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Piraten vor Oman

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Erstmals seit Anfang Mai haben - anscheinend somalische - Piraten am Freitag nachmittag wieder einmal ein Schiff gekapert. Die Umstände sind, verglichen...

Erstmals seit Anfang Mai haben – anscheinend somalische – Piraten am Freitag nachmittag wieder einmal ein Schiff gekapert. Die Umstände sind, verglichen mit den bisherigen Überfällen, ungewöhnlich. Präzedenzlos ist erstens, dass das Schiff in den Hoheitsgewässern des Sultanats Oman gekapert wurde. Zweitens wird das Vorgehen der Piraten als ungewöhnlich brutal beschrieben. Beides passt zu einer Entwicklung, die sich im Zuge der zunehmenden Präsenz von inzwischen rund 40 Kriegsschiffen vor dem Horn von Afrika gezeigt hat. Die Piraten weichen dem Druck geographisch aus, in bisherigen Fällen bis auf die Hohe See, weswegen die EU-Operation „Atalanta“ ihr Einsatzgebiet bis zu den Seychellen ausweiten musste. Und sie gehen immer entschlossener vor, weil sie weniger Zeit pro Überfall haben. Wer will, kann das als einen Erfolg der Marineoperationen ansehen. Zumal die Erfolgsquote tatsächlich gesunken ist: War letztes Jahr fast jeder dritte Angriff erfolgreich, ist es inzwischen rund jeder zehnte. Die relativ lange Zeit von mehr als einem Monat ohne erfolgreiche Überfälle hat allerdings nach Einschätzung von deutschen Marineoffizieren andere Gründe: Das Wetter war schlecht, die See ging hoch, daher konnten die kleinen Boote („Skiffs“) der Piraten kaum eingesetzt werden.

Denkwürdig ist allerdings, was die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf das Marinehauptquartier im englischen Northwood berichtet:

Ein NATO-Schiff in der Nähe habe zu dem Zeitpunkt nicht eingreifen können, weil es mit dem Sultanat kein entsprechendes Abkommen geschlossen habe, sagte Davies. Ein spanisches Schiff sei erst vor Ort gewesen, als die Piraten das Schiff bereits in ihrer Kontrolle hatten. Die EU-Marinemission Atalanta werde das gekaperte Schiff nun im Auge behalten, aber nicht einschreiten.

Was wieder einmal zeigt, dass für die Koordinierung von vier internationalen Missionen und gut zwanzig Schiffen unter nationalem Kommando auf der Optimierungsskala noch viel Luft nach oben ist. Einen regelmäßigen Überblick, auf den auch kundige Marineleute verweisen, über die am Horn von Afrika schwimmende Vielfalt von der  Korvette „Malmö“ (Schweden) bis zum Zerstörer „Munmu der Große“ (Südkorea) gibt übrigens der Kollege Thomas Wiegold.


1 Lesermeinung

  1. hhkfdieter sagt:

    Auch wenn es sehr erfreulich...
    Auch wenn es sehr erfreulich ist, dass die Piraten über längere Zeit keine Erfolge zu feiern hatten, macht die jüngste Kaperung erneut deutlich, dass gemeinsame strategische Zielsetzungen, gemeinsame und gleiche Einsatzgrundlagen und eine entsprechende Koordination der Operationen durch die EU-Mission ATALANTA dringend zu fordern sind. Die schnellen taktischen Anpassungen der Piraten an neue Lagen auf See zeigen aber auch, dass der Piraterie nur durch umfassende politische und militärische Maßnahmen begegnet werden kann, die die Beseitigung der sozialen Ursachen des „Geschäftsmodells“ und und die Bekämpfung seines Wurzelwerks an Land einschließen. Siehe auch https://www.hansheinrichdieter.de/Klartext6.html Piraterie verhindern.

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