Berührt, geführt

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Das Schachblog von FAZ.NET

02. Apr. 2018
von Stefan Löffler
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Keymers Meisterstück

Am Ende liefen auf den neun Brettern auf der Bühne der Karlsruher Schwarzwaldhalle nur noch zwei Partien: Die von Magnus Carlsen und die von Vincent Keymer. Dass der Weltmeister gegen Matthias Blübaum nicht mehr über ein Remis hinauskommen würde, war offensichtlich. Währenddessen setzte der 13jährige Schüler aus Saulheim bei Mainz gegen Richard Rapport, der mit 2715 Elo zur erweiterten Weltspitze zählt, einen Kraftzug nach dem anderen. Zwischen ihnen ging es um den Sieg im größten Open Europas. Als der Ungar sich seinem jungen Gegner geschlagen gab, brandete Beifall auf. Vincent Keymer hatte allen die Show gestohlen.

Vincent Keymer (Foto: Eric van Reem)

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02. Apr. 2018
von Stefan Löffler
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01. Apr. 2018
von Stefan Löffler
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Groggy aber nicht geschlagen

Das Grenke Classic, das am Samstag in der Karlsruher Schwarzwaldhalle begonnen hat, setzt genau da an, wo das Kandidatenturnier aufgehört hatte: Mit großem Kampfgeist, originellen Stellungsbildern, einem frechen g-Bauer im Früheinsatz und der folgerichtigen Begegnung zwischen Weltmeister Magnus Carlsen und seinem frisch gekürten, aber sonst nach 14 kräftezehrenden Partien in Berlin wohl gar nicht so frischen Herausforderer. Obwohl Fabiano Caruana die weißen Steine zugelost bekam, stand er schnell unter Druck und zwischenzeitlich sogar verloren. Er fühlte es, sah den schwer zu findenden Gewinn für Carlsen aber auch nicht, und nannte es „fast ein Wunder“, dass er ein schwieriges Turmendspiel remis hielt.

Carlsen und Caruana vor über tausend Open-Teilnehmern und Zuschauern in Karlsruhe (Foto: Georgios Souleidis)

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01. Apr. 2018
von Stefan Löffler
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28. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Ein Fabi und sieben Fragen

Vier Spieler konnten das Kandidatenturnier vor der letzten Runde noch gewinnen. Alle ihre Partien gingen bis über die erste Zeitkontrolle nach vierzig Zügen. Am Ende aber gewann nur einer von ihnen, nämlich Fabiano Caruana, der bereits in Führung gelegen hatte. Sergei Karjakin und Ding Liren trennten sich voneinander remis, Schachrijar Mamedscharow holte das gleiche Resultat gegen Wladimir Kramnik. Wurden vor der letzten Runde noch alle möglichen Szenarien beleuchtet, wer bei Punktgleichheit zwischen welchen Spielern die Nase vorne hätte, gibt es am Ende also einen klaren Sieger: 1. Caruana 9; 2.-3. Karjakin, Mamedscharow je 8; 4. Ding 7,5; 5.-6. Grischtschuk, Kramnik je 6,5; 7. So 6; 8. Aronjan 4,5. Damit darf sich Caruana auf ein mit mindestens einer Million Euro Preisgeld dotiertes WM-Match gegen Magnus Carlsen, angekündigt ab 9. November in London, freuen. Aber hat er es auch verdient? Diese und sechs weitere Fragen und Antworten im Schnelldurchlauf.

WM-Herausforderer Caruana (Foto: WorldChess)

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28. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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27. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Es kann kippen

Das einzige für den Turniersieg irrelevante Brett war in der letzten Runde des Kandidatenturniers nach zwanzig Minuten bereits verwaist. Zugwiederholung. So ein zynisches Remis kommt wohl selbst in den besten Turnieren vor. Die beiden Schlusslichter Lewon Aronjan und Wesley So waren aber wohl eifnach froh, dass das Turnier für sie vorbei war. Sie überließen die Bühne gerne denen, die noch Herausforderer Carlsens werden konnten. Nach zwei Stunden stand es an deren Brettern so:

Grischtschuk – Caruana nach 13. a3

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27. Mrz. 2018
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27. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Gar nix Isklar!

Caruana und Mamedscharow haben in Runde dreizehn gewonnen. Karjakin und Ding haben remis gespielt. Alle vier können im Kandidatenturnier noch Herausforderer von Carlsen werden. Ding Lirens Chancen sind minimal, Caruanas Chancen am höchsten. Wenn der Amerikaner mit Schwarz gegen Alexander Grischtschuk gewinnt, ist er durch. Das gilt auch wenn er remis spielt und weder Karjakin mit Weiß gegen den bisher unbesiegten Ding noch Mamedscharow mit Schwarz gegen Kramnik gewinnt. Endet Caruana punktgleich mit einem der beiden, zieht er allerdings jeweils den Kürzeren. Enden alle drei punktgleich ist Mamedscharow vorn. Es gibt noch einige Szenarien mehr. Das einzige, in dem Ding Erster wird, erfordert, dass er Karjakin schlägt, Grischtschuk Caruana schlägt und Mamedscharow nicht gegen Kramnik gewinnt. Die einzigen Mineralwasserflaschen, die beim Kandidatenturnier zu sehen sein dürfen, stammen vom norwegischen Sponsor Isklar. Ein geflügeltes Wort zwischen den Berichterstattern lautet „(Na), alles Isklar?“ Die richtige Erwiderung wäre nun: „Gar nix Isklar!“

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27. Mrz. 2018
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25. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Aus Gegnersicht

Manche Spieler stellen sich hin und wieder hinter ihren Gegner und schauen sich das Brett von dessen Seite aus an. Dann sieht manches ganz anders aus, vorher nicht beachtete Züge treten ins Auge, oder die Stellung wird ganz anders bewertet. Hätte Fabiano Caruana das einmal rechtzeitig gegen Sergei Karjakin getan. Vielleicht hätte der Amerikaner dann nicht dessen Qualitätsopfer zugelassen. Als er kurz danach die Stellung auf einem der Monitore von der weißen Seite aus zu Gesicht bekam, sei ihm klar geworden, wie viel angenehmer sein Gegner stand. Nun hat er wie schon 2016 in Moskau mit Schwarz gegen Karjakin verloren. Wieder ist es Caruanas einzige Niederlage. Wieder konnte der Russe einen Opferzug nach d5 anbringen. Wieder geht der nervenstarke Karjakin mit den besten Chancen in die letzten beiden Runden. So stand es, bevor Caruana das aus seiner Sicht fatale 16. … Lg4 zog:

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25. Mrz. 2018
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24. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Warum gibt es keinen deutschen WM-Kandidaten?

Warum spielt beim Kandidatenturnier eigentlich kein Deutscher mit? Warum hat es seit Robert Hübner in den späten Siebziger- und Achtzigerjahren kein Deutscher mehr an die Weltspitze geschafft? Der Hauptgrund ist, dass der Weg an die Weltspitze Zehntausende Stunden Training, Lernen und Spielpraxis erfordert. Man muss also früh voll auf Turnierschach setzen. Das ist mit der strengen deutschen Schulpflicht kaum vereinbar. Unter den acht Teilnehmern des Kandidatenturniers haben die meisten schon früh keine normale Schule mehr besucht. Zu einer akademischen Qualifikation haben es nur zwei Spieler gebracht, Alexander Grischtschuk hat die Sporthochschule und Ding Liren ein Jurastudium abgeschlossen (Korrektur: Ding war hier zunächst nicht genannt). Im deutschen Kontext ist es besonders riskant, Bildungschancen früh zu opfern, um voll auf Schach zu setzen. Denn das Einkommensgefälle im Turnierschach ist enorm.

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24. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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23. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Remisbreite

Fabiano Caruana hat in der zehnten Runde ein für ihn ganz wichtiges Remis gehalten. Damit behauptet der Amerikaner im Kandidatenturnier einen halben Punkt Vorsprung. Eine Niederlage gegen den Zweitplatzierte Schachrijar Mamedscharow, „wäre ein Desaster gewesen“, gestand Caruana ein. Mamedscharow wäre zwar nur einen halben Punkt vor ihm gelegen, weil der direkte Vergleich aber das erste Kriterium nach der Punktzahl ist, hätte er in den ausstehenden vier Runden einen vollen Punkt mehr als Mamedscharow benötigt. Alle Partien der zehnten Runde wären remis geendet, hätte Lewon Aronjan in Zeitnot nicht ein Matt übersehen. Abgesehen vom letzten Zug in Aronjans Partie blieben alle Begegnungen auf unterschiedliche Weise innerhalb der berühmt-berüchtigten Remisbreite.

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23. Mrz. 2018
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22. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Schach für Polis

Normalschach nervt mich, Normalschachspieler langweilen mich. Normalos wollen immer die gleiche Stellung. Um in diese Stellung einzudringen, verbringen sie Ewigkeiten allein vor dem Computer. Manche analysieren bis ins Detail, was ihr nächster Schachpartner in eben dieser Stellung am liebsten tut. Wo bleibt da das Spielerische? Normalos wollen, dass es immer gleich abläuft. Nach anderen Regeln zu spielen, finden sie pervers. Normalschach kann aufregend sein, wie wir gerade beim Kandidatenturnier in Berlin erleben. Aber selber spiele ich lieber anderes. Fischerschach, Tandemschach, Baskisches Schach, Hands & Brain, meinetwegen auch Neoklassisches Schach. Ein Normalo bin ich sicher nicht. Ich glaube, ich bin poli.

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22. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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21. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Aronjan ist nicht locker

Dings Remisserie hat den neunten Spieltag knapp überstanden. Caruana hat gegen ihn ein paar Gewinnwege nicht gefunden und seine Führung dann doch nicht ausgebaut vor dem wichtigen Spiel gegen Mamedscharow am Donnerstag. Kramnik hat schon wieder verloren. Diesmal gegen Karjakin, der sich vom Schlusslicht in die Mitte der Tabelle hochgearbeitet hat. Die anderen haben mäßig interessante Remis abgeliefert. Soweit die Kurzversion vom neunten Spieltag im Kühlhaus. Lehnen wir uns zurück und beobachten die Gladiatoren einmal mit anderen Augen. Nämlich den Augen von Andreas Dilschneider, Schauspieler, Schachspieler und Business Coach für Körpersprache.

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21. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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20. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Wann bricht Dings Serie?

Ding Liren ist der einzige, der beim Kandidatenturnier in Berlin noch keine Partie gewonnen hat. Es hat allerdings auch noch keiner geschafft, den schmächtigen Chinesen umzuhauen, obwohl er so ziemlich der einzige ist, dem praktisch niemand den Turniersieg zutraute. Alles Remis bisher. Wann bricht seine Serie? Wird er im zweiten Durchgang Siege landen wie Wladimir Kramnik, der 2013 in London ebenfalls mit lauter Remis begonnen hat und am Ende fast WM-Herausforderer wurde? Oder wird Ding das Turnier wie Anish Giri 2016 in Moskau mit 14 Remis durchziehen? Fast jeden Tag wird der 25 Jahre alte Chinese auf seine Serie angesprochen. Etwas verlegen erklärt er dann, dass er in ausgeglichenen Stellungen mehr Druck machen will. In für ihn vorteilhaften Stellungen ist das eh klar. Es ist wirklich nicht so, dass er seine Partien auf Remis anlegt. Er scheint nur – im Unterschied zum ewigen Optimisten Kramnik – ziemlich objektiv in seiner Stellungsbeurteilung und auch im Eingestehen seiner Fehler und was er übersehen hat.

Konzentriert am Brett: Ding Liren (Foto: WorldChess)

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20. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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19. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Lieber g-Bauer!

Wir müssen reden. Du kleinste aller Schachfiguren, was machst du bloß für Sachen! Lewon Aronjan hast du so viel Ärger bereitet, dass er das Kandidatenturnier nicht mehr gewinnen wird. Weil du aus heiterem Himmel nach vorne gestürmt bist. Wenn der g-Bauer seines Gegners vorpreschte, ging Aronjan daran kaputt. Preschte Aronjans g-Bauer vor, erwischte es ihn selbst. Dabei haben wir als Anfänger doch gelernt, dass du, lieber g-Bauer, so lange wie möglich auf deinem Ausgangsfeld bleiben sollst. Damit du nach der Rochade deinem König Schutz verschaffst. Selbst deinen Nachbarn, den f-Bauern durften wir eher ziehen als dich, zum Beispiel, um nach der Rochade dem Turm Raum zu geben oder eine Linie zu öffnen oder auch mal um den e-Bauern zu schützen. Später haben wir gelernt, wann wir mit dir eine Ausnahme machen dürfen. Nämlich um den Königsläufer statt durch die Mitte auf die Flanke herauszubringen. Ihn ins Fianchetto stellen, wie wir Schachspieler sagen. Aber für ein Fianchetto rückst du ein Feld vor, fast niemals zwei. Ach, die guten alten Daumenregeln – warum hältst du dich nicht mehr daran?

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19. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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17. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Angezählt

Verpasste Chancen sind eine vertrackte Sache. Es gibt wenige, die ihre nächste Partie runterspielen können, als wäre nichts gewesen. Manche Spieler streben nach einer Enttäuschung erst einmal ein sicheres Remis an, um wieder ins mentale Gleichgewicht zu kommen. Sie wollen einfach nur die Runde überstehen, weil sie wissen, dass sie vor der nächsten Runde ohnehin nicht mit voller Kraft zuschlagen können. Aber es gibt auch Spieler, die verdrängen, dass sie angezählt sind. Die sich den Punkt sofort zurückholen wollen. Dazu gehören Wladimir Kramnik, der am Mittwoch durch zu langes auf Gewinn spielen und einen Blackout gegen Fabiano Caruana verloren hat, und Lewon Aronjan, der am Donnerstag Alexander Grischtschuk toll überspielte, aber den entscheidenden Schlag nicht setzte. Beide haben ihr sechstes Spiel im Kandidatenturnier verloren, weil sie zu viel wollten. Schachrijar Mamedscharow war lange auch einer, der es oft mit der Brechstange versuchte. Doch in Berlin zeigt der frühere Heißsporn Coolness und hat mit relativ geringem Kraftaufwand nun die Führung mit übernommen.

Angeschlagener Schachmeister (Zeichnung: Enki Bilal)

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17. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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16. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Aronjan packt es nicht

Gegner überspielt, Gegner in Zeitnot gebracht, mehrere Gewinnwege zur Verfügung, doch am Ende musste Lewon Aronjan sogar noch kämpfen, um wenigstens ein Remis zu bekommen. Der Armenier konnte einem leidtun. Allerdings fand auch sein Gegner Alexander Grischtschuk einige brilliante Züge. Während die anderen Partien der fünften Runde des Kandidatenturniers ohne besondere Ereignisse zu Punkteteilungen führten, produzierten diese beiden eine wildromantische Partie, in der manche Maxime gesunden Spiels außer Kraft gesetzt schien. Einige im Publikum staunten nicht schlecht, dass man auch so Schach auf höchstem Niveau spielen kann.

Nicht nur Karjakin staunte über die Partie Aronjan – Grischtschuk. (Foto: WorldChess)

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16. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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15. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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Mensch Kramnik!

Da hat er die ersten drei Runden wie Gott gespielt, so ungefähr stand das jedenfalls am Mittwoch in der Frankfurter Allgemeinen, und zack, verliert Kramnik auf denkbar blöde Weise. Lang und mutig auf Gewinn gespielt, als der Vorteil weg war die leichten Wege zu einem Vernunftremis ausgelassen, und dann in Zeitnot nach fast sechs Stunden der Blackout. Punkt weg, Führung weg, und vom Götterstatus wollen wir lieber auch nicht mehr reden. Toll gekämpft, aber davon kann er sich jetzt nichts kaufen. Mensch Kramnik!

Kramnik nach dem Blackout (Foto: Jewgeni Surow/Chess-News.Ru)

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15. Mrz. 2018
von Stefan Löffler
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