In der Stunde der Not und des Scheiterns bedienen sich gerade Fußballfans immer häufiger der Selbstironie oder dem beißenden Sarkasmus, um das Leid ertragen zu können. Das Opfer ist dabei nicht selten der eigene Herzensverein, dem man zwar einerseits auf ewig die Treue geschworen hat, aber andererseits die schlechten Leistungen auch nicht unkommentiert lassen möchte.

In der Premier League gehört es daher fast schon zum guten Ton, den gegnerischen Verein bei einem völlig überraschenden Auswärtssieg der eigenen Mannschaft dadurch zu verhöhnen, indem man dem Gegner noch einmal an die Unfähigkeit der eigenen Truppe erinnert: “Wie schlecht müsst ihr sein, wenn wir bei euch gewinnen”, schallt es daher nicht selten durch die englischen Arenen.

Die Spitze des Fan-Sarkasmus’ in England bilden aktuell die Anhänger des FC Arsenal. Der eigentlich erfolgsverwöhnte Traditionsverein aus der Hauptstadt hinkt seinen eigenen Ansprüchen nicht erst seit dieser Saison deutlich hinterher.

In der vergangenen Spielzeit verpassten die “Gunners” die Qualifikation zur die Champions League und selbst nach Million-Investitionen im Winter mit den Transfers von Pierre-Emerick Aubameyang und Henrikh Mhitaryan steckt Arsenal tief in der Krise.

Für die Fans des FC Arsenal steht daher schon seit längerem fest: Der Trainer Arsene Wenger, immerhin seit 1996 im Amt, muss weg. Auf englisch lautet die Forderung also: “Wenger out!” Es sind aber nicht die üblichen, wutentbrannten Schlachtrufe, die den Fanportest der Arsenal-Anhänger so einzigartig machen, sondern die Reichweite der Forderung.

So tauchen in aller Regelmäßigkeit “Wenger-Out”-Plakate bei völlig zusammenhanglosen Veranstaltungen auf. Ob auf einer Anti-Trump- oder Anti-Mugabe-Demonstration, auf einem Coldplay-Konzert, oder Wrestlemania. Weltweit protestieren offensichtlich Fans des FC Arsenal gegen ihren Trainer.

Der Twitter-User Blessing Mutiro kommt daher zu dem Schluss: “Über 70 Prozent der Erde sind von Wasser bedeckt. Der Rest sind Wenger-Out-Schilder”, und drückt kurzerhand auch einigen Sport- und Politik-Größen “Wenger Out”-Plakate in die Hand. Humor und eine gewisse Portion Selbstironie. Es sind die wichtigsten Wegbegleiter des Fans in den Zeiten des Scheiterns und der Erfolgslosigkeit des eigenen Vereins.