Zur Sicherheit

Auftragstaktik (II)

Das Verteidigungsministerium fühlt sich durch unseren vorherigen Eintrag wegen schlechter Kommunikation in Sachen Bombardierung bei Kundus kritisiert, was zutrifft, und außerdem eines gigantischen Lügenskandals verdächtigt. Letzteres haben wir nicht getan, sehen uns aber veranlasst, zum Exegeten unserer selbst zu werden.

In Gesprächen und Zuschriften haben viele sachkundige Interessierte darauf hingewiesen, dass es angesichts bisheriger Praxis kaum zu glauben sei, dass ein Oberst in Kundus ohne jede Rücksprache auf dem nationalen Strang einen solchen Luftschlag befohlen haben könnte. Das erschien uns auch so. Darum hatten wir nachgefragt, unter anderem bei Bundestagsabgeordneten: Ob sie mit eindeutigen Formulierungen dahingehend unterrichtet worden seien, dass weder Potsdam, noch Berlin, weder der Isaf-Regionalkommandeur Nord, noch der Generalinspekteur vor dem Befehl von der Sache wussten. Weitgehend übereinstimmende Auskunft: Ja. Daher unsere Folgerung: Dann wird es wohl so sein, denn sonst hätte das Ministerium einen gigantischen Lügenskandal ohne erkennbaren Nutzen auf sich gezogen, denn so etwas käme heraus.

Inzwischen ist eine Woche seit dem letzten Eintrag in diesem Blog vergangen, und aus der laufenden Berichterstattung seither konnte hervorgehen, dass sich unsere Vermutung bestätigt. Oberst Klein, der PRT-Kommandeur in Kundus, hat inzwischen selbst gesagt, dass er allein und ohne Rücksprache seine Entscheidung getroffen habe.

Übrigens sehen wir uns auch in einer anderen, früher hier geäußerten Einschätzung gefestigt: Dass Verteidigungsminister Jung die falsche Bastion verteidigt hat, als er sich am ersten Wochenende darauf versteift hat, es seien nur „terroristische Taliban“ bei dem Luftschlag ums Leben gekommen.

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