wieder aufs Glatteis. Dabei wäre die Lösung so einfach: Streicht die Idee, große Intelligenz sei erblich.

Nichts gelernt, das ist das Fazit, das sich aus den ersten Betrachtungen zu Thilo Sarrazins neuem Buch „Wunschdenken“ ziehen lässt. Ein streitbarer Politiker und schräger Intelligenzdeuter geht seinen Weg. Nun ist die Bermerkung ‘nichts gelernt’ zwar für einen Autor, der mit seiner „Verdummungsthese“ seit Jahren die Einwandererdebatte anheizt und sich sogar gelegentlich rhetorisch kunstvoll als pseudowissenschaftliche Höchstinstanz in Intelligenzfragen stilisiert, nicht unbedingt eine Katastrophe. Agitation kann sich rechnen, weiß der Ökonom. Aber Lernunfähigkeit ist auch nicht unbedingt ein Ausweis höchster Intelligenz. Vor allem dann nicht, wenn man ihm die wissenschaftlich leicht nachvollziehbaren Einwände gegen seine Ideen zur „Erblichkeit der Intelligenz“ schon zigfach unter die Nase gerieben hat.

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Vielleicht ist es ja eine Frage der Haltung, wie der Kollege Arno Widmann jüngst in seiner Deutung von Sarrazins Denken nahelegte – einer, vorsichtig ausgedrückt, respektlosen Haltung gegenüber der wissenschaftlichen Arbeitsweise, ihrer zugegebenerweise unausgegorenen Abgewogenheit in Sachen Intelligenz. Tatsächlich fällt auf, dass speziell wenn es um die Intelligenz des Menschen geht wie bei Sarrazin „die gröbsten Dummheiten als differenzierte Analysen verkauft“ werden. Intelligenz wird auf gefährliche Weise politisiert. Dass das allerdings ausgerechnet für Bestsellerautoren zutrifft, ist natürlich tragisch, denn damit werden die Dummheiten quasi zur Massenware. Udo Ulfkotte und auch Akif Pririncci, der die gesamte muslimische Welt für kognitiv degeneriert hält, während in Europa der Intelligenzquotient seit dem Mittelalter um 30 Prozent gestiegen sei, haben sich ebenso wenig wie Sarrazin um eine aufrichtige und sorgfältige Beschäftigung mit der Intelligenzforschung bemüht. Und so hartnäckig sie sich auch nach den einschlägigen Kritiken dagegen gewehrt haben, falsche „Wahrheiten“ zu korrigieren, so wenig haben scheinbar auch die Klarstellungen von anderen gefruchtet, in denen die gröbsten Fehler korrigiert werden sollten.

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Der Grund ist einfach, und er ist in einem wirklich lohnenswerten, ja verdienstvollen 32-seitigen „Essentials“-Bändchen zusammengefasst, der jetzt im Springer-Verlag unter dem Titel „Erblichkeit der Intelligenz“ erschienen ist. Der Grund für das Versagen der Intelligenz-Kommunikation liegt offensichtlich nämlich in der Intelligenzforschung selbst. „Erblichkeit“ ist ein vollkommen untauglicher, irreführender Begriff, das jetzt endlich korrigiert werden müsse, meinen Karl-Friedrich Fischbach, der Neurogenetiker aus Freiburg, und der Hamburger Redakteur Martin Niggeschmidt. Wenn es etwa heißt, wie bei Sarrazin, Intelligenz sei zu „50 bis 80 Prozent erblich“, also habe eine unterschiedliche Fruchtbarkeit von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz Auswirkungen auf das durchschnittliche Intelligenzniveau der Bevölkerung, dann ist das im Hinblick auf die vermeintliche „Erbdummheit“ von Unterschichten und Einwanderern zu hundert Prozent nichtssagend.

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Wollte man sagen, Gene beeinflussen die Intelligenz, ist das etwas ganz anderes – und ziemlich banal. Wenn man allerdings wissen will, wie stark Gene – und im Falle unterschiedlicher ethnischer Gruppen die verschiedenen Genvarianten – die Intelligenz beeinflussen, wird es ziemlich konfus. Das fängt damit an, dass es sehr viele Gene, und viele mutmaßlich noch unbekannte Gene, sind, welche die Intelligenz beeinflussen. Noch schlimmer: Bei der besagten Intelligenz geht es eigentlich gar nicht um die Intelligenz, die eine Gesellschaft interessiert, sondern um Test-Intelligenz. IQ-Testaufgaben hat man eingeführt, um die „genotypischen Anteile“ von Intelligenzunterschieden messen zu können – so wie man mit der quantitativen Genetik die Milchleistung von Kühen oder die Höhe von Weizen messen will. „Erblichkeit“ – Heritabilität – ist eine statistische Zahl, die beschreiben soll, welche Rolle die Gene bei der Ausprägung von Unterschieden bei ebensolchen messbaren Größen wie IQ-Testergebnissen spielen. Es geht also um die Unterschiede innerhalb einer Gruppe, und zwar bei absolut gleichen Umweltbedingungen. Für die Intelligenzforschung heißt das: Nur wenn alle Schulformen und Lehrmodelle, alle pädagogischen Anstrengungen im Laufe der Kindheit bis zum Erwachsenen gleich sind, ist eine quantitative Ermittlung der „Erblichkeit“ von Test-Intelligenz überhaupt möglich. Solche Werte liegen, wenn überhaupt, allenfalls für Industrieländer vor.

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Den Begriff Erblichkeit würden Fischbach und Niggeschmidt deshalb auch am liebsten durch den viel schärferen, aber leider eben auch sehr technischen Begriff des „gentypischen Varianzanteils“ ersetzt sehen. Es geht darum, welchen Anteil die Gene an den Abweichungen der Eigenschaft Test-Intelligenz – der Varianz eben – innerhalb einer Gruppe haben. Erblich ist auch nicht dasselbe wie „angeboren“. Die beiden Autoren machen das an einem schönen Beispiel klar: „Krabben werden, mit Ausnahme einiger Opfer von Unfällen oder Gewalteinwirkung, allesamt mit acht Beinen geboren. Damit geht die Erblichkeit der Beizahl bei Krabben gegen null – einfach deshalb, weil es keine genotypisch bedingte Varianz gibt.“ Nach dem von Sarrazin und anderen Autoren angenommenen Erblichkeitsmodell gibt Erblichkeit lediglich Auskunft darüber, inwieweit – experimentell überprüft durch IQ-Tests – die Unterschiede zwischen den Individuen einer Gruppe (in einem kontrollierten Experiment) genetisch bedingt sind. Die grob veranschlagten und nach Fischbach und Niggeschmidt durch keine seriösen Studien belegten Zahlen von 50 bis 80 Prozent für die Erblichkeit von Intelligenz sagt also schon mal gar nichts über die genetisch bedingten Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus. Diese an sich banale Feststellung, dass nämlich gar nicht hinreichend aussagekräftige wissenschaftliche Experimente zum Vergleich vorliegen, gipfelt in dem schönen Satz: „Auf freilaufende Menschen in unkontrollierten Umwelten sind die statistischen Modelle der quantitativen Genetik nicht anwendbar.“

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Mit anderen Worten: Angaben über Erblichkeit haben selbst innerhalb einer vermeintlich homogenen Gruppe nur begrenzte Aussagekraft. Das wird schnell klar, wenn man sich die IQ-Testergebnisse in zumindest halbwegs erforschten westlichen Gesellschaften ansieht. Die besseren Testergebnisse in oberen Gesellschaftsschichten, die durchschnittlich stets höher sind, müssen nämlich gar nicht durch genetische „Überlegenheit“ begründet sein, sondern sind – was angesichts der Bildungsangebote auch viel plausibler ist – leicht auf die Umwelteinflüsse zurück zu führen. Das ist auch die Erklärung für den Anstieg der gemessenen Test-Intelligenz in Industrieländern. Stichwort „Bildungsexpansion“. Oder wie Fischbach und Niggeschmidt feststellen: „Wir sind nicht begabter als unsere Großeltern und Ur-Großeltern, haben aber bessere Entwicklungschancen.“

Bleibt also die Frage, wozu Erblichkeitsbefunde mit Blick auf die Intelligenz überhaupt gut sein sollen. Weder taugen sie, um durchschnittliche Unterschiede zwischen der einen und der anderen Gruppe zu erklären, noch lassen sie exakte Aussagen zu, wie sich Intelligenz durch Umweltveränderungen – sprich Bildungsangebote – verbessern lässt. Am ehesten sagt sie den beiden Autoren zufolge etwas über „Chancengleichheit“ aus. Eine „Erblichkeit“ von 50 bis 80 Prozent würde demnach bedeuten, dass die Chancen, die die Mitglieder dieser Gruppe haben, ihre Potenziale voll zu entwickeln, relativ gering sind. Vollkommen gleiche Entwicklungschancen wären erst bei einer „Erblichkeit“ von 100 Prozent erreicht – dann nämlich wäre jedes Kind optimal gebildet und nur die Unterschiede in den Genen entscheiden über den Erfolg. Was natürlich komplett theoretisch ist. Denn wie die beiden Autoren sehr prägnant darlegen, Lehrmethoden und Schulformen wirken sich auf jeden Schüler anders aus, weil auch jedes Kind, was Temperament und Lernwilligkeit angeht, eben anders ist. Optimale Bildungsvoraussetzungen für alle sind also pure Theorie – und deshalb wird sich an den unscharfen „Erblichkeits“-Angaben künftig kaum etwas ändern. Man wird so homogene Gruppen, wie für die quantitative Genetik für präzisere Angaben bräuchte, nicht bekommen. Und wenn, wären sie eine kleine, wenige repräsentative Auswahl aus der Bevölkerung.

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Fazit also: Nichts Genaues weiß man nicht. „Man sollte versuchen, jedes Kind seiner eigenen Persönlichkeit entsprechend zu fördern“, dieser alte Satz der Pädagogik ist nach Überzeugung der beiden Autoren auch nach mehr als einem halben Jahrhundert Intelligenzforschung der einzige Befund, der wirklich Gültigkeit beanspruchen darf. Und was heißt das für die „Niedergangsszenarien“, die von den Intelligenzkassandras auf dem Buchmarkt propagiert werden? Die These vom genetischen Niedergang („Dysgenik“) ist für den Genetiker durch keine empirische Erfahrung gedeckt. Vielmehr hat sich das, was Sarrazin unter „kognitiver Intelligenz“ versteht, erfahrungsgemäß dort durchweg weiter entwickelt, wo entsprechende „Umweltfaktoren“ verbessert und Bildungsangebote gefördert wurden. Dumm geborene Menschen bekommen also nicht zwangsläufig dumm geborene Kinder, und kluge Menschen vermehren sich nicht automatisch, wenn sie, wie es das AfD-Grundsatzprogramm nahelegt, dazu aufgefordert werden, mehr Kinder und mehr Klugheit in die Welt zu setzen.


60 Lesermeinungen

  1. 3_14159 sagt:

    Intelligenz entsteht über Jahrtausende.
    Wer mal eine ausgedehnte Nordafrikareise unternimmt, wird die erfreuliche Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft der dortigen Menschen zu schätzen lernen. Äußerlich fällt auf, dass die Leute dort einen viel zierlicheren Körperbau haben, was sicherlich ein beneidenswerter (Überlebens-)Vorteil bei Hitze ist. Seltsamerweise fällt alsbald auch eine gewisse Schlichtheit im Denken auf. Sie gipfelt z. B. in dem Satz, den ich sowohl in Libyen, als auch in Algerien des öfteren in leichter Abwandlung gehört habe: “…aaah, Germany good! Beckenbauer good! Hit*** good!” Ähm, wie bitte? Da möchte man doch seinen Ohren kaum trauen. Auch technisch gesehen scheint man dort gegenüber den Industrienationen im allgemeinen ein halbes Jahrhundert hinten zu liegen, außer natürlich bei kleineren und größeren Feuerwaffen, die dort wie Alltagsgegenstände offen, und teils stolz, herumgetragen werden. So schön es in der Sahara auch ist – sobald man dann zurück nach De kommt, so freut man sich doch, den hier gewohnten Menschenschlag und “unsere” Kultur wieder anzutreffen. Woher kommen diese Unterschiede in der Mentalität? Sicherlich zu einem guten Teil vom Bildungsstand. Vermutlich haben sich durch unterschiedliche Umweltanforderungen bei den Menschen aber auch unterschiedliche genetische Anpassungen in verschiedenen Breitengraden ergeben. Da es zum Überleben in hohen Breitengraden höhere technische Anforderungen gab, war die genetische Selektion diesbezüglich auch größer. Das Überleben in Gegenden mit hartem Winter war eben viele zehntausend Jahre lang deutlich schwieriger als in warmen Gegenden, mal abgesehen von den Harausforderungen durch kriegerische Auseinandersetzungen, die es früher überall gab.

  2. E_Staack sagt:

    Inteligenz vermehrt man durch Bildung
    Nur dass in der islamischen Welt unter anderem solche Strömungen wie Boko Haram (übersetzt Bildung ist Sünde) einen nicht unerheblichen Widerhall in der Gesellschaft finden und Bücher abseits von dem Koran auch nicht überall auf gegen liebe stoßen. Weiterhin ist zu bedenken, dass Bildung nicht nur durch Schulen sondern auch in einem nicht unerheblichen Teil durch die Eltern vermittelt wird. In Bildungsfernen schichten der BRD wird ein Kind genauso wenig durch das hiesige Schulsystem in die obersten Bildungseliten aufsteigen können. Auch darüber gibt es Studien die dem deutschen Schulsystem nicht die Fähigkeit attestieren dies zu ermöglichen. Nun zum Thema. Herr Sarazin hat in seinem Arbeitsgebiet mit vielen Statistiken zu tun gehabt, die Probleme bei der Bildungsintegration offenlegen. Weiterhin werden auch Kinder die mehr leisten könnten durch einen zu starken Anteil an schwachen Kindern eher herunter gezogen. Dieselben Kinder könnten in einem stärkeren Umfeld mit nach oben gezogen werden. Auch rassistischen Diskriminierungen, die in Bildungsfernen Schichten verstärkt auftritt, können Bildungshindernisse darstellen, weil ausgegrenzte Kinder nicht optimale Lernbedingungen haben. Dies Trifft aber auch auf Nichtmigranten zu die in Klassen mit einem Migrationsüberschuss leben. In diesem Feld würde ich den deutschen Schulen aber ein gutes Zeugnis ausstellen. Auch wenn der Bildungserfolg von Menschen aus Ländern in denen es keine Schulen gibt steigt wenn sie hierher kommen so sinkt doch der durchschnittliche Bildungsgrad der hier ausgebildeten je mehr Kinder mitgezogen werden müssen. Ich denke der Effekt wird vermutlich 2 Generationen dauern bis es sich angeglichen hat. Weder die Doktrinäre Kritik an Sarazin noch die Doktrinäre Stilisierung von Migranten zu weniger intelligenten Menschen ist Richtig. Die Wahrheiten liegen im Detail versteckt. Die Diskussion ist stark leider stark von Polemik und gekränkten Eitelkeiten getrieben.

  3. plfliflanze sagt:

    Warum gibt es keine hochintelligenten Schimpansen?
    Also im menschlichen Sinn: Schimpansen, die Opern schreiben, Kernphysik betreiben und vergleichende Essays schreiben über das Leben im Zoo als Dschungelersatz.

    Das gibt es nicht. Schimpansen sind trotz 99% genetischer Ähnlichkeit idR maximal so intelligent wie Kleinkinder. Zootiere sind vermutlich intelligenter als Wildtiere, aber es gibt eine gläserne Decke, die kein Exemplar überschreitet. Läge es an der “individuellen Förderung”, dann hätten wir heute Schimpanseningenieure und – wer weis – den einen oder anderen vollbehaarten Minister.

    Da dies nicht ist muss es überragende genetische Gründe geben. Und da Gene erblich sind muss auch (Hoch-)Intelligenz vererbbar sein.

    • Joachim Müller-Jung sagt:

      LIeber Gleichumdieecke, auch für Sie wiederhole ich mich gerne: Über die “Erblichkeit” (wie sie die Sarrazins dieser Welt verwenden) wird gestritten, die nämlich eine quantitative Größe beschreibt, nicht über den Umstand, dass wir Gene haben (die selbstverständlcih vererbt werden) , die dafür sorgen, dass wir dneken können und Gedächtnis bilden, dass wir ein Großhirn besitzen (und Echsen halt nciht) usw.. Den beiden von mir zitierten Autoren geht es eben deshalb auch genau darum: die Unschärfe ind er Begrifflichkeit erschwert eine sinnvolle Debatte.

  4. wgruber sagt:

    Der Autor eifert (unwissentlich?) einem "großen" Vorbild nach!
    Ein ehedem international bekanntes Leipziger Institut verstieß in den Siebzigern mit Forschungsergebnissen zur Erblichkeit von Intelligenz gegen die damals allein gültige These, das “das gesellschaftliche Sein das Bewußtsein bestimmt”. Eine Volksbildungsministerin mit dem Vornamen Margot verbannte diese Studie daraufhin in den Giftschrank. Von dort tauchte sie erst 1990 wieder auf. Heutzutage werden solche Erkenntnisse zuweilen totgeschwiegen, wenn das nichts hilft, diffamiert …

  5. Jajasoso sagt:

    Intelligenz erblich?
    Ich bin davon recht überzeugt. Aber es gibt Einschränkungen, die diese vererbte Intelligenz hemmen, sich zu Offenbaren. Ein wichtiger Punkt ist schon der: Die Eltern → wenn sie nicht, oder auch nur zu wenig mit ihren Kindern kommunizieren fehlt der Anreiz (Stimulation) bei den Kindern, ihren eigenen IQ zu entwickeln. Ein weiterer Punkt ist dann der Umgang den die Kinder ausser Haus pflegen: wer viel mit inteligenten Kindern und/oder Erwachsenen kommuniziert, bekommt die Stimulation den eigenen IQ weiter zu entwickeln. Wer dagegen meist nur mit Dämlacken rumhängt, passt sich denen eher an.
    Ein weiterer wichtiger Punkt ist folgender: das Selbstwertgefühl des Kindes. Trotz mangelnder Stimulation seitens Dritter kann sich das Kind selber puschen, den eigenen IQ weiterzuentwickeln. Im Gegenteil kann auch ein Kind trotz der Stimulation durch Dritte zu einem weniger entwickeltem IQ gelangen, aus reinem Desinteresse.
    Mit Sicherheit gibt es auch Geburtsfehler, die einfach eine Stimulation verhindern.
    Dass hier auch der Apfel nicht weit vom Stamm fällt lieber Herr Klötzer sei wohl eher dem normalen Umgang der Familienlebensweise geschuldet sein. Einfache Arbeiter versuchen ihre Kinder die Werte eben dieser Lebensweise mitzuteilen, Lehrer, Manager oder auch Doktoren wie Politiker und Anwälte versuchen ihre Kinder in diese Richtung zu puschen.
    Auch hier bestätigen häufig die Ausnahmen die Regel.
    Der Mensch an sich ist mit einem Gehirn ausgestattet, das ein enormes Potential zur Verfügung stellt welches aber nur zu einem Mnimalprozentsatz genutzt wird → selbst von Superintelligenten.

  6. Karl-Wulff sagt:

    Kompromiß
    Sicher ist Begabung und hohe Intelligenz nicht erlernbar, auch wenn die entsprechenden Ideologen das so wollen. Auch wenn meine Eltern mich ab dem 2. Lebensjahr 12 Stunden täglich mit Klaviereüben gequält hätten, wäre nie ein Lam Lam aus mir geworden.
    Also. Ich schlage vor “Begabung und hohe Intelligenz sind angeboren”.

  7. BGrabe02 sagt:

    Intelligenz oder Erfolg?
    Intelligenz ist nicht messbar, was wir messen ist die Fähigkeit in einem gegebenen Kontext erfolgreich sein zu können.
    Der beinhaltet sicher auch einige formen von Intelligenz, aber diese Intelligenz ist fast immer partiell, also bezogen auf konkrete Umstände.
    Deshalb ist letztlich die Quote der Idioten unter Studierten nicht kleiner als unter Hilfsarbeitern.
    Wäre es anders, würden menschliche Gesellschaften nicht ständig die Selben Fehler machen Und Elite nicht ständig versagen.

  8. Thomas.Wadewitz sagt:

    Selbstzensur
    Wozu soll ich einen Antwort schreiben, wenn die sowieso nicht veröffentlicht wird, wie meine gestrige, welche simpel lautete: Erst lesen, dann schreiben – Erst sollte man Sarrazin lesen, bevor man ihm irgendetwas in den Mund legt

    • Joachim Müller-Jung sagt:

      Lieber Herr Wadewitz, ich habe die entscheidenden Ausführungen Sarrazin zum Thema Intelligenz selbstverständlich gelesen, täte ich es nicht, wäre ich ja genauso oberflächlich wie jene Leute, die ihre Behauptungen über das Leseverhalten von Autoren auf pures Wunschdenken zurückführen… womit wir wieder bei Sarrazin wären.

  9. SeymourH sagt:

    Titel eingeben
    “Es geht also um die Unterschiede innerhalb einer Gruppe, und zwar bei absolut gleichen Umweltbedingungen.” es geht nicht um absolut gleiche Umweltbedingungen. Es geht um “ceteris paribus” Aussagen, die etwa linearere Regression hergeleitet werden können. Auf solchen Modellen steht große teil der modernen Wissenschaft in vielen Disziplinen.

    “Wenn es etwa heißt, wie bei Sarrazin, Intelligenz sei zu „50 bis 80 Prozent erblich“, also habe eine unterschiedliche Fruchtbarkeit von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz Auswirkungen auf das durchschnittliche Intelligenzniveau der Bevölkerung, dann ist das im Hinblick auf die vermeintliche „Erbdummheit“ von Unterschichten und Einwanderern zu hundert Prozent nichtssagend.”
    mir wird an keiner Stelle klar warum das nun “nichtssagend” ist. Vielleicht kann mir jemand einen Tip geben und ich habe das Argument übersehen?

    “Den Begriff Erblichkeit würden Fischbach und Niggeschmidt deshalb auch am liebsten durch den viel schärferen, aber leider eben auch sehr technischen Begriff des „gentypischen Varianzanteils“ ersetzt sehen”
    gentypischer Varianzanteil ist aber doch exakt das was was in der Regel unter Erblichkeit verstanden wird, warum also das Wort ersetzen? warum “kalte Jahreszeit zwischen Dezember und Februar” sagen statt einfach “Winter”?

    “Die grob veranschlagten und nach Fischbach und Niggeschmidt durch keine seriösen Studien belegten Zahlen von 50 bis 80 Prozent für die Erblichkeit von Intelligenz sagt also schon mal gar nichts über die genetisch bedingten Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aus.”
    nun würde mich aber interessieren was an den Zwillingsstudien und Metastudien die zu diesen Schätzungen geführt haben unseriös sein soll. Das kann man ja so sehen, ist soweit ich das verstehe ist das aber in der aktuellen Psychologie eine ungewöhnliche Sichtweise.

    “Das fängt damit an, dass es sehr viele Gene, und viele mutmaßlich noch unbekannte Gene, sind, welche die Intelligenz beeinflussen. Noch schlimmer: Bei der besagten Intelligenz geht es eigentlich gar nicht um die Intelligenz, die eine Gesellschaft interessiert, sondern um Test-Intelligenz.”
    es ist richtig dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft sehr viele unterschiedliche Genausprägungen (das ist wichtig, es geht ja nicht um das Vorhandensein von Genen sondern um die Ausprägung) gibt die jeweils einen kleinen positiven oder negativen Effekt auf den IQ haben. Deshalb wird es einige Jahre dauern bis die genetische Architektur des IQ komplett erforscht ist. Aber das ändert doch nichts daran dass der IQ erblich ist.
    Es ist so wie bei der Körpergröße. Man kennt den ungefähren Wert zu dem Körpergröße vererbt wird, aber man kennt erst für einen kleinen Anteil des gentypischen Varianzanteils auch tatsächlich die genetische Grundlage.
    Zum Thema Test Intelligenz: das ist ja gerade der Witz, ein vielleicht kontraintuitives Ergebnis, aber eines der robustesten Ergebnisse der Psychologie. Es geht um den general factor g, der merkwürdigerweise hoch mit diesen bekannten Tests mit Matrizen, Zahlenreihen etc. korreliert. Und dieser Faktor g hat eine vielfach betätigte starke Voraussagenraft für viele Ergebnisse im Leben

    “Am ehesten sagt sie den beiden Autoren zufolge etwas über „Chancengleichheit“ aus. Eine „Erblichkeit“ von 50 bis 80 Prozent würde demnach bedeuten, dass die Chancen, die die Mitglieder dieser Gruppe haben, ihre Potenziale voll zu entwickeln, relativ gering sind.”

    dieser Satz bedeutet aber doch dass dann nur etwa 20-50 % des IQ durch Umwelteinflüsse beeinflussbar wären, also genau das Gegenteil was in dieser Stelle ausgesagt wird: “Die besseren Testergebnisse in oberen Gesellschaftsschichten, die durchschnittlich stets höher sind, müssen nämlich gar nicht durch genetische „Überlegenheit“ begründet sein, sondern sind – was angesichts der Bildungsangebote auch viel plausibler ist – leicht auf die Umwelteinflüsse zurück zu führen”

    “Dumm geborene Menschen bekommen also nicht zwangsläufig dumm geborene Kinder”
    von zwangsläufig ist eh nicht die Rede. Es geht ja immer nur um Wahrscheinlichkeiten.

    Gerade jetzt sind es spannende Zeiten. Es gab die ersten Treffer bei GWAS Studien zur konkreten Genausorägungen die den IQ beeinflussen. Man kann damit rechnen, dass in den nächsten Jahren ein langsam aber stetig steigenden Anteil des Anteils des IQ der im biologischen Sinne vererbt wird mit konkreten Genausprägungen statistisch gesichert in Verbindung gebracht werden kann. Die Diskussion ob der IQ erblich ist dürfte damit abgeschlossen werden.

    • Joachim Müller-Jung sagt:

      Nochmal für alle, die nicht lesen resp. verstehen wollen: Es geht nicht um die Frage, ob Intelligenz erblich ist. Es geht um das quantitative Erblichkeitsmodell, das falsch angewendet wird und zwar seit Jahren. Dass Grne resp. Genvarianten PLUS Epigenetik eine Rolle spielt, ist doch logisch (nochmalauch Genbtreiligung ist “banal”) Und auch dasmag stimmen: Assoziationsstudien dind unterwegs und mögen besser werden, doch ihre statistische Aussagekraft steht und fällg mit der Grösse der Kohorten und vor allem auch der Homogenität bzw. Heterogenität der Gruppe! Aufs Studiendesihn kommt viel an, aber liebe Kommentatoren, wer die Asssoziationsstudirn der letzten Jahrzehnte dorgfältig betrachtet, weiss: daran gebricht es – und daran wird sich in Kürze nichts ändern: Viele genetische Beiträge (von denen es viele geben dürfte neben epigenetischen) werden da gar nicht dichtbar!! Dass man selbst bei den grossen Beiträgen immer noch streitet, deutet doch eher auf viele epigenetische Umwelteinflüsse) hin, die die Festlegung des genetischen Anteils überschatten. Deshalb auch gerne nochmal: lesen! Im Teaser heisst es “grosse Intelligenz”sollte nicht erblich begriffen werden (also starke Umwelteinflüsse = Bildung & Lebenserfahrung) und nicht, dass kognitive Leistung genunabngig sei – wie hier immer wieder unterstellt wird!

  10. Heinz87 sagt:

    Man muss dem Sarrazin nicht unbedingt Glauben schenken,
    ebenso wenig wie einigen anderen Polemikern die mit ihren kruden Ideen immer mehr den Unterschichtengeist gegen das “Andersartige” versuchen anzustacheln. Das gab es alles schon einmal, als die Fackeln brannten in dunkler Nacht und das ungebildete Volk einem “Führer” folge, solange bis sogar die Intelligenz davon beeindruckt war. Das Ergebnis ist bekannt, hinterher war es niemand gewesen, alle waren unschuldig, unwissend usw. Dennoch gibt es Fakten die nicht ganz von der Hand zu weisen sind aber von den Regierenden aus Gründen der jeweiligen politischen Situation kleingeredet oder beschönigt werden. Warum hat man denn Multi-Kulti propagiert und nachdem man festgestellt hat es war ja doch alles nichts, funktioniert hat es nicht, hat man es begraben anstatt die Ursachen dafür zu erforschen und eventuell gegenzusteuern. Auch eine Dauerempörte Roth ist sehr still geworden in dieser Sache. Nach wie vor gibt es nur eine punktuell praktizierte Integration, wenn im Dorf z. Bsp. freundliche Nachbarschaftshilfe stattfindet und das Fernsehen kommt und alle sind happy. Das ist aber so als wenn 1 Kleinkrimineller Afghane von der breiten Masse wiederum das gesamte afghanische Volk vertritt und alle Afghanen kriminell abgestempelt werden. Das Niveau in den Schulen wird abgesenkt, und das bestreben wie es fueher einmal propagiert wurde, sich am oberen Rand zu orientieren hat sich ins Gegenteil verkehrt und man orientiert sich am Bodensatz der Gesellschaft. Bestes Beispiel, das von Einwanderern verbreitete Pidgindeutsch, welches ja nichts weiter ist als aus sprachlicher Unfähigkeit heraus das Deutsche zu vereinfachen, und das nicht nur in der Sprache ändern auch beim Schreiben. Ich denke da nur an die Bestrebungen einiger Bildungsexperten Kindern das Englisch beizubringen indem sie es schreiben wie sie es sprechen. Sogar mir als Nichtpädagogen ist es klar dass das der Größte Unsinn ist, einmal eingepflanzter Unsinn wird bis ans Ende aller Tage weiter geführt. Es gibt viele Beispiele wieso die Integration aus unterschiedlichsten Gründen NICHT funktioniert und wahrscheinlich in der Masse auch nicht funktionieren kann. Aber man muss sich nur einmal eine Statistik vor Augen führen (die gibt es sicherlich als geheime Verschlusssache) warum so viele westeuropäische “gebildete” Jugendliche mit Migrationshintergrund und EU Reisepass ausgestattet aus 2. oder 3. Generation der Einwanderer nach Syrien und Irak ziehen und dort grausame Verbrechen begehen. har es eventuell doch etwas mit den hasspredigern zu tun die mehr oder weniger ungestraft ihr Unwesen in Europa treiben dürfen? Bei aller Demokratie und Offenheit anderen gegenüber, zur Bewährung der Demokratie und Freiheit gehört auch eine Portion Konsequenz die es dem Staat ermöglichen darf und muss, solchen Elementen die Richtung zu weisen, und sei es die letzte Konsequenz des Entzuges des Passes und der Staatsbürgerschaft und Ausweisung in die Heimat desjenigen Unbelehrbaren. Dort kann er/sie dann ihren Glauben oder vermeintlichen Lehren ausleben. Denn nicht der Täter muss geschützt werden mit allen dem Staate zur Verfügung stehenden Mitteln sondern der Bürger der in Brüssel, Paris, London oder Berlin auf der Strasse seinen Kaffee trinken will ohne dass ein Idiot mit der Kalaschnikoff, Handgranaten und Sprengstoffgürtel angerannt kommt und wochenlang die Medien beschäftigt und sogar noch Mitleid mit dem Täter erzeugt wird da er ja eine schwere Kindheit hatte.

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