Sanchos Esel

Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Abschied von einem freien Menschen: Erinnerungen an Francisco Ayala

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Mit siebenundneunzig Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch auf deutsch, Erzählungen unter dem Titel Der Kopf des Lammes. Mit hundert Jahren ließ er dem späten Debüt ein zweites deutsches Buch folgen, den fast fünfzig Jahre zuvor geschriebenen Roman Wie Hunde sterben. Jetzt ist der spanische Schriftsteller Francisco Ayala im Alter von hundertdrei Jahren gestorben. Ein guter Grund für Sanchos Esel, sich zu verbeugen und noch einmal an diesen wunderbaren Mann zu erinnern.

Mit siebenundneunzig Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch auf deutsch, Erzählungen unter dem Titel Der Kopf des Lammes. Mit hundert Jahren ließ er dem späten Debüt ein zweites deutsches Buch folgen, den fast fünfzig Jahre zuvor geschriebenen Roman Wie Hunde sterben. Jetzt ist der spanische Schriftsteller Francisco Ayala im Alter von hundertdrei Jahren gestorben. Ein guter Grund für Sanchos Esel, sich zu verbeugen und noch einmal an diesen wunderbaren Mann zu erinnern.

In den letzten sieben Jahren hatte ich einige Male das Vergnügen, über Ayala zu schreiben. Ich hatte auch die Ehre, ihn kennenzulernen, als einen Spätneunziger gewissermaßen, in biblischem Alter, wie man gern sagt. Er hatte eine große Altbauwohnung in der C/ Marqués de Cubas in Madrid, gleich um die Ecke vom Círculo de Bellas Artes und dem gleichnamigen Café, einem der wenigen Orte, wo man für den Eintritt bezahlen muss. Bei einer dieser Gelegenheiten in seiner Wohnung gab er mir einen Packen Fotokopien mit. „Vielleicht interessieren sie dich“, sagte er. „Diese Artikel handeln von Deutschland.“

Zu Hause las ich die Texte aufmerksam durch. Es waren die Berichte, die der gerade vierundzwanzigjährige Stipendiat Francisco Ayala nach seinem juristischen Examen für eine spanische Zeitschrift aus Berlin geschrieben hatte. Im Frühjahr 1930 beobachtete er den deutschen Parteienstaat, das Aufkommen der Nationalsozialisten, die ungute Radikalisierung und einiges mehr. Einen lustigen Fehler begeht er im ersten Bericht, als er von „Alfred“ Hitler spricht. Danach jedoch wird der Mann zu „Adolfo“ und bleibt es. Ayala diagnostiziert die deutsche Misere sehr genau. Er sieht das Unglück kommen, so wie es auch manch andere ausländische Beobachter sehen. Merkwürdig, dass es über diese jedem offenstehende Möglichkeit – die Zeichen zu deuten, sich zu rüsten und gegebenenfalls Folgerungen daraus zu ziehen – je einen Zweifel geben konnte.

Ich möchte ein paar Zeilen aus Ayalas Bericht im März 1930 zitieren:
„El partido nacional socialista alemán, que representa la ideología con sus postulados de ‘gobierno para el pueblo‘  y exaltación de los valores nacionales y de la cultura germánica, ha perdido en la oposición toda responsibilidad pública, y hostiliza sin cesar la única línea de conducta que en estos momentos se presenta como viable para Alemania: la política diplomática de que Stresemann ofreció excelente norma. En cuanto a la, mejor que fuerte, bien conducida fracción nacional socialista y a la imponente y torpe masa comunista, que persiguen la destrucción del actual Estado para edificar, según sus respectivas ideologías, uno nuevo desde la base, no quieren saber nada de la Alemania republicana, ni menos, naturalmente, recogen su responsibilidad. Son también irresponsables.“

Nicht schlecht für einen Vierundzwanzigjährigen, oder? An welche Leser mag der Student des Völkerrechts bei seinen Sätzen gedacht haben? Gewiss an ein aufgeklärtes spanisches Publikum, das sich immer für Deutschland interessiert hat und die Namen deutscher Philosophen und Historiker wie selbstverständlich im Munde führte. Doch nun wurde ein anderes Stück aufgeführt: Ayala erkennt im Anwachsen von Hitlers Partei einen mit demokratischen Mitteln unternommenen Anschlag auf die Demokratie selbst, und genauso erklärt er es seinen Lesern. „Furchterregend“ nennt er, was er in Deutschland sieht, und noch furchterregender droht zu werden, worauf schon damals die Rassenideologie hindeutet. Ayala irrt sich nur in einem: dass sich in der urdemokratischen Form der Parlamentsdebatte Hitlers ganze Erbärmlichkeit offenbaren werde und der Spuk dann sehr schnell ein Ende haben müsse.

Es wundert einen nicht, dass Ayala später genauso missbilligend auf die Radikalisierungstendenzen der spanischen Politik reagierte und sich nach dem Bürgerkrieg den ideologischen Grabenkämpfen entzog. Er war Literat und Soziologe, dazu ein überaus skeptischer Kopf, misstrauisch gegenüber fremden Glaubensbekenntnissen und den eigenen. Als ich mit ihm zu seinem hundertsten Geburtstag ein langes Gespräch führte, um es für eine Radiosendung über ihn zu benutzen, sagte er Dinge, die so gar nicht nach vorschriftsmäßigem Republikanismus klangen, obwohl er Republikaner war. Was sonst sollte er sein? Es war, als hätten ihn seine Studien und eigenes Nachdenken gegenüber politischer Dummheit immun gemacht.

Ebenso spürbar war in dem fast Hundertjährigen die Erinnerung an eine alte Liebe. Sie galt der deutschen Kultur.

„Als ich noch ein Junge war“, erzählte er, „genoss Deutschland in Spanien und sicherlich in ganz Europa einen hervorragenden, ja einen grandiosen Ruf. Man hielt Deutschland schlichtweg für den Mittelpunkt der Weltkultur, den Ort, den man einfach besuchen musste, um sich zu inspirieren, um zu lernen und zu studieren. Das war die gängige Meinung. Gewiss galten auch England und Frankreich als bedeutend, doch sie konnten sich, was künstlerische und kulturelle Leistungen betraf, mit Deutschland nicht messen. All das brachte mich dazu, mich um ein Stipendium für ein Studium in Deutschland zu bewerben, und dann fuhr ich hin.
Es waren kritische Jahre, wie man sofort sieht, wenn man sich an das Datum erinnert, 1929 bis 1931. Kritische Jahre oder mehr, eine Tragödie, denn als solche habe ich immer aufgefasst, was damals geschah.
Das Deutschland jener Jahre beeindruckte mich allerdings sehr. Ich hatte gute Freunde, und meine Lebenserfahrungen dort standen in scharfem Kontrast zu meinen Erfahrungen in einem zurückgebliebenen Spanien, das eben erst im Begriff war, einen Schritt in die Moderne zu tun. Ich selbst hatte mich ja mit meinen frühen, der literarischen Avantgarde verpflichteten Werken an dem Versuch beteiligt, Spanien zu modernisieren.“

Später gehörte Ayala dann zu den ersten linken Intellektuellen, die Francos Spanien wieder besuchten. Nicht alle hätten es riskieren können, und Ayala sicherlich eher als andere. Doch entscheidend war seine Neugierde. Er wollte sich sein Heimatland nicht durch Franco ersetzen lassen:

„Als ich aus dem Exil zum erstenmal nach Spanien zurückkehrte [um 1960, P.I.], war das Ende der Diktatur noch nicht abzusehen. Ich tauchte nicht als Bürger oder sonst etwas auf, sondern als Tourist, der mit ausländischem [argentinischem, P.I.] Pass einreiste und sich niemandem gegenüber als der zu erkennen gab, der er vorher gewesen war. Alles ging glatt und ohne Zwischenfälle vonstatten, doch ich nahm die Stimmung im Land auf, eine immer noch niedergedrückte Stimmung. Es war das Jahr, in dem die wirtschaftliche Erholung begann, doch sie befand sich im Frühstadium, so dass sie von außen noch nicht wahrzunehmen war. Bereits im Jahr darauf veränderten sich die Dinge auf eine Weise, dass sie für alle sichtbar wurden, und ich konnte mit den Augen des Ausländers verfolgen, was im Land geschah. Als ich dann pensioniert wurde [um 1970, P.I.], beschloss ich, mich in Spanien niederzulassen. Ich hatte das schon länger erwogen und mir in Madrid eine Wohnung gekauft, in der ich mich nach der endgültigen Rückkehr einzurichten gedachte. Und dort lebe ich bis heute.“

Einer seiner Freunde, der nur um weniges ältere Schriftsteller Max Aub, der mit dem sechsteiligen Romanfresko El laberinto mágico (Das magische Labyrinth) ein großes Epos über den Bürgerkrieg schuf, hat in seinen Tagebüchern verbittert von einer kurzen Rückkehr ins Franco- Spanien berichtet: Der Exilant erkannte kaum etwas wieder, verstand die Menschen nicht, die ihn umgaben, und fühlte sich überflüssig und am falschen Ort. Irgendetwas muss Francisco Ayala vor diesem Schicksal bewahrt haben. Der Autor nennt es seinen „Mangel an Phantasie“, die Unfähigkeit, der verlorenen Heimat nostalgisch nachzuhängen und in ein unerreichbares Land Luftschlösser zu setzen. Fast verschämt bekennt er, nie Heimweh nach Spanien empfunden, sich aber auch an kein Land seines Exils unwiderruflich gebunden zu haben.

Jetzt noch zu einer Besonderheit dieses Schriftstellers: Anders als viele seiner Kollegen hat Francisco Ayala nie darauf hingearbeitet, seinen Beruf abzuschütteln und sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Im Gegenteil, die Verankerung in der akademischen Welt und sein Renommee als Soziologe, später als Professor für spanische Literatur an verschiedenen amerikanischen Universitäten erlaubten ihm die ideale Verschmelzung der beiden Sphären. Nicht als Berufsschriftsteller zu leben hieß für ihn vor allem: Nicht darauf angewiesen zu sein, hohe Auflagen zu erzielen, sich vom Geschriebenen zu ernähren und durch Erfolg oder Misserfolg erpressbar zu sein.

Und so hatte ich bei ihm immer das Gefühl, er sei frei und stehe für sich. Er hänge nicht ab von der Billigung der Mehrheit. Francisco Ayala warb für niemanden, unterschrieb keine Erklärungen und diente keiner politischen Sache als Wappentier. Seine Memoiren Recuerdos y olvidos spiegeln diese Haltung wider. Muss er von persönlichen Enttäuschungen berichten, tut er es knapp und fast mit einem Fragezeichen, als handelte es sich um eine Sache, über die noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Beim Lob dagegen wird er ausführlich und rückt den zu Lobenden in sein bestes Licht. Über sich selbst spricht Ayala mit der ehrlichen Absicht, dem Leser einen fremden Menschen zu erklären. Man kann diesen Zugang rational nennen. Doch das Subjekt dieser Autobiographie vergisst nie, dass sein Leben auch von Zufällen gelenkt wird.

Am Ende unserer damaligen Begegnung – nicht der ersten und nicht der letzten – fragte ich ihn, was denn die wichtigsten literarischen Einflüsse seines Lebens gewesen seien. Er wollte keine Namen nennen. „Alle Bücher, die ich je gelesen habe“, sagte er. „Jedes Buch zu seiner Zeit. Die Summe aller Bücher.“


38 Lesermeinungen

  1. Eine treffende Hommage an...
    Eine treffende Hommage an einen wirklichen grossen Intelektuellen. Ich habe zwar nur das Buch „Recuerdos y olvidos“ von ihm gelesen, doch auch seine Artikel haben mich immer sehr beeindruckt. Seine intelligente, stille und ironische Art ist in Spanien eher selten. Sie haben es wunderbar beschrieben. Er ist bis zum letzten Moment aktiv und „lúcido“ gewesen. Leider hat er in Spanien nie die Anerkennung erhalten die ihm eigentlich zusteht. Individualisten und kritische Denker haben nun mal kein Publikum. Ayala, Zubiri und andere Einzelgänger sind fast unbekannt. Wer sich nicht einfach in eine Schablone pressen lässt hat wenig Chancen. Es ist ein Trost fast sicher zu sein dass er das Leben trotzdem genossen hat. Der Mensch ist tot, aber sein Werk bleibt. Es ist ein guter Moment sich damit zu beschäftigen. Danke für diesen grossartigen Beitrag.

  2. Danke, mugabarru. In guten...
    Danke, mugabarru. In guten Buchhandlungen könnte sich auch noch Ayalas Buch „El tiempo y yo, o el mundo a la espalda“ (Visor) finden lassen. Auch dort lernt man den Schriftsteller gut kennen.

  3. Herr Ingendaay, angeregt durch...
    Herr Ingendaay, angeregt durch Ihre Laudatio auf Walter Kappacher und durch diesen „Abschied“, frage ich mich gerade, wie funktioniert das eigentlich mit der Veröffentlichung von übersetzten Werken fremdsprachiger Autoren? Ist es der Autor, der sein Werk den englisch-, französisch-, spanisch-, deutschsprachigen Lesern zugänglich machen will, Verlage kontaktiert, und dann kommt der Ball evtl. ins Rollen? Sind es die inländischen Verlage, die einen fremdsprachigen „Klassiker“ oder „Bestseller“ endlich der eigenen Leserschaft anbieten möchten, den Autor kontaktieren und um die Rechte bitten? Wer sucht den Übersetzer aus? Wie funktioniert dieser Literaturbetrieb länderübergreifend? Wer glaubt zu wissen, was sich verkauft und was nicht? Gibt es Förderungen durch die ländereigenen Kulturinstitute (wie Goethe oder Cervantes)? Sie, pardel und andere Kommentatoren kennen sich da ja sehr gut aus und können mir auf meine naiven Fragen antworten, falls das diesen Blog-Rahmen nicht sprengen sollte. (Ich frage dabei nicht nach der Publikation von Fachliteratur, sondern von Belletristik…)

  4. Melibea, es gibt verschiedene...
    Melibea, es gibt verschiedene Wege. Im Fall eines deutschsprachigen Autors zum Beispiel ist es meistens so, dass der Verlag sich um Übersetzungen in fremde Sprachen bemüht. Der Erlös für die verkauften Rechte wird dann etwa paritätisch geteilt. Hat der Autor einen Agenten, kümmert der sich darum, besonders dann, wenn er für den Autor hundert Prozent der Übersetzungstantiemen herausgehandelt hat. Den Übersetzer sucht im allgemeinen der Verlag aus. Hat der Autor eigene Ideen, kann er natürlich mitreden. Kulturinstitute und Stiftungen können die Übersetzung fördern. Als Katalonien Gastkultur der Frankfurter Buchmesse war, wurden rund 60 katalanische Werke ins Deutsche übersetzt. Dafür flossen natürlich Fördergelder der Generalitat. Allein könnten die Verlage das nicht tragen. Im Fall Argentiniens im Jahr 2010 wird es genauso sein.
    Die interessanten Werke – Bücher der neuen Saison, hochgehandelte Geimtips, Bestsellerhoffnungen und so weiter – werden aktiv angeboten und Gegenstand von Bietwettbewerben. Um die Nase vorn zu haben, beschäftigen die Verlage in anderen Ländern sogenannte Scouts, die den Markt beobachten. Aus Nordamerika etwa werden auch mittelmäßige bis schlechte Romane übersetzt, weil sie bekannt und marktkonform sind. So etwas lässt sich leicht verkaufen. Für einen iranischen oder aserbaidschanischen Autor gilt das weniger.
    Übrigens gibt es auch Übersetzer, die ein Buch so großartig finden, dass sie den Autor oder den Originalverlag kontaktieren und sich auf die Suche nach einem Verleger für die Übersetzung machen. Es gibt in dieser Beziehung wirklich alles. Ich selbst habe als Student einmal aus Spaß ein amerikanisches Theaterstück übersetzt – und fand mich wenig später als Übersetzer von Theaterstücken wieder. Im Fall Francisco Ayalas hat die Übersetzerin Erna Brandenberger durch persönliches Engagement dazu beigetragen, dass der Autor recht spät im Leben noch einen deutschen Verleger fand. Einen sehr enthusiastischen Verleger, der stolz darauf ist, zwei von Ayalas Büchern im Programm zu haben.

  5. Danke für die ausführliche...
    Danke für die ausführliche Antwort! Besonders interessant finde ich die Bietwettbewerbe… nun, wieso sollte es im Literaturbetrieb auch anders sein als in der Baubranche oder in anderen Gewerben…

  6. Weil es sich um Bücher...
    Weil es sich um Bücher handelt, Melibea? Bücher sind keine Backsteine. Daher sollten Betrieb und Markt für Bücher eigentlich anders aussehen als für Backsteine. Ich habe aber auch schon davon gehört, daß dies mit dem Aussterben älterer Verleger und der Internationalisierung der Verlage immer weniger der Fall ist bzw. immer schwieriger wird. Sie haben es auch gesagt, Don Paul. Übrigens hatte JorgeValencia interessante, wenn ich mich recht erinnere auch relativ bittere Erfahrungen auf dem Gebiet der Übersetzungen. Leider meldet er sich ja erst wieder, wenn Real und Barça zusammen und zugleich absteigen. Das kann noch dauern. Und Sie, Chus? Haben Sie nicht auch mit Übersetzungen und Verlagen zu tun?

  7. <p>Oh! Dulcinea! Nun muss ich...
    Oh! Dulcinea! Nun muss ich doch die Tür wieder aufmachen… Zugegeben. Ich war die ganze Zeit da…
    Ich kann den Bericht von don Paul absolut bestätigen. So läuft es. Ich habe alle Erfahrungen der Welt bereits eingesammelt. Gestern noch habe ich eine spanische Übersetzung mit dem Original verglichen und war sooo wütend, dass ich wieder an die frische Luft musste. Letzte Zeit, immer öfters, zugegeben. Ich war deswegen so wütend, weil ich mich in dem Milieu richtig durchboxen muss, um letztendlich immer wieder gegen gut situierte Übersetzer (ja, die gibt es auch) zu verlieren. Auch, wenn mache von Ihnen einfach kein Deutsch können und völlig falsch oder gar einfach frei übersetzen. Gerade mache ich Probeübersetzungen für eine Agentin (deswegen war ich auf der Buchmesse). Es wird ja klappen, ist aber ein schwieriger Weg, v.a. von Deutschland aus. Immerhin arbeite ich für eine deutsche Autorin, bekannt genug um mir wahrscheinlich die Türe langsam aufmachen zu können. Bis jetzt kümmere ich mich um ihre Internetseite (auf Spanisch) und um die Fans (nicht anonym).
    Es gibt auch die Plattform http://www.newspanishbooks.com (die Version für Deutschland ist in der Mache und ich arbeite gelegentlich als Gutachterin). Leider läuft es nicht über Scouts, das fände ich viel sinnvoller, sondern der Gremio de Editores schickt eine Bücherauswahl zum Begutachten und stellt die dann ins Netz, um sie für den (in unserem Fall deutschen) Markt bekannt zu machen.
    Sich persönlich bei den Autoren bzw. Verlagen zu melden läuft meistens nicht gut. Die Autoren haben immer Interesse, dürfen aber nichts ohne die Verlage unternehmen, und diese haben schon ihre Agenten, die ungern Dich auch noch dazwischen funken sehen möchten. Normalerweise antworten die Verlage nicht einmal.
    Es ist also eine sehr undankbare Arbeit, leider. Wobei ich diesen Job absolut liebe (ja, das Unterrichten auch, aber das ist wieder etwas anders). Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, eine Geschichte von einer fremden Sprache in deine Muttersprache zu übertragen.

  8. Javier Marías sagte einmal,...
    Javier Marías sagte einmal, sein bestes Buch sei seine Übertragung des „Tristram Shandy“ ins Spanische.

  9. Ich koche sehr schlecht,...
    Ich koche sehr schlecht, brauche gute Rezepten von guten Köchern. Wenn ich koche, bin ich trotzdem kein Koch, auch wenn meine Gerichte genießbar werden. Halbwegs, nach Rezept zu kochen und oben drauf Ketchup hintun gehört einfach verboten.
    Javier Marías kennt sich schon gut in seiner Küche aus.

  10. Interessant, was Herr Marías...
    Interessant, was Herr Marías sagt, und wie er sich selbst einschätzt. Er könnte Recht haben. Hier die Meinung von M. García Viñó über ihn: https://www.lafieraliteraria.com/estafa.html Es könnte durchaus sein, dass Herr M. García Viñó ein culé ist, und dem merengue Marías eins auswischen will, oder dass er ihn einfach nicht leiden kann. Es ist jedenfalls ein heftiger Verriss geworden.
    @ Melibea: Leider kenne ich mich eben nicht sehr gut aus mit der Verlegerwelt, sonst hätte ich meine Manuskripte schon längst veröffentlicht. Ich sagte es bereits: Ich bin Dolmetscher, nicht Übersetzer. Ich weiss nur eines: Mit Literaturübersetzungen ist es schwer, angemessen Geld zu verdienen. Das ist bedauerlich, aber „nunca es triste la verdad, lo que no tiene es remedio“.

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