Zur Sicherheit

Diesmal keine Taliban auf brennendem Dingo

Die Operation Halmazag („Blitz“) im Distrikt Chardara bei Kundus ist nun – wie Bundestagsabgeordneten vom Verteidigungsministerium mitgeteilt wurde – in der sogenannten Hold-Phase nach der von der Nato verfolgten Vier-Phasen-Theorie („Shape-Clear-Hold-Build“: Vorbereitung des Angriffs, Vertreibung von aufständischen Kämpfern, Sichern, ziviler Aufbau). Dazu gehöre, dass während des Ausbaus ein intensiver Kontakt zu den Dorfältesten gesucht wird und Aufbauprojekte identifiziert werden. So soll eine Ortschaft (wohl Isa Khel) flächendeckend mit Elektrizität versorgt werden. Wie es – nicht nur von offizieller Seite – heißt, kooperiert die Bevölkerung gut, hilft beim Aufspüren von Sprengfallen und gibt sich insgesamt zufrieden, dass die Taliban vertrieben wurden. Klingt alles gut und sinnvoll. Allerdings ist der entscheidende Punkt, dass afghanische Sicherheitskräfte auf Dauer das „Hold“ übernehmen, welche Aufgabe der notorisch problematischen afhanischen Polizei zufallen wird. Wenn die Taliban zurücksickern sollten und diejenigen, die so erfreulicherweise kooperieren, nach ihren eigenen Gesetzen richten, dann würde ein kaum reparabler Schaden entstehen. Die Nagelprobe auf den Erfolg der Operation steht also noch aus.

Zwei interessante Details sind zu hören: Das Wrack des „Dingo“-Transporters, den die Bundeswehr nach den Gefechten vom Karfreitag ausgebrannt hatte aufgeben müssen und der den Taliban zu weitverbreiteten Propagandafotos diente, stand bis letzte Woche in Isa Khel. Dieses zwiespältige Erinnerungsstandbild ist gleich nach dem Freikämpfen des Ortes beseitigt worden (amerkanische Soldaten haben den Dingo „heimgeholt“). Merke: Bilder sind wirkmächtig.

Der Dingo, der vorgestern in einem anderen, weiter nördlichen Distrikt (Imam Sahib) vor zwei Tagen unter Mörserfeuer geraten ist und von der – glücklicherweise unverletzt gebliebenen – Besatzung aufgegeben werden musste, ist gleich so zerstört worden, dass da nichts mehr „heimzuholen“ war. Diesmal kursiert so weit wir sehen daher auch kein vergleichbares Propagandabild.

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