Sanchos Esel

Sanchos Esel

Spät essen, laut reden, wenig schlafen, kein Fahrrad haben, die Mülltrennung vergessen, dem berühmtesten Fußballverein der Welt zugucken, bei Rot

Alles Gute zu Nikolaus

| 32 Lesermeinungen

In einem Essay für die New York Review of Books hat Michael Greenberg beschrieben, was er alles von den Mitgliedern der Occupy-Bewegung im Zuccotti Park erfahren hat.

In einem Essay für die New York Review of Books hat Michael Greenberg beschrieben, was er alles von den Mitgliedern der Occupy-Bewegung im Zuccotti Park erfahren hat. Das ist schon wieder einige Wochen her, dürfte also kaum den gegenwärtigen Stand der Ernüchterung, ja Auszehrung der Bewegung beschreiben. Und wen wundert es? New York wird immer kälter, die Medien haben wieder Besseres zu tun, als über die Ausharrenden zu berichten, und die Botschaft ist so wahrnehmbar bei der Bevölkerung angekommen, dass man sich gelegentlich fragen könnte, was denn noch zu tun (und zu demonstrieren) bleibt. 

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Aber so sehen die Occupy-Leute selbst es durchaus nicht. Es ist ja auch noch nichts passiert. Wir spüren die Folgen des Versagens unseres Finanzsystems und unserer Politiker und unseres eigenen, wir reagieren auf die Folgen, wir flicken, stopfen, übertünchen und bessern aus, wo wir können; aber wir ändern die Sache nicht. Und weil die Sache so ist, wie sie ist, und es zumindest in Spanien eher noch schlimmer wird, bevor es besser werden kann, sind auch viele Leute des „15. Mai“ noch aktiv. Man sieht sie nur nicht mehr so gut. Bei späterer Gelegenheit werde ich davon noch einmal berichten.

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Jetzt nur ein paar Sätze zu der Frankfurter Occupy-Bewegung, deren Camp ich mir am Wochenende anschauen konnte. Eines der Mitglieder der Bewegung, Erik Buhn, nahm im Rahmen der Römerberggespräche an einer Podiumsdiskussion teil. Sanchos Esel hatte das Vergnügen, am Morgen desselben Tages einen Vortrag zu halten. Erik Buhn und ich hatten zwischen den Vorträgen und Debatten etwas Zeit zum Plaudern. Er ist siebenundzwanzig Jahre alt, studiert Geschichte und Archäologie und verdient sich sein Geld mit Elektrikerarbeiten. Als er mich durch das Camp direkt an der Europäischen Zentralbank führte, sagte er: „Heute ist unser fünfzigster Tag.“ Eine schöne rote Fünfzig prangte vor einem Zelt. Auch ein bunter Willkommensgruß, der sicherlich zu dem vielfach kommentierten Eindruck allgemeiner Nettigkeit beiträgt, den die sozialen Bewegungen dieses Jahres hinterlassen haben.

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Es war ein trüber, verregneter Tag, und ich fragte mich, wie sich unter diesen Umständen die Motivation aufrechterhalten lässt. Auch New York und Madrid tun wahrnehmbar weniger, seit das Wetter nicht mehr mitspielt. Es ist einfach so. Auch indignados sind Menschen. Da zeigte mir Erik Buhn sein Zelt, ein kleines Ding auf Holzpaletten. Auch bei starkem Regen liegt man darin nicht nass. Nur warm einpacken muss man sich. Er sagt, die Nase lasse sich leider nicht schützen, sie müsse freiliegen. Ansonsten zeigte er mir die beeindruckende Infrastruktur des Zeltlagers: städtische Stromversorgung, Wasserversorgung, dazu fünf Dixie-Toiletten. Wenn ich mich an die Zahl korrekt erinnere, sagte er, fünfzig Menschen lebten permanent im Camp, über den Tag seien es mehr. Er selbst verbringt etwa fünf von sieben Nächten der Woche in seinem Zelt. Und er habe vor, mindestens bis zum Frühjahr durchzuhalten. Er wirkte auf mich wie einer, der meint, was er sagt.

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Auf der Homepage der Bewegung gibt es in diesen Tagen einen Adventskalender (neben dem echten, den ich Ihnen nicht vorenthalten will). Die kleinen Geschenke bestehen aus Video-Aussagen verschiedener Menschen, die sich dem Protest verbunden fühlen. In der Presseschau kann man allerhand Artikel über die Occupy-Bewegung lesen, auch kritische. Der ganze Auftritt sieht etwa zehnmal so professionell aus wie das Zeltlager selbst. Aber das liegt in der Natur der Sache. Als persönlichen Nikolausgruß von Sanchos Esel zeige ich Ihnen jetzt die Schuhe von Erik Buhn. Denken Sie daran, was die alles aushalten müssen.

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Und zu guter Letzt mein Nikolausgeschenk an alle Leserinnen: das Bild von einem Tier, das in diesen Adventstagen bei Sanchos Esel im Wohnzimmer sitzt. Was glauben Sie, was das für die Stimmung tut!

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                                                               [ Fotos : Sanchos Esel ]


32 Lesermeinungen

  1. Dulcinea sagt:

    Wie heißt denn das süße...
    Wie heißt denn das süße Kerlchen da unten? Ich mag besonders sein Hemd! Übrigens habe ich gleich gedacht, ob der Kleine nicht in entfernter Linie aus dem Osten stammt? Irgendwo in diesen zweifellos komplexen Abstammungsverhältnissen steckt doch Pittiplatsch, oder? (https://www.youtube.com/watch?v=PelmnBKMRlM&feature=related)

  2. Madrid sagt:

    Über die Herkunft "des...
    Über die Herkunft „des Kleinen“ kann ich leider nichts Weiteres sagen, Dulcinea, weil er mir nicht gehört und ich ihn weder adoptiert noch aufgezogen habe. Aber meine Tochter erinnerte mich gerade daran, dass er Floppi heißt. Floppi.

  3. Gatamad sagt:

    Dulcinea, hatten Sie sich...
    Dulcinea, hatten Sie sich nicht eine Schiffshupe angelegt? Jetzt da der Atlético de Madrid bald umzieht, könnten Sie noch ein Schiff akquirieren (es gibt bestimmt günstige Angebote von ehemaligen CAM-Bonzen), und zum Barça-Spiele gucken und anschliessendem Feiern auf dem Manzanares herumschippern. Überlegen Sie es sich doch. Ein Bekannter meinte kürzlich früher, wenn in den leeren, nächtlichen Madrider Strassen plötzlich der Schrei „goooool“ erhallte, konnte es nur ein Tor vom Real Madrid sein. Heute müsse man erst eine soziologische Studie des entsprecheden barrios anstellen: Mittel- und Südamerikaner, aber auch ein grosser Teil des Maghreb stünden ja geschlossen hinter bezw. neben dem Barça. Da bietet sich Ihnen doch ein grosses Kundenpotential. Und der Fluss würde etwas mediterran aufgewertet. Ausserdem soll es an Madrid-Rio sogar einen Strand geben. Ich habe ihn noch nicht gesehen.

  4. Gatamad sagt:

    Selbstverständlich will ich...
    Selbstverständlich will ich Estrella und Floppi nicht den Blog stehlen. Un doch wollte ich nachfragen, ob jemand so weihnachtlich eingestellt ist, dass er einen kleinen 3.5 – 4 Monate alten Kater akzeptieren möchte. Er heisst Tizón de Toledo. Ich habe ihn Anfang November in Toledo, sehr geschwächt und krank aufgelesen. Eigentlich wollte ich einen Tierarzt suchen, weil der arme Kater nicht qualvoll verenden sollte. Aber es war Sonntag, so dass ich keinen fand. Nachdem ich seine Augen gereinigt hatte, konnte er sie wieder öffnen, und nachdem er zum 3. Mal etwas Milch eingenommen hatte, kam er zu Kräften. Ich nahm ihn mit nach Hause, aber meine alte Katze bekam einen Eifersuchtsanfall, verliess die Wohnung und zog mit lautem Protest ins Treppenhaus, ohne mich eines einzigen Blickes zu würdigen. Sie hat eben den Charakter der Operndiven nachgesagt wird. Meine Nachbarin war so nett dem Kater zeitlich begrenzt Zuflucht zu bieten, aber mit der Bedingung für Tizón de Toledo eine Adoptivfamilie zu finden. Er erholte sich gut, nur das mit den Pilzen ging etwas länger, und da ich seine Fotos nicht mit Photoshop bearbeiten wollte, weil ich dies für unfair hielt, mussten wir etwas warten. Sein Fell wuchs erst weiss nach, Tizón sah aus wie ein Dalmatiner-Kater, doch jetzt ist er kerngesund, pechschwarz, lieb und lustig. Freiwillige für eine Adoption? Fragen sie bitte bei ihren Freunden und Bekannten nach. Ich würde das Jahr 2012, año mariano, nicht gern mit dem Schwarzen Peter beginnen. Danke.

  5. pardel sagt:

    2012 año mariano? Sind wir...
    2012 año mariano? Sind wir dann 2013 den Rajoy wieder los? Sagt die Kirche das wirklich?
    Was Tizón angeht, Gatamad, muss ich leider absagen. Unsere alten Katzen würden einen jungen Eindringling in ihr Revier ganz sicher nicht akzeptieren, wenn sie nicht sogar einen patatús bekommen.
    Gratuliere zum Sieg gegen Ajax, Don Paul. Es war natürlich nur die zweite Mannschaft, aber ich meine, aus dem Spiel kann man herauslesen: Der Sturm ist grossartig, das Mittelfeld schlagbar, die Verteidigung wackelt schon mal. Ganz untypisch für eine Mourinho-Mannschaft. Dann bleibt noch anzumerken, dass es ein großes Glück ist, dass in der spanischen Liga keine portugiesischen Schiris pfeifen. Ajax wurde übel mitgespielt, und was das zweite Gruppenspiel angeht, sieht es so aus, als ob das Cafe King einen Nachfolger hat.

  6. Mir bleibt ja nur laola1.tv -...
    Mir bleibt ja nur laola1.tv – aber Ihnen wünsche ich viel Spaß im Stadion!

  7. Meiner Gattin wegen halte ich...
    Meiner Gattin wegen halte ich traditionell zu Real Betis Balompie; ich bin schon mit diesem Spieltag zufrieden 😉

  8. pardel sagt:

    Ich bin auch mit diesem...
    Ich bin auch mit diesem Spieltag zufrieden.

  9. Gatamad sagt:

    <p>Nehmen Sie es nicht so...
    Nehmen Sie es nicht so tragisch, Herr Ingendaay. Es war doch nur ein Spiel. Wieder verloren, aber doch nur ein Spiel. Kein Mensch in diesem Blog „va a hacer sangre“. Also keine Grund zur Sorge und zum Schweigen. Kriechen Sie wieder aus Ihrem Versteck. Seien Sie mutig! Stehen sie zu Ihren Farben! Trotz Mou!
    Pardel, meine Glaskugel hat Störstrahlungen, so dass ich leider keine direkte Verbindung zum Vatikan bekomme. Deshalb kann ich leider nicht bestätigen, ob nur 2012 ein año mariano sein wird. Tut mir leid. Seit den Hexenverbrennungen des Mittelalters ist die Leitung nicht besonders gut. Ich hoffe Sie haben Verständnis. Vielen Dank auch für die Symapthie für Tizón. Ich habe volles Verständnis für Ihre Sorge um bereits vorhandene Katzen. Es erfreut mich auch zu lesen, dass meine 17 Jahre alte Katze nicht die einzige egoistische Katze der Welt ist. Das wäre ja eindeutig auf einen Erziehungsfehler zurück zu führen. Ich fühle mich erleichtert.
    Übrigens, ist den WG-Mitgliedern nicht aufgefallen, dass auch virtudes lange nichts von sich hat hören lassen? Schippert Sie auf der zurück gewonnen Jacht in der Karibik, oder will Sie ihre Lotterie Nr nicht teilen? Finden sie das nicht verdächtig?

  10. Madrid sagt:

    Ich nehme es nicht "tragisch",...
    Ich nehme es nicht „tragisch“, Gatamad. Dieser Cristiano macht mich sprachlos.

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