Berührt, geführt

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Wo ist die Synergie?

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Während dieser Blog seit der WM ohne plausible Erklärung stillstand, haben Play Magnus und Chess24 miteinander verhandelt. Nun haben der Marktführer unter den Schach-Apps und die führende Live-Schachseite bekanntgegeben, dass sie fusionieren. Das Gemeinschaftsunternehmen will beide Marken weiterführen. Damit wird der Hamburger Großmeister und Sekundant des Weltmeisters Jan Gustafsson auch zu dessen Geschäftspartner. Von beteiligten norwegischen Investoren wird ihr Gemeinschaftsunternehmen mit 291 Millionen Kronen bewertet, etwa dreißig Millionen Euro. Das wirkt gewagt. MagnusChess und Chess24 bestehen beide schon mehr als fünf Jahre und haben die bisherigen Investionen längst noch nicht eingespielt.

Chess24 veröffentlichte bisher weder Umsätze noch die Zahl seiner Premium-Abonnenten. Play Magnus hat laut der norwegischen Wirtschaftszeitung Dagens Naeringsliv voriges Jahr 6 Millionen Kronen, also etwa 600 000 Euro umgesetzt. Als wichtigstes Asset gelten die fünf Millionen Installationen von PlayMagnus, MagnusTrainer und Magnus Kingdom of Chess. Doch anscheinend sind nur wenige Nutzer bereit, für innerhalb der Apps angebotene Videos zu zahlen oder von einer Demo- auf eine käufliche Version zu wechseln.

Bewertet wurden die fusionierenden Unternehmen im Verhältnis 5:3. Das heißt von den Anteilen des Gemeinschaftsunternehmen gehen 62 Prozent an die bisherigen Eigentümer von MagnusChess. Dabei hält die Familie Carlsen 25 Prozent, während auf norwegische Wagniskapitalgeber wie Anders Brandt und Kjetil Aasen 37 Prozent entfallen. 38 Prozent gehören Jan Gustafsson und seinem Investor Enrique Guzman, einem ehemaligen bolivischen Nationalspieler, der mit der Vermittlung von Neukunden an Pokerwebsites ein Vermögen verdient hat.

Korrektur: Anders als hier zunächst gemeldet, scheidet die aus Kanada stammende Mitgründerin von Play Magnus Kate Murphy nicht aus sondern führt weiterhin die Geschäfte von Play Magnus. Vorstandschef bleibt der erste Investor Anders Brandt.

Gustafsson muss nun zeigen, ob er fürs Generieren von Umsätzen genau so viel Talent besitzt wie als Livemoderator. Anfangs verschliss die in Gibraltar registrierte und in Hamburg tätige Chess24 verschiedene Geschäftsführer, bevor der Gründer und Frontmann selbst das Ruder übernahm und das Personal verschlankte. Zuletzt litt der technische Standard, wie Bewertungen unzufriedener Nutzer der Chess24-App aufzeigen.

Technische Unterstützung aus Oslo käme also wie gerufen. Es ist freilich fraglich, ob die norwegischen Kollegen tatsächlich helfen können, wo es hakt. Es ist auch nicht unbedingt zu erwarten, dass Play Magnus-Nutzer nun zahlreich Premiumabonnenten bei Chess24 werden oder für Lehrvideos auf höherem Spielniveau, wie sie in Hamburg zuhauf produziert, zu zahlen bereit sind.

Ein Synergieeffekt ist aber doch schon auszumachen. Chess24 schmückt sich mit exklusivem Zugang zum Weltmeister. Carlsen gab sein erstes aussagekräftiges Interview nach der WM seinem eigenen Sekundanten. Vorvergangene Woche trat er erstmals zum „Banter Blitz“ an. Diesen Mittwoch und Sonntag abend haben Premiumabonnenten mit etwas Losglück wieder die Chance auf ein Partiechen mit MagzyBogues .


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