Zur Sicherheit

Zur Sicherheit

Von den Alpen bis zum Hindukusch, von der Kieler Förde bis in den Golf von Aden: Die Kräfte der Bundeswehr sind längst über den halben Globus

Rattenrennen

| 22 Lesermeinungen

Zu dem Angriff auf eine Bundeswehrpatrouille in Baghlan, bei dem ein Soldat gefallen ist, an dieser Stelle eine Anmerkung. Sie lag uns schon letzte Woche,...

Zu dem Angriff auf eine Bundeswehrpatrouille in Baghlan, bei dem ein Soldat gefallen ist, an dieser Stelle eine Anmerkung. Sie lag uns schon letzte Woche, als am Mittwoch bereits ein Verlust zu beklagen war, sozusagen auf der Zunge. Da hatten wir sie uns aber verkniffen, weil es sich nämlich um Kollegenschelte handelt, was immer einen unguten Beigeschmack hat. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Es geht um die Veröffentlichungen auf der Internetseite der „Bild“-Zeitung. Dort ist zumeist zuerst davon zu lesen, wenn ein Soldat gefallen ist; manchmal auch auf „Spiegel online“. Das heißt aber nicht, dass nicht auch andere Medien zu diesem Zeitpunkt davon gewusst hätten. Bloß, andere warten auf eine offizielle Bestätigung durch das Einsatzführungskommando. Warum? Weil die nämlich aus einem sehr guten Grund die Meldung über Tote eine Weile zurückhalten, sie warten darauf, dass von den Betroffenen die Angehörigen unterrichtet worden sind, möglichst auch (entwarnend) die der anderen Kameraden der betroffenen Einheit. Solche Nachrichten sind sowieso furchtbar, aber wie furchtbar müssen sie für Angehörige erst sein, wenn sie sie aus den Medien erhalten. Liebe Leute, würde es dem Nimbus eines Internetportals soviel Abbruch tun, wenn man sich hier auf die Spielregeln verständigen und auf das Rattenrennen verzichten könnte? Würde dadurch die Pressefreiheit eingeschränkt, dass wir alle ein paar Stunden warten?

Nachtrag, um eines klarzustellen: Dieser Kommentar betrifft das Verhalten von Redaktionen oder Foren. Es soll aber kein Redakteur oder Reporter als „Ratte“ verunglimpft werden, und ich entschuldige mich, wenn das anders empfunden worden ist. Der Begriff des Rattenrennens ist ein Anglizismus und in dem Sinne gemeint, wie er beispielsweise bei Wikipedia definiert ist: Als „endlose, selbstzerstörende oder sinnlose Zielerstrebung“. 

Anbei zur Sachinformation die – lobenswert ausführliche – Mitteilung des Einsatzführungskommandos:

Pressemitteilung des Befehlshabers Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, anlässlich des Sprengstoffanschlags vom 02. Juni 2011

Schwielowsee. Mit großer Betroffenheit haben wir zum dritten Mal in wenigen Tagen zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Einsatz der Bundeswehr für die Sicherung des Friedens und die Wiederherstellung menschenwürdiger Lebensverhältnisse in Afghanistan sowie die Erhaltung unserer Sicherheit in Deutschland einen weiteren deutschen Gefallenen gefordert hat. Heute gegen 07:24 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit wurde auf deutsche Kräfte des Ausbildungsschutzbataillons Mazar-e Sharif in der Provinz BAGHLAN im Raum BAGHLAN-E-JADID, im sogenannten KANDAHARI GÜRTEL, 36 km südlich KUNDUZ ein Sprengstoffanschlag verübt. Dabei wurde ein Schützenpanzer MARDER 1A5 (modernster Typ des Schützenpanzers, im Einsatzland sind nur MARDER 1A5 eingesetzt) angesprengt. Ein deutscher Soldat ist gefallen, fünf weitere deutsche Soldaten wurden verwundet, zwei von ihnen schwer und drei leicht. Alle fünf Verwundeten sind per Lufttransport in die Rettungszentren in KUNDUZ bzw. MAZAR-E SHARIF verbracht worden. Bei dem betroffenen Truppenteil handelt es sich um die 2. Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons Mazar-E-Sharif, die vom Außenlager OP NORD aus nördlich der Stadt PUL-E-KHUMRI im sogenannten KHANDAHARI GÜRTEL eingesetzt ist. Das AusbSchtzBtl MES ist dort in der Operation BAHAR zusammen mit afghanischen Sicherheitskräften (ANSF), hier sowohl afghanischer Armee (ANA) als auch afghanischer Polizei (ANP und ANCOP) eingesetzt. 

 Ziel der Operation BAHAR ist es, den Raum KHANDAHARI GÜRTEL zwischen PULE- KHUMRI und ALIABAD in der Provinz KUNDUS zu halten und damit eine Rückkehr von Aufständischen in diesen Raum zu verhindern. Dieser Raum wurde im Frühjahr 2011 in der Operation NAWROZ durch afghanische, deutsche und US-amerikanische Kräfte genommen, wobei es gelungen war, ihn von Aufständischen zu befreien. Die betroffene verstärkte 2. Kompanie des Ausbildungsschutzbataillons MAZAR-E SHARIF hatte den Auftrag entlang einer Hauptverbindungsstrasse nach Sprengfallen zu suchen, um die Strasse für eigenen Bewegungen zu öffnen. Die Kompanie war mit Pionier- und Sanitätskräften verstärkt. Der betroffene Zug gehörte zu den Sicherungskräften für die Überprüfung eines Verdachtsortes, an dem Sprengfallen vermutet werden. Die Angehörigen des Gefallenen und die Angehörigen der Verwundeten werden zur Zeit unterrichtet. Seit dem 25. Mai 2011 haben wir bei drei heimtückischen Anschlägen gegen deutsche ISAF-Kräfte vier Gefallene Soldaten und 12 Verwundete zu beklagen. Wir verneigen uns vor unserem gefallenen Kameraden aber auch vor den Verwundeten, in Achtung und mit höchstem Respekt. Wir werden unseren gefallenen Kameraden in unseren Herzen ein ehrendes Andenken bewahren und wünschen den Verwundeten eine schnelle und hoffentlich vollständige Genesung. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen, Freunden und Kameraden unserer Gefallenen, aus deren Mitte sie gerissen wurden. Wir sind in Gedanken bei Ihnen und wünschen ihnen Trost, Kraft und Zuversicht sowie Gottes Segen für die vor Ihnen liegende schwere Zeit. Dennoch werden wir diesen heimtückischen Anschlägen nicht nachgeben und unseren Auftrag mit hoher Professionalität und ungebrochenem Engagement weiter fortsetzen.  

(Bahar heißt übrigens „Frühling“.)


22 Lesermeinungen

  1. perfekt!57 sagt:

    Und doch scheint uns trotz...
    Und doch scheint uns trotz BILD die Freie Presse unverzichtbar.
    .
    Der bekannte Link von gestern: https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,766137,00.html
    .
    „Sie warnen deshalb vor einem Cyber-industriellen Komplex, von Unternehmen, die der Regierung maßgeschneiderte Software für den Cyberwar verkaufen und gleichzeitig den Bedarf danach kräftig ankurbeln. Ganz so, wie der militärisch-industrielle Komplex den Kalten Krieg befeuert hat. Das Fazit von Jerry Brito und Tate Watkins: Eine aufgeblasene Bedrohung könne die Regierung zu unnötigen Investitionen verleiten – und zu einer überzogenen Regulierung des Internets.
    .
    Sie gehen noch einen Schritt weiter: Die Rhetorik und der Alarmismus von der angeblichen Cyber-Bedrohung erinnere an 2001. Damals hieß es, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen.“
    .
    Das allerdings bringt unseren Soldaten am Hindukusch nichts. Eher ganz im Gegenteil: Für die wird noch weniger Geld übrig bleiben, so steht zu befürchten.
    .
    Und uns anderen eine Regulierung des Internet, also der Meinunsfreiheit.

  2. perfekt!57 sagt:

    Da war doch gestern eine...
    Da war doch gestern eine wichtige Konferenz. Warum berichtet die FAZ/Löwenstein eigentlich nicht von dort?
    .
    https://www.ccdcoe.org/270.html
    .
    In https://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,765326,00.html „Die Nato hat keinen spezifischen Kommandostab für Cyber-Kriege. Noch nicht“, sagt Hughes. Zurzeit gäbe es heftige Debatten über die strategische Ausrichtung des Bündnisses. „Die Länder konnten sich bisher nicht darauf verständigen, dass die Nato auch Kapazitäten für Cyber-Angriffe entwickeln soll.“ In den Augen des Beraters eine unrealistische Herangehensweise.“
    .
    Man hat bald den Eindruck, die Welt entwickele sich schneller weiter, als die gegenwärtige Bundeswehr (nebst daran hängender deutscher Gesamtgesellschaft dazu) zu folgen vermöge …

  3. perfekt!57 sagt:

    Wie alt sind wohl eigentlich...
    Wie alt sind wohl eigentlich Teile der FAZ (in den Köpfen möglicherweise?), wenn sie evtl. meinten „solche Inhalte „“gingen den FAZ-Leser nichts an oder interessierten ihn nicht“? Im Hier und Jetzt ja wohl schon!
    .
    „The NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence will hold its annual international cyber defence conference with 300 participants from 37 countries at Tallinn’s Drama Theatre from 7-10 June. This year’s focus will be the creation and development of national cyber forces.“ https://www.ccdcoe.org/270.html

  4. perfekt!57 sagt:

    Aber das scheint mir ja das...
    Aber das scheint mir ja das Problem Deutschlands zu sein, daß zuviele alte Männerimmer noch „Sicherheit“ mit den Torkontrollen bei Heckler&Koch verwechseln. Habe fertig.

  5. LOsmers sagt:

    "... und Gefangene werden auch...
    „… und Gefangene werden auch keine gemacht, …“
    .
    stellt Herr Helmut Scheller im FAZ.NET fest und trifft damit eine ganz wesentliche Feststellung, die er mit der Frage nach Kriegsgefangenenlagern in Afghanistan verbindet.
    .
    Auf meine gleichlautende, schon mehrfach hier und auf anderen Foren gestellte Frage habe ich nicht eine einzige Antwort erhalten.
    .
    Dabei ist schon der bloße Verdacht ungeheuerlich – es sträubt sich alles, aber auch alles dagegen, die Bundeswehr könnte solche Kriegsverbrechen begehen.
    .
    Wo sie doch die „Lehren aus der Vergangenheit“ verinnerlicht hat.
    .
    Ein weiteres Thema wird ebenfalls konsequent totgeschwiegen.
    .
    Am 18. April des letzten Jahres stellte ich unter der Überschrift „Deutsche Waffensystemoffiziere in britischen Tornados?“ folgenden Beitrag ein:
    .
    „Nach im Internet kursierenden Berichten hat die deutsche Luftwaffe in Afghanistan Waffensystemoffiziere in britischen Tornados zwischen Dezember 2009 und Januar 2010 in mindestens 18 Fällen eingesetzt.
    Das sei vom britischen Verteidigungsministerium offiziell bestätigt worden.
    Eine Bestätigung/ein Dementi fachkundiger Leser wäre hilfreich.“
    .
    Resonanz: null.

  6. @LOsmers
    Zuerst, damit ich...

    @LOsmers
    Zuerst, damit ich nicht falsch verstanden werde: Natürlich können Sie hier verbreiten, was Sie wollen, jede Verschwörungstheorie, jedes Gerücht und sogar jeden Unsinn. Dazu dient jedes öffentliche Medium und auch dieser Blog.
    Keinen Anspruch haben Sie allerdings darauf, daß irgendjemand zu Ihren Absonderungen Stellung nimmt. Ihr Recht, sich zu äußern, korrespondiert nämlich mit dem Recht aller anderen, nicht reagieren zu müssen.
    Ich reagiere nur, um darauf hinzuweisen.
    „Im Internet kursierende Berichte“
    Das ist doch wohl die niedrigst-mögliche Stufe von Wahrscheinlichkeit !

  7. Chris sagt:

    "Gefangene werden nicht...
    „Gefangene werden nicht gemacht“ – Humbug. Diese werden den lokalen Behörden übergeben (da könnte man dann über die Einhaltung der Menschenrechte diskutieren).
    WSO in RAF Tornados: Da gab es was vom Spiegel. Finde ich auf die schnelle nicht. Allerdings kann ich nicht genau das Problem erkennen. Der Gedanke, im Süden würden böse Westler arrogant und blutrünstig Bomben werfen während wir im Norden nur Süßigkeiten verteilen sollte langsam die Köpfe verlassen haben. Vielmehr sollte man sich über die gewonnene Kampferfahrung der Kameraden freuen.

  8. LOsmers sagt:

    Rückfall in - wie ich glaubte...
    Rückfall in – wie ich glaubte – überwundene Praktiken…
    .
    Bei antiisraelischen Protesten hat es am Sonntag auf den Golanhöhen und im Westjordanland etwa zwanzig Tote und mehr als dreihundert Verletzte durch Beschuß durch die israelischen Soldaten gegeben.
    .
    Das FAZ.NET hat zu dem gestrigen Bericht „Tote bei antiisraelischen Protesten“ die Kommentarfunktion gesperrt.
    .
    Man kann es auch beim Wort nennen: Zensur.

  9. ExKontingent sagt:

    Erinnere ich mich richig nach...
    Erinnere ich mich richig nach dem lesen so vieler Kommentare die, nicht zuletzt, dank LOsmers, immer weiter abschweifen, so ging es bei diesem Blog um die voreilige Berichterstattung zum Tod deutscher Soldaten in Auslandseinsätzen.
    Was das ganze mit WSO bei der RAF oder mit Gefangenen machen zu tun hat, oder weshalb die „Jungs“ in Afg. über einen politischen Kamm gescheert werden leuchtet mir nicht ganz ein.
    Aus der Erfahrung heraus, selbst an mehreren Einsätzen der BW beteiligt gewesen zu sein, kann ich dem Blogautor nur beipflichten.
    Nicht nur die Zweifel um die Gesundheit und das Leben der Angehörigen im Einsatz, nicht nur die Ungewissheit bis zur Bestätigung durch das EinsFhrKdo und die permanente Angst vor „DER“ Nachricht plagen die Angehörigen.
    Die Soldaten im Einsatz, speziell die der „Kampfeinheiten“ und der Spezialkräfte, die nicht die Möglichkeit haben vorbeugend in der Heimat zu informieren wie es ihnen geht, leiden enorm unter dieser Tatsache. Die Familie in der Heimat ist der soziale Halt vieler Soldaten, die Tatsache, gleich was zuhause geschieht nicht eingreifen und nicht helfen zu können belastet enorm.
    Zum verständniss… vor einigen Jahren, zu Zeiten des 2. Kontingents ISAF im Jahr 2002… Ein OFw des LLUstgBtl 262 wurde nach Kabul entsand. Seine Frau… hoch schwanger blieb zurück. Der Heimaturlaub um den erwarteten Geburtszeitraum war schon vor Einsatzbeginn genehmigt und von höchster Stelle abgesegnet. Soweit so gut. Der OFw sah es als seine Pflicht und seine Frau stand zu ihm. Wenige Wochen nach Einsatzbeginn starben einige Soldaten bei einem Bombenanschlag in Kabul. Das EinsFhrKdo verhängte sofort eine Nachrichtensperre…kein Soldat konnte irgendjemanden in der Heimat kontatktieren… Oben benannte Zeitung war da allerdings etwas schneller und meldete die traurige Botschaft ohne eine Stellungnahme der Regierung oder der BW. Der OFw nun wusste auch wenn er nichtmal in der Nähe der Bombe war, wie es seiner Frau zuhause ginge, denn von der veröffentlichung erfuhr man auch im Lager. Gerüchte beginnen zu koursieren und auf einmal sind alle tot oder verletzt und doch keiner…
    Sowas ist völlig unnötig… ob die Frau nun schwanger ist die zuhause Angst hat oder nicht..oder ob es eine Mutter ist…eine Freundin… die Kameraden zuhause… oder der Soldat im Einsatz der Angst vor den Folgen dieser Meldungen hat… Es ist eine psychische Belastung mehr die unsere Männer und Frauen im Einsatz mehr zu ertragen haben… und Belastungen haben sie da wirklich schon genug.
    Die schwangere Frau musste kurz nach dieser Meldung übrigens ins Krankenhaus und bekam ihr Kind ein paar Wochen zu früh… ob das nun dieser stress war oder die Natur sei den Medizienern überlassen…jedenfalls geht es heute allen dreien gut! Es ist nur eine von sehr sehr vielen solcher Geschichten die sich so oft zutragen. Hinter jedem Soldaten steht eine Familie… und zu jeder Soldatenfamilie gehört auch eine solche Geschichte. Man kann sich, wenn man nun so rational bleiben kann, einfach ausrechnen wieviele Menschen man selisch belastet mit nur einer einzigen dieser vorschnellen Meldungen.
    Es geht hier um den Soldaten als Individuum, nicht um die politische Notwendigkeit dieses Einsatzes. Leider wird immer wieder vergessen, dass der deutsche Soldat ein Staatsbürger in Uniform ist… ein Mensch wie Du und ich… mit dem Unterschied, dass er einen Eid geleistet hat. Was dieser aussagt sollte jedem der hier argumentiert bewusst sein.
    Von der eigentlichen Relevanz und dem Thema dieses Blogs abzulenken sehe ich als Ignoranz und als ein Zeichen von Egoismuns um sich selbst zu profilieren und dabei die Personen und Mitmenschen sowie deren Sorgen, Ängste und Schiksale um die es geht zu ignorieren und damit zu entwerten.
    Es geht nicht darum ob der Einsatz oder die Einsätze richtig oder falsch sind. Unsere Soldaten sind jetzt da und wir müssen damit umgehen bis sie alle wieder zuhause sind… und das wird wohl niemals der Fall sein…leider.

  10. echo909 sagt:

    ExKontingent kann ich nur...
    ExKontingent kann ich nur beipflichten.

Kommentare sind deaktiviert.