Supermarktblog

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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Tüten vor Gericht – Kommt das Plastikverbot an der Supermarktkasse?

| 13 Lesermeinungen

Die EU überlegt, ob sie Plastiktüten besteuern oder sogar verbieten soll, damit die künftig nicht mehr in der Landschaft herumfliegen und die Umwelt zerstören. Das klingt einleuchtend, ist aber inkonsequent. Denn vorher müsste im Supermarkt eigentlich ein Haufen Verpackungsmüll vermieden werden, der noch viel unnötiger ist.

Guten Morgen, wir verhandeln gerade die Rechtssache EU-Kommission gegen Plastiktüte. Setzen Sie sich bitte leise hin und stören nicht.

Bild zu: Tüten vor Gericht – Kommt das Plastikverbot an der Supermarktkasse?

Die Klage:

Meiner Mandantin, der Plastiktüte, wird vorgeworfen, in nicht mehr hinzunehmendem Maße die Umwelt zu verunreinigen und durch eine unkontrollierte Verbreitung unter anderem für den Tod unzähliger Meeressäuger verantwortlich zu sein. Die Klägerin führt folgende Punkte an:

Jeder EU-Durchschnittsbürger benutze im Jahr 500 Exemplare meiner Mandantin, und zwar meistens nur einmal. 2008 seien von ihr deshalb europaweit 3,4 Millionen Tonnen produziert worden.

Als Problem wird vor allem gesehen, dass meine Mandantin sich oft nicht korrekt entsorgen lasse, sich stattdessen selbstständig mache und in der Landschaft herumhänge, obwohl es hunderte von Jahren dauern könne bis sie dort verrottet sei.

Dazu wird angeführt, meine Mandantin treibe sich zu häufig im Mittelmeer herum, und zwar in Gestalt von 250 Milliarden Plastikpartikeln, rund 500 Tonnen, die Tiere zugrunde gehen ließen, wenn sie sie verschluckten.

Meine Mandantin räumt ein, dass es zu einem gewissen Fehlverhalten gekommen ist, sie gibt jedoch zu bedenken, dass sie sich ihren Umgang oft nicht aussuchen kann.

Die Klägerin ist ihrerseits noch unschlüssig, ob sie ein komplettes Verbot oder eine Besteuerung meiner Mandantin durchsetzen will. Um diesbezüglich zu einer Entscheidung zu gelangen, hatte die Klägerin einen Fragebogen auf ihre Website gestellt, in dem sich EU-Bürger und Vertreter der Verpackungsindustrie bis Anfang August zu dem Sachverhalt äußern konnten. Wir beantragen allerdings, die Ergebnisse nicht für die Verhandlung zuzulassen, da der Fragebogen für normalsterbliche Menschen völlig unverständlich formuliert war. Darüber hinaus wird beantragt, dass die Klägerin sich endlich einen Webdesigner für ihren Internetauftritt suchen soll, weil es eine Zumutung ist, sich in dessen 80er-Jahre-Layout zurechtzufinden.

Die Verteidigung:

Bei aller Bereitschaft meiner Mandantin, eine Mitschuld an dem Missstand anzuerkennen, möchte ich darauf verweisen, dass sich die angeführten Probleme bereits durch eine korrekte Handhabung eindämmen lassen. Schon jetzt lässt sich meine Mandantin hervorragend mehrere Male verwenden – um Altglas wegzubringen, als Sitzunterlage im Park oder für den Transport von Geburtstagsgeschenken, Weinflaschen und nicht flüssigen Sonderabfällen, die im Keller gefunden wurden.

Es gibt Fälle, in denen meine Mandantin sogar als Ersatzaktenkoffer benutzt wird, und solche, in denen finanziell weniger üppig augestattete Bürger ihr vollständiges Hab und Gut in ihr transportieren. Es existiert sozusagen eine gesellschaftsübergreifende Anerkennung ihrer Nützlichkeit.

Womöglich könnte auf ein Verbot verzichtet werden, wenn es sich durchsetzen ließe, dass generell weniger Exemplare verbraucht werden und es zur Pflicht gemacht würde, meine Mandantin künftig nicht mehr aus gewöhnlichem Polyethylen herzustellen, sondern beispielsweise aus leichter recycelbarem Zuckerrohr, wie es von einzelnen Unternehmen bereits praktiziert wird. Eine Nutzung sollte ohnehin nur erfolgen, wenn ein Rückgriff auf festes Taschenwerk gerade nicht praktikabel ist.

Sollte die Klägerin aber so in Fahrt sein, dass sie unbedingt auf Verbote drängt, gäbe es einige Alternativen, die ich dem Gericht vorzuschlagen hätte.

Durchsichtige Plastikstreifen in Papiertüten einzukleben, um es dem Kassenpersonal im Supermarkt zu ersparen, besagte Tüte eigentätig zu öffnen und deren Inhalt zu begutachten, sollte verboten werden.

Bild zu: Tüten vor Gericht – Kommt das Plastikverbot an der Supermarktkasse?

132 Gummibärchen (nachgezählt) in 15 Tütchen zu verpacken, um diese dann noch einmal in einer größeren Tüte verschwinden zu lassen, sollte noch viel früher verboten werden.

Bild zu: Tüten vor Gericht – Kommt das Plastikverbot an der Supermarktkasse?

Und Gemüse in Plastikschalen zu legen, die wiederum in Plastik gehüllt werden, anstatt alles einfach lose im Regal zu deponieren, müsste längst schon verboten sein.

Bild zu: Tüten vor Gericht – Kommt das Plastikverbot an der Supermarktkasse?

Meine Mandantin bittet darum, diese irritierenden Ungleichheiten hinsichtlich der Plastikvermeidung für die Urteilsfindung zu berücksichtigen.

Das Urteil:

Wird vom hohen Gericht der Kommentatoren gesprochen. Da tritt es gerade zusammen! Was mag es entscheiden?

Fotos: Supermarktblog

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13 Lesermeinungen

  1. Sandrine sagt:

    Freispruch für die...
    Freispruch für die Plastiktüte selbst.
    Anklageerhebung gegen Geschäfte, die Plastiktüten kostenlos abgeben (und sie einem oft auch aufdrängen).
    Ich hab neulich bei C&A ein 3er Pack Socken gekauft. Ich trug eine große Umhängetasche und eine kleine Stofftragetasche, in der sich nur ein Buch befand. Trotzdem wurden die Socken schneller als ich widersprechen konnte in eine Plastiktüte gepackt. Als ich dann sagte, dass ich keine Tüte bräuchte, guckte man mich komisch an und ließ die Tüte dann wieder irgendwo hinter der Kassentheke verschwinden (passiert so auch bei H&M und fast überall sonst, wo Tüten kostenlos sind).
    Die an der Kasse könnten ja wenigstens fragen, ob man überhaupt eine Tüte braucht.

  2. Su sagt:

    Ich habe nie verstanden, warum...
    Ich habe nie verstanden, warum Plastiktüten in Supermärkten verkauft werden müssen, in anderen Läden einem hintergeschmissen werden dürfen. Sie sollten 1 Euro kosten, damit der Kauf schmerzt. Und wenn man sie denn kauft, so häufig wie möglich verwendet werden:
    https://www.youtube.com/watch?v=YDBtCb61Sd4

  3. :) sagt:

    schuldig. trotz aller...
    schuldig. trotz aller sympathie für den artikel und abneigung der revolutionären vorschläge der eu gegenüber, sehe ich lieber das saubere mittelmeer und europa ohne die plastiktüte.

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