Zur Sicherheit

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Von den Alpen bis zum Hindukusch, von der Kieler Förde bis in den Golf von Aden: Die Kräfte der Bundeswehr sind längst über den halben Globus

Zuviele Kümmerer

| 7 Lesermeinungen

Ein ziemlich verregneter Empfang des Wehrbeauftragten in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Aber doch nicht ganz ohne Ertrag. So...

Ein ziemlich verregneter Empfang des Wehrbeauftragten in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft. Aber doch nicht ganz ohne Ertrag.

So sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan als Gastfestredner ein paar Dinge, die notierenswert sind.

Da ist zum einen die nicht grundstürzend neue, aber sehr griffige Formulierung des „Prinzips der Inneren Führung, das das militärisch notwendige Prinzip von Befehl und Gehorsam sittlich und ethisch einhegt“.

Da ist zum anderen ein oberflächlich gesehen banaler Vergleich von Zeitstrecken: Die Bundeswehr ist schon jetzt älter geworden als die kaiserliche Armee. Die Bundeswehr im wiedervereinigten Deutschland ist älter, als die Reichswehr geworden ist. Sie ist schon länger auf dem Balkan eingesetzt, als der Erste und der Zweite Weltkrieg zusammen gedauert haben. Und sie steht schon länger in Afghanistan, als der Zweite Weltkrieg gedauert hat. Bloß zusammengezählt. Doch wo immer jemand gleich „Militarismus“ oder „Nazis“ schreit, wenn in der Bundeswehr etwas schiefläuft, und in einem so großen Apparat wird immer mal etwas schieflaufen, da hilft es doch, an die Relationen zu erinnern.

Drittens und vor allem aber hat Schneiderhan den anwesenden Parlamentariern, auch dem Wehrbeauftragten und, ja, auch uns Presseleuten etwas Unangenehmes zugerufen (wenn auch mit allerlei Vorsichts- und Relativierungsklauseln umgarnt, die wir hier der Einfachkeit halber weglassen). Nämlich, dass es ein „Überangebot an Kümmerern“ gebe, mit und ohne Mandat. Soldaten werde dadurch „ein Fluchtweg aus der eigenen Verantwortung“ angeboten. Die Neigung zur Flucht aus der Verantwortung sei zwar ein gesamtgesellschaftliches Problem. Doch in der Armee werde dadurch das Prinzip der Auftragstaktik unterhöhlt. Es bestehe die Gefahr, dass es nur noch „eine konditionierte Bereitschaft zum treuen Dienen“ gebe. Beispiele: Wenn für den Kongoeinsatz Winterschlafsäcke mitgenommen würden, sei das vielleicht für den Boulevard ein willkommener Anlass zu Schlagzeilen. Aber Anlass zu Empörung im Parlament sollte es nicht sein. Oder: Wenn ein Offizier sich darüber beschwere, dass er zum dritten Mal in den Einsatz geschickt werde, müsse man auch mal den Mut haben, ihm zu sagen, dass das dazugehöre.


7 Lesermeinungen

  1. Wolluc sagt:

    <p>Zuviele...
    Zuviele Kümmerer.
    Kennen Sie das Wort Kümmerer Herr Löwenstein?
    Neues Deutsches Wörterbuch 2007, Helmut Lingen Verlag GmbH & Co. KG, Köln.
    Kümmerer:
    verkümmernde Pflanze; in der Entwicklung zurückgebliebenes Tier
    In meiner Region ugs. auch Mißgeburt eines Tieres, häufig in der Schweinezucht. Naja, in diesem Land redet auch jeder vom „public viewing“ ohne zu wissen was das Wort wirklich bedeutet.

  2. hhkfdieter sagt:

    Es kann überhaupt nicht genug...
    Es kann überhaupt nicht genug „Kümmerer“ im Sinne von Interessierten und Streitern für die Sache der Bundeswehr geben. Was der Generalinspekteur in seiner verquasten Absicherungssprache meint, ist doch sicher, dass sich die „Kümmerer“ mit und ohne Mandat um die falschen Dinge kümmern. Jeder Parlamentarier,der die Truppe im Einsatz besucht und sich für den heimischen Parteistammtisch „in die Gefahr begibt“, fragt die Soldaten nach Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung, Laufzeit der Post aus dem Heimatland etc., weil ihm keine anderen wichtigen Fragen einfallen. Die Soldaten nutzen das und so kümmert sich ein jeder um sehr kleine aber für den Soldaten wichtige Dinge. Das ist dem Generalinspekteur lästig, denn an sich hätte er sich ja längst gekümmert haben müssen. Aber auch das ist dem Generalinspekteur lästig, denn er selbst war nie im Einsatz, er selbst hat nie im Einsatz geführt und vor Ort Verantwortung getragen. Er selbst hat im Sommer im Kongo auch keine Nacht im Winterschlafsack verbracht. Deswegen hat er auch wenig Gefühl für die Gefühle der Soldaten im Einsatz.
    In anderer Hinsicht hat der Generalinspekteur natürlich Recht. Die Winterschlafsäcke im Kongo sollten nicht zu Empörung im Parlament führen sondern zu wirkungsvollen Maßnahmen des Generalinspekteurs. Das Parlament sollte sich darum kümmern, dass wir für die Einsätze eine verabschiedete sicherkeitspolitische Zielsetzung und ein militärstrategisches Konzept haben. Für einen mutigen Appell an die Parlamentarier, solcher Verantwortung gerecht zu werden, ist dieser Generalinspekteur zu vorsichtig und zu bekümmert.
    Von den Medienvertretern kann man sich nur wünschen, dass sie sich noch intensiver darum kümmern, dass sich die jeweils Verantwortlichen ihrer Aufgabe entsprechend und ebenengerecht um die Soldaten im Einsatz kümmern.

  3. stoltesa sagt:

    Soll das bedeuten, dass sie...
    Soll das bedeuten, dass sie die Medienschelte darin für richtig halten?
    Wie dem auch sei: In einer Parlamentsarmee kann es gar nicht zu viele geben, die sich versuchen, um die Belange der Soldatinnen und Soldaten zu kümmern. Es kann aber zu viele geben, die das aus fragwürdigen Motiven tun, und zu viele, die erkennbar nicht wissen, wovon sie sprechen und schreiben.

  4. stoltesa sagt:

    Die Rede Schneiderhans im...
    Die Rede Schneiderhans im Manuskript: https://bit.ly/9PTtg

  5. Georg sagt:

    Zitat:
    ...."eine...

    Zitat:
    ….“eine konditionierte Bereitschaft zum treuen Dienen“…
    So wie der Staat sich lange Zeit geweigert hat und teilweise noch immer tut, für die Folgen des „treuen Dienen“ aufzukommen. Das Einsatzversorgungsgesetz war ein Erfolg des deutschen Bundeswehrverbandes und musste hart erkämpft werden. Die Geschädigten von Radarstrahlen an Radargeräten müssen die Bundesrepublik Deutschland verklagen auf eine Wehrdienstbeschädigung und werden trotzdem abgewiesen. Prozesse werden in die Länge gezogen und man setzt auf die „biologische Lösung“. Wohlgemerkt sprechen wir hier nicht über Milliardenbeträge sondern um z.B. eine Zusatzversorgung von 100-200 Euro im Monat.
    Also ich sehe hier eine …“konditionierte Bereitschaft des Staates für die Folgen des Treuen Dienens zu sorgen“… quasi einen § 31 Soldatengesetz „Fürsorge- Light“.
    Ein Wort zur beanstandeten Auftragstaktik. Ich sehe die Auftragstaktik, ein Markenzeichen der BW, nicht durch die Anzahl der „Kümmerer“ für die Soldaten gefährdet, sondern wenn aus politischen Gründen der Infanteriezugführer der ORF in AFG nicht mehr entscheiden darf, ob er seine Waffen einsetzen darf, sondern das dies das Einsatzführungskommondo in Potsdam über den Hierarchieweg entscheidet.

  6. Robert sagt:

    Interessanter Blog...
    Interessanter Blog

  7. wolfowitz sagt:

    Es würde nichts schaden, wenn...
    Es würde nichts schaden, wenn der gezeigten Loyalität vieler Soldaten im oft nicht ungefährlichen Auslandseinsatz eine ähnliche Loyalität derer gegenüberstehen würde, die sie dorthin schicken.
    Dies könnte sich dadurch zeigen, daß endlich vernünftiges, im Ernstfall lebensrettendes Material (funktionierende Transporthubschrauber, Kampfhubschrauber zur Luftunterstützung, mehr UAV zur Aufklärung) bereitgestellt wird. Oder durch moralische Unterstützung in unangenehmen Situationen (z.B. die aktuellen Schüsse auf „Demonstranten“ mit Handgranaten).
    Oder durch wirkliche Fürsorge für körperlich oder seelisch (PTSD) geschädigte Afghanistan-„Vereranen“.
    Diese Art „Kümmerer“ gibt es nicht zuviel, sondern zu wenig.
    Klar ist natürlich, daß man nicht jeden ärgerlichen, aber harmlosen Mißstand, der in einem Riesenapparat wie der Bundeswehr nun mal vorkommen kann, zu einem Skandal auswalzen muß.

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