Sanchos Esel

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Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Zwischenspiel: Ratlosigkeit bei Real Madrid – und Ärger bei mir

| 47 Lesermeinungen

Einige kurze Überlegungen zwischendurch, um die spanische Liga gedanklich abzuschließen. Die Glückwünsche an den FC Barcelona wurden ja schon verteilt. Der Cava ist getrunken, die Flasche entsorgt. Es gibt wohl niemanden, der die Verdienste von Pep Guadiola und seiner Mannschaft nicht anerkennen würde. Noch nie hat ein Team der Primera División in einer Saison 99 Punkte geholt. Natürlich können sich auch die 96 Punkte von Real Madrid sehen lassen, aber dazu gleich.

Einige kurze Überlegungen zwischendurch, um die spanische Liga gedanklich abzuschließen. Die Glückwünsche an den FC Barcelona wurden ja schon verteilt. Der Cava ist getrunken, die Flasche entsorgt. Es gibt wohl niemanden, der die Verdienste von Pep Guardiola und seiner Mannschaft nicht anerkennen würde. Noch nie hat ein Team der Primera División in einer Saison 99 Punkte geholt. Natürlich können sich auch die 96 Punkte von Real Madrid sehen lassen, aber dazu gleich.

Barcelona hat in 38 Spielen 98:24 Tore erzielt, das heißt: Auf ein Tor des Gegners kamen mehr als vier Tore von Barça. Habe ich das richtig gerechnet? Im Durchschnitt pro Partie hieß das Verhältnis 2,57 : 0,63. Eine andere Zahl ist noch aufschlussreicher. Ich meine nicht die 47 Saisontore von Leo Messi, die ihn mit dem brasilianischen Ronaldo in seinen besten Tagen gleichziehen lassen; oder die acht Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, die in der Anfangsformation gegen Valladolid standen (während Leute wie Henry und Ibrahimovic die Bank wärmten, ein Anblick, über den sich niemand mehr wundert). Sondern den Umstand, dass der FC Barcelona in den letzten zwanzig Jahren zehnmal spanischer Meister geworden ist, Real Madrid dagegen nur sechsmal. Im ewigen Duell der beiden Großen steht es jetzt 31:20 für Real Madrid, und der Abstand schrumpft. 

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Da wir schon bei Zahlen sind: In den letzten zwanzig Jahren, in denen Barcelona eindeutig die beste spanische Mannschaft war, hat der Klub neun Trainer gehabt. Vier von ihnen haben die Meisterschaft gewonnen: Cruyff (4), van Gaal (2), Rijkaard (2) und Guardiola (2). Drei dieser vier Trainer sind Begründer bzw. Fortführer eines Stils, den man inzwischen weltweit mit dem FC Barcelona identifiziert. Bei Real Madrid übrigens waren in derselben Zeit 22 Trainer beschäftigt. Und niemand würde sagen, dass irgendeiner von ihnen besonders viel mit dem „Charakter“ des Klubs zu tun hat. Im Gegenteil. Stellt man alle Trainer in eine Reihe, sieht man eine buntscheckige Folge von erfahrenen und unerfahrenen, harten und weichen, erfolgreichen und erfolglosen Leuten. Geht das Konzept Capello daneben, kommt eben Bernd Schuster. Das einzig Konstante daran ist der Wechsel. Und auf den schönen Fußball, ohne den das Bernabéu-Stadion angeblich nicht sein kann, warten wir immer noch.

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Die Schlüsse, die aus den obigen Bilanzen zu ziehen wären, müssten alle madridistas nachdenklich stimmen. Ich sehe aber keine Nachdenklichkeit, sondern den bekannten Aktionismus und die Bereitschaft, wieder ein paar fette Schecks zu schreiben. Also noch einmal im Klartext. Der von Florentino Pérez gesteuerte Klub nimmt einen erratischen, von allerlei Mediengeschrei begleiteten Kurs, aus dem die spielerische Signatur der Mannschaft nicht mehr ersichtlich wird. Immer wieder macht sich Real Madrid von vermeintlich großen Spieler- oder Trainernamen abhängig, ohne zu fragen, ob diese Akteure auch dem angestrebten Profil entsprechen. Natürlich kann man einen Weltstar wie Cristiano Ronaldo verpflichten, wenn man das nötige Geld dazu hat, und sein Typus, seine gezupften Augenbrauen oder die tränenfeuchten Blicke in den Stadionhimmel sollen jetzt nicht mein Thema sein. Aber es war schon immer Pérez‘ Fehler, die Spieler wie cromos zu sammeln, statt den Trainer zu fragen, wie sie denn zusammenpassen könnten. Den Trainer kann man ja auch nur fragen, wenn man ihn hat! Sagen wir also, wer einen Robben, Higuaín und dann noch Ronaldo und Kaká auf der Gehaltsliste hat, braucht sicherlich keinen Benzema zu kaufen. Seltsam, dass ein nüchterner Beobachter das sofort erkennt, nur Florentino Pérez nicht. Jede dieser Nichterkenntnisse kostet den Verein zwanzig, dreißig oder vierzig Millionen Euro. Oder mehr. 

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In dieser Beziehung darf man die zweijährige Ära des Präsidenten Ramón Calderón ruhig zur Dekadenzphase unseres Vereins hinzurechnen. Real Madrid scheint die Spanische Liga so sehr zu verachten, dass im Jahr 2003 (Vicente del Bosque) und im Jahr 2007 (Fabio Capello) jeweils der Trainer entlassen wurde, der soeben den Titel gewonnen hatte. Überhaupt begann mit del Bosques Entlassung – dem letzten Übungsleiter, der mit seiner Mannschaft 2002 die Champions League erringen konnte – durch Florentino Pérez der Niedergang jeder seriösen Planung. In weniger als sieben Jahren hat der spanische Rekordmeister neun Trainer verschlissen, wenn man den Rauswurf Pellegrinis einmal als beschlossene Sache annimmt. Sieben dieser neun Trainer hat Pérez entlassen. Sieben! Ist der Mann noch zu retten? 

Das ständige Einstellen und Rauswerfen der Trainer bedeutet nicht nur ein permanentes Zurücksetzen des Zählers auf Null, viel Unruhe, neue Co-Trainer, Physiotherapeuten, Einflüsterer, Groupies, Schleimer und so weiter, dazu gewaltige Summen für Abfindungszahlungen. Es heißt auch, dass die neue Saison nicht im Frühjahr oder spätestens Frühsommer vorbereitet werden kann, weil die begehrten Trainerkandidaten meistens noch anderswo unter Vertrag stehen und sich daher nicht frühzeitig zu ihren Vorstellungen äußern können. Doch selbst wenn sie es könnten, würden sie schnell begreifen, wie begrenzt ihre Macht ist. Manuel Pellegrini hat letzten Sommer deutlich gesagt, er zähle auf Wesley Sneijder für das Madrider Mittelfeld; prompt wurde Sneijder verkauft. Auch Arjen Robben wurde abgegeben, damit Geld in die Kasse strömt. Beide Niederländer gehören zu den Stützen ihrer neuen Mannschaften und stehen jetzt im Champions-League-Finale. Mit gemischten Gefühlen, vielleicht sogar mit etwas Schadenfreude dürften sie sich am kommenden Samstag im Rund des Bernabéu-Stadions umsehen. Wenn sie Florentino Pérez erblicken, sollten sie ihm zuwinken, auch wenn wir längst wissen, dass Pérez jedem Winken gegenüber unzugänglich ist. Das hat schon ein Spieler namens Samuel Eto’o erfahren. 

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Nachdem Trainer Manuel Pellegrini praktisch verabschiedet und hinausgedrängt ist – ich schweige von den üblen Beleidigungen und Diskreditierungskampagnen durch die Madrider Sportpresse -, lohnt noch einmal ein Blick auf die Zahlen. Es stimmt, die entscheidenden Spiele der Saison hat Real Madrid verloren. Aber an Punkten und Toren wurde ein Madrider Ligarekord aufgestellt, der sich durchaus sehen lassen kann. Es gibt Menschen, die zugunsten Pellegrinis sagen, jedes fußballerische „Projekt“ brauche etwas Zeit. Man kann es kaum beschleunigen, auch nicht mit knapp 300 Millionen Euro. Cruyff und Rijkaard gewannen in ihrem ersten Trainerjahr bei Barcelona nicht den Ligatitel, konnten aber dann einen Zyklus mit hervorragenden Ergebnissen durchlaufen. Mehr, sie prägten eine Epoche. Cruyff, Rijkaard, Guardiola – das ist eine Reihe, die in jeder Beziehung Sinn ergibt. 

Solche Zyklen von vier, fünf oder mehr Jahren kann man nicht herbeizwingen, nur vorbereiten. Wer Eile hat, den bestraft das Leben. Man sollte also alles dafür tun, dass die Zyklen sich ereignen. Und die erste Voraussetzung dafür – abgesehen von einer erfolgversprechenden Personalentscheidung – ist nun einmal Kontinuität, damit die Dinge zusammenwachsen können. Gibt es ein „Projekt“, muss der Trainer es aufbauen dürfen. Dafür braucht er, die finanziellen Möglichkeiten vorausgesetzt, Entscheidungsfreiheit darüber, mit welchen Spielern er sein Ziel erreichen will. Guardiola zum Beispiel könnte sich letztes Jahr geirrt haben, als er Eto’o durch Ibrahimovic ersetzte und auch noch 45 Millionen Euro hinterherwarf. Aber es ist das, was ich einen kreativen Irrtum nenne: Er wollte sehen, ob es klappt. Gute Trainer gehen Risiken ein und folgen ihrem feeling. Man will doch kein Angsthase sein! Das feeling führt übrigens dazu, dass die Mannschaft den Irrtum des Trainers aus eigenen Stärken (die wiederum Guardiolas Verdienst sind) kompensiert. Wer nämlich einen Pedro oder Bojan in der Hinterhand hat, kann Ibrahimovic auf die Bank setzen. Was geschieht, wenn Villa kommt, will ich mir lieber nicht ausmalen. Der ist wieder mehr der Eto’o-Typ als der Ibrahimovic-Typ. So erkennt man, wie Guardiola sein Projekt weiterentwickelt und verfeinert. 

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Bevor offiziell ist, dass José Mourinho der neue Trainer von Real Madrid wird, noch eine letzte Bilanz. Präsident Florentino Pérez hat mit keinem von ihm eingestellten Trainer einen Titel errungen, wenn wir die spanische Supercopa mal ignorieren, die der Neuling Queiroz im Sommer 2003 gewissermaßen nur für Vicente del Bosque abgeholt hat. Mit keinem! Das macht seit damals also dreieinhalb Jahre Pérez – 42 Monate – ohne jeden Titel. Für diese anhaltende Titellosigkeit wurden auf dem Transfermarkt zwischen 500 und 800 Millionen Euro ausgegeben. Ich schenke mir das Nachrechnen. 

Nein, ich verstehe nicht, wie man einen so erfolglosen Mann auf dem Präsidentensessel so lange agieren lassen kann, wenn ein Manuel Pellegrini nicht einmal zwölf Monate vollmachen darf. Florentino hat doch längst bewiesen, dass er es nicht kann. Die Fans sollten seinen Rücktritt fordern. Der Verein muss sehr ängstlich sein, dass er sich an Florentinos Millionen und Marketingversprechen klammert. Mir gefällt auch nicht, wie Real Madrid in den Augen der Welt dasteht: als angeberischer Verein, der sich planlos alles zusammenkauft, worauf er Lust hat. Manche Spieler werden bei uns so schlecht, wie sie vorher nie waren. Andere harmonieren nicht mit dem Rest der Mannschaft. Wieder andere haben das Beste ihrer Karriere hinter sich. Und welcher Spieler wurde zuletzt in Madrid zum „Weltfußballer des Jahres“? Es ist so lange her, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Ich fände es schön, wenn ein Trainer mal ein bisschen bei uns bliebe und seine Arbeit entwickeln dürfte. Aber das, fürchte ich, wird mit diesem Präsidenten nicht zu haben sein.

                                                                                         [Fotos: AP, Reuters, AFP]


47 Lesermeinungen

  1. Madrid sagt:

    Vielen Dank, Dulcinea. Sie...
    Vielen Dank, Dulcinea. Sie wissen wahrscheinlich, dass Cristiano den Ball so vehement ins Tor geschmettert hat, dass er wieder herausgekullert ist? So deute ich das Foto.

  2. HenryCharms sagt:

    Eine wunderbare, ehrliche...
    Eine wunderbare, ehrliche Analyse, wie sie nur ein echter Fan des Fussballs schreiben kann. Chapeau!
    Normalerweise waehlt bei erfolgreichen Vereinen auch der Trainer die Spieler aus und sucht bestimmte Eigenschaften wie Schnelligkeit, Dribbelstaerke oder Robustheit um seine Mannschaft an bestimmten Stellen staerker zu machen. (So sehe ich uebrigens auch die Verpflichtuing des „Riesen“ Ibrahimovic in einer ansonsten eher kleinen Sturmreihe). Aber Perez sucht die Spieler nur danach aus wieviele Trikots man mit ihrem Namen verkaufen kann. Und diese Auswahl schmeisst er dann dem jeweiligen Trainer vor die Fuesse und sagt: „mach mal! Ich will Titel.“ Aber wie man schon vom Projektmanagment weiss, man kann kein Kind in EINEM Monat bekommen, indem man NEUN Frauen schwanger macht. Es braucht halt seine Zeit. Und dafuer hat Pellegrini einen super Job gemacht. Ich sehe die Saison auch gar nicht als fracaso, denn er hat immerhin 96 Punkte geholt, soviel wie noch nie ein Verein zuvor in einer Saison. Pech fuer ihn nur, dass Barça in derselben Saison eben noch drei Punkte mehr geschafft hat.
    Hoffen wir trotzdem auf ein schoenes Spiel im Bernabeu Stadion am Samstag.

  3. Dulcinea sagt:

    Ach Gott, ich bin nur eine...
    Ach Gott, ich bin nur eine Frau! Ich erkenne an einem Foto nicht, um welches Tor in welchem Spiel in welchem Stadion und zu welcher Minute es sich handelte! Ich bewundere nur den Augenblick an sich.

  4. Madrid sagt:

    <p>Dulcinea, ich bin nur ein...
    Dulcinea, ich bin nur ein Mann! Auch ich bewundere den Augenblick. (Vielleicht bewundern wir nicht zu allen Zeiten denselben Augenblick. Das könnte sein.)
    *
    HenryCharms, wie sanjandro und slbvic1 richtig festgestellt haben, sind Florentinos Ideen nicht nur strikt fußballbezogene. Real Madrid gehört noch immer zu den wertvollsten Marken der Welt – vor dem FC Barcelona -, und das dürfte sein Verdienst sein. Darüber hinaus: mucho ruido, pocas nueces. Vielleicht sollte man auch erwähnen, dass sich beim 0:4 in Alcorcón vor allem die Spieler blamiert haben. Und sie wissen es. Selbst wenn ihr Trainer mit Grippe im Bett gelegen hätte, wäre diese Partie bodenlos peinlich gewesen. Und noch etwas. Es sind wohl die Suche nach neuen Helden und die daraus folgende bedingungslose Anbetungsbereitschaft, die das klare Nachdenken über fußballerische Projekte bei Real Madrid verhindern. Von dieser auflagenfördernden Glorifizierung (gefolgt von der auflagenfördernden Verstoßung ins Nichts) lebt ein Blatt wie Marca. In diesem Sinn ist Barcelona erwachsen geworden und der Kontrahent regrediert.

  5. Virtudes sagt:

    Liebe Dulcinea, schön, dass...
    Liebe Dulcinea, schön, dass Sie auf die Photos zu sprechen kommen. Es war auch mein erster Gedanke, als ich den BLOG las: Da hat der werte Don Paul ja traumhafte Photos ausgesucht. Mein absoluter Favorit ist Bild Nr. 1: Die Haare wehen im Sturmwind, die hechelnde Meute im Rücken…. so stürmt er nach vorn, der Meister des Balles. War das bei der Anbahnung eines Tores, werter Don Paul? (Auch Frau!) Dann folgt gleich sicher das fröhliche Lachen des Helden- und tränenfeuchte Blicke aus der Meute.

  6. Madrid sagt:

    Danke, Virtudes. Ich bin...
    Danke, Virtudes. Ich bin sicher, Sie hätten diese Fotos auch ausgesucht. Ich hatte einen Schwung kostenfreier Bilder vor mir (das ist die Bedingung: Sie dürfen nichts kosten!) und habe mich gefragt, welche sowohl schön sind als auch zu meinem Text passen. Messi im Konfettiregen gefällt mir ebenfalls.

  7. schuschumann sagt:

    Hallo Sanchos Esel
    verzeihen...

    Hallo Sanchos Esel
    verzeihen Sie, wenn Ich so persoenlich frage:
    Eine fuer ihre Verhaeltnisse wenn ich das richtig interpretiere geradezu emotionsgeladener Aufruf an die Mitglieder Perez zu stuertzen wirft Fragen auf:
    =>Woher ruehrt historisch die „Anziehung“ die Real auf Sie ausuebt?
    Wenn ich diesen Artikel in Zusammenhang mit dem Artikel in der FAZ-Druck über ihre Zeit im Internat betrachte:
    =>Wieso gelingt es diesem veranstalteten Millionentheater auch einen so vorsichtig formulierenden Zeitgenossen in seinen Bann zu ziehen?
    slbvic1
    „…dem Ganzen zu nuetzen“. Welchem Ganzen?
    Laporta und sein „Anklammern“ an die Macht ist doch schon jetzt während seiner „aktiven Zeit“ Legende geworden.
    Wirklich tolle Fotos.
    Beste Grüsse

  8. Madrid sagt:

    schuschumann, meine Sätze...
    schuschumann, meine Sätze lauteten: „Nein, ich verstehe nicht, wie man einen so erfolglosen Mann auf dem Präsidentensessel so lange agieren lassen kann, wenn ein Manuel Pellegrini nicht einmal zwölf Monate vollmachen darf. Florentino hat doch längst bewiesen, dass er es nicht kann. Die Fans sollten seinen Rücktritt fordern.“ Das ist sicherlich kein direkter Aufruf zum Umsturz, eher eine nüchterne Folgerung aus meiner Argumentation. Wenn Erfolglosigkeit – also das Versagen vor den großen Titeln – bei diesem Verein bestraft wird, dann wären Florentino und Valdano die ersten, die gehen sollten. Sie haben das Ganze ja schon einmal vorexerziert! Tja, warum bin ich Fan von Real Madrid? Ich weiß es nicht genau. Ich lebe in dieser Stadt. Real Madrid hat meine aus Kölner Sicht wohl gut begründete Bayern-Antipathie beflügelt (ich spreche als Fan – als Journalist würde ich anders schreiben!). Es ist eben so. Ich kann mein Herz nicht analysieren. Ihre persönlichere Frage betreffend: Ich habe im Internat sehr viel Fußball gespielt. Meine Jugend bestand aus Fußball und Büchern. Und obwohl ich heute öfter, als mir lieb ist, über den Schauwert des Pérez-Imperiums schreiben muss, kommt es mir bei diesem Verein vor allem auf die Männer in den weißen Trikots an, die aufs gegnerische Tor zustürmen.

  9. Dulcinea sagt:

    Ich habe gerade den Damen aus...
    Ich habe gerade den Damen aus Potsdam und Lyon beim Elfmeterschießen zugesehen! Und ich muß sagen, es war außerordentlich spannend! Und sehr schön. Das war das Finale der Champions League für die Damen, die dieses Jahr zum ersten Mal auch Champions League heißt. In Getafe. Ich meine, das Finale der Champions League fand in Getafe statt. Suchen Sie das mal in as! Ja, Sie können auch in El Mundo Deportivo suchen. Sie werden denselben Text finden, wenn Sie ihn finden. Denselben? Nein, in as ist er noch ein wenig kürzer.

  10. pardel sagt:

    Der letzte Fußballer des...
    Der letzte Fußballer des Jahres bei Real war Fabio Cannavaro im Jahr 2006. Ist gar nicht so lange her, aber ich assoziiere ihn nicht mit Real, ich sehe nur Turin und Italien. Vermutlich liegt das an meiner Perspektive. Mir gefällt Ihre Analyse, Herr Ingendaay, Sie legen den Finger auf die Wunde. Sehr gut gefallen mir auch die Bilder. Messi im Konfettiregen und Guardiola, nach dem letzten Spiel vor dem Rückspiel gegen Inter, als sie voller erwartungsvoller Anspannung die Anfeuerungstrickots anzogen, um die „remontada“ zu beschwören. Daraus wurde bekannterweise nichts, aber ich liebe diese Jungs dennoch. Morgen werde ich mir das Finale der Herren ansehen, ein wenig wehmütig, aber im Grunde meines Herzens so blaugrana stolz auf das geleistete.
    Das Finale der Damen war sehenswert, Dulcinea, auch wenn niemand angemessen darüber berichtet. Warum habe ich bei Frauenfußball so oft den Eindruck, ein Spiel aus den 70er Jahren zu sehen? Ist es die Taktik, der langsamere Rhythmus? Oder bilde ich mir das nur ein? Egal: Gratuliere den Frauen aus der Nachbarlandeshauptstadt! Wenn in Berlin der Fußball schon vor die Hunde geht, dann soll Potsdam eine gute Zeit geniessen, sie haben es verdient. Ich suche immer noch nach einer Hauptstadt ohne Vertretung in der jeweiligen ersten Liga, und finde keine. Auch außerhalb Europas nicht. In Amerika nicht, in Afrika nicht, in Europa sowieso nicht… Kennt sich jemand in den ozeanischen Ligen aus? Oder in Asien, vielleicht in irgend einem entrückten Staat des Himalaya oder so?

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