Sanchos Esel

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Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Vor dem Spiel ist nach dem Spiel: Der clásico

| 34 Lesermeinungen

Xavi Hernández hat in einem Interview in El País erzählt, wie er sich vor einem clásico im Bernabéu-Stadion fühlt: großartig. Ehrfurchtsvoll. Voller Lust auf grandioses Spektakel.

Vor dem Spiel:

Xavi Hernández hat in einem Interview in El País erzählt, wie er sich vor einem clásico im Bernabéu-Stadion fühlt: großartig. Ehrfurchtsvoll. Voller Lust auf grandioses Spektakel. Wenn ich die Aufregung um mich herum wahrnehme – auch am Freitagabend, als mehr als eine große Handvoll Sportjournalisten aus Spanien, Deutschland, Argentinien, Chile, Italien am selben Tresen einer Madrider Bar versammelt waren -, dann muss ich gestehen, dass ich mir den Xavi-Zustand kaum ausmalen kann. Allein die Masse des Publikums, die von den Rändern der riesigen Schüssel auf die Spieler niederschaut! Dann der Lärm, die Pfiffe, die Transparente! Als ich mich bei der Bernabéu-Tour einmal neben Pellegrinis Trainerbank stellte, um von dort aus den Blick zu genießen, bekam ich einen Schrecken. Das sieht der Mann bei jedem Heimspiel? So exponiert ist er dort? Der Arme! Vielen Dank. Das ist ein Beruf für Herzinfarktkandidaten. Deswegen glaube ich auch, dass Pep Guardiola uns – den Liebhabern des Fußballs im allgemeinen, den culés im besonderen – nicht ewig erhalten bleiben wird; ich fürchte, der Mann wird vom Fußballfeuer verzehrt und muss irgendwann abspringen. Aber das ist ein anderes Thema, und ich hoffe, es wird uns in den nächsten Jahren nicht beschäftigen. 

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Noch ein paar andere Gedanken, bevor ich ins Stadion ziehe. Ich freue mich darauf, Xavi, Iniesta, Messi spielen zu sehen. Der Genussmensch in mir wird sogar würdigen können, wenn sie Tore gegen Real Madrid schießen. Dennoch täte es weh, was sonst? Natürlich hätte ich gern, sie stünden auf unserer Seite. Aber das wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren. Schade. 

Schön sind aber auch die Tore von Pipita Higuaín. Sein Antritt. Sein Instinkt. Seine definición. Das alles ist schon außergewöhnlich. Und Xabi Alonso ist ebenfalls großartig. Und Sergio Ramos kann einen tollen Tag erwischen. Oder Marcelo, van der Vaart, Arbeloa. Was ihn betrifft, den Superstar, CR9, ich mag seinen tränenfeuchten Blick zum Himmel nach vergebenen Torchancen immer noch nicht und werde ihn nie mögen. Das ist nun einmal so. Unwiderruflich. Aber er spielt auf unserer Seite. Also soll er Tore für uns schießen, Tore vorbereiten, was auch immer, ob mit Pedalen oder ohne. Eine Befürchtung sucht mich allerdings immer wieder heim, seit Beginn der Saison. Sein Egoismus könnte unser Scheitern werden. Und wir müssen sehr, sehr gut sein, um Barcelonas Mannschaftsspiel zu übertreffen. 

Später hören wir uns. Jetzt sollten wir uns lockern und regelmäßig atmen. Ein, aus. Ein, aus. Sehen Sie? Es geht doch.

Nach dem Spiel:

Man darf über Fußballspiele nicht im Konjunktiv reden, wer das tut, hat das Spiel nicht begriffen. Ist Ihnen aufgefallen, dass sich kein Tenniskommentator Spekulationen darüber hingibt, was geschehen wäre, wenn dieser oder jener Ball nicht an der oberen Netzkante hängengeblieben wäre? Es sind natürlich auch viel zu viele Punkte, als dass die konkunktivische Sprache irgendeinen Sinn hätte. Also sage ich jetzt, nach dem clásico, nur, dass es schön wäre, wenn unser Pipita Higuaín endlich auch mal in den ganz wichtigen Spielen, den grandes citas, das Tor treffen würde. Das tut er nämlich nicht. Gegen Lyon nicht. Und gegen Barcelona nicht.

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Ansonsten muss man wohl festhalten, dass die Partie nicht annähernd so gut war wie frühere clásicos. Dass Cristiano wieder zu egoistisch war und entsprechend viele Tränen in den Augen hatte. Himmel! Und dass – letztens – Xavi abermals der Held des Spiels war, und zwar konkurrenzlos. Beide Tore gingen auf seine Pässe zurück, und auch die beiden enormen Torchancen von Messi in der zweiten Halbzeit (Iker war glänzend bei der Fußabwehr) hat Xavi vorbereitet. Also ein Denkmal für ihn. Und gegen dieses Denkmal gelehnt, sitzend, trinke ich meinen Ardbeg.


34 Lesermeinungen

  1. mugabarru sagt:

    Lieber Gastgeber, sind sie...
    Lieber Gastgeber, sind sie auch zur Pressekonferenz des Tribunal Supremo am Freitag eingeladen? Scheinbar darf die PP Richter, Polizei und andere Institutionen angreifen und verleumden, aber der Rest der Menschheit hat kein recht Zweifel oder Unzustimmigkeiten mit der spanischen Justiz zu äussern. Die Opfer des spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur sollen nicht noch einmal in Schweigen vergraben werden. Es geht ja nicht (nur) um Garzón!

  2. Madrid sagt:

    Ja, mugabarru. Der Termin ist...
    Ja, mugabarru. Der Termin ist notiert. Wir sind alle sehr gespannt.

  3. mugabarru sagt:

    Ich hoffe sie sind nicht allzu...
    Ich hoffe sie sind nicht allzu enttäuscht, jetzt da der Termin am Freitag auch für die spanische Presse gilt. Wurden sie benachrichtigt, oder haben sie es aus den Medien erfahren?

  4. Madrid sagt:

    <p>Ich verstehe nicht ganz,...
    Ich verstehe nicht ganz, mugabarru. Warum sollte ich enttäuscht sein, wenn spanische Kollegen zu einem Termin kommen? Der Tribunal Supremo hat heute morgen eine lustige Mail an uns geschickt. Darin steht, nicht er, der Tribunal Supremo, sondern die Presseabteilung des Tribunal Supremo habe das informelle Pressegespräch einberufen, und es sei nie auf die ausländische Presse beschränkt gewesen. Weitere Informationen stehen hier: https://www.publico.es/305924

  5. pardel sagt:

    määp! määpmääp!...
    määp! määpmääp!

  6. mugabarru sagt:

    Nun entweder die Medien, oder...
    Nun entweder die Medien, oder ich, haben mal wieder irgend etwas missverstanden. Wahrscheinlich bin ich es. Nun, es kam mir so schön altmodisch und voller Komplexe vor: Extra-Treffen für Auslandskorrespondenten – die ja üblicherweise in Spanien leben und es sogar, wenigstens etwas, kennen, um denen Nachhilfe Unterricht im Verstehen des „Spain is different“ zu geben. Wie lieb und nett. Aber sind spanische Journalisten nicht auch dumm genug, um ein recht auf diese Nachhilfe zu haben? Es ist halt jetzt weniger ausländisch-elitär-elegant, oder? Als neidischer, spanischer Staatsbürger fühle ich natürlich vernachlässigt vom Tribunal Supreme und dessen Presseabteilung. Bin ich keine Erklärung wert?

  7. mugabarru sagt:

    Sanjandro, mein Mitgefühl....
    Sanjandro, mein Mitgefühl. Letzte Woche ging es mir ja auch so. Asonsten, gratuliere den culés im Blog.

  8. pardel sagt:

    Nein, mugabarru, du bist für...
    Nein, mugabarru, du bist für den TS natürlich keine Erklärung Wert. Wo kämen wir denn dahin? Da könnte ja jeder kommen! Du hast zu parieren, strammzustehen und folgsam zu sein. Klappe halten, aufmerksam zuhören. Wehe, du muckst auf! Und mit Ironie brauchst du gar nicht erst zu kommen: im Netz kommt Ironie schlecht rüber, und diese Herren des TS haben Ironie sowieso nie verstanden.
    Ich schätze bloß, jemand hat sich bei dieser Aktion verkalkuliert. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Presse so mit sich umgehen läßt, die ausländische schon gar nicht. Mit Ausnahme vielleicht der Washington Post, die freut sich, dass Garzón in Schwierigkeiten steckt. Und in Spanien el Mundo und afines, ja, natürlich, wie immer. Die können genüsslich darüber berichten, dass der TS formal richtig handelt. Bist du mit dem Begriff der cognitiven Dissonanz vertraut? Die Gegner Garzóns sind sich ihrer Einstellung dermaßen sicher, dass es ihnen im Traum nicht einfällt, sie mit der Realität und den Meinungen anderer zu vergleichen. Ich glaube, sie verstehen überhaupt nicht, was dich ärgert.
    Aber wer nimmt den Opfern, – und um diese sollte es doch naiverweise gehen, nicht wahr? – das Leiden ab, das sekundäre Schuldgefühl, das entsteht, wenn einer, der helfen will, der Opfer wegen in Schwierigkeiten steckt? Viele Opfer scheinen so zu empfinden, und ich finde es traurig. Und schäbig.
    Don Paul, ich bin sehr auf Ihre Berichte gespannt. Und auf die Kommentare dazu, von beiden Lagern.

  9. pardel sagt:

    O! Mi gozo en un pozo:...
    O! Mi gozo en un pozo: https://www.lavanguardia.es/politica/noticias/20100415/53909161839/el-supremo-desconvoca-el-encuentro-con-periodistas-para-explicar-el-caso-de-garzon.html Nun wird doch nicht höchstrichterlich belehrt. Wegen des großen Interesses. Ist auch ein Grund. Schade. Ein Schuft, wer böses dabei denkt.

  10. mugabarru sagt:

    Du hast vollkommen recht,...
    Du hast vollkommen recht, lieber pardel. Wer bläst schon ein Info-Treffen ab nur weil es viel Interesse weckt. Ist doch logisch. Es ist ja nur mein Problem wenn ich die richterliche Logik des Tribunal Supremo nicht verstehe. Bin halt zu blöd, das hat selbst amatxu akzeptiert.
    Ich hoffe unser lieber Gastgeber kann seine kostbare Zeit anderweitig verwenden. Wie sieht ihre Alternative aus, Herr Ingendaay?

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