Zur Sicherheit

Auf Zivilisten schießen

Folgende Meldung hat die Nachrichtenagentur dapd veröffentlicht:

Deutsche Soldaten haben beim ISAF-Einsatz in Afghanistan auch auf Zivilisten geschossen. Das räumte ein Soldat im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd ein. „Doch, ich habe auch auf Zivilisten geschossen, von denen ich aber definitiv sage, das waren in Wirklichkeit feindliche Kämpfer. Die haben Stellungswechsel gemacht, die waren gerade dabei, uns zu umgehen“, sagte der Bundeswehrangehörige.

Hierzu drei Anmerkungen:

Wenn Soldaten in einem Gefecht auf feindliche Kämpfer schießen, dann schießen sie nicht auf Zivilisten, sondern auf feindliche Kämpfer. Diese schlichte Tautologie ignoriert, wer durch Formulierungen wie „räumte ein“ und Überschriften wie  „Deutsche Soldaten schossen in Afghanistan auf Zivilisten“ einen Skandal insinuiert.  Dass es sich bei der beschriebenen Situation um ein Gefecht handelt, geht schon aus dem dürren, herausgeklaubten Zitat hervor, mit dem die Agentur ihren Skandal belegen will, denn dort ist von „Stellungswechsel“ und „umgehen“ die Rede.

Wahr ist allerdings, dass die Unterscheidung für die Soldaten hochproblematisch ist. Denn bekanntlich tragen die feindichen Kämpfer in Afghanistan nicht Uniform und sind daher äußerlich nicht von Zivilisten zu unterscheiden, sondern nur durch ihr Verhalten. Das Verhalten ist zumal in der Hitze des Gefechts und auf die Schnelle oft nicht eindeutig zu bewerten. Auf dieses Problem wollte der zitierte Soldat offensichtlich hinweisen. Das Dilemma ist schwerwiegend: Schießt man auf einen Unbewaffneten, der sich (durch Rennen in die falsche Richtung, durch Telefonieren etc) verhält wie ein Kämpfer, so kann es einen tatsächlich Unbeteiligten treffen. Schießt man nicht, sondern lässt einen scheinbar Unbewaffneten an sich heran, so kann man durch ihn in den Tod gerissen werden wie zuletzt ein deutscher Soldat am 7. Oktober. Das Dilemma ist auch diskussionswürdig. Aber Diskussion ist etwas anderes als Skandalisierung.

Und schließlich ist das Problem weder neu, noch ist es auf die Bundeswehr beschränkt. Die Amerikaner hatten es – und wie darauf mit Einsatzregeln zu reagieren sei – schon im Irakkrieg und dann immer wieder in Afghanistan diskutiert, zum Beispiel hier. Und in Deutschland ist es spätestens seit der Taschenkartendiskussion 2008/2009 präsent. Ganz zu schweigen vom Luftschlag bei Kundus am 4. September 2009.

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