Zur Sicherheit

Zapfenstreich

 Eine Ansprache, eine Anmerkung:

Karl-Theodor zu Guttenberg spricht bei der Verabschiedung Franz Josef Jungs als Verteidigungsminister am Mittwoch abend. Er beginnt mit einem Wortspiel auf „überspannte Erwartungen“. Er verweist auf „bedeutende, ja, große Vorgänger, die dieses Amt geprägt haben“: Franz Josef Strauss, Helmut Schmidt, Manfred Wörner, Franz Josef Jung. Mit freundlicher Ironie: Jung habe ja eine Vorliebe für Statistik. Dies sei der 23. große Zapfenstreich in seiner Amtszeit. Guttenberg fordert Anerkennung für die Angehörigen der Bundeswehr ein – und für die Angehörigen der Angehörigen. Er zählt die Verdienste Jungs auf: öffentliches Gelöbnis vor dem Reichstag; Tapferkeitsmedaille; Ehrenmal. „Es ist mehr als ein zufälliger Akt, dass der erste große Zapfenstreich vor diesem Ehrenmal dem gilt, der das Ehrenmal selbst initiiert hat.“ Wenn er, Guttenberg, im Bundestag über Hartnäckigkeit reden werde, dann werde er Jungs Einsatz für das Ehrenmal vor Augen haben. Das Ehrenmal versinnbildliche auch die Last der Verantwortung des Verteidigungsministers.  „Wie klein ist manche Kritik am Ehrenmal angesichts der Größe der Verantwortung.“ Er verweist auf die „Erfolgsgeschichte der Bundeswehr“ – dazu zähle die Wehrpflicht. Die in der Koalition vereinbarte Kürzung der Wehrdienstzeit „mag man als Chance begreifen dürfen. Es ist allerdings proaktiv zu gestalten.“ „Niemand hat engagierter für den Einsatz in Afghanistan geworben“ als Jung. Aber es gelte, die Bedeutung und Notwendigkeit des Einsatzes „noch stärker ins Bewusstsein zu rücken“ – auch in seinen „unbequemen“ Aspekten. Jung habe immer das Dilemma deutlich gemacht: Die Soldaten sorgten dafür, dass Entwicklungshilfe und Polizeiausbildung überhaupt möglich gemacht werden, aber für Rückschläge bei Entwicklung oder Polizeiausbildung würden die Soldaten verantwortlich gemacht.

Strauß – Schmidt – Wörner – Jung: Nun gut, de abeundis nil nisi bene. Aber wir teilen die Auffassung, dass die oft geschmähten „Symbolthemen“ durchgesetzt zu haben tatsächlich als Leistung Jungs bleibt. Aber man beachte drei Aussagen Guttenbergs:  Den Afghanistaneinsatz „noch stärker ins Bewusstsein rücken“ – das darf man als Ankündigung, aber wohl auch als zarte Kritik am Bisherigen auffassen. Die Wehrpflichtverkürzung „proaktiv gestalten“ – eine Notwendigkeit, an die der Minister zu erinnern sein wird. „Überspannte Erwartungen“ – eine sehr berechtigte Mahnung. Auch Guttenberg wird nicht übers Wasser gehen können.

Die mobile Version verlassen