Berührt, geführt

Einmal gezögert, dann war Caruanas Vorteil futsch

Das war der Tag, auf den viele gewartet haben. Als Fabiano Caruana seinen dritten Zug spielte, Bauer d2 nach d4, ging ein Raunen durch den Zuschauerraum. Der so genannte offene Sizilianer war auf dem Brett. Offene Schlacht. Ein Remis war nun weniger wahrscheinlich als in den Eröffnungen, die zuvor bei dieser WM zum Einsatz kamen.

Einmal hat Caruana gezögert, da war der Vorteil futsch (Foto: Nadja Pantelejewa/WorldChess)

Carlsen schlug wie erwartet die Sweschnikow-Variante ein. Darauf war Caruana präpariert. Statt dem Normalzug 7. Lg5 zog (hier kann man die Partie nachspielen) er hier

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7. Sd5, und nach 7. … Sxd5 8. exd5 Sb8 9. a4 entstand eine Struktur, in der Weiß eine Bauernmehrheit am Damenflügel und Schwarz eine Bauernmehrheit am Königsflügel hat.

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Klar verteilte Rollen also. Caruana hat gerade 13. a5 gezogen und will mit 14. c4 und 15. b4 fortsetzen. Hier sah Carlsen den Moment für 13. … a6 gekommen, aber das schwächt das Feld b6, wohin sich der weiße Springer über a3 und c4 sofort auf den Weg machte.

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Hier ist gerade 21. c5! passiert. Nach 21. … Lf6 hielte sich der weiße Vorteil Computeranalysen zufolge einigermaßen in Grenzen. Dann hätte Weiß die Option 22. c6, wonach Schwarz am Damenflügel auf Verlust stünde, aber zumindest am Königsflügel angreifen kann, weil er nicht gleich im Zentrum aufgeknackt wird. Judit Polgar, die die Spiele für das Publikum kommentiert, verstand, dass Carlsen sich darauf nicht einlassen wollte und lieber das Bauernopfer mit 21. … Sxf3+ 22. Dxf3 dxc5 annahm. An seiner Stelle hätte sie das auch gemacht. Nun allerdings hätte Caruana in klaren Vorteil kommen können:

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Dazu hätte er hier 24. Dh5 Lg6 und nun nicht das naheliegende, aber nur zu einer unklaren Stellung führende 25. Dh6 Tf7, sondern 25. Dh3! Lf5 26. g4! Lg6 27. Tfe1 nebst 28. Te6 finden müssen. Stattdessen nahm Caruana mit 24. h3 den Vorstoß 24. … g4 aus der Stellung. Carlsen erwiderte 24. … De8 25. Sc4 Dg6, und damit war Schwarz aus dem Gröbsten heraus. Nach 38 Zügen war auch das achte Remis perfekt.

„Ich bin erleichtert. Es war eine sehr schwierige Partie für mich, und ich bin froh, dass ich sie überlebt habe“, sagte Carlsen. Caruana hingegen gestand seine Enttäuschung. Robert Hübner hat diese Partie ausführlich analysiert. Alle Texte zur Schach-WM finden Sie auf der Überblicksseite.

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