Sanchos Esel

Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Kleine Gemeinheiten aus dem Betrieb (2)

Eigentlich wollte ich neulich über die Präsidentin der schönen Region Madrid, Esperanza Aguirre, etwas ganz anderes erzählen, nämlich wie sie sich als Kulturministerin blamiert hat, aber an so etwas sollte man nur erinnern, wenn der Fall über das Spezifische hinaus von mindestens kultursoziologischer Bedeutung ist. Was ich hiermit in Anspruch nehme.

Eigentlich wollte ich neulich über die Präsidentin der schönen Region Madrid, Esperanza Aguirre, etwas ganz anderes erzählen, nämlich wie sie sich als Kulturministerin blamiert hat, aber an so etwas sollte man nur erinnern, wenn der Fall über das Spezifische hinaus von mindestens kultursoziologischer Bedeutung ist. Was ich hiermit in Anspruch nehme. Also: Es ist schon zehn Jahre her, da verkündete die Dame in hochoffiziellem Rahmen, der spanische Staat habe für fünfhundert Millionen Peseten (drei Millionen Euro) das Gemälde „Der Bauernhof“ von Joan Miró erworben. Es stellte sich aber heraus, dass sich da jemand fürchterlich vertan hatte.

„Der Bauernhof“, gemalt zwischen 1921 und 1922, ist eines der berühmtesten Bilder von Miró, und jedes Werkverzeichnis gibt Auskunft darüber, dass es in der Washingtoner National Gallery hängt. Tags darauf musste die Kulturministerin kleinlaut verkünden, bei dem erworbenen Gemälde handele es sich nicht um den „Bauernhof“, sondern um das weniger bedeutende „Palmenhaus“. Wem die Verwechslung unterlaufen ist, habe ich nie erfahren, aber wenn es nicht Esperanza Aguirre war, ist es ihm übel ergangen. Beide Bilder (um nach Entschuldigungen zu fahnden) zeigen übrigens ein Haus, einen Garten, einen Baum und einen Mond, und bei beiden, wenn es einem auf ein paar Zentimeter nicht ankommt, steht der Baum in der Mitte.

Was andererseits die Unterschiede betrifft, habe ich mir eine Liste der Gegenstände gemacht, die auf dem teuren Miró-Gemälde zu sehen sind und die auf dem billigeren Bild fehlen: Ein Brunnen, ein Planwagen, eine Frau. Mehrere Eimer. Ein Hund. Einiges Vieh. Einige Hühner. Ein Hühnerhaus. Sodann ein Vögelchen. Eine Mülltonne. Und eine Gießkanne. Und auch wenn ich die Liste längst auswendig kenne und mir sage, dass selbst die scharfsinnigsten Menschen mal etwas übersehen – wie kann es sein, dass jemand erst den Brunnen vergisst, dann den Planwagen, dann die Frau, schließlich die Eimer, den Hund, das Vieh, die Hühner und das Hühnerhaus? Wie kann das denn sein, bitte schön? Und was ist mit dem Vögelchen? Und wer hätte das Herz, die Mülltonne zu vergessen, von der Gießkanne gar nicht zu reden? So stehe ich und frage. Aber meine Stimme verhallt ungehört.