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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Die Risikorenovierer: Warum Schlecker nicht mit Penny vergleichbar ist

| 8 Lesermeinungen

Die Parallelen sind unübersehbar: Schlecker hat viel Geld investiert, um seine Läden zu renovieren, und ist trotzdem in die Insolvenz gerutscht. Jetzt gibt auch Penny Millionen aus, um sein Filialnetz zu modernisieren. Doch dass Penny das gleiche Schicksal trifft, ist längst nicht ausgemacht. Die Ausgangssituation ist nämlich eine völlig andere.

Eine Drogeriekette realisiert nach vielen Jahren, dass sie ihre Läden hoffungslos vernachlässigt hat und zunehmend Kunden an die Konkurrenz verliert. Sie tüftelt ein neues Ladenkonzept aus, investiert Millionen – und muss letztlich doch zum Insolvenzrichter gehen, weil der Vorsprung der anderen nicht aufzuholen war. So erging es Schlecker.

Ein Lebensmittel-Discounter realisiert nach vielen Jahren, dass er seine Läden hoffungslos vernachlässigt hat und zu wenig Kunden von der Konkurrenz zu sich holen kann. Er tüftelt ein neues Ladenkonzept aus, investiert Millionen – und …

Was jetzt mit Penny passiert, ist noch völlig offen. Denn auch wenn die Parallelen zu Schlecker unübersehbar sind, ist die Ausgangssituation eine völlig andere.

Bild zu: Die Risikorenovierer: Warum Schlecker nicht mit Penny vergleichbar ist

Schlecker hat immer als familiengeführtes Unternehmen funktioniert, das viel zu lange ignorierte, als DM und Rossmann große, moderne Filialen eröffneten und den Kunden beibrachten, dass das Schlecker-Prinzip im Drogeriehandel keineswegs das Maß aller Dinge ist. Vor allem aber: dass moderne Läden günstige Preise nicht ausschließen müssen. Schlecker hat völlig andere Läden besetzt als die Mitbewerber: kleiner, weniger zentral, eigentlich völlig unbrauchbar für ein zeitgemäßes Geschäftskonzept. Das ist dem Unternehmen bei der Sanierung der Filialen auf die Füße gefallen. Natürlich kann man einen Laden mit einer neuen Einrichtung schöner machen. Aber eben nicht größer. Auch deshalb hat Schlecker massenhaft Läden schließen müssen. Die Personalkosten blieben wegen des kleinteiligen Filialnetzes trotzdem hoch.

Im Lebensmittel-Discount ist Penny hingegen der Trendsetter – gezwungenermaßen. Dabei steht noch gar nicht fest, ob sich die Leute dort von schöneren Läden anlocken lassen und ob sie Penny die neuen Versprechen („Erstmal zu Penny – weil Sie sich auf uns verlassen können.“) abnehmen.

Auf jeden Fall muss Penny längst nicht so viele Läden modernisieren wie Schlecker (2400 vs. 7000). Und mit der Rewe Group, Deutschlands zweitgrößtem Lebensmittelhändler nach Edeka, hat der Discounter einen Konzern im Rücken, der das Risiko eingehen kann, einen solchen Umbau zu finanzieren. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich die Geschäfte bei Penny nach der Neuausrichtung deutlich verbessern. Andernfalls wird Rewe den Discounter loswerden wollen – so wie Tengelmann es mit Plus getan hat. Dann würde sich unter den klassischen Supermarkt-Betreibern nur noch Edeka mit einem eigenen Discount-Zweig gegen Aldi und Lidl stemmen.

Bevor es soweit kommt, werden aber auch bei Penny erst einmal Läden geschlossen, die sich nicht rentieren. Im Moment sollen sich laut „Lebensmittelzeitung“ die Hälfte aller Filialen nicht rentieren. Bis Sommer 2012 sollen 150 Läden dicht machen. Einige werden stattdessen zu Rewe-Supermärkten umgebaut, denn mit jeder Schließung geht dem Konzern Umsatz verloren, den der Chef Alain Caparros aber gerne im Konzern halten würde.

Dass Penny das Schlecker-Schicksal trifft, ist also längst nicht ausgemacht.

Das große Problem wird sein, dass mit dem Umbau der Filialen keine schlagartige Verbesserung der Geschäfte eintreten wird. Bis sich herumspricht, dass Penny sich als Alternative zwischen Aldi und den klassischen Supermärkten anbietet und das Vertrauen der Kunden (zurück) gewinnt, wird es wohl eine ganze Weile dauern.

Die Frage ist nur, ob Rewe so lange Geduld haben will.

Fotos: Supermarktblog

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8 Lesermeinungen

  1. amfa sagt:

    "Die Frage ist nur, ob Rewe so...
    „Die Frage ist nur, ob Rewe so lange Geduld haben will.“
    Ist das nicht das Hauptproblem.. generell in der Wirtschaft heutzutage?
    Es muss immer alles sofort und „instant“ funktionieren.
    Und wenn etwas zwar Gewinn abwirft, aber nicht genug wird auch nicht gewartet ob es vielleicht besser wird sondern, dann wird verkauft oder geschlossen.
    Es wird aus diesem Grund auch relativ wenig neues probiert, bzw neue Ideen werden bestenfalls von kleineren „Startups probiert“, die dann aber evtl einfach nicht genug mittel haben.
    Richtige Innovationen kommen selten von den „großen“. Wobei die sich das eigentlich leisten könnten.
    mfg
    amfa

  2. Uli sagt:

    "Die Frage ist nur, ob Rewe so...
    „Die Frage ist nur, ob Rewe so lange Geduld haben will.“
    Das trifft es wirklich auf den Punkt. Viele Unternehmen unterwerfen sich inzwischen bereitwillig dem Shareholder Value Prinzip, nach dem vor allem kurzfristige „Erfolge“ zählen.
    Langfristige Investitionen oder echte Innovationen werden gefühlt immer seltener, lieber reitet man bestehende Konzepte tot oder kopiert gleich den Mittbewerb.

  3. CaoKy60 sagt:

    @amfa: Erinnern Sie sich aber...
    @amfa: Erinnern Sie sich aber auch mal an die dot.com Blase aka „des Kaisers neue Kleider!“ Damals haben gerade Grosskonzerne sehr viel Geld in die Internet-Startups gesteckt (Stichwort „Inkubatoren“), die dieses sehr schnell und effektiv vernichtet haben (Stichwort „burn rate“). Warum gehen die Leute immer noch in Lebensmittelgeschaefte anstatt alles online zu ordern und dann ausgeliefert zu bekommen (business case assumptions einschlaegiger, laengst toter dot.com’s). Da kann man verstehen, warum etablierte Firmen heute noch zoegerlicher als vor der Internet-Blase sind, Geld in Innovationen zu stecken … aber wie das Beispiel Kodak zeigt, muss man auch innovieren, will man weiter im Markt existieren.

  4. sowo sagt:

    "...Einige werden stattdessen...
    „…Einige werden stattdessen zu Rewe-Supermärkten umgebaut…“ oh das wäre mal fein, wenn die den assligen Penny, der hier im Nachbarort zwischen Netto (Norma ?), Aldi und Lidl eingeklemmt ist zu einem Rewe umbauen würden. Dann hätten wir nämlich eine Alternative zum ebenfalls ramschigen Edeka am Ort, der Momentan leider der einzige Supermarkt zwischen den ganzen Discountern ist.
    Na wird aber dank ländlicher Lage wohl noch dauern bis wir das wissen…

  5. Harald sagt:

    Wenige Tage nach der...
    Wenige Tage nach der Muttergesellschaft Schlecker wird auch die Tochter zum Insolvenzfall. Viele Mitarbeiter haben das Drama schon einmal erlebt. Schon komisch, wenn eine Bank den Bach runtergeht, dann wird auf einmal mit Steuergeld ohne Ende gerettet. Wenn es allerdings normale Arbeitnehmer betrifft, dann kann man diese ruhig in die Altersarmut schicken. Ist das das Land in welchem wir leben wollen?

  6. recla sagt:

    "Die Risikorenovierer: Warum...
    „Die Risikorenovierer: Warum Schlecker nicht mit Penny vergleichbar ist“
    Mehr brauche ich nicht zu lesen – habe ich auch nicht -, um zu wissen, dass nun ein weit ausholender Vergleich kommt. Stimmt’s?
    Immer wenn einer irgendwas mit „nicht zu vergleichen“ einleitet, wird er in den folgenden Sätzen genau das tun. Garantiert.
    Vergleichen sollte man nicht mit gleichsetzen gleichsetzen. Dann hätte man auch keine Probleme mehr mit einem „Hitler-Vergleich“.

  7. Carsten sagt:

    Sehr geehrter Herr Peer...
    Sehr geehrter Herr Peer Schader,
    gerne möchte ich in meinem Kommentar noch einmal auf Ihren Artikel eingehen. Ich verfolge Penny und Rewe nun schon seid 30 Jahren als wohl wollender Kunde. Durch meinen Beruf, alle Zwei Jahre umziehen und Außendienst dazu, habe ich so ca. gefühlte 100 Penny Märkte im Laufe meines Lebens erlebt. Was mir gerade bei Penny auffällt ist das Penny einstmals das Alleinstellungsmerkmal als Markthalle hatte. Anders als Supermärkte und Discounter besonders Attraktiv für Singles mit gehobenem Einkommen und hoher Mobilität. Anders als bei Supermärkten und Discountern war es möglich in sehr schneller Zeit seinen Kompletten Täglichen bedarf Qualitätsgerecht zu decken.
    Selbiges ist seid Penny sich zum Discounter versucht zu mausern nicht mehr möglich. Zum einen wurde die Warenfläche durch unsinnige Billigprodukte die an dieser Kundengruppe in jedem Markt ob Supermarkt oder Discounter völlig vorbeigeht mittlerweile fast halbiert. Ich kaufe keinen Multimixer für 19,95€ sondern ein Livestyle Produkt meiner Wahl! Auch Schuhe und Textilien Kaufe ich beim Herrenausstatter sowie in einem Fachhandel.
    Diese Sortiments Ausdünnung geht vor allem zu lasten des Food Sortiments so das
    Deutschland weit beispielsweise der Einkauf von Sahnehering kaum möglich ist außer am Liefertag. Dieser Artikel kommt zu gleichen Mengen in einem Lot von Sahne, Sahne Dill, und Senfsoße in die Läden. Sahne in Senfsauce stapelt sich von Woche zu Woche. Bei vielen Produkten gibt es diese Lot Problematik. Sodas viele gerne gekaufte Artikel nicht mehr im Sortiment sind.
    Das zeigt auch das wir bei Penny ein Problem der Warenwirtschaft und der Lageumschlaggeschwindigkeit haben. Würde das Sortiment nicht Lotbezogen überwacht sondern bezogen auf die LUG würde sich die Zahl der Leeren Regalstellen erheblich reduzieren und auch die Attraktivität für den Kunden erhöht. Dies gepaart mit einem Moderneren Ambiente würde schon ausreichen um diese Kundengruppe zurück zu Gewinnen.
    Diese Sichtweise der Lotbezogenen Warenwirtschaft Problematik mehr in das Licht Ihrer Betrachtungen zu Penny in Ihre Artikel mit einzubeziehen wäre besonders bei dieser Kette sehr wichtig. Sie macht bei mir und auch bei ca. 90% der Bewohner hier im Viertel; Fußläufig in 5 Minuten Netto, Rewe, Lidl, Aldi, DM, Tedi, Kick, Spar sowie Bäckereien und Fleischereien; die Entscheidung aus nicht Penny zu Wählen, da das Risiko die gewünschte Ware nicht zu bekommen sehr hoch ist. Das diese Problematik Deutschlandweit ist sieht man besonders als Außendienstler sehr gut da es in fast allen Filialen immer die gleichen Produkte sind die nicht vorhanden sind.
    Mit freundliche Grüßen
    Carsten

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