Supermarktblog

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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Eigenmarken-Vergleich: Rewe reißt Mandarinen – und Tengelmann schweigt

| 17 Lesermeinungen

Auf die Frage, wie sich die Produkte seiner Billigmarke von denen der teureren "Star Marke" unterscheiden, möchte Kaiser's Tengelmann lieber keine Antwort geben. Konkurrent Rewe hat hingegen keine Probleme mit ausführlichen Erläuterungen. Im letzten Eigenmarken-Vergleich steht alles zu Tomatenfeststoffanteilen, ganzen Mandarinensegmenten und "Ring-Pull"-Öffnern.

Vorhang auf für den „Superstar am Markenhimmel“, der sämtliche Eigenschaften besitzt, die es für eine langfristige Karriere im Supermarktregal benötigt: ein „Mehr an Genuss“, ein „Mehr an Qualität“, „den besonderen Geschmack“ und ein geheimnisvolles Logo, das aus drei Albinomuffins besteht.

(Alternative Interpretationsvorschläge für dieses Signet schreiben Sie bitte in die Kommentare.)

Zur Erinnerung: Es geht – ein letztes Mal – um Produkte, die von den Supermärkten unter eigenem Namen angeboten werden, einmal als Billigmarke, und einmal als etwas teurere Mittelmarke. Die Frage an die Unternehmen lautet: Wo ist eigentlich der Unterschied? Mal abgesehen von den fantastischen Werbeformulierungen, wie sie sich natürlich auch Kaiser’s Tengelmann für seine „Star Marke“ ausgedacht hat, den bereits erwähnten „Superstar am Markenhimmel“. Immerhin gibt es in den Läden der Unternehmensgruppe viele Produkte auch unter dem Namen „A&P“ („attraktiv & preiswert“) zu kaufen, und der einzige Unterschied, der auf den ersten Blick erkennbar ist, ist (außer der Verpackung) einmal mehr der Preis.

Bild zu: Eigenmarken-Vergleich: Rewe reißt Mandarinen – und Tengelmann schweigt

Einkaufszettel 1: „A&P“
„Kidney Bohnen dunkelrot“, 400-g-Dose: 0,35 Euro
„Spitzen-Langkornreis im Kochbeutel“, 500-g-Packung: 0,49 Euro
„Orangensaft aus Orangesaftkonzentrat Fruchtgehalt: 100%“, 1-l-Packung: 0,95 Euro
Macht zusammen: 1,79 Euro

Einkaufszettel 2: „Kaiser’s Tengelmann Star Marke“
„Kidney Bohnen dunkelrot“, 400-g-Dose: 0,69 Euro
„Spitzen-Langkornreis im Kochbeutel“, 500-g-Packung: 0,99 Euro
„Orangesaft aus Orangensaftkonzentrat Fruchtgehalt: 100%“, 1-l-Packung: 1,29 Euro
Macht zusammen: 2,97 Euro

Auf die Bitte, das „Mehr an Genuss“, das „Mehr an Qualität“ und „den besonderen Geschmack“ zu erklären, die bei diesem Einkauf vermutlich den Preisunterschied von 1,20 Euro ausmachen, reagiert Kaiser’s Tengelmann noch zugeknöpfter als Edeka – und antwortet: es sei „uns nicht möglich, Auskunft zu geben“.

Sonst nichts.

Das ist vor allem deshalb spannend, weil es dem Konkurrenten Rewe, nach Edeka zweitgrößter Lebensmittelhändler Deutschlands, sehr wohl möglich ist: Aus der Zentrale in Köln kommt die ausführlichste Rückmeldung aller angefragten Unternehmen.

Bild zu: Eigenmarken-Vergleich: Rewe reißt Mandarinen – und Tengelmann schweigt

„Die Hauptunterschiede bzw. Differenzierungsmerkmale auch hinsichtlich des Preises liegen in der Verpackung, in der Qualität und der Verarbeitung“, fasst Rewe-Sprecher Raimund Esser zusammen. Und wird dann sehr konkret, zum Beispiel wenn’s um die Mandarinen aus der Dose geht, einmal unter dem Logo der Billigmarke „ja!“, einmal als Mittelmarke mit dem roten Rewe-Logo, beide in der 300-g-Dose mit identischen Nähwertangaben, zweimal „hergestellt in China“.

„Bei der Preiseinstiegsmarke ‚ja!‘ sind die Mandarinen in einer herkömmlichen Dose, die mit einem Dosenöffner geöffnet werden müssen. Die Mandarinen von ‚Rewe‘ sind in einer aufwendigeren ‚Convenience-Dose‘, die vom Verbraucher schnell und einfach ohne Dosenöffner über einen ‚Ring-Pull‘ geöffnet werden können.“

Auch beim Inhalt kann Rewe differenzieren:

„Hinsichtlich der Roh-Warenspezifikation verfügen die ‚ja!‘-Mandarinen über eine andere Spezifikation als die ‚Rewe‘-Mandarinen. Konkret sprechen wir hier von ‚ganzen Segmenten‘ (‚Rewe‘-Mandarinen) und ‚gerissenen Segmenten‘ (‚ja!‘-Mandarinen). Die Fehlertoleranzen bei der Rohware, sprich Qualitätskriterien (Größe der Früchte, ganze Stücke, angerissene Stücke), sind bei ‚Rewe‘-Produkten viel enger gefasst als bei ‚ja!‘-Produkten. Insgesamt gibt es alleine bei Mandarinen drei verschieden Größenklassen.“

Klingt nachvollziehbar – bis auf die Tatsache, dass auf beiden eingekauften Mandarinen-Dosen „ganze Segmente“ als Inhaltsangabe steht. Mit 49 Cent ist das „ja!“-Produkt deutlich günstiger als dieselbe Menge „Rewe“-Mandarinen mit 95 Cent.

Die geschälten Tomaten aus der Dose von „Rewe“ für 79 Cent sind sogar mehr als doppelt so teuer als die von „ja!“ für 35 Cent. Die Unterschiede beträfen auch hier wieder Verpackung und Auswahl, erklärt das Unternehmen. Und:

„Die ‚Rewe‘-Tomaten‘ unterliegen höheren Qualitätskriterien, wie höher spezifizierterer Tomatensaft oder mehr Tomatenfeststoff im Saft als die preislich günstigeren ‚ja!‘-Tomaten.“

Als letztes geht’s um Orangensaft: Die „Rewe“-Variante kostet 1,29 Euro, die von „ja!“ zwar 1,43 Euro, allerdings ist im Billigmarkenkarton auch deutlich mehr drin als in der Mittelmarkenflasche (1,5 Liter statt 1 Liter). Bei der Herstellung greife man „auf viele verschieden Hersteller zurück und das Produkt ist extrem saison- und ernteabhängig“, sagt Rewe-Sprecher Esser. Der wesentliche Unterschied besteht aber diesmal im – immerhin klar erkennbaren – Unterschied bei Menge und Verpackung:

„Ein Tetra Pack ist in der Herstellung wesentlich günstiger als die hochwertigere PET-Flasche, in der der ‚Rewe‘-Orangensaft verkauft wird. Die 1-Liter-PET-Flasche mit dem ‚Rewe‘-Orangensaft bietet dem Verbraucher wesentlich mehr Convenience und Frische, weil der Frischeartikel Orangensaft nach Öffnung spätestens nach vier Tagen entleert sein sollte. Diese Wahrscheinlichkeit ist bei einem 1-Liter-Behältnis wesentlich größer.“

Nun gehören Sie vielleicht zu den Lesern, die selbst ganz gut einschätzen können, wie lange sie benötigen, um Ihre „Frischeartikel“ auszutrinken, und die deshalb gut darauf verzichten können, deshalb für eine hübschere Verpackung mehr Geld auszugeben, die sowieso die meiste Zeit im Kühlschrank steht. Aber es bleibt ja jedem selbst überlassen, ob er beim Einkaufen ein paar Euro draufzahlen möchte, wenn er dafür keinen Dosenöffner betätigen muss, auf die Segmentierungsgröße von Mandarinen Wert legt und sich mehr Tomatenfeststoff im Saft wünscht.

Es wäre halt nur schön, wenn diese Unterschiede von vornherein so offen kommuniziert würden, dass man nicht erst mehrere Wochen Anfragezeit einkalkulieren muss, um nachher am Supermarktregal die richtige eine Entscheidung zu treffen.

Fotos: Supermarktblog

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17 Lesermeinungen

  1. anonym sagt:

    Zum Signet: Habe das immer...
    Zum Signet: Habe das immer für drei Kochmützen gehalten. Ohne allerdings tiefgründig darüber nachzudenken. Es könnten natürlich auch drei vermanschte Sterne sein.

  2. Ben sagt:

    Es gibt also einen...
    Es gibt also einen Supermarktblog. Soweit so unnütz. Trotzdem lese ich ihn, wenn es grad nix anderes weltbewegendes gibt. Aber diesmal gings echt daneben: Sie scheinen von vornherein davon auszugehen, daß die Eigen-Billig und die Eigen-Mittelmarke eh dasselbe enthalten und regen sich dann künstlich darüber auf, daß es auch so ist. Und dann bekommen Sie im Fall von ReWe sehr detaillierte Auskünfte (z.B. zum Thema Dosenmandarinen) und lassen es trotzdem nicht gut sein. Essen Sie doch einfach frische Mandarinen, dann kommt vielleicht das Hirn wieder in Schwung und Sie schreiben beim nächsten Mal vielleicht etwas ein wenig substantielleres… übrigens ist es absolut nichts neues, daß das gleiche Produkt vom selben Hersteller unter anderen Markennamen und Layouts für unterschiedliche Preise angeboten wird… also: bitte erst bloggen, wenn man auch was zu sagen hat…

  3. Luisa sagt:

    Wie Petra, habe auch ich das...
    Wie Petra, habe auch ich das Logo der Starmarke für drei Kochmützen gehalten – wobei mir die Albino-Muffins jetzt wohl nie mehr aus dem Sinn gehen werden!
    Was die Produkte angeht, sehe ich da keine wirklichen Unterschiede und gehe beim Kauf daher nach dem günstigsten Preis. Ich denke, dass man persönlich abwägen sollte, bei welchen Produkten die Qualität wichtig ist und bei welchen nicht. Bei Dosenmandarinen oder Tomaten sehe ich da keine Notwendigkeit. V.a. wäre ich mir da nicht so sicher, ob alles was teurer ist auch gleichzeitig besser ist! In einer Reportage habe ich nämlich gesehen, dass die mit Schokolade überzogenen Butterkekse von Aldi aus einem Tochterunternehmen von Leibniz stammen?! Was sagt man dazu?

  4. John Dean sagt:

    Möglichkeit 1: drei...
    Möglichkeit 1: drei übervolle Eiertöpfchen (-> Wohlstand, dreifach!)
    Möglichkeit 2: drei überalterte, und darum völlig verblasst Weihnachststernchen, die unten beschnitten wurden
    Möglichkeit 3: drei ungelenk designte Kochmützchen, die von Sarrazins Schülern gefertigt wurden, solchen, die ein ganzes Jahr lang nur Sarrazins Buch lesen mussten.

  5. Daniel sagt:

    Ich komme zwar viel zu spät,...
    Ich komme zwar viel zu spät, aber muss trotdzem hier mal Kritik anbringen:
    Wo sich dieses Blog so vorbildlich dem investigativen Supermarktjournalismus widmet ist es schade dass man hier auf halbem Wege stehen bleibt:
    Die REWE-Antwort zum Thema Mandarinen schreit doch danach die beiden so liebevoll fotografierten Dosen zu öffnen und die Quantität gerissener und vollständiger Segmente nachzuzählen. Endlich mal eine konkrete Produkteigenschaften die man ohne Labor ganz objektiv verifizieren kann, bitte unbedingt nachholen!
    Notfalls übernehme ich es auch selber, sofern mir kostenfrei 2 entsprechende Dosen Mandarinen zur Verfügung gestellt werden.

  6. pschader sagt:

    @Daniel: Ich glaube, es geht...
    @Daniel: Ich glaube, es geht da eher um den gefühlten Unterschied einer halbwegs plausiblen Erklärung. Ich kann gerade keine Mandarinen mehr sehen, zuhause stehen noch 4 Dosen. Schick ich aber nicht. Da übersteigt das Porto – leider – den Warenwert.

  7. Daniel sagt:

    Wie "gefühlt" oder eben wie...
    Wie „gefühlt“ oder eben wie real diese Unterschiede ist meiner Ansicht nach eine hochinteressante frage bei der ganzen Sache.
    Spaghetti sehen z.B. tatsächlich eigentlich immer gleich aus, schmecken aber meienr Ansicht nach je nach Qualität trotzdem extremst verschieden. Die Spgetti für 19 Cent das Pfund sind z.B. oft pappig „stärke-ig“. Und wieso Bronzeformen besser sind als Nicht-Bronzefomrne kann man sogar bei Wikipedia nachlesen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Teigwaren#Moderne_Lebensmitteltechnik
    Generell ist die Nudel ein gutes Beispiel, für das Dilemma, vor dem die Discounter hier stehen:
    Optik und Inhaltsangabe sind bei allen Spagetti (abgesehen von geschmacklichen Verirrungen wie Eiernudeln) immer absolut identisch, die eigentlich Qualitätskritieren (z.B. Griesqualität, Formen, Quellbedingungen des Giress, Trocknungsdauer der fertigen Pasta…) sind für den Kunden weitgehend intransparent weil sie Details der industriellen Lebensmittelproduktion sind.
    Die gelten aber gemeinhin als Tabu, weil der Verbraucher ja offenbar denkt, die Nudeln würde ähnlich wie die Schokolade in der Lindt-Werbung liebevoll handgerührt und von Experten einzeln in Stäbchenformen gegossen.
    Und bezüglich der Mandarinen werde ich meine eigene Untersuchung anstellen sobald ich im Kollegenkreis genug Geld für 2 Dosen Mandarinen gesammelt habe.

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