Supermarktblog

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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Netto vs. Netto: Wer ist der Ramschigste im ganzen Land?

| 45 Lesermeinungen

Warum leistet sich ein Discounter zwei unterschiedliche (aber ähnlich hässliche) Logos? Die Antwort lautet: Macht er gar nicht. Bei den Nettos, die vor allem Leser aus dem Norden und dem Osten Deutschlands kennen, handelt sich nämlich um zwei voneinander unabhängige Läden. Das Supermarktblog verrät, woran sie sich am besten unterscheiden lassen.

Seit dem Eroberungsfeldzug der Sudokus sind traditionelle Fehlersuchspiele zunehmend aus ihrem natürlichen Lebensraum, dem Rätselheft, verdrängt worden. Um einen Teil zur Rettung dieser selten gewordenen Spezies beizutragen, veröffentlicht das Supermarktblog folgendes Suchbild.

Finden Sie die Fehler?

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Okay, okay, das war gemogelt: Es gibt gar keine Fehler. Ein Rätsel ist es trotzdem: Warum leistet sich ein und derselbe Discounter zwei unterschiedliche (aber ähnlich hässliche) Logos?

Die Antwort: Macht er gar nicht.

Es handelt sich nämlich um zwei voneinander unabhängige Nettos, die zu unterschiedlichen Firmen gehören. Der linke, der sich offiziell „Netto Marken-Discount“ nennt, ist Teil des größten deutschen Lebensmittelhändlers Edeka; der rechte gehört zum dänischen Konzern Dansk Supermarked Group, der vom mecklenburgischen Stavenhagen aus auch Filialen in Deutschland betreibt. Einfach zu unterscheiden ist das trotzdem nicht. Aus diesem Grund sei an dieser Stelle eine Differenzierung anhand des Maskottchens empfohlen: Der Edeka-Discounter hat keins (mehr), der dänische Netto trägt einen sehr aktiven schwarzen Schnauzer im Logo (was läge näher?). Im Folgenden unterscheiden wir also: „Netto (mit Hund)“ und „Netto (ohne Hund)“.

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Genauer geht’s nicht? Doch, doch. Man darf sich dafür nur nicht bei den Discountern selbst erkundigen. Netto-(mit Hund)-Geschäftsführerin und Pressesprecherin Margit Kühn antwortet gar nicht auf die Supermarktblog-Anfrage. Und Christina Stylianou, Pressesprecherin von Netto (ohne Hund) sagt ganz selbstverständlich:

„Wir haben in Deutschland eine einmalige Wettbewerbssituation, bei der es üblich ist, dass in einem Wettbewerbsumfeld mehrere Märkte bestehen. Die ähnlichen Firmierungen von Netto Marken-Discount und unserem Wettbewerber Netto Stavenhagen sorgen dabei kaum für Verwechslungen bei Kunden.“

Klar. Wer wäre denn auch so doof, zwei Lebensmittelmärkte durcheinander zu bringen, die beide denselben Namen tragen, sich für die Grundfarbe gelb entschieden haben und bei der Kundschaft vor allem mit günstigen Preisen punkten wollen?

Ach: Sie? Dann lesen Sie gleich weiter – den Supermarktblog-Netto-Netto-Vergleich!

* * *

Verbreitung

Netto (ohne Hund): in ganz Deutschland. Der Edeka-Discounter ist zwar nicht so groß wie Aldi und Lidl. Aber seit Netto (ohne Hund) vor zwei Jahren Plus gekauft hat (Schnüff) und auf einen Schlag um 2300 Filialen gewachsen ist, hat er sich inzwischen auf Platz 3 im deutschen Discounter-Geschäft vorgedrängelt, direkt an Penny vorbei. Insgesamt gibt es rund 4000 Netto-(ohne Hund)-Filialen. Die Übernahme von Plus ist auch mit Schuld daran, dass sich die gleichnamigen Konkurrenten jetzt überhaupt in die Quere kommen. Vorher gab es nämlich kaum Überschneidungen der Verbreitungsgebiete.

Netto (mit Hund): im Norden und Osten. Im Vergleich zur Konkurrenz ist Netto (mit Hund) viel kleiner: gerade mal 325 Märkte gibt es derzeit in Deutschland (in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt). Jährlich sollen etwa 20 bis 25 dazukommen, heißt es auf der Website des Unternehmens. In diesem Tempo könnte Netto (mit Hund) bereits in 147 Jahren mit seinem Wettbewerber gleichziehen.

Sortiment

Netto (ohne Hund): groß – aber auf kleinstem Raum. Mit seinem Konzept könnte Netto (ohne Hund) jederzeit bei „Wetten dass..?“ auftreten. Statt zehn Leute in eine Telefonzelle oder 20 in einen Kleinwagen würden sich dann eben 3500 Produkte in einen engen Discounter quetschen. Das sind mehr als doppelt so viele wie ein klassischer Aldi im Regal hat (aber immer noch drastisch weniger als zum Beispiel ein Edeka). Das Konzept ist einerseits ein ziemlicher Fluch: weil kaum Vorrat in die Regale passt, der Orangensaft deshalb permanent ausverkauft ist und die Mitarbeiter ständig nachräumen müssen. Andererseits ist die theoretisch größere Auswahl für viele Kunden ein hervorragendes Argument, mal nicht zu Aldi zu gehen.

Netto (mit Hund): rumpelig. Zu Studienzwecken ist das sicher interessant: beim Einkaufen festzustellen, auf wieviele Arten sich Fleisch zerschreddern lässt, um es, mit oder ohne Geleezugabe, in Plastik zu verschweißen und aufeinanderzustapeln. Aber essen kann man das alles nicht – oder? Kühltheken im Netto (mit Hund) sehen im wahrsten Sinne des Wortes aus wie Schlachtfelder. Das ist gut für Kunden, die im eigenen Kühlschrank gerne absurde Lebensmittel sammeln, zum Beispiel „Kasseler Hawai“:

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Für alle anderen ist der Dänen-Netto eher ein Lebensmittel-Kuriositätenkabinett, das – angesichts des tiefgefrorenen Salats (drei Minuten in der Mikrowelle auftauen, fertig) – übrigens auch nichttierische Produkte betrifft.

Viel problematischer ist sowieso, dass es ein Großteil der Produkte nur als Resteware gibt, dafür zum Teil in absurden Verpackungsgrößen (für exzessiven Grillgenuss etwa: 1,5 Kilo-Ketchup-Flaschen). Und obwohl im Laden Schilder mit dem Hundemaskottchen hängen, auf denen steht: „Netto ist stolz auf seine dänischen Wurzeln“, hab ich Regale mit spezifisch dänischen Produkte bisher vergeblich gesucht. Eine separate Bio-Linie gibt es nicht, neu im Angebot ist zumindest Bio-Milch der Eigenmarke „Maximum Natur“ (kommuniziertes Kaufargument: „ohne Geschmacksverstärker“, was unschöne Rückschlüsse auf den Rest des Angebots zulässt). Von der gibt es aber auch Gourmet-Pökelfleisch, das eher an den Wildunfall auf einer Landstraße erinnert.

Ramschigkeit

Netto (ohne Hund): durchschnittlich bis groß. Schuld sind vor allem die kleinen Ladenflächen, von denen viele noch aus Plus-Zeiten stammen, auf die Netto (ohne Hund) aber wie gesagt viel mehr Produkte quetscht. In manchen Filialen wurden einfach zusätzliche Regalreihen gestellt. Damit sich die Kunden besser kennenlernen, wenn sie versuchen, sich mit ihren Einkaufswägen in den engen Gängen aneinander vorbei zu drängeln.

Netto (mit Hund): unschlagbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass Netto-(mit Hund)-Läden nachts von blinden, einarmigen Heinzelmännchen eingeräumt werden, liegt bei 98 Prozent. Anders lässt sich das Durcheinander in vielen Filialen nicht erklären. Das fängt damit an, dass scheinbar nichts seinen Platz hat: Der Räucherlachs steht direkt neben dem Joghurt, Leberwurst neben Müsli, Edelsülze und Debrecziner direkt über Germknödeln, Windeln vor Grillanzündern neben Hundefutter. Und die H-Milch schmiegt sich sanft an die Grillbriketts.

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Die Botschaft ist klar: Wer beim Einkaufen einzig und allein ans Sparen denkt, weiß sofort, dass es billiger nicht mehr gehen kann. Noch dazu steht die Hälfte der Ladenfläche mit Aktionstischen voll, auf denen wahllos Lebensmittel, Motorenöle, Kunstblumen und Teppiche zusammengeschüttet wurden. Lassen Sie sich doch beim Einkaufen mal inspirieren! So ein mitten im Sommer günstig erworbener Isländisch-Moos-Hustenhonig wird sicher irgendwann mal von großem Nutzen sein.

Ladendesign

Netto (ohne Hund): erwartungsgemäß billig. „Pures Unvermögen“ vermutet Jürgen Siebert vom Fontblog als Ursache für das „Design“ bei Netto (ohne Hund). Zumindest gibt man sich größte Mühe, um jeden Preis den Eindruck zu vermeiden, es gebe eine Art Konzept für den Markenauftritt. Hinzu kommt der eiserne Wille, bloß keinen Cent zuviel auszugeben, damit die Kunden sich wohlfühlen.

Bild zu: Netto vs. Netto: Wer ist der Ramschigste im ganzen Land?Den ehemaligen Konkurrenten Plus zu kaufen, war schließlich schon teuer genug, also hat Edeka einfach möglichst viel beim Umbau der Filialen gespart. Über den Läden hängt nun das Netto-(ohne Hund)-Logo in den Farben Gelb und Rot, auch die Kassenblenden sind entsprechend eingefärbt. Einkaufswägen, Fensterrahmen und Kassentresen leuchten jedoch weiterhin im Plus-Orange. Besser ist, Sie schauen nicht zu lange hin, die Farbkombination reißt Ihnen sonst nämlich augenblicklich ein Loch in die Netzhaut.

Ärgern Sie sich doch stattdessen lieber ein bisschen, dass Netto die sympathischen „kleinen Preise“ abgeschafft hat, und das, obwohl sie sich doch schon fast mit dem neuen Hausherrn angefreundet hatten, wie letzte Relikte an Netto-Filialen mahnend erinnern (siehe Foto).

Netto (mit Hund): nicht vorhanden. Mit dem Dänen-Netto ist es in der Stadt im Grunde genommen wie mit kleinen Waldtieren: man findet sie vor allem in düsteren, feuchten Höhlen – in diesem Fall: Erdgeschossen heruntergekommener Einkaufszentren und Ecklagen, die anderweitig unvermietbar wären. Zugute halten muss man Netto (mit Hund) allerdings: bei Neubauten gibt sich das Unternehmen richtig Mühe und stellt nicht ein überdimensionales Vogelhäuschen nach dem nächsten in die Landschaft wie die Konkurrenz. Dafür gab’s 2010 den Bauherrenpreis 2010 vom Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Abteilung Wirtschaft und Bauen, wahrscheinlich der Oscar unter den Supermarktpreisen.

Drinnen sieht’s dann trotzdem genauso schlimm aus wie in den Höhlen-Läden.

Bonuspunkte

Netto (ohne Hund): Das Bio-Sortiment. Praktischerweise hat Netto (ohne Hund) zu den Plus-Läden eine der etabliertesten Eigenmarken im Discount dazu geschenkt gekriegt: BioBio – noch so ein Abgrenzungsvorteil zur Konkurrenz. Dass man ein Weilchen gebraucht hat, um das zu erkennen, stand neulich ja schon an dieser Stelle. Auf jeden Fall ist die Auswahl der Bio-Produkte einzigartig im deutschen Discount. Zumindest würde der Kunde bei Aldi eher nicht auf die Idee kommen, das Personal zu fragen, in welchem Regal er die Tofu-Bolognese findet.

Netto (mit Hund): Einkaufskörbe! Eine wahre Seltenheit im Discounter (siehe auch: „5 neue Supermarktmythen“). Und Scanner, an denen die Kunden im Laden überprüfen können, wieviel nochmal das Pökelfleisch kostet, um auf den Cent genau einkaufen zu können.

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Mit diesen Informationen stehen Sie künftig nie mehr im falschen Netto! Falls Sie da überhaupt stehen. Und natürlich ist die Liste nach unten offen. Wenn Ihnen also noch Ergänzungen einfallen: nur zu!

Fotos: Supermarktblog

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45 Lesermeinungen

  1. Epicurea sagt:

    also bei diesem kasseler-hawai...
    also bei diesem kasseler-hawai hatte ich ja erst gedacht, es handle sich um dekoration fuer einen kindergeburtstag – wird so etwas wirklich gegessen? sehr amuesanter beitrag jedenfalls!

  2. plumtree sagt:

    Das ist ein klasse Text.
    Sehr...

    Das ist ein klasse Text.
    Sehr amüsant geschrieben und gleichzeitig informativ. Ich hatte mich nämlich gewundert warum Netto zwei verschiedene Ladenkonzepte verfolgt (aber es hat mich nun nicht so sehr interessiert, dass ich mich deshalb nachgeforscht hätte).
    Einen Neubau-Netto-mit-Hund habe ich genau einmal betreten. Ich hatte vergessen Möhren zu kaufen und die gab’s dort nicht (Möhren-gab’s-nicht!!!), wie das Gemüse und Obst Sortiment auch insgesamt eher rudimentär ausfällt.
    Aber Deinem Beitrag ist ja zu entnehmen, dass Netto (mit Hund) eine Fundgrube für abstruses Zeugs zu sein scheint und und unter diesem Aspekt muss ich wohl nochmal hingehen… 🙂

  3. woite sagt:

    Ich kaufe bei Netto (mit Hund)...
    Ich kaufe bei Netto (mit Hund) nur die Salzstangen – die sind krosser als anderswo. Ansonsten: schnell rein, schnell wieder raus….

  4. Salathie sagt:

    Extrem gelungen. Aber: Netto...
    Extrem gelungen. Aber: Netto (ohne Hund)- Kunden sind intelligent, die versuchen nicht, sich mit den Einkaufwagen aneinander vorbeizudrängeln, da sie wissen, dass das nicht klappt.
    Und die Gemüse- Abteilung ist auch bei so manchem Netto (ohne Hund) eine Katastrophe. Ich kenn da einen Laden, da bekommt man Montags ab 17.30 keine Gurken mehr.
    Ansonsten: Lieber zu Aldi, da nehmen die Augen wenigstens keinen Schaden…

  5. Christian sagt:

    Ach Netto... In der Kölner...
    Ach Netto… In der Kölner Südstadt gibt es eine Netto-Filiale (ohne Hund) in der gibt es Vorne Grundsätzlich faules Obst und Gemüse und im Hintern Bereich ist alles voll Raucherqualm da der Abzug des Pausenraums (in dem alle Mitarbeiter ständig rauchen) in den Markt entlüftet! Den Marktleiter darauf angesprochen: Wenn Ihnen das hier nicht gefällt gehen sie doch woanders einkaufen…

  6. perfekt57 sagt:

    Nicht als Kritik gemeint. Der...
    Nicht als Kritik gemeint. Der Fehler liegt doch einzig und allein bei mir: Was muss ich Unterschiede machen?
    .
    Da geht man rein und kauft Kochwurst und Brötchen und Senf. Und isst. Am besten ohne zu denken oder zu werten oder zu urteilen. Beurteilt evtl. auch noch die Qualität der Broschüren (hinsichtlich, Papierqualität, Farbe, Druck und Recycling z.B.).
    .
    Aber was es da, gibt ändert das Kaufverhalten vieler. Oder nichts. Denn es nährt nur den Körper (und „nur“ ganz absichtlich und ohne „Körperverachtung“ ohne „“)
    .
    Die Summe der Sortimente eben inkl. der Summe der Käufer und Lieferanten und Erscheinungsbilder höchstens, er sagt es, von Interesse. Auch für Executive-MBA’s womöglich. Und wo Friedrich Schiller heute kaufen würde, sich Dichtung zu ermöglichen … (*g*)
    .
    Ein Wurst ist eine Wurst, und wie auch immer am Ende womöglich immer noch besser, als schlechter Militärdienst.

  7. Dréke sagt:

    schön geschriebener, durchaus...
    schön geschriebener, durchaus realistischer Bericht 🙂
    Übrigens: auch Netto (mit Hund) gehört zu einem kleinen Teil der Edeka.
    Wird sogar auf der Webseite kommuniziert:
    „Seit 2005 gehört NETTO zu 75 % der Dansk Supermarked A/S und zu 25 % der Edeka Zentrale AG & Co. KG.“

  8. Karl sagt:

    Der Netto (mit Hund) hat vor...
    Der Netto (mit Hund) hat vor allen Dingen (im Ruhrgebiet) eine gute Auswahl von Glasflaschengetränken (meiner hat z.B. so um die 10 Biersorten). Obst- und Gemüse ist eigentlich auch in Ordnung: zusammen mit dem Biosortiment sehe ich eigentlich eher Vorteile gegenüber Aldi und Lidl.

  9. westernworld sagt:

    wenn man einmal in einem...
    wenn man einmal in einem dänischen discounter in dänemark war ist das einzige was einen noch wundert das die dänen nicht im dunkeln leuchten und nicht als sondermüll entsorgt statt begraben werden müßen.

  10. Christian sagt:

    Sehr lustiger Beitrag, einfach...
    Sehr lustiger Beitrag, einfach schön geschrieben. Ich habe Tränen gelacht. Danke

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