Zur Sicherheit

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Von den Alpen bis zum Hindukusch, von der Kieler Förde bis in den Golf von Aden: Die Kräfte der Bundeswehr sind längst über den halben Globus

Keine Pistoleros

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Zwei auf den ersten Blick widerstreitende Auffassungen zur Bekämpfung der Piraterie: Hans-Joachim Otto (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im...

Zwei auf den ersten Blick widerstreitende Auffassungen zur Bekämpfung der Piraterie:

Hans-Joachim Otto (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und Koordinator der Regierung für die maritime Wirtschaft, in der morgigen F.A.Z.:

Die Bundesregierung will den Einsatz bewaffneter privater Sicherheitsteams auf deutschen Schiffen rechtlich ermöglichen, aber keine Erlaubnis zum Einsatz von Kriegswaffen erteilen. Das sei auf einem interministeriellen Treffen am Mittwochabend beschlossen worden, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto (FDP), am Donnerstag dieser Zeitung. Dazu sollen ein Verfahren zur Zertifizierung von Sicherheitsfirmen erstellt und Einsatzregeln festgelegt werden. Auf einer internationalen Tagung nächste Woche in London will die Regierung versuchen, mit anderen Staaten einheitliche Regelungen und Standards zu beschließen. Das ist vor allem deswegen wichtig, weil die meisten (90 Prozent) derzeit auf See tätigen Sicherheitsfirmen aus dem Ausland kommen, vor allem aus Großbritannien.
Die Fachleute sind nach Angaben des Parlamentarischen Wirtschafts-Staatssekretärs zu dem Schluss gekommen, dass Sicherheitsteams hierfür keine schweren Waffen benötigten. „Es ist einheitliche Meinung in der Bundesregierung: Wir kommen ohne Kriegswaffen aus,“ sagte Otto. Dass Piraten in der Regel mit Schnellfeuergewehren und Panzerfäusten, vereinzelt sogar mit Granatwerfern angreifen, ändere daran nichts. Halbautomatische Waffen mittleren Kalibers reichten auch nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Reeder aus. Es sei nach Kenntnis der Bundesregierung noch nie ein Schiff, das eine Sicherheitsmannschaft an Bord hatte, von Piraten gekapert worden.
Rechtlich unangetastet soll die volle Entscheidungsgewalt und Verantwortung des Kapitäns auf seinem Schiff bleiben. Otto sagte: „Wir wollen keine Pistoleros oder Desperados, sondern hochausgebildetes, zuverlässiges und auch kontrollierbares Sicherheitspersonal.“ Mit der Entscheidung für den Einsatz von Sicherheitsfirmen sei die Entscheidung verbunden, keine Soldaten oder Polizisten für den Schutz von Handelsschiffen einzusetzen, wie dies bis zum Sommer der Verband der deutschen Reeder gefordert hatte. „Der Zug ist abgefahren in Richtung private Sicherheitskräfte.“ Es sei aber daran gedacht, mit Unterstützung der Bundespolizei einen hohen Ausbildungsstandard des privaten Sicherheitspersonals sicherzustellen. In Neustadt (Holstein) hat die Bundespolizei See bereits seit 2008 Sicherheitsoffiziere der Reedereien geschult. Die privaten Sicherheitsdienste sollen dann auch – nach einer entsprechenden Änderung der See-Eigensicherungsverordnung – durch die Bundespolizei zertifiziert werden.
Was die Bedrohung des Schiffverkehrs am Horn von Afrika betrifft, sieht Otto Anzeichen für eine „Trendwende“. „Wir sind noch in stürmischer See, aber wir sehen Land“, sagte Otto. In diesem Jahr habe es bislang 162 Angriffe gegeben, davon 21 Kaperungen. Im vergangenen Jahr seien im gleichen Zeitraum Piraten bei 100 Versuchen 27 Mal erfolgreich gewesen. Es sei also nicht nur die Erfolgsquote gesunken, sondern auch die absolute Zahl von Kaperungen. Er führte das auf eine bessere Koordinierung der Marinekräfte zurück, die in der Region unter verschiedenen internationalen Operationen sowie teils auch unter nationalem Kommando fahren. „Die internationale Kooperation wurde wesentlich verstärkt und verbessert.“ Vor allem wendeten die Reeder bei den meisten Schiffen inzwischen die Regeln an, die das Internationale Marinebüro ausgearbeitet hat. Dazu gehören Maßnahmen wie Stacheldrahtrollen rund ums Freibord, verstärkte Wachen sowie die Einrichtung eines geschützten und verborgenen Raumes („Zitadelle“), in den sich die Mannschaft notfalls zurückziehen kann, um Marinekräften Zeit und Handlungsfreiheit zu geben.
Außerdem folgen die Reeder offenbar zunehmend der Empfehlung, Gewässer mit höherer Wahrscheinlichkeit für einen Piratenangriff zu meiden und statt durch den Suezkanal um das Kap der Guten Hoffnung zu fahren. Otto verwies darauf, dass im ersten Halbjahr 2011 trotz Wirtschaftsaufschwungs die Einnahmen durch den Suezkanal um 25 Prozent gesunken seien. Die Kapumfahrung ist rund 3300 Seemeilen länger und dauert zehn Tage mehr.
Intensiviert werden soll die Strafverfolgung von Piraten. Hier kooperiere die Staatengemeinschaft vor allem mit den Seychellen, aber auch mit Kenia, das zwischenzeitlich ein Abkommen mit der EU gekündigt hatte, sowie mit Mauritius. Auch in dem rechtlich zu Somalia gehörenden, faktisch autonomen Landesteil Somaliland könnten aufgrund eines Rechtshilfeabkommens dortiger Behörden mit den Seychellen verurteilte Piraten Gefängnisstrafen verbüßen. Das werde durch internationale Beobachter (mit Beteiligung des Auswärtigen Amtes) überwacht, auch hinsichtlich der Einhaltung menschenrechtlicher Mindeststandards. Mehr als 50 Prozent aller gefangen genommenen Piraterieverdächtigen würden inzwischen vor Gericht gestellt.

Und die Innenminister der Küstenländer bei einem Treffen am Donnerstag:

Nord-Innenminister: Konsequent mit mehr Soldaten gegen Piraten

   Hannover (dpa) – Die norddeutschen Innenminister fordern im Kampf
gegen Piratenangriffe auf deutsche Schiffe den Einsatz von mehr
Soldaten und ein Gesamtkonzept unter Führung der deutschen Marine.
„Es ist notwendig, ein deutliches Signal zu setzen“, sagte Hamburgs
Innensenator Michael Neumann (SPD) am Donnerstag im Anschluss an die
Nord-Konferenz in Hannover.

   Dazu gehöre auch, den vom Bundestag bewilligten Rahmen für die
Mission „Atalanta“ von 1400 Soldaten konsequent auszuschöpfen,
betonte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU): „Dies
würde bedeuten, dass wir zumindest einen größeren Teil schützen
könnten, als bisher möglich ist.“ Derzeit sind rund 300 deutsche
Soldaten am Horn von Afrika im Einsatz.

   Den Einsatz von privaten Sicherheitskräften, wie er derzeit von
der Bundesregierung geprüft wird, sehen die fünf Nord-Länder dagegen
sehr skeptisch. Die Bekämpfung müsse primär in staatlicher
Verantwortung liegen. Aus Sicht der Innenminister muss das neue
Konzept deutlicher als bislang auch auf Repression setzen, zugleich
aber auch präventive Maßnahmen enthalten. „Um die Piraten erfolgreich
zu bekämpfen, müssen Wirtschaftspolitik, Entwicklungspolitik und
polizeiliche Maßnahmen zusammenwirken“, sagte Neumann.

   „Es ist auffällig, dass gerade Schiffe, die unter deutscher Flagge
fahren, häufig Opfer und Ziele von solchen Angriffen werden“, betonte
Neumann, der Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) für
dessen Umgang mit den Piraten massiv kritisierte: „Es spricht sich
offensichtlich in der Piraterie-Szene herum, dass sich Schiffe unter
deutscher Flagge nicht zu wehren wissen.“

   Schünemann hob außerdem hervor, dass es inzwischen Indizien gebe,
dass die zur Freilassung entführter Schiffe gezahlten Gelder am Ende
bei Terroristen landeten. Die Piraten aus Somalia würden von
islamistischen Gruppierungen zu Schutzgeld erpresst. Das bedeute,
dass Lösegeldzahlungen auch dann zur Finanzierung in dem Bereich
eingesetzt werden könnten: „Ich weiß, dass gerade die amerikanischen
Sicherheitsbehörden diesen Bereich genau untersuchen.“

Wir meinen: Das eine muss das andere nicht ausschließen. Polizeimannschaften oder militärische Vessel Protection Teams auf Deck von Handelsschiffen würden die Sicherheitskräfte einfach überfordern – selbst wenn man nur solche Schiffe auf diese Weise schützen würde, die wegen langsamer Geschwindigkeit und niedrigen Freibords besonders anfällig sind. Das ist Sache der Reeder. Zu bezweifeln ist allerdings die Gewissheit der Regierung, dass Einzelfeuergewehre ausreichen, um Piraten abzuhalten, die mit Kalaschnikow, Panzerfäusten oder Granatwerfern ausgerüstet sind. 

Aber die Marinekräfte müssen zugleich offensiver gegen die Piraten eingesetzt werden. Der Ops-Plan der EU ist für „Atalanta“ ja schon im Sommer angepasst worden. Das Mandat ausschöpfen, sagt Schünemann – wichtiger als die Mannstärke ist es da, die Einsatzregeln auszuschöpfen.


24 Lesermeinungen

  1. ThorHa sagt:

    Solange die seefahrenden...
    Solange die seefahrenden Nationen nicht bereit oder nicht in der Lage sind, eine seit Jahrtausenden bekannte und bewährte Taktik gegen Piraten durchzusetzen, ist die Debatte um mehr oder weniger Bewaffnete an Bord der Handelsschiffe ein irrelevantes Nebenscharmützel. Die bekannte Taktik? Piratenschiffe warnungslos versenken, jeden Piraten bei Sicht erschiessen und die Stützpunkte niederbrennen.
    Gruss,
    Thorsten Haupts

  2. langweiler2 sagt:

    Ich stimme zu.
    Gegen die...

    Ich stimme zu.
    Gegen die Herren sollte man nicht mit rechtsstaatlichen Polizeitaktiken vorgehen, sondern mit „search und destroy“.
    Mit UAV-Patrouillenflügen sollte man zumindest in einigen Fällen Schnellboote und vor allem Mutterschiffe zweifelsfrei identifizieren und dokumentieren (Irrtümer müssen ausgeschlossen sein!) und Angriffe mit ausreichend großkalibriger Munition einweisen können.
    Selbstverständlich ist ein solches Vorgehen nicht für Deutschland geeignet, aber es könnte von einer „Koalition der Willigen“ durchgeführt werden, der gegenüber man sich großzügig erkenntlich zeigt.
    Piraterie muß akut lebensgefährlich und das Ausrüsten von Mutterschiffen muß eindeutig defizitär werden. Solange das Ganze ein rentables, weitgehend risikoloses Geschäft ist, wird sich nichts bessern.

  3. ego sagt:

    Die eigentliche Frage, die...
    Die eigentliche Frage, die sich mir stellt, ist : Warum sollte der Staat bzw. der Steuerzahler die Kosten für die Sicherheit übernehmen?
    Laut https://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/deutsche-schiffe-fahren-nur-selten-unter-deutscher-flagge–40958072.html fahren von 3559 Schiffen mit deutschen Eigentümern nur 566 unter deutscher Flagge also gerade mal 16%. Die Reeder sparen dadurch zwischen 100.000 und 500.000 Euro pro Schiff und Jahr.
    Das sind 2993 Schiffe mit durchschnittlich 250 000 Euro Ersparnis gerechnet 748.250.000 Euro weniger an Kosten, das wird für den Schutz vor Piraten wohl reichen.

  4. ExKontingent sagt:

    "Halb"-automatische Gewehre...
    „Halb“-automatische Gewehre sind sicherlich ein geeignetes Mittel! Ab Kaliber 5,56mm . Wer meint, dass Soldaten wie in Hollywoodstreifen ständig mit Feuerstössen oder Dauerfeuer agieren der ist den Specialeffekts auf den Leim gegangen. Die Mengen die man dann an Munition mit sich führen müsste wären sagenhaft, zudem ist die Streuung imens, d.h. auch die Treffsicherheit ist miserabel wenn man im Feuerstoss feuert. Salvenfeuer bzw. Dauerfeuer sind bei schweren Waffen Relevant, wenn man den Feind „Niederhalten“ will. Permanenter Beschuss in Feindrichtung um dem Feind die Gegenwehr zu erschweren und die eigene Deckung zu verbessern.
    Auf See höchst fragwürdig. Es wäre abzuwägen, was man will. Will man die Piraten auf offener See mit Maschinengewehren hinrichten? Denn das wäre das Fazit, wenn man z.b. mit einem MG 3 Kal. 7,62mm eine größere Salve auf ein Motorboot abgibt…ähnlich wie eine Zielscheibe auf freiem Feld.
    Oder aber will man die Piraten verunsichern und von weiteren Angriffen abhalten? Dann empfehle ich den gezielten Schuss vor den Bug.
    Sicherheitskräfte die bemägeln, dass sie keine automatischen und schweren Kriegswaffen einsetzen dürfen halte ich für unseriös und höchst fragwürdig.
    Die leichte bis mittlere Bewaffnung mit Handfeuerwaffen und halbautomatischen Gewehren ist in Kombination mit Widerstandszeitwert und Widerstandswert, also S-Draht Barrieren, Fahrmanöver etc., ausreichend und höchst effizient.

  5. Storch sagt:

    Einfach feste drauf, was...
    Einfach feste drauf, was anderes verstehen diese Leute nicht. Dieses typisch deutsche“ Wir klammern uns am Rechtstaat fest und wenn wir mit ihm untergehen“ das klappt in Somalia genau so wenig wie es in Pakistan oder Afghanistan gegen die Taliban, Al-Quaida und andere Bombenleger geholfen hat. Da müssen wir halt umdenken, ganz einfach. Auch dieses ständige draufrumreiten das da unten eigentlich die Polizei und nicht das Militär ran müsste, weil es keine Soldaten sondern Kriminelle sind, führt zu nichts außer vielleicht die Diskussionen einiger Juristen zu beleben, einem deutschen Seemann der entführt würde ist es wahrscheinlich sowieso egal wer ihm von dem Kerl befreit der ihm grade die Kalashnikov unter die Nase hält.
    Und selbst wenn die deutschen Reeder wieder alle Schiffe deutsch flaggen statt sie in Liberia oder Panama anzumelden und hier wieder voll Steuern zahlen: Wir haben nicht genug Personal, geschweige den Hubschrauber und anderes Material um alle deutschen Schiffe komplett und immer zu beschützen. Vor allem wenn wir unsere Streitkräfte immer weiter schrumpfen und bei der Polizei noch dazu Stellen streichen. Sicherheit gibt es eben nicht zum Nulltarif, und diese deutsche Idiotie: Hurra, DDR und UDSSR sterben aus, na dann gibts auf der Welt keine Konflikte mehr und wir können die BW gleich ganz abschaffen greift auch total daneben. Wenn eines Tages die Amis Europa eines Tages nicht mehr ganz so verhätscheln weil sie als untergehende Supermacht kein Geld mehr dazu haben, steht die EU im Regen. EU-Truppe: Machen wir nicht, Bundeswehr anständig finanzieren: machen wir nicht. Unsere Soldaten und Polizisten wertschätzen: Machen wir ebenfalls nicht, wir schreien lieber noch Soldaten sind Mörder etc. Bündnistreue ist mittlerweile auch ein Fremdwort, Libyen lässt grüßen. Sobald im Zeitrahm der nächsten 12 Monate irgendwo eine Wahl ansteht ist mit Deutschland international nicht mehr zu rechnen, es könnte ja innenpolitisch Stimmen kosten… Dieses ganze Verhalten ist einfach nur noch erbärmlich, Punktum!

  6. ExKontingent sagt:

    Mir scheint ihre Informationen...
    Mir scheint ihre Informationen sind nicht ganz auf dem akuellen Stand Herr Storch.
    Eine EU-Truppe gibt es längst. European Battlegroups übern seit 2002 den gemeinsamen Ernstfall. Jedoch bestehen diese Battlegroups vorwiegend aus spezial Turppenteilen der DSO (Divison Spezielle Operation) Eine sehr hochwertig ausgerüstete und ausgebildete Truppe die in Europa noch ihresgleichen sucht. Eine solche Truppe aufzustellen und auf die Ziele ausgerichtet ständig zu verbessern braucht sehr viel Zeit. Zeit die dummerweise noch in 2 oder mehr halbherzige Bundeswehrreformen gefallen ist.
    Do entstand aus der ehem. 1. LLDiv die DSO. Angeschlossen wurden nach und nach verschiedene Truppenteile, LLBrg 26, LLBrg 31, KSK, Fspäh etc.
    Im Kreise dieser spezialisieten Kampftruppenteile mussten die Fachtruppenteile ersteinmal dementspechend geschaffen werden um den hohen Einsatzansprüchen genüge zu tun.
    Was der Volksmund auch immer daraus macht. So schlecht wie man sagt ist die BW bei weitem nicht. So gehören die im Dezember letzten Jahres entsanden Soldaten in Kunduz zur LLBrg 26 und damit zur DSO. Was aktiven und ehemaligen sofort auffällt und der Laier gerne übersieht… seid Dezember ist es sehr ruhig geworden um die Deutschen in Kunduz…woran das wohl liegt.
    Wir haben die Truppen und wir haben das know how … die Frage ist doch eher…was wollen wir damit anfangen?
    Wollen wir die Kampfeinheiten in den Kampf schicken nur weil wir sie haben? oder ist es nicht sogar ganz gut für uns und auch für die Soldaten, wenn wir sie haben und nicht einsetzen müssen?
    Die Bildung der European Battlegroups beruht im Übrigen auf dem Einmarsch der USA in AFG. Damals hatte die „Reform“ die selbständigen FschSpezKp´s aufgelöst und ihnen den Auftrag des EvakOp entzogen. Was die BRD in AFG vor ein riesen Problem stellte, hat doch jeder Staatsbürger das Recht darauf aus solchen Gebieten evakuiert zu werden. So hieß der zentrale Auftrag der DSO und auch der der EBG´s zu Beginn …EvakOp, Extraktion und Aufklärung. Das Spektrum wurde aber sehr erweitert und nunmehr ist die DSO eine fast völlig alleinfunktionierende Armee mit eigenen Nachschiebern, Funkern, Sanis und allem was dazugehört.
    Was unsere Herren im EinsFüKdo nur noch nicht ganz begreifen ist wie man eine Solche Truppe einsetzt. Das sind keine Truppen für einen Kontingenteinsatz oder zur errichtung eines APOE.
    Wir haben diese Ressource in der Armee…aber leider wird sie verplämpert und falsch eingesetzt. Demnach ist mir auch kein einziger Fall bekannt indem eine EBG im Einsatz gewesen wäre. Entweder waren es Teile der DSO allein oder Verbündete allein…und das während Millionen Euros in die gemeinsamen Übungen und die Verbindungstellen investiert werden.
    Beispiele in denen man eine EBG hätte effektiv einsetzen können gibt es zur Zeit en Mass… Der Kleingeist verbietet es aber den meisten Bürgern über ihren Horizont zu sehen. Wie kamen wohl die deutschen Bürger im März 2003 aus ganz Irak zu den Flughäfen? Mit dem Taxi?
    Wie kamen die deutschen in Lybien zu den Transall? mit der Strassenbahn quer durchs Kriegsgebiet?
    Dass die Regierung daraus keine grosse Sache macht leuchtet ein…denn was war das geschrei groß, als man die Bilder aus Lybien sah wo vermummte aber erkennbar deutsche spezialtruppen aus einer Transall stürmten.
    Wie groß wäre wohl das Geschrei wenn man nichts täte? wahrscheinlich würde man das als hinnehmbaren verlust einstufen solange es einen nicht selbst betrifft.
    Es mag sein, dass es Mängel gibt. Bei der größten „Firma“ der BRD ja wohl auch immer geben wird. Aber lassen sie sich nicht für dumm verkaufen indem sie glauben was die Regierung ihnen so über die Truppe erzählt…und glauben sie noch weniger was die Linken darüber sagen. Ich erinnere mich an Momente, in denen mir deutsche praktizierende Linksaktivisten dankten als sie endlich in Sicherheit waren. Kaum zuhause demonstrierten sie für die Abschaffung der BW!!!
    Unsere Medien müssen kritisch verstanden werden…. und jedes Wort was unsere Regierung sagt umsomehr..grade wenn es um so heisse Themen wie Einsätze der BW geht

  7. Storch sagt:

    Ja gut, Battlegroups...
    Ja gut, Battlegroups existieren, da haben sie natürlich Recht, ich sprach aber ehr von einer EU-Armee, und keiner Truppe auf Brigade oder Divisionsstärke. Die werden ja trotz ihrer Existenz wie sie schon richtig sagten kaum eingesetzt. Und was die Effizienz angeht: In meinen 2 Jahren auf dem Hardtberg in Bonn war ich selbst Zeuge wie die Effizienz unter bürokratischem Chaos, Überreglementierung und doppelten Zuständigkeiten am leiden war. Unzählige Führungsstäbe, Arbeitsgruppen etc.etc. die oft genug mehr oder weniger dasselbe taten, dazu die omnipräsente Rivalität zwischen Zivil- und Militärpersonal. Was meinen sie wie mein Spieß z.T. über die Standort-verwaltung am fluchen war ob deren Unfähigkeit. Bei uns Mannschaftern wurde die STOV als „sitzende Tätigkeit ohne Verantwortungs-bereich“ verlacht. Was mir Kameraden aus anderen Standorten erzählt haben, ähnelte meinen Erfahrungen. Dazu kommen die ihnen sicher bekannten Probleme mit der Aussrüstung und ständige Scherereien mit der Rüstungsindustrie. Beispiel: NH90, wie der Name sagt 90!, wir könnten ihn eigentlich in NH2011 unbenennen. Beispiel Tiger: Bei den Franzosen fliegt und kämpft er, bei uns staubt er im Hangar zu weil die WTD oder anderen Dienststellen es nicht hinbekommen, technische Mängel immer wieder durch den Hersteller bereinigt werden müssen etc. Beispiel: Mungo, ein umgebautes angeblich einsatztaugliches Fahrzeug was in Deutschland unter dem Namen „Multicar“ als Müllwagen bei den Stadtwerken im Einsatz ist. Für solche Kapriolen lacht uns der Rest der Welt aus, Amis, Russen, Engländer und Franzosen vorran, und wärs nicht so traurig und ginge es nicht um Menschenleben würd ich sogar mitlachen.

  8. Wie wenig die deutsche Politik...
    Wie wenig die deutsche Politik in der Lage ist, Militär einzusetzen, zeigt sich erneut an dem Beispiel der Piraterie-Bekämpfung. Anstatt ein stichhaltiges Konzept zu entwickeln und dann das Militär mit der Umsetzung zu „beauftragen“, verliert man sich in Überlegungen, mit welchen Waffen die Soldaten kämpfen sollen. Dabei könnte niemand besser beurteilen, als die Soldaten selbst, welche Waffen im Kampf gegen Piraten zweckmäßig sind. Was will man mit dieser einseitigen Bindung erreichen? Dass Soldaten nicht als „Rambos“ auftreten? Ja, glaubt man denn, bei der Bundeswehr handele es sich um eine hergelaufene Soldateska, die nur durch vorbeugende Maßnahmen der Politik im Zaum gehalten werden kann. Einfach absurd! Bereits im Afghanistan-Konflikt hat sich die Politik in den Waffeneinsatz der Streitkräfte eingemischt, mit verheerenden Folgen für die Soldaten.

  9. Kaiten sagt:

    So, so... "halbautomatische...
    So, so… „halbautomatische Waffen mittleren Kalibers“ sind also zur Piratenabwehr genug? Das klingt für mich eher nach rechtlichen Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von Kriegswaffen durch Privatpersonen als nach angemessener Berücksichtigung der Einsatzbedingungen.
    Die potenziellen Schützen an Bord des Handelsschiffes befinden sich auf einer beweglichen Plattform, u.U. in ungeschützter oder nur teilgeschützter Stellung. Das Handelsschiff fährt Ausweichmanöver mit mittlerer Geschwindigkeit, aber starken Dreh-, Roll und Schlingerbewegungen. Waffenstabilisierung? Wohl manuell.
    Bekämpft wird ein Piratenskiff, eines von mehreren gleichzeitig angreifenden kleinen, schnell beweglichen Zielen, von dem aus das Handelsschiff mit automatischen Waffen sowie mit Panzerfäusten beschossen wird.
    Die „halbautomatische Waffe mittleren Kalibers“ meiner Wahl wäre unter diesen Umständen mindestens ein navalisiertes G82.

  10. ExKontingent sagt:

    Womit sie recht haben, und das...
    Womit sie recht haben, und das uneingeschränkt, ist ihre Meinung über die Voreingenommenheit zwichen STOV und Militär. Das ist aber ein alter Hut und wie ich ihnen versichern kann auch nur in der Heimat so.
    ….
    Weitere schwere Lücken zwischen Militär- und Zivilpersonal gibt es meiner Meinung auf der Beschaffungsebene. Ihr Beispiel, der Tiger. Ein exzellenter Kampfhelikopter, seine Einsatzfähigkeit hat er für Fr. schon bewiesen. Auch das deutsche Modell ist sehr gut…nur eine völlig andere Version. Während die der Franzosen geeignet ist Bodentruppen im Kampf zu unterstützen (Bordkanone) ist die deutsche Version dazu nicht in der Lage sonder ist zum bekämpfen von „Hartzielen“ gedacht und so gerüstet. Die Umrüstung würde Millionen kosten. Dieser Fehler lag schlicht bei der Beschaffung…das Modell war billiger… nun haben wir einen Tiger der günstig war, den wir aber nicht gebrauchen können. Zur Hartzielbekämfung haben wir noch Tornado und den Eurofighter…also braucht man den Tiger garnichterst auszupacken.
    ….
    Was die Ausrüstung der Truppe betrifft kann ich persönlich im ganzen Umfang nur von der DSO berichten bei der ich als OFw im FschSpezZg Diente.
    Die P- Ausrüstung verbesserte sich stetig und tut es noch. Man lernt eben nur aus der Erfahrung. Waren wir 2001 noch mit SEM 51 ausgerüstet so hatten wir 2002 bereits Digitalfunk…um eines der krassesten Beispiele anzuführen.
    Ähnlich lief es bei der einführung des G36 in die Truppe… die „Beschaffer“ rüsteten uns mit der G36-L Bilig-Version aus und gleichzeitig wollte man uns zu Spezialisten im Häuserkampf trimmen… 6 Monate später kam dann das G36C mit diverser Peripherie zu uns.
    Waren wie dank des EinsFü 2002 noch mit MAN 2to GL in Kabul unterwegs so waren es 2003 bereits Dingos. Solche Beispiele gibt es zu hauf im ganz kleinen und im ganz großen Stil.
    ….
    Meiner Meinung müsste unsere Politik einmal ganz klar sagen, was sie von ihrer Armee erwartet und die müsste sie dann auch mit aller konzequenz umsetzen. Sie mit den rechtlichen und technischen Mittel ausstatten und zu den Aufträgen die sie uns erteilt auch stehen.

    @Politikverdruss
    Was sollte die Armee ihrer Meinung gegen die Piraten unternehmen? Soviele Kriegsschiffe um die ganze Region zu überwachen haben alle Natoländer zusammen nicht. Die Piraten sind genaugenommen Zivilisten, was Militärschläge gegen ihre Basen in Somalia als Angriff auf den Staat Somalia gewertet würde.
    Soldaten auf den Schiffen einzusetzen ist wiederrum nicht möglich, da die Schiffe deutsches Hoheitsgebiet sind und die BW im „Inneren“ nicht eingesetzt werden darf (GG).
    Die derzeit ausgeübte Taktik ist hoch komplex und schwer für Nichtmilitärs zu verstehen. Zwar wird auch aus der Luft aufgeklärt und auch so manches Piratenboot endeckt, jedoch kann man aus der Entfernung oftmals nicht mit Sicherheit sagen, ob es tatsächlich Piraten sind, was Luftschläge ausschließt. Motorboote etc. zur Aufklärung vor Ort zu schicken wird gemacht. Diese orientieren sich an den von der Luftwaffe übermittelten Koordinaten, bis diese jedoch dort eintreffen sind die Piraten längst wieder im offenen Meer verschwunden…die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Fliegen sie mal übers Meer und suchen sie einen 5x2m großen Gegenstand und finden sie ihn dann wieder. Ein Ding der Unmöglichkeit.
    Es bleibt also nur eins was wirklich effektiv ist. Bewaffnung und Schutz der Schiffe selbst. Bekommen die Piraten da öfter mal eins auf die Mütze hören die von ganz allein auf. Dieser Schutz muss aber von privaten Sicherheitskräften oder von der Polizei übernommen werden. Die Polizei hat diese Ressourcen nicht. Also ist es legitim diesen Auftrag an die Privaten zu übergeben wie es auch mitten in Deutschland oft gang und gäbe ist. Sehen sie nur die Citystreifen in Großstädten… wo die Polizei personell überlasstet ist gibt sie Befugnisse an Private Sicherheitsdienste…wie die nun alle heissen mögen…Securitas, WISAG, etc… es gibt einen riesigen Markt. Sie sehen sie sicher oft und fast überall…ob sie sie auch wahrnehmen ist eine andere Sache 😉
    Im Falle der Piraterie ist es genauso. Entweder man schafft wie für das OA eine Qualifizierung privater Unternehmen die diese Aufträge übernehmen oder man beauftragt anhand von Ausnahmegenehmigungen sogenannte Söldnertruppen wie Asgaard oder ehem. Blackwater.
    Das kleinere Übel ist denke ich da die Qualifizierung der Privaten. Möglichkeiten gibt es viele. So könnte man den Beruf der Fachkraft für Schutz und Sicherheit als Basis anführen. Die Waffensachkunde gem. IHK anhängen und durch die Qualifizierung zum Einsatz auf Schiffen anhand einer staatlichen Prüfung aufwerten. So bekommt man das gewünschte hochquallifizierte Personal das man Braucht mit relativ geringem Aufwand und zu niedrigem Kostenaufwand. Der größte Teil der Qualifizierung läge ja bei den Privatfirmen und der IHK.

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