Sanchos Esel

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Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Kleine Gemeinheiten aus dem Betrieb (1)

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Bei Menschen, die wir nicht persönlich kennen, konserviert sich die Erinnerung an ihre Fehler wie im ewigen Eis. Ich weiß, das ist ein hässlicher Zug, besonders bei Journalisten. Aber es hilft schon, kurz davon zu erzählen und die Sache zu beichten.

Bei Menschen, die wir nicht persönlich kennen, konserviert sich die Erinnerung an ihre Fehler wie im ewigen Eis. Ich weiß, das ist ein hässlicher Zug, besonders bei Journalisten. Aber es hilft schon, kurz davon zu erzählen und die Sache zu beichten. Bei Esperanza Aguirre zum Beispiel, der Präsidentin der Region Madrid und (wie manche spekulieren) möglichen Kandidatin für den Vorsitz der Volkspartei (PP), wenn der gegenwärtige Vorsitzende Rajoy doch noch stolpert oder geschubst wird, bei dieser ehrgeizigen, wohlhabenden und fast immer geschmackvoll und teuer gekleideten Frau (sie ist mit einem Grafen verheiratet und könnte auf ihren Gütern Golf spielen, wenn sie Lust dazu hätte, wer weiß, vielleicht tut sie es ja, ich kenne ihre Güter nicht) kommen mir immer ihre größten Peinlichkeiten in den Sinn, egal was sie sonst noch leistet.

Die erste Peinlichkeit ist in den Rang einer volkstümlichen Legende aufgestiegen, braucht also nicht wahr zu sein, sondern nur treffend und tief, und das ist sie. Aguirre, so heißt es, habe zu ihrer Zeit als spanische Kulturministerin den portugiesischen Nobelpreisträger José Saramago für eine Frau gehalten und deshalb von „Sara Mago“ und „sie“ gesprochen. Mein Kollege Walter Haubrich, der diese Geschichte gern überliefert (er ist gerade in Brasilien, da will ich ihn nicht stören, um nach seiner Quelle zu fragen), hat auch einmal von einer galicischen Kulturreferentin erzählt, die mit großer Achtung von „der spanischen Sängerin Carmina Burana“ gesprochen haben soll. Von dieser Qualität also war der Fauxpas, der mir nicht aus dem Sinn geht. Übrigens haben ihn sowohl Esperanza Aguirre als auch der Schriftsteller selbst dementiert, aber das könnte mit Fragen der Würde zu tun haben. Und jetzt das Schlimmste: Immer, wenn ich José Saramago sehe, forsche ich in seinen Zügen, in seinem weisen, verschleierten Blick hinter der großen Brille, ob er nicht doch etwas von Sara Mago an sich hat.


1 Lesermeinung

  1. t.nause sagt:

    Danke (1)
    für die Eröffnung...

    Danke (1)
    für die Eröffnung dieses Blogs! Sonst eigentlich kein FAZ-Leser, haben mich die Artikel und Bücher von Paul Ingendaay doch immer wieder diese Seite anklicken lassen. Jetzt also ein Spanien-Blog, das finde ich gut!
    Danke (2)
    insbesondere für diesen Eintrag zu Esperanza Aguirre! OK, das niedliche Eselfoto ist auch nicht schlecht. Aber: „Ehrgeizige, wohlhabende und fast immer geschmackvoll und teuer gekleidete Frau“ ist wirklich eine höfliche und nette Umschreibung dieser Politikerin, zu der sich auf Facebook bereits eine Gruppe namens „Apuesto que existen más de 100.000 personas que odian a Esperanza Aguirre“ gebildet hat. Und die Gruppe hat, wenn auch nicht 100.000, so doch immerhin schon 15.000 Mitglieder! (Aguirres eigenes Profil auf Facebook weist dagegen nur 7000 „Fans“ auf — wenn das nicht auch eine kleine Gemeinheit ist.) Jedenfalls: „Sara Mago“, von dieser volkstümlichen Legende hatte ich noch nicht gehört, aber sie hat meinen Tag erheblich verschönert. Jetzt bin ich aber gespannt auf Kleine Gemeinheiten aus dem Betrieb (2) und (3). Weiter so!

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