Zur Sicherheit

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Von den Alpen bis zum Hindukusch, von der Kieler Förde bis in den Golf von Aden: Die Kräfte der Bundeswehr sind längst über den halben Globus

Fußnoten

| 36 Lesermeinungen

Die Sache mit der Doktorarbeit des damaligen Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg hat vorderhand nichts mit dem Sachgebiet dieses Weblogs zu tun....

Die Sache mit der Doktorarbeit des damaligen Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg hat vorderhand nichts mit dem Sachgebiet dieses Weblogs zu tun. Aber die Affäre hat gewaltige politische Brisanz, daher sind hier ein paar Anmerkungen angebracht.

1. Es geht nicht nur um ein paar Fußnoten in irgendeinem Buch, sondern um die Aneignung ganzer Passagen, die von anderen Personen formuliert worden waren. Deswegen wird die Affäre nicht damit abzutun sein, es sei bloß eine Kampagne von Linken und Neidern. Dass ursprünglich ein politischer Gegner gezielt einen Schwachpunkt gesucht hat, tut dabei nichts zur Sache. Denn der Schwachpunkt ist da.

2. Es geht unmittelbar um die Glaubwürdigkeit der Person KTzG. Konsequenzen kann niemand anderes ziehen. Daher sehen wir nur zwei realistische Möglichkeiten: Der Minister erklärt seine persönliche Verantwortung und tritt zurück. Oder der Minister verweist auf seine besondere Verantwortung für eine gerade begonnene tiefgreifende Bundeswehrreform, bekennt Fehler und plädiert auf Bewährung. Welchen Weg er sucht, wird sich ziemlich gewiss an diesem Freitag zeigen.

3. Wir waren heute auf zwei Veranstaltungen, die unmittelbar mit Minister zu Guttenberg zu tun haben. Erst auf dem feierlichen Gelöbnis von Rekruten in Paaren (Glien) – weil es ein Beispiel für die letzten Gelöbnisse von eingezogenen Wehrpflichtigen handelte. Ohne eine einzigartige politische Figur wie Guttenberg wäre es – mindestens so schnell – niemals zur Beendigung der Wehrpflicht gekommen. Wir haben das als anscheinend nur noch kauzige Minderheit für einen Fehler gehalten – die Gründe sind mehrfach dargelegt. Aber soviel ist gewiss: Der Geist ist aus der Flasche, und jetzt ist dringend Klarheit erforderlich, wie es weitergeht. Dann auf einer Wahlveranstaltung eines sachsen-anhaltischen Kreisverbandes der CDU, auf dem eine Rede des Verteidigungsministers zur Zukunft der Bundeswehr angekündigt war. Auf der Tribüne lauter Bekannte aus dem Berliner Pressetross. Klar: Wir alle geierten auf die erste Reaktion Guttenbergs. Er war aber „in Berlin unabkömmlich“. Die Reaktion wird kommen – siehe 2.

4. Gerne herumgereicht wird derzeit der Verweis auf das Buch von Karl-Theodor zu Guttenberg mit dem Titel „Fußnoten“. Es stammt natürlich vom Großvater und ist ein aufschlussreiches Zeugnis aus der ersten großen Koalition, hat also außer dem scheinbar zur Situation passenden Titel nichts mit dem jetzigen zu tun. Eine schmerzliche Erfahrung von Guttenberg dem Älteren, als er schon schwer von seiner tödlichen Krankheit gezeichnet war, sollte es werden, dass vermeintlich verlässliche Bündnispartner in der Politik bei anderer Opportunität schnell weg sind. Kann die richtige Antwort darauf sein, sich nicht mit dem Schmieden von politischen Bündnissen aufzuhalten, sondern nur auf sich selbst zu setzen?


36 Lesermeinungen

  1. Sehr verstimmt darüber, daß...
    Sehr verstimmt darüber, daß man wieder zur BBC muß:
    „Two senior security officials in Pul-e Khumri told the BBC’s Bilal Sarwary that the Afghan soldier opened fire „all of a sudden“, killing two Germans and wounding eight others.
    The man is believed to have been serving with the second brigade of 209 Shaheen corps. German and Afghan soldiers are jointly stationed at a base outside the city, our correspondent reports from Pul-e Khumri.“
    Danke FAZ für die Prioritätensetzung-unsere Soldaten sind die echten unterschlagenenFußnoten. Was für ein Armutszeugnis. Gerade hier sterben unsere Soldaten wegen einer eindeutigen politischen Entscheidung-> Partnering.

  2. Prekarianer sagt:

    Verehrter Herr...
    Verehrter Herr Hagena.
    Erlauben Sie mir bitte zu einigen Punkten Stellung zu beziehen.
    Sie haben völlig Recht, man sollte sich mit dem Thema, mit der Sache auseinandersetzen. Rede und Gegenrede, wie Sie es ausdrücken, sollte Gegenstand der sachbezogenen Auseinandersetzung sein.
    In diesem konkreten Themenfall ist es der 4 Beitrag in Folge zu EINEM großen Thema. Ich schreibe trotzdem hier, weil ich auch etwas zu diesem Thema zu schreiben habe.
    Ich persönlich hatte etwas dazu in einem der vorangegangenen Beiträge beigetragen, soweit mein Verständnis zu dieser Thematik, zu dem Zeitpunkt ausreichte.
    Mag sein, dass ich es richtig, (für mich) mag sein, dass ich es völlig falsch (aus berufener Sicht) gesehen habe.
    Eine Gegenrede habe ich jedenfalls weder zu der einen, noch zu der anderen Möglichkeit erhalten.
    Allerdings, verehrter Herr Hagena, sind Sie der einzige, von dem mir bekannt ist, dass er einen hohen Offiziers-, sogar Generalsdienstrang bekleidet, der mich des öfteren direkt an -„spricht“. Dafür nochmals meinen aufrichtigen, herzlichen Dank.
    Daß Sie das tun, beweist mir; Sie haben sich freigemacht von,- wenn überhaupt jemals- vorhandenem Dünkel.
    Mein Spitzname hier ist keine Koketterie, ich weiß wo ich herkomme, ich weiß, dass ich eineinhalb Jahrzehnte lang die Hoffnung hatte, (und auch einige begründete Annahmen) aus dieser Schicht herauszukommen.
    Ebenfalls weiß ich seit 2004/5, dass bestimmte kollektive Zwänge eine so große Macht entfalten können, dass sie einen zwingen können, den Körper dergestalt einsetzen zu müssen, dass er daran so erkrankt, dass man seinen Beruf nicht mehr in vollem Umfang ausführen kann.
    Eine Versorgung wird abgelehnt, kollektive Zwänge werden nicht geringer, und begnügen muß man sich, beispielsweise, mit durchschnittlich 11- 17° C in den bewohnten Räumen. Natürlich werden jetzt einige sagen, der betreibt Projektion – nun, ich weiß jedoch nur zu gut, dass es nicht überwiegend an mir lag.
    Das eben Erwähnte, ist nur deswegen bemerkt, weil man über mich nichts in Wikipedia erfährt. Wobei ich damit nicht behaupten möchte, dass ein Eintrag dort in jedem Fall erstrebenswert ist.
    ZUM THEMA.
    Nun habe ich versucht, mich tiefer mit der Materie der Umstrukturierung zu beschäftigen. Ich finde ja, dass einige Diagramme oder Organigramme durchaus hilfreich für das Verständnis sind. Da nach wie vor der VERWEIS dazu bei mir nicht arbeitet, und ich das Organigramm auf der Seite des BMVg zunächst als wenig ergiebig erachtete, habe ich mir selbst mit Hilfe einiger zusätzlicher Forschungen eines erstellt. Später bin ich dann erneut auf der Seite und den Beschreibungen des BMVg gelandet. Dabei habe ich die für mich folgenden wichtigen Punkte noch einmal benannt.
    Das Ministerium (BMVg) soll auf 3 wesentliche Funktionsbereiche ausgerichtet werden. A) Bereich Politik und Planung. B) Bereich Ressourcen. C) Bereich Militärische Auftragserfüllung.
    Laut Beitrag Blog >aus 17=8 II.< vom 07.02. sollen weiterhin 8 Abteilungen geschaffen werden. Im BMVg Entwurf sind es 3 unter den jeweiligen Funktionsbereichen, macht also 9. Aber gut, vielleicht habe ich etwas überlesen und nicht richtig verstanden I. Der GI (zukünftig so etwas wie ein Oberbefehlshaber!?) soll künftig Zugriff auf alle neu zu schaffenden 8 Abteilungen erhalten. Mit fachlicher Weisungsbefugnis allerdings nur bezogen auf die militärische Auftragserfüllung. II. Führungsstäbe der Teilstreitkräfte werden Kommandobehörden und aus dem Ministerium ausgelagert. Die Inspekteure der Teilstreitkräfte werden zu deren Befehlshabern und ebenfalls ausgelagert. III. Die Befehlshaber werden dem Oberbefehlshaber verantwortlich, bezüglich der Bereitstellung von Fähigkeiten der jeweiligen Teil- Streitkräfte. IV. Der Oberbefehlshaber soll etwas niedriger angesiedelt sein, als die Staatssekretäre . Er hat wie bisher Zugriff auf die Einsätze, also auf Einsatzführungskommando und Militär – Nachrichtenwesen. Minister Guttenberg will sich die Vorschläge noch nicht zu eigen machen, sondern sich Spielraum für einzelne Veränderungen lassen. Die Leitung des Ministeriums bleibt wie es war und ist, umfasst Leitungsstab und Planungsstab und besteht aus Minister und 4 Staatssekretäre, davon 2 beamtete und 2 parlamentarische. FÜR MICH: Verstehe ich es richtig, dass die parlamentarischen je nach Regierungspartei gewählt/bestimmt werden? Umkehrschluss bedeutet dann, dass die beamteten unabhängig von Regierungsparteien im Ministerium verbleiben können? Neu wird die Stelle des Leitungscontrolling, (warum nicht Qualitätskontrolle?) zugeordnet einem Staatssekretär, der wiederum die fachliche Führung für die dezentralen Controllingeinheiten innehat, die errichtet werden, wenn in einem Bereich komplexe Aufgaben und Prozesse gesteuert werden müssen. Abteilungsleiter/innen entscheiden auf der Grundlage der ihnen vom Controller bereitgestellten Informationen und Daten. Weiterhin soll als Organisationsgrundsatz gelten, dass dem GI (Oberbefehlsaber) für die effektive Wahrnehmung seiner Verantwortung, das gesamte BMVg unterhalb der Leitung zur Unterstützung zur Verfügung steht. Im Punkt 6.2 des BMVg Papiers wird gesagt, dass der OB im Bereich >Ausrüstung, Modernisierung< eine Votumsmöglichkeit, also eine Entscheidungsmöglichkeit erhält. Herr Ruwe hat in seinem Beitrag vom 11.02. von einer Schwächung des GI(OB) gesprochen, weil er vermutet, dass sich der OB nun mit allen möglichen kleinen Dienstvergehen von 180000 bis 220000 Soldaten beschäftigen muß, Ich kann dem nicht folgen, denn soweit ich es beurteilen kann, entsteht eine klare Befehlskette nach unten durch die Befehlshaber der Teilstreitkräfte und insofern auch eine Verantwortung übernehmende Funktion derselben, hinsichtlich weiterer untergeordneter Strukturen. Punkt 7 des BMVg Papiers sagt eben, dass die Befehlshaber (ehem.Inspekteure) truppendienstliche Verantwortung tragen, und: >Unmittelbarer truppendienstlicher Vorgesetzter und damit auch Disziplinarvorgesetzter aller Soldatinnen und Soldaten im BMVg ist der Bundesminister der Verteidigung.< Natürlich bezieht sich das letztere ‚nur’ auf das BMVg. Aber ich sehe in beiden Fällen eine Entlastung des OB. Im Übrigen sollten wir uns doch alle nichts vormachen, denn es sind doch überwiegend Medien, die Vorkommnisse bei der Bundeswehr hochkochen, damit die negative Einstellung der Bevölkerung möglichst hoch gehalten wird. Ich sehe tatsächlich Möglichkeiten der positiven Veränderung hinsichtlich des Bildes gegenüber der Öffentlichkeit mit Durchsetzung dieser neuen Struktur. Benutzt der OB die Verantwortlichkeiten der entsprechenden Stellen ( im Ministerium und in den Teilstreitkräften), dann erhält er dadurch die Möglichkeit ein Bild der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zu schaffen, welches geprägt sein wird von >Übernehmen von Verantwortung< >Pflichtgefühl< >Bürger in Uniform< und >Ehre<, auch wenn dieser Begriff gestern im Satiregipfel von Dieter Nuhr wieder durch den Kakao gezogen wurde. Der OB braucht nur die entsprechenden Verantwortlichen vor die Mikrophone und Kameras treten zu lassen, und – ganz wichtig: Alle zu veröffentlichen Berichte müssen vor Veröffentlichung durch die entsprechenden Verantwortlichen freigegeben werden. Außerdem haben sich öffentlich rechtliche Medien an sachlich – richtiger Berichterstattung zu orientieren und nicht an irgendwelchen Vermutungen, Konstruktionen oder Weglassungen. Der Bürger hat schließlich ein Recht auf eine richtige und wahrhaftige Berichterstattung, denn wofür bezahlt er die gesetzlichen Zwangsgebühren, wenn nicht für die Pflicht dieser Medien dergestalt zu berichten. Während ich diese Zeilen verfasste , gab es im deutschen Fernsehen Berichte von deutschen Journalisten (zumindest sprachen sie deutsch) über das Demokratieverständnis deutscher Politiker hinsichtlich der politischen Verhältnisse in Algerien und Usbekistan und in anderen Staaten. Natürlich wurde das Festhalten von Kontakten zu den Staatsformen und Staatsoberhäuptern dieser Länder angeprangert. Die gleichen Journalisten haben weder Demokratieverständnis noch die Verhältnismäßigkeit der Rechtsprechung zur Debatte gestellt, als hier in der Nähe vor einigen Jahren jemand mit einem Auto überfahren wurde, und, damit der Übergefahrene auch wirklich tot ist, der Fahrer des Fahrzeugs noch einmal zurücksetzte und erneut über den Mißhandelten fuhr. Die Bestrafung für diese unfassbare Tat betrug 2-3 Jahre Gefängnis; zur gleichen Zeit wurde der 70 jährige Horst Mahler, ehemaliger RAF Anwalt, wegen der Leugnung des Holocaust zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Was wollen diese Journalisten eigentlich? Das Staatsinteressen durchaus mit den Erscheinungen anderer Regierungsformen und deren Vertreter in Zwiespalt geraten können ist eine alte Weisheit. Aber ein Staat hat auch immer das Wohl seines Volkes zu beachten und muß daher wohl oder übel dann und wann Kompromisse mit missliebigen Staaten eingehen. Tut er das nicht, kann es sein, dass ein Volk wie das deutsche Entbehrungen hinnehmen muß. Führt er Krieg wegen missliebiger Regimes, ist das auch wieder nicht richtig. Also: Was wollen solche Journalisten? AKTUELL: In den letzten Tagen ist das MEADS Thema in den Medien angesprochen worden. Die USA wollen das Projekt beenden, auch Deutschland will nun aussteigen. Die angeblich abgeschriebene Dissertation des Verteidigungsministers. Diesmal schreiben die Medien sofort, dass er den Titel VORLÄUFIG nicht mehr führen wird, als es um den Kapitän der Gorch Fock ging, verschwieg man das VORLÄUFIG weitgehend. Wenn er abtritt, wer soll es dann machen? Herr Westerwelle? Frau von der Leyen? Dirk Niebel oder Phillip Rössler? Oder gar Frau Leutheuser-Schnarrenberger. Am ehesten würde noch Herr de Maizière das Amt ausfüllen können. Geben wir Herrn von und zu Guttenberg eine zweite Chance, gleichgültig was an den Vorwürfen dran ist, die hat jeder verdient, noch mehr, wenn er eine Ausbildung vorweisen kann, soweit mir bekannt ist, nie auf Polizisten eingedroschen, geschweige denn womöglich Brandsätze geworfen hat, und Ermittlungsakten wegen solcher Vergehen mit Sicherheit NICHT vorliegen. Die aber gegen einen ehemaligen Außenminister namens Fischer vorlagen, allerdings ist in den unergründlichen Tiefen der hessischen Staatskanzlei auf nicht nachvollziehbare Weise der Verbleib selbiger Akten als ungeklärt zu betrachten. Der Mann ist nie zurückgetreten, der ist „nur“ abgewählt worden. „Der“ hat noch nicht mal den Ansatz einer gefälschten Dissertation geschrieben. Aber immerhin Professor in Kingston, ach nein Princeton heißt das wohl. LETZTER PUNKT: Eine Diskussion lebt davon, dass auch Themen berührt werden, die zunächst, dem Anschein nach, nichts mit dem Sachgebiet zu tun haben. Gerade zur Zeit sind, was die Bundeswehr betrifft, derartig viele Themen präsent, dass es für mich durchaus interessant und wichtig ist, auch andere Themen anzusprechen und – wenn sich die Diskussion so entwickelt, selbst über Sicherheitsunwichtige Dinge zu sprechen. Ein Ort wie dieser hier, lebt meiner Meinung nach von Lebhaftigkeit, von Vielfalt, wenn es geht immer mit einem Bezug zum Raumthema. PS. Über die mittlerweile drei gefallenen deutschen Soldaten wird zu diesem Zeitpunkt in englischsprachigen Zeitungen nicht berichtet. Weder im Guardian, im Telegraph oder der Times; auch nicht in der New York Times oder der Washington Post. Nichts! Ebenso, wie es nichts über den lebensgefährlich verletzten Malergesellen gibt, der in Berlin von 4 Zugereisten ins Koma geprügelt wurde. Soweit es sich nicht andersherum verhält, wird die Dissertation von Herrn Guttenberg diskutiert. Wie heißt doch ein deutscher Chanson? Genau: Gute Nacht Freunde Macht daraus: Gute Nacht Deutschland Ich verabschiede mich vorerst. Angenehme Nachtruhe. Prekarianer

  3. Jeeves sagt:

    "Welchen Weg er sucht, wird...
    „Welchen Weg er sucht, wird sich ziemlich gewiss an diesem Freitag zeigen. “
    .
    Heute ist Sonnabend und Copy-Gutti hat keinen der beiden Wege, die der Journalist in seiner „Gewiss“heit weissagte, gewählt.

  4. Frederikke sagt:

    Und wenn es auf folgender...
    Und wenn es auf folgender Weise vor sich gegangen wäre:
    Der Freiherr braucht unbedingt einen Doktortitel, findet aber leider keine Zeit für Studien und Schreiben.
    Deshalb engagiert er eine Person, die sowohl die förderte Zeit wie die akademische Kompetenz zur Verfügung stellen kann.
    Diese Person sucht gern Information auf Internet und benutzt öfterst copy-paste während der Arbeit.
    Leider ‚vergisst‘ sie in mehreren Fallen über die Quellen der Information der Abhandlung zu informieren,
    Kritiker lesen die Abhandlung, finden die copy-paste unpassend, und so riskiert der Freiherr seine akademische Ehre zu verlieren

  5. Lieber Prekarianer,

    Ihre...
    Lieber Prekarianer,
    Ihre Beiträge lese ich deswegen immer sehr gerne, weil Sie für mich ein nachdenklicher Zeitgenosse sind, der ohne erkennbare besondere Vorbildung in der Sicherheitspolitik bemüht ist „rerum cognoscere causas“, den Dingen auf den Grund zu gehen und Zusammenhänge und Motive der handelnden Personen zu ergründen. Ihre Beiträge lehren, daß man fast alles auch ganz anders sehen kann.
    Ihrer Auffassung, daß Guttenberg eine zweite Chance bekommen sollte, stimme ich zu, teils aus pragmatischen Gründen, teils auch, weil bestimmte Verhaltensweisen („sich Schmücken mit fremden Federn“) im Wissenschaftsbetrieb leider so eingerissen sind, daß zunehmend das Unrechtsbewußtsein dabei schwindet. Wobei, das muß fairerweise hinzugefügt wrden, die Grenzen manchmal fließend sind.
    .
    Daß viele, wenn nicht die meisten Kritiker Guttenbergs nicht aus lauteren Motiven handeln, versteht sich fast von selbst; daß er selbst zu dieser Kritik Anlaß gegeben hat, auch.
    .
    Schließlich zeigt das von Ihnen erwähnte Beispiel MEADS eine andere Schwachstelle unseres Wissenschaftsbetriebes. Auch ranghohe Wissenschaftler (Professoren und Institutsleiter) sind gegenüber den Lockungen eines gutdotierten Auftragsgutachtens der Industrie anfällig. Daß sie damit ihrer eigenen Sache – der Wissenschaft – schaden und zu ihrem eigenen Ansehensverlust beitragen, ist das vielleicht geringste Ärgernis.
    Ich mache hier Schluß, weil die Überlänge von Beiträgen meist nicht bewirkt, daß sich andere besonders intensiv mit ihnen auseinandersetzen – wenn Sie wollen, auch ein freundschaftlich gemeinter Rat.

  6. perfekt!57 sagt:

    @ LOsmers 'in mühevollster...
    @ LOsmers ‚in mühevollster Kleinarbeit‘
    .
    Erinnert unwillkürlich fast schon an die fatale Selbststilisierung Adolf Hittlers, „er selbst und alleine“ habe „die Bewegung“ „aus kleinsten Anfängen“ „in mühevollster Kleinstarbeit“ „und unter widrigsten Umständen“ „selber“ „zur Größe emporgeschmiedet“ (so ähnlich u. a. auch in seiner bekannten Rede vor Krupp-Arbeitern etc.)
    .
    Und man weiss, es war anders: H. war im Grunde ein zu keiner regelmäßigen Arbeit fähiger Bummelant, dessen Aufstieg „zur politischen Größe“ von einem Establishment aus durchsichtigen Gründen finanziert wurde.
    .
    Gut beraten klang Herr Minister mit dieser Aussage für unsere Ohren jedenfalls nicht. Nicht in Kenntnis der Geschichte.

  7. perfekt!57 sagt:

    "Ein Mann von Ehre hätte...
    „Ein Mann von Ehre hätte längst die Konsequenzen gezogen. Dieser Gedanke ist dem Schnösel offenbar fremd.“
    .
    Nicht doch: So denken, hieße ihn unterschätzen. „Hätte er schon“, ist man geneigt zu glauben, „alleine kommenden Sonntag ist Wahl“. Also hebt man sich das für nächste Woche auf. Und wartet bis dahin ab, ob das für ihn gebaute Argumentgehäuf nach Art der Brückenprovisorien sich bis dahin nicht evtl. sogar als tragend wird erwiesen haben können.
    .
    Schließlich geht es nicht um Herr Guttenberg allein. https://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E845D588CCA4C40EE9256DCC89385A1FB~ATpl~Ecommon~Scontent.html („Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“, war uns in letzter Zeit auch desöfteren mal wieder vors innere Ohr gekommen, gut, dass man es noch weiss)
    .
    Aber etwas anderes noch war zu konstatieren, gedrängt in einem Satz: „So, Kamerad Kohler also haben dem Herrn Minister den klugen Liebesdienst an Freundes statt erwiesen, ihn begleitet auf Flug und Rückflug, ihn nicht aus den Augen und alleine zu lassen, na sieh an“ – Und: „Kamerad Kohler, Sie haben sich um die Republik verdient gemacht“, ist man noch geneigt für sich selbst und im inneren Monolog kurz und knapp mit anzufügen.
    .
    Ein Mann von Ehre lebt auch schon mal weiter – weil er muss.

  8. perfekt!57 sagt:

    "Also hebt man sich das für...
    „Also hebt man sich das für nächste Woche auf.“ – In Anführungszeichen gesetzt gemeint diese Aussage natürlich nur – nicht wirklich und wörtlich gemeint zu nehmen. Wir erbitten Ihre Entschuldigung.

  9. Confratre sagt:

    Aus einer Buchrezension eines...
    Aus einer Buchrezension eines Kunden von Amazon zu dem Titel
    „Karl-Theodor zu Guttenberg-Aristokrat, Politiker, Minister“ Autor: Anna von Bayern
    Rezensenten-Kürzel: HB“h-b“

    Wer ausschließlich die Gelbe Presse liest, den Adel und leistungslosen Reichtum für gottgegeben hält und sowieso den Kaiser wieder haben will, dem mag auch dieses überflüssige Machwerk der Hofberichterstattung gefallen.
    Guttenberg wird von maßgeblichen Teilen der Medien als Kanzleretten-Ersatz mit allen Mittel der Propaganda nach oben gelobt, für den Fall, dass der residierende Hosenanzug dem Volk auch mit den gröbsten Märchenstunden nicht mehr vermittelbar sein sollte (was schneller geschehen kann, als man so glaubt). Dann muss halt schnell ein erwiesenermaßen US-höriger, stramm neoliberaler, kriegsbereiter und halbwegs vorzeigbarer Tarnfleckanzug her. Halt einer, der das sinkende Schiff noch nicht verlassen hat/musste und auf den Einsatz wartet.
    Damit das alles auch gut klappt, wird seine Frau vorsorglich gleich mit nach oben gelobt. Royals treten immer paarweise auf, das weiß man doch.
    Der deutsche Michel und die Micheline schlucken es begierig und machen zum Anstoßen auf die neue Monarchie noch ne Büchse Bier mehr auf. Schließlich können selbst die Briten mit ihrem royalen Gruselkabinett da nicht mehr mithalten.
    „Insbesondere die Geldmacht der Springerpresse wird ganz offensichtlich eingesetzt, dieses Vorhaben zu realisieren. Da kommt nun die von Bayern und Springer gerade recht, auch denjenigen, die aus Versehen mal ein Buch kaufen (oder eins verschenken wollen), diese einmalige Konsumchance zu geben. Das Buch beweist einmal mehr, dass Lesen allein noch nichts mit Bildung zu tun hat. Man sollte sich wenigstens noch ein 2. Buch zulegen, völlig egal welches, das durchschnittliche Niveau der heimischen Bibliothek wird zunehmen.-

  10. LOsmers sagt:

    Unter dem Titel "Gezielte...
    Unter dem Titel „Gezielte Informationspannen“ veröffentlicht das FAZ.NET heute einen unbedingt lesenswerten Vorabdruck aus dem Buch „Guttenberg. Biographie“, das am 3. März im Verlag Droemer erscheint.
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    „Nicht nur der Doktorand zu Guttenberg pflegte einen freihändigen Umgang mit den Fakten. Auch der Minister nahm es mit der Wahrheit nicht nimmer so ganz genau. Von Eckart Lohse und Markus Wehner“
    .
    Dies bezieht sich auf die Kundus-Affäre und die „Behandlung“ des Staatssekretärs Wichert und des Generals Schneiderhan durch Guttenberg.
    .
    Thema ist noch nicht einmal das schäbige Verfahren, in dem der Kommandant der „Gorch Fock“, Kapitän zur See Schatz, sein Amt verlor – ohne Anhörung, aufgrund spontaner nächtlicher Anordnung Guttenbergs aus dem rasenden Dienstwagen heraus, in Begleitung eines „Bild“-Reporters.
    .
    Wie Guttenberg herumeiert, Sprechblasen von sich gibt, dann doch der Lüge überführt wird: das ist schon abstoßend.
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    Wann endlich stellt er selbst klar, was es mit seiner „erfolgreichen Tätigkeit in einem mittelständischen Unternehmen“ tatsächlich auf sich hatte?
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    Wann endlich erklärt er, was unter seiner „beruflichen Station in New York“ zu verstehen ist?
    .
    Rücktritt, aber bitte sofort.
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    Oder müssen sich erst die „Atlantik-Brücke“ und das „Aspen-Institut“ von ihrem Mitglied distanzieren?

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