Supermarktblog

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Nach jedem Lebensmittelskandal wollen die Verbraucher wissen: Was können wir noch essen? Dabei ist die Frage, wie wir einkaufen, mindestens genauso

Edeka verstehen – in nur 3 Minuten

| 27 Lesermeinungen

Warum müssen Edeka-Läden tausend verschiedene Namen haben anstatt einfach "Edeka" zu heißen? Um das zu verstehen, müssten wir mal kurz ins Jahr 1898 zurückreisen. Und über Genossenschaften reden. Und Sortimentsgrößen. Aber keine Angst: das geht ganz schnell, und nachher sind Sie wieder supermarktschlauer.

Edeka, ist das nicht der Laden mit der sympathischen Werbung?

Richtiges Tempus wäre das Präteritum. Nochmal im ganzen Satz: Edeka war der Laden mit der sympathischen Werbung. Die Aussage gründet sich auf die Kampagne „Wir lieben Lebensmittel“, mit der seit 2005 in verschiedenen Fernsehspots ungewöhnlich originell und liebenswert kommuniziert werden sollte, dass Edeka-Kaufleute wandelnde Lebensmittel-Wikis sind und echt was von ihrem Job verstehen. Unvergessen sind die Spots mit dem Überraschungsei-Kind und der vergesslichen Metzgerin.

Mit dem Start der Fernsehwerbung für seine Billigmarke „Gut & Günstig“ hat Edeka aber nicht nur seine Kernkompetenz in die Tonne getreten (warum liebt man Lebensmittel, wenn’s bloß um den Preis geht?), sondern – passend dazu – auch furchtbar schlechte Spots durchgewunken, die nur noch nerven. (Bitte überzeugen Sie sich selbst davon.) Das ist Edeka.

Bild zu: Edeka verstehen – in nur 3 Minuten

Also gut…

…und günstig! (Kleiner Scherz.)

Also gut: Dann erklär mal, warum Edeka-Läden nicht einfach „Edeka“ heißen, sondern tausend unterschiedliche Namen haben müssen.

Sehr gerne! Dafür müssen wir aber einen kleinen Umweg machen, nämlich ins Jahr 1898, als sich 21 Einkaufsvereine zur ersten regionalen Einkaufsgenossenschaft zusammenschlossen.

Gähn, Geschichte. Hoffentlich wird’s noch interessant.

Ja, sehr sogar. Von diesem Zusammenschluss, der dazu da war, gemeinsam Lebensmittel für die Läden einkaufen zu können, kommt nämlich der Name. Die Kaufleute nannten ihren Verbund: „Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler“, abgekürzt: E. d. K. – und das wurde später zu „Edeka“.

Wie – Genossenschaft? Ich dachte, Edeka sei ein Supermarkt.

Stimmt ja auch, aber das Konstrukt dahinter ist ein bisschen komplizierter. Es gibt heute nämlich sieben Regionalgesellschaften, die für unterschiedliche Landesteile zuständig sind. Sie kümmern sich um den Großhandel, also darum, dass es in den Läden überhaupt was zu verkaufen gibt. Die meisten dieser Märkte (ungefähr 6200) werden von selbstständigen Händlern betrieben, die immer noch genossenschaftlich zusammengeschlossen sind. Einige Läden steuern die Regionalgesellschaften auch selbst (ungefähr 1300), das sind so genannte „Regie-Märkte“. Aber nach und nach sollen die ebenfalls an selbstständige Händler weitergegeben werden.

Es gibt auch noch eine Zentrale in Hamburg, aber die vergessen wir mal. Da gehen die Leute sowieso nur ungern ans Telefon, zumindest wenn Journalisten ein paar kurze Fragen haben, die sich nicht mit den üblichen Floskeln beantworten lassen.

Und was hat das alles damit zu tun, dass die Märkte so unterschiedlich heißen?

Das liegt jetzt doch auf der Hand: Die vielen selbstständigen Betreiber geben ihren Märkten ihren Namen und setzen das blaue „E“-Logo davor.

Das klingt logisch – aber was bitte schön sind „E Neukauf“, „E Aktiv Markt“ und „E nah und gut“? Da werden sich ja wohl kaum Herr Neukauf, Frau Aktiv-Markt und Herr Nahundgut selbstständig gemacht haben.

Nein, nein. Diese Bezeichnungen gehören vielmehr zu einer groß angelegten Kundenverwirrungsstrategie, die für alle Nicht-Edekaner bis heute völlig unergründlich ist. (Edeka-Leute lassen sich unwidersprochen „Edekaner“ nennen, so wie: Marsianer.) Eigentlich sind die Bezeichnungen dazu da, die Größe der Märkte kenntlich zu machen und die Werbung für die unterschiedlich großen Sortimente besser regulieren zu können. Ist halt ein bisschen doof, wenn kein Mensch sich behalten kann, ob nun der „Neukauf“ oder der „Aktiv Markt“ mehr Produkte im Regal hat. (Richtig wäre: „Neukauf“ – bis zu 25.000 Artikel). Vor allem ist es aber herzlich egal.

„Nah und gut“ sind übrigens als „Nachbarschaftsmärkte“ angelegt, für den schnellen Einkauf nach der Arbeit, aber viel kleiner und ramschiger als der Rest. Zur Strafe dürfen sie auch kein „E“ vorm Namen tragen, achten Sie mal drauf! Die offizielle Begründung dafür ist, dass die kleinen Märkte nicht die Ansprüche erfüllen, mit denen Edeka bundesweit wirbt (Sortimente, Öffnungszeiten usw.).

Eine ziemlich beknackte Strategie, wenn man sie seinen Kunden erst so umständlich erklären muss, oder?

Oh ja. Und wir haben noch gar nicht über „E Center“, Marktkauf, Spar, Netto (ohne Hund) und den Rest geredet. Da ist jetzt gerade auch keine Zeit dafür.

Bild zu: Edeka verstehen – in nur 3 Minuten

Muss ich mir denn diese ganzen Namen merken?

Wenn Sie zwischen Hannover und Berlin, bei Minden oder in Osnabrück wohnen: nee. Die dort zuständige Regionalgesellschaft Minden-Hannover will die Namen „Neukauf“ und „Aktiv Markt“ nämlich bis zum Sommer verschwinden lassen. Die Läden heißen dann einfach überall wie ihre Betreiber, nur mit dem „E“ davor. „Edeka ist ja ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen mit eigenständigen Einzelhändlern, und das wollen wir künftig noch stärker in den Vordergrund stellen“, erklärt Edeka-Minden-Hannover-Sprecher Andreas Laubig. Außerdem habe die Marktforschung herausgefunden, dass die meisten Kunden sowieso sagen: Ich geh zu Edeka einkaufen (oder den Namen des lokalen Händlers).

Da wär man ja alleine nie drauf gekommen!

„Nah und gut“ gibt’s allerdings auch weiterhin, sogar ein paar mehr als momentan, weil kleinere Läden umbenannt werden. Und in Berlin heißen die Märkte weiter „Edeka Reichelt“, in und um Bremen weiter „Edeka Aktiv Discount“ (wobei die überhaupt nichts mit Discountern zu tun haben, das wäre sonst ja zu einfach). Laubig sagt: „Mit ein bisschen Wildwuchs können wir ganz gut umgehen. Edeka ist halt nicht so stromlinienförmig wie ein filialisiertes Unternehmen.“ Ein Punkt für Schlagfertigkeit.

Und was ist, wenn ich nicht in Hannover wohne?

Dann erstmal: Herzlichen Glückwunsch. Und bis zum nächsten Mal wird dieser Eintrag bitte auswendig gelernt.

Das hat jetzt aber viel länger gedauert als 3 Minuten.

Stimmt. Aber Sie haben ja trotzdem bis hierhin gelesen.

Fotos: Edeka

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27 Lesermeinungen

  1. spoonman sagt:

    Hachja, Neukauf... Das war in...
    Hachja, Neukauf… Das war in meiner späten Kindheit/frühen Jugend in den 80ern (niedersächsische Provinz) das erste Stadtrand-Einkaufsparadies. Mit riesigem Parkplatz, separatem Getränkemarkt und wohl auch schon einer Bäckereifiliale im Eingangsbereich. Kam mir damals ungeheuer modern und vor allem riesig vor. Ich glaube, es gab sogar Schallplatten!
    Den Laden gibt es heute noch, inzwischen hat er allerdings mindestens zweimal den Namen gewechselt. Zwischenzeitlich hieß er mal „Super 2000“ und heute E-Center.
    Die Edeka-Läden, die ich heute in NRW kenne, sind auch eher auf Feinkost getrimmt, machen einen hochpreisigen Eindruck – aber dafür sind sie auch unglaublich aufgeräumt. Da gehen anscheinend tatsächlich noch regelmäßig Mitarbeiter durch und richten im Kühlregal alle Etiketten nach Norden aus. Oder so ähnlich.

  2. PeRiBa sagt:

    Die Werbung ist mir egal....
    Die Werbung ist mir egal.
    Nicht egal ist mir allerdings die Individualität, die ich bei EDEKA immer noch habe. Die Geschäfte sind eben inhabergeführt und jedes hat seinen eigenen Charme und eigene Waren. Hier bei uns fährt man nicht einfach zu EDEKA, sondern zu Meyer, zu Knolle oder zum Dalinger.
    Kaisers-Tengelmann gibt es im Hamburger Raum gar nicht mehr. Es bleibt also nur EDEKA.
    Bei uns im Dorf wechselte der Besitzer und der Standort vor 2 Jahren.
    Ein kleiner Dialog:
    „Ich hätte gern die Salmibrocken von Rexim, Graf hatte die auch immer“ „Wir sind nicht Graf, wir sind Meyer.“ „Aber Sie sind hier nicht in Nenndorf, sie sind in Hittfeld!“
    Seitdem gibt es Rexim-Salmibrocken!
    Versuchen Sie das mal bei Rewe, Aldi oder Penny

  3. Cara sagt:

    @ Peer Schader

    In...
    @ Peer Schader
    In Berlin-Schlachtensee

  4. pschader sagt:

    @Cara: Sehr gut, danke!...
    @Cara: Sehr gut, danke!

  5. westernworld sagt:

    in kaum 1km entfernung...
    in kaum 1km entfernung voneinander kann man bei uns den unterschied zwischen inhabergeführtem e-aktiv-markt und neukauf regie-markt bewundern.
    der regie-markt gewinnt. größer, großzügiger, breiter sortiert und günstiger. einzig im getränkebereich werde ich den eindruck nicht los das der sortimentsverantwortliche entweder abstinenzler oder dauernd blau oder eine tabellenkalkulationsprogramm ist. anders läßt sich die komische auswahl nicht erklären.
    der inhaber geführte markt hat die beste auswahl weit und breit in sachen wein, bier und spirituosen, ein massives klimatisierungs und parkplatzproblem und einen marktleiter der direkt aus ritas welt gefallen zu sein scheint. eigenmarken kommen übrigens kaum vor im sortiment des inhabergeführten marktes … wahrscheinlich meint der gute mann das wirke edler.
    aber vor allem zuviel sortiment auf zu wenig fläche. der begriff stoßzeit wurde dort erfunden und zu solchen vermeide ich den laden tunlichst da die eu bestimmungen für tier und kundentransporte eindeutig mißachtet werden.
    der erfolg des ladens rührt auch daher das sich gleich nebenan eine dm-filiale befindet was für die meisten onestopshopping bedeutet. der edeka-inhaber paßte sein sortiment an und verkauft fast keine drogerieartikel mehr und hat dadurch die möglichkeit noch mehr hochpreisige lebensmittel anzubieten ohne kunden an supermärkte die dieses sortiment mitschleppen zu verlieren.

  6. Eusebius sagt:

    Was die Edeka -Produktreihe...
    Was die Edeka -Produktreihe „Gut & Günstig“ angeht: fast alle Verpackungen sind schöner gestaltet, als die äußerlich schlichten und nüchternen ja!-Produkte von Rewe oder tip von Real. Da habe ich immer das Gefühl, man wird bestraft für den billigen Preis. Bei Edeka dagegen Farbe und Gestaltungswille.
    Übrigens sind hier bei uns (östliches Ruhrgebiet) mehrere Luxus-Edekas eröffnet worden, deren Ausstattung teilweise verblüfft. Es gab sogar einen „Architektur-Preis für goldenen Edeka-Markt“, einfach mal googlen.

  7. Jürgen sagt:

    Ich finde es sehr gut, dass es...
    Ich finde es sehr gut, dass es noch selbständige Lebensmittelhändler gibt. Das sie sich zusammenschließen um günstigere Einkaufspreise zu erzielen, finde ich OK. Jeder ist etwas anders und individuell. Für mich ist auch das OK.

  8. spoonman sagt:

    In Düsseldorf gibt es seit...
    In Düsseldorf gibt es seit ein paar Jahren auch einen Nobel-Edeka (Zurheide), an einem früheren WalMart-Standort. Die Atmosphäre ist eine Mischung aus holländischen Supermärkten (die ich sehr mag) und Karstadt/Kaufhof-Lebensmittelabteilung.
    Ab und zu ist es mal ganz nett, da einzukaufen – wenn man sich „was gönnen“ will. Allerdings hab ich da wirklich das Gefühl, dass sich das Portemonnaie schon durch das flüchtige Ansehen der Waren leert.
    Klar, man kann da auch günstig wegkommen, wenn man nur die 08/15-Basics kauft. Aber wer tut das in so einem Laden schon?

  9. Angpe sagt:

    ...
    https://www.essenwieimrestaurant.de/aktuelle-angebote/ – eine kleine Kette von vier Nah und Gut – Läden, die von der Presse als „Delikatessen-Discounter“, bzw. „Feinschmecker-Aldi“ bezeichnet werden.
    Aus dem Konzept:
    „Eigentlich sind wir ein ganz normaler Supermarkt wie Reichelt oder Kaisers mit einem Unterschied – Sie bekommen bei uns Spezialitäten zu unglaublichen Preisen, die teilweise nicht einmal im KaDeWe oder im Lafayette erhältlich sind. […] Eiswasser aus Alaska, Brot aus Tasmanien …“

  10. Chajah sagt:

    Ich vermisse in Köln gute...
    Ich vermisse in Köln gute Edekas. Bei mir im Viertel gibt es einen (keine Ahnung, wie der sich nun schimpft), eng, vollgestopft, trotzdem keine brauchbare Auswahl, grabbelig. Und so sehen so ziemlich alle mir bekannten Edekas in Köln aus.
    Ein Edeka am – für mich anderen Ende der Stadt – hat immerhin ein punktuell interessantes und ausgefallenes Sortiment. Dafür „reise“ ich dann auch gerne mal quer durch Köln. Aber auch dieser Edeka ist signifikant zu vollgefrast.
    Ein schönes großes E-Center, inhabergeführt, mit breitem Sortiment, gepflegt und geräumig, wie ich es aus anderen Städten (z.B. Koblenz) kenne, habe ich leider in meiner Reichweite noch nicht gefunden. Dabei würde ich es sicherlich gerne frequentieren.
    Zur Werbung kann ich nichts sagen – ich habe da größere „Popkultur-Bildungslücken“ aufgrund mangelnden TV-Konsums.

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